Macht Schluß mit Flughafen-Pannen!

Die Katze ist aus dem Sack: 200.000 Euro möchte der Insolvenzverwalter Prof. Pannen der Lübecker Landewiese laut NDR von der Hanselstadt™ haben, um an selbiger noch ein wenig weiterwursteln zu dürfen, vermutlich so ungefähr einen Monat. Es gäbe da ja noch zwei Interessenten. Beide scheinen aber nicht willens und/oder in der Lage zu sein, diesen relativ bescheidenen (gemessen an den vermutlich erforderlichen weiteren Investitionen) Betrag selbst aufzubringen.

Was sagt uns das über ihr „Interesse“ oder ihre Finanzkraft? Oder über Prof. Pannens Urteilsvermögen? Nichts Gutes, fürchte ich. Letzteres hat schon bei der vorgehenden Insolvenz und der Veräußerung der Reste der Landewiese an einen chinesischen Möchtegern-Investor gründlich versagt.

Natürlich kenne ich keine Details, nur diese Aussagen der Lübecker Nachrichten:

Nach LN-Informationen will einer der Interessenten in Blankensee einen Abwrack-Airport betreiben. Er würde direkt angrenzende Gewerbeflächen erwerben wollen, um dort alte Maschinen außer Dienst zu stellen. Und er braucht einen direkten Zugang zu einem Flughafen. In Lübeck könnte der Interessent gleich den gesamten Airport kaufen – und es gibt den benachbarten Airport Business Park. Die Finanzierung soll aber noch nicht stehen. …

Interessent Nummer zwei ist ein Unternehmer aus der Region. Er soll über das nötige Geld verfügen, um einen Airport betreiben zu können. Doch er [sic] gibt wohl noch kein konkretes Konzept für den Betrieb.

Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, Lokalteil HL, 18. März 2016, S. 11

Der eine hat kein Geld, der andere kein Konzept. Tolle Wurst. Und jetzt soll die Stadt 200.000 Euro ausgeben, um den Interessenten Zeit zu verschaffen, wofür auch immer?

Wenn Kandidat A eine so tolle Idee hat, wird doch vielleicht eine Bank eine Brückenfinanzierung zur Verfügung stellen – aber dazu müßte man erst mal die Bank überzeugen und nicht nur den evtl. etwas zu eifrigen und voreingenommenen Insolvenzverwalter.

Über Kandidat B muß man sich wohl noch weniger den Kopf zerbrechen. Geld ohne Konzept hatten wir hier schon öfter (nur daß sich das mit dem Geld hinterher auch als unzutreffend herausstellte).

Was ist das überhaupt für ein hanebüchener Quatsch: Geld, aber kein Konzept? So einer zählt ernsthaft als Interessent? Und die Stadt soll ihm sein Konzept (bzw. die Zeit für die Ausarbeitung) finanzieren? Lächerlich. Kinder, ihr hattet jetzt sechs Monate Zeit! Genug damit, Ende Gelände! Schicht im Schacht! Schickt Prof. Pannen und seine Phantasien endlich dahin, wo sie hingehören: in die Wüste. Weit, weit weg von hier. Da kann man dann auch einen Abwrackflughafen einrichten.

Schlafmützen träumen weiter

Irgendwo in Lübeck muß es eine gigantische Rosa-Brillen-Fabrik mit angeschlossener Schlafmaskenabteilung geben. Wie anders wären diese kurzsichtigen bis blinden Reaktionen auf den Abflug von Wizz Air zu erklären?

„Ich sehe noch keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen“, so Kiels Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD). Er betont aber, dass das Land den Airport nicht fördern wird. „Als geborener Optimist habe ich noch immer ein Fünkchen Hoffnung, dass der Flughafen eine Zukunft hat“, so Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). „Die Entscheidung von Wizz Air bedeutet noch lange nicht das Ende des Flugplatzes“, sagt CDU-Landtagsabgeordneter Hans-Jörn Arp. Er geht davon aus, dass Pannen einen soliden Eigentümer findet. … IHK-Sprecher Can Özren sieht noch eine Chance: „Mit einem tragfähigen Konzept wird ein Investor bald nach der Übernahme neue Angebote schaffen.“ Lübecks CDU-Fraktionschef Andreas Zander meint: „Das Ende der Tourismusflüge kann ich nicht sehen.“ BfL-Vormann Marcel Niewöhner: „Es gibt unterschriftsreife Verträge.“ Fluggesellschaften stünden in den Startlöchern.

LN Online, 17. März 2016

Dazu könnte man viel sagen, insbesondere zu Herrn Niewöhner und seinen ranzigen, seit über einem Jahrzehnt von Flughafen-Fanboys wiedergekäuten Kamellen (ja, die nächste Fluglinie stand immer gerade vor der Tür, klar doch, und dann kamen die pöhsen Flughafengegner mit ihren Strahlenkanonen, gegen die nicht einmal ein Aluhut Schutz bietet).

