Flughäfen im Sonderangebot

Es klingt zwar auf den ersten Blick wie eine Jubelmeldung, wenn die Mainzer Allgemeine Zeitung titelt „Scheichs interessieren sich für Flughafen Hahn – Dahinter soll kuwaitischer Staatsfonds stecken“. Doch offenbar kamen die „Scheichs“ wohl erst ins Spiel, nachdem die vorher hoch gehandelten chinesischen Investoren wohl doch nicht so interessiert waren. Warum ich das hier erwähne?

Es erscheint schon schwierig, einen Flughafen wie Hahn zu verkaufen, der noch eine gewisse Substanz hat und einen nennenswerten, wenngleich verlustbringenden Flugbetrieb aufzuweisen hat. (Nebenbei: nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am nächsten Sonntag wird sich sehr schnell herausstellen, daß es eher um eine Verschenkungsaktion geht, egal, welcher Investor den Zuschlag bekommt.) Wenn das im Fall Hahn schon so holprig läuft, was soll man dann erst von den Versuchen halten, die hiesige Landewiese, die augenscheinlich in den letzten Atemzügen liegt, wem-auch-immer anzudienen?

Aktuelle Lage am Hahn:

Unerwartet hat die Beratungsgesellschaft KPMG, die für das Land Rheinland-Pfalz den Hahn-Verkauf organisiert, für die Araber noch einmal den virtuellen Datenraum geöffnet, in dem man Unternehmensdaten einsehen kann. Das ist insofern interessant, weil bislang von interessierter Seite der Eindruck erweckt worden war, die chinesische Investoren seien ernsthaft am Kauf des Flughafens interessiert. Insider sehen die erneute Öffnung der Hahn-Daten jedoch eher als Indiz, dass die Chinesen den defizitären Airport nicht kaufen wollen.

Allgemeine Zeitung, 10. März 2016

Man beachte die Formulierung „von interessierter Seite“. Wer das sein könnte, steht nicht in dem Beitrag. Eines weiß man aber, nämlich, daß die KPMG sich schon mal auf eine Million Euro Beraterhonorar freuen kann.

Was wäre, wenn…?

Zurück in die Hanselstadt™. Auf den Webseiten der Maklerfirma impro steht die Immobilie Blankenseer Str. 100 immer noch zum Verkauf (Memento). Da staunt der Fachmann, und der Laie wundert sich, denn die Einnahmen aus dem Verkauf wollte man doch im März an der Landewiese verbrennen.

Vom Insolvenzverwalter Prof. Pannen gab es zuletzt unklare Aussagen zu dem Thema – aber natürlich ist er außer den Gläubigern und dem Insolvenzgericht niemandem Rechenschaft schuldig. Ob das Haus nun verkauft wurde oder nicht, der Flughafenbetrieb geht derzeit weiter, obwohl die abendliche Lichtabschaltrunde vom zuständigen Sparkommissar offenbar noch einmal erweitert wurde.

Das bringt mich zu einer Theorie. Nein, falsch. Zu einem Gedankenspiel unter dem Motto „könnte das sein?“ Und das geht so: wenn es nun gar nicht am Investor hängt? Vielleicht gibt es ja wirklich einen?

Nur wird der kaum in die alten Verträge einsteigen wollen wie in einen ausgelatschten Turnschuh, der schon mehrere Vorbesitzer hatte. Das hat sich bereits wiederholt angedeutet; da war die Rede von einem Verzicht der Stadt auf Pachteinnahmen für städtische Grundstücke. Von einem neuen Konzept. Das wird ohne Zustimmung (und Entgegenkommen) der Stadt kaum funktionieren.

Das Entgegenkommen muß gar nicht unbedingt finanzieller Natur sein; 5,5 Mio. Euro hat der Investor ja schon mal sicher als Zusage, plus Grundstücke rund um den Flughafen zum Nulltarif – vorbehaltlich der Zustimmung der Bürgerschaft.

Aber war da z.B. nicht von Frachtflug die Rede? Okay, das ist nach Ansicht aller Fachkundigen Blödsinn, aber waren die vorherigen Investoren Amar und Chen etwa vom Fach? Eben. Und der nächste?

Von der städtischen Verwaltung gar nicht erst zu reden. „Flughafen-Ausbau gehört nicht zur Kernkompetenz einer Kommunalverwaltung,“ stellte der damalige Lübecker Flughafen-Koordinator Johannes Scharnberg fest (Lübecker Nachrichten, 9. März 2006). Da hatte er recht.

Nun kommt vielleicht der Investor und will zum Beispiel, daß die geltende Nachtflugregelung – so bescheiden sie auch sein mag – aufgehoben wird, denn Frachtflüge finden größtenteils nachts statt.

Die Rede war auch von Gewerbeansiedlung. Wo? Hat die Stadt Flächen, oder ihr Beteiligungs-U-Boot KWL? Werden die unter Wert verkauft oder verschenkt? Müßte der uralte Ausbauplan, der noch als Maßanzug für Ryanair geschneidert wurde, dann nicht geändert werden? Was kostet das, und wer bezahlt das?

Das waren nur Beispiele. Langer Rede kurzer Sinn: könnte es sein, daß ein Investor vor der Tür steht und für ein paar Monate den Betrieb weiter bezahlt, während die städtische Verwaltung, allen voran die verdiente und geschätzte Flughafenkoordinatorin, an einem Mogelpaket arbeitet, das man der Bürgerschaft in einer Blitzaktion unterjubelt, und das sie verabschiedet, bevor es die Abgeordneten verstanden haben – wenn sie es denn überhaupt gelesen haben? So war es bisher immer.

Natürlich gibt es für den jetzigen komatösen Zustand der Landewiese eine andere, vielleicht aufgrund ihrer Einfachheit vorzuziehende Erklärung: der Insolvenzverwalter, der letztlich selbständiger Unternehmer ist und seine Auftritte in den Medien legitimerweise für Eigenwerbung nutzt, hat den Mund zu voll genommen. Könnte auch sein. Früher oder später werden wir es wissen. Vorsorglich wünsche ich schon mal frohe Ostern.

Beitragsbild: Wolfgang Diehl