Stattdessen zitiere ich mal die passende Zusammenfassung aus dem Forum von airliners.de auf dieses Konglomerat aus Zitaten:

Die geballte Luftfahrt-Kompetenz.

So elegant kann man es auch ausdrücken. Dieses Ausmaß an dauerhafter Realitätsverweigerung und Lernresistenz auf einem Haufen, in einer Stadt, ist nur noch erschreckend.

Rumort es? Hoffentlich

Gibt es Hoffnung? Man ist ja bescheiden geworden in der Hinsicht. „In der Lübecker Bürgerschaft rumort es“, berichtete der NDR, denn nicht überall stößt das angeforderte Sonderopfer Landewiese, spöttisch auch Pannen-Hilfe genannt, auf Zustimmung. SPD-Bürgerschaftsfraktionsvorsitzender Jan Lindenau:

Für uns ist nur noch das einzige Interesse, ob wir Fördermittel des Landes und der EU zurückzahlen müssen, da reden wir über eine Summe von kurz über drei Millionen Euro, und das ist das oberste Ziel zu verhindern. Das wird aber nicht verhinderbar sein, in dem man zusätzliches Geld hinterherschmeißt.

NDR Schleswig-Holstein Magazin, 18. März 2016

Wahre Worte, gelassen ausgesprochen – insbesondere der letzte Satz. Ich trau‘ mich gar nicht, das zu sagen, aber Herr Lindenau hat recht. (Dramatische Musik einfügen.)

Zumal man, was er jedoch nicht erwähnt, bei einer Abwicklung bzw. Rückstufung des Flughafens die bisher noch jedem Investor zugesagten 5 Mio. Euro spart, die bereits im aktuellen Haushaltsplan vorgemerkt sind. Nochmal: das allein macht unterm Strich 2 Mio. Plus. PLUS.

Thorsten Fürter, Fraktionschef der Grünen:

Wir Grüne verlangen eine “Schlussrechnung”. Bürgermeister Saxe muss aufschlüsseln, wieviele Millionen er in Blankensee versenkt hat. Die Frage nach der politischen Verantwortung ist unumgänglich. Wenigstens sparen wir jetzt fünf Millionen für den Ausbau, die noch immer im Haushalt stehen und die Sanierung von Schulen und Brücken blockieren.

HL-Live, 18. März 2016

Und die 3 Mio. Fördergelder wären dem Land Schleswig-Holstein zurückzuzahlen, gingen „dem Steuerzahler“ also keineswegs verloren – anders als alle Knete, die man bisher in die Landewiese gepumpt hat oder (hoffentlich nicht) noch pumpen will. Die ist bzw. wäre in der Tat futsch. Wie alles, ausnahmslos alles, was man bislang in die Landewiese investiert hat.

Kommentare

Zum Schluß ein Blick in Kommentare anderer Medien.

[A]uch den Beschäftigten und den Fans des Airports müsste der Abgang der letzten noch verbliebenen Fluglinie Wizzair gezeigt haben: Es wird Zeit, dem Flughafen Farewell zu sagen. Endgültig. Schluss mit Pannen-Hilfe, Schluss mit Investoren-Suche, Schluss mit Rettungsmaßnahmen. 99 Jahre nach Entstehung hat der Flughafen Lübeck keine Zukunft mehr.

Mechthild Mäsker, NDR, 18. März 2016

Die Kritiker von Regionalflughäfen scheinen Recht zu bekommen. Das Geschäftsmodell hat sich als nicht tragfähig erwiesen. Billigfluggesellschaften haben das Feld abgegrast und gehen jetzt lieber an die großen Airports. Die Kommunen haben kräftig draufgezahlt. Blütenträume statt Jobmaschine. Einziger Trost: Es gibt nun keinen Grund mehr, die Segelflieger zu vergraulen.

Kai Dordowsky, Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, 18. März 2016, S. 2

Hilfe! Auch hier kann ich nicht widersprechen.

Beitragsbild: Screenshot NDR

11 Antworten auf „Macht Schluß mit Flughafen-Pannen!“

  1. Schleswig-Holstein und Flughäfen, dass scheint wie Schleswig-Holstein und Profifussball. Passt traditionell nicht zusammen. Ich wohne 26 km entfernt und habe LBC einmal Anfang der 2000er nach Dublin via Stansted (vier Ryanair-Flüge zu einem Cent und gesamt 79 Euro Gebühren). Und vor zwei Jahren einen Einzelflug Gdansk-LBC zu 19,90 Euro. (Vielen Dank übrigens an die Steuerzahler/innen für die Subventionierung). Auch die letzten Atemzüge von Kiel habe ich damals mitbekommen. Kiel-Tegel-Kiel für 99 Euro gebucht (8 Monate vorher für einen Messetermin). Durch Streckeneinstellung ging es dann Kiel-MUC-TXL-FRA-Kiel. Beim Rückflug Anschluss verpasst, gratis Hotel und Abendessen von LH. Am nächsten Tag wurde der Koffer nicht verladen, er kam per Taxi aus Kiel auf LH-Kosten nach. Na ja, man war halt jung. Was mich in dem Zusammenhang aber absolut wurmt, ist die desolate Verkehrspolitik in diesem Bundesland. Ich bin 4 Jahre lang zwischen Bayern und SH und später Zürich und SH gependelt. Genau in dieser Zeit wurde über Nacht der Traveliner (Airportshutte der Autokraft nach HAM) eingestellt. Rot-grüne Verkehrspolitik in einem Flächenland. Option A war dann ein Dauerstellplatz am HAM für 460 Euro pro Monat oder Option A 2 Zug und S-Bahn, Gepäck und dauerdefekte Rolltreppen. Es war im Endeffekt alternativlos – auch die zwei übergepäckbedingten Hexenschüsse. Zur selben Zeit wurde in Lübeck über Direktverbindungen nach Kopenhagen, Amsterdam, JottWeDe und später China geträumt. Mit Dau Air, Lübzair oder Süsssau Air. Es ist einfach nur peinlich. Gut, dass wir das BER-Disaster haben, sonst wäre Lübeck viel prominenter in den bundesweiten Schlagzeilen gewesen. R.I.P. LBC – und komme nie wieder aus deiner Gruft hervor.

    1. Schläfrig-Holzbein ist und bleibt eben ein Bauern- und Arbeiterstaat im Geiste, im Handeln und im Verstehen, das passt schon mit den aktuellen politischen Strömen und verdeckten „Politgenossenschaften“.

    1. …und noch eine, und noch eine, und einer allerletzte, und eine allerallerletzte. Am besten genehmigen wir die Chancen gleich auf Vorrat im günstigen Zehnerpack, das spart! 😉

    2. …und noch eine, und noch eine, und eine allerletzte, und eine allerallerletzte. Am besten genehmigen wir die Chancen gleich auf Vorrat im günstigen Zehnerpack, das spart! 😉

      1. Er hat doch nie eine richtige endgültige letzte Chance gehabt. 😉

        Verdammt, dass man einen Sarkasmusanfall nicht richtig kennzeichnen kann.

        Ernsthaft… ich würde gerne mal eine Stellungnahme der Fanboys (z.B. Zander&Co.) hören, die den Bürgerentscheid ins Leben gerufen haben und die uns Kritiker teilweise auf das Übelste beschimpft haben. Auch der Lokalpresse stünde etwas Selbstkritik sicher gut zu Gesicht.

        1. Ach soo! Eine richtige (!) endgültige (!) letzte (!) Chance… gibt es in dieser Show auch einen Telefonjoker? Eine gute Fee? Einen Flaschengeist, der Wünsche erfüllt? :mrgreen:

        2. Naja, die sind schon recht kleinlaut, der Kommentar von Dordowsky in den LN ist ganz OK. So ähnlich schrieb auch schon von Zastrow bei der Amar-Pleite. Und SPD-Lindenau klingt dieser Tage auch wieder vernünftig. Doch wer da glaubt, diese Einsicht wäre von Dauer, der irrt. Sobald sich wieder eine Chance für den Weiterbetrieb auftut, ist die Vernunft verpufft.

          1. Komisch, gerade arbeite ich an einem Artikel, der so ähnlich klingt. Wie lautet ein altes amerikanisches Sprichwort? It ain’t over till the fat lady sings.

  2. Die Überschrift müsste heissen:

    Macht endlich Schluss mit dem Pannen-Flughafen !

    Ähnlichkeiten mit beteiligten Personen sind rein zufällig.

    😉

    Die Geschichte mit einer Abwrackung erfordert m. E. eine entsprechende Anzahl von Flugzeugingenieuren, damit der Ausbau fachgerecht erfolgt und die Teile nach Instandsetzung neu zertifiziert eine Zulassung bekommen können. Diese Anzahl von Ingenieuren gibt es in Lübeck bestimmt nicht. Fehlerhafte Demontage / Montage führte schon zum Absturz. Es gab mal einen Fall, dass Triebwerke zusammen mit Pylonen demontiert bzw. montiert wurden. Ein dadurch beschädigter Haltebolzen wurde nicht erkannt. Im Start riss das Triebwerk ab und es kam zum Absturz.

    1. Könnte man da nicht auf chinesische Ingenieure zurückgreifen?
      Die könnten dann bei Leerlauf nebenbei das Fliegen lernen.

      Oder bringe ich da etwas durcheinander? 😉

Kommentare sind geschlossen.