Voll der Hammer

Ich hatte mir so fest vorgenommen, mich nicht mehr über Artikel in der hiesigen Monopolpresse aufzuregen – rein präventiv, denn wer braucht schon einen erhöhten Blutdruck. Aber nein. Man ist in negativer Hinsicht schon einiges von den Lübecker Nachrichten gewohnt, aber der jüngste Artikel in Sachen Landwiese stellt einen neuen Tiefpunkt des Verlautbarungsjournalismus dar.

Es geht ja noch ganz nett los unter dem Titel „Landespolitik stellt klar: Kein neues Geld für Lübecks Airport.“ Wieso heißt es in der Monopolpresse eigentlich immer penetrant „Airport“? Warum nicht „Wirrpott“ oder „Lug- und Trughafen“? Egal.

Nachdem auch noch die Linie Wizz Air abgesprungen ist, herrscht im Landeshaus und Kieler Regierungsviertel zwar Bedauern über die Lage in Blankensee. Landesgeld, da sind sich alle Politiker einig, werde aber nicht fließen.

Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, 20./21. März 2016, S. 1

Diese gute Nachricht hätte doch im Prinzip schon gereicht. Aber nein, auf Seite 1 dürfen unwidersprochen Fanboys alle Couleur ihre oftmals kruden Ansichten dartun, die mit der Realität so viel zu tun haben wie eine Glühbirne mit einem Apfel. Ein reiner Propaganda-Artikel, so ausgewogen wie eine umgekippte Schubkarre; aus der Feder eines Autors, der als reiner Mikrofonhalter fungiert, der aber nur ihm genehme Stimmen zu Wort kommen läßt.

Und jetzt im Chor…

Was hatten wir schon lange nicht mehr? Sie wissen schon. Alle zusammen jetzt: Landewiese Blankensee als dritte Start- und Landebahn für Fuhlsbüttel. Gäähn. (Bitte noch nicht einschlafen!)

Da wäre zunächst ein FDP-Politiker namens Christopher Vogt.

Die Regierung müsse endlich ein Luftverkehrskonzept für Norddeutschland anstoßen. Wenn der Flughafen Lübeck darin als dritte Start- und Landebahn für Hamburg-Fuhlsbüttel festgelegt und vom dortigen Airport übernommen werden würde, hätte er eine sichere Zukunft.

Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, 20. März 2016, S. 1

Was für ein elender Unsinn. Dieses Konzept gibt es bereits seit August 2012, nur gefällt es den Fanboys nicht. Es stellt nämlich fest, daß die großen norddeutschen Flughäfen einschließlich Fuhlsbüttel nicht vor 2030 an Kapazitätsgrenzen stoßen werden.

Insbesondere die Flughäfen Bremen, Hannover und Hamburg besitzen zumindest bis zum Jahr 2030 eine ausreichende Kapazität, die durch eine optimierte Flughafeninfrastruktur sowie Prozessabläufe weiter erhöht werden kann. Zusätzlich könnten die Standorte Lübeck und Rostock langfristig als Kapazitätsreserve in Betracht kommen, wenn sich für solche Optionen ein entsprechender Markt bietet.

Man beachte den Konjunktiv („könnten“) und die Einschränkung „wenn sich für solche Optionen ein entsprechender Markt bietet“. Kann man das jetzt für 2030 vorhersagen? Soll man auf bloßen Verdacht eine defizitäre Landewiese wie Lübeck bis 2030 auf Kosten der Länder weiterbetreiben? Oder auf wessen Kosten sonst?

Zu beachten ist auch das offensichtliche Märchen von der angeblich benötigten „dritten Start- und Landebahn“, denn genau daran liegt es nicht, sollte es in Hamburg wirklich zu Engpässen kommen. Engpässe würden, wenn überhaupt, auf der Landseite auftreten. Und das auch nur zu Spitzenzeiten.

Aber auch SPD-Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele kapiert das nicht.

Es werde am Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel ganz sicher „irgendwann zu Kapazitätsengpässen kommen“. Und es sei angesichts des deutschen Planungsrechts utopisch anzunehmen, man könne dann einfach irgendwo neue Start- und Landebahnen bauen.

Sind die alle so gaga oder tun die nur so? Das vorläufige Sahnehäubchen setzt diesmal CDU-Verkehrspolitiker Hans-Jörn Arp.

„Ich verstehe die Haltung Hamburgs nicht, sich nicht über den Airport am Flughafen Lübeck beteiligen zu wollen.“

Das verstehe ich sehr gut. Das dortige Flughafenmanagement ist nämlich nicht doof, anders als… aber lassen wir das. Zu Beginn der Rynair-Blase in Blankensee war Fuhlsbüttel durchaus an Lübeck interessiert, und zwar als ausgelagertes Terminal für Billigflieger. Man hat sich relativ schnell dagegen entschieden und furios recht behalten. Ryanair und Wizz Air sind inzwischen nach Hamburg gewechselt. Dem dortigen Management darf man schon einiges an (auch mittelfristiger) Kompetenz und langem Atem zutrauen.

Behämmert?

Nicht umsonst sprach ich gerade vom vorläufigen Sahnehäubchen, denn die Krönung des ganzen liefert der Autor des erwähnten Artikels, Wolfram Hammer, in einem Kommentar, nach dessen Lektüre man sich fragt, was der Urheber bei der Niederschrift eigentlich geraucht hat.

Sollen doch die Kopenhagener demnächst mit ihrem Großflughafen Geld verdienen, an der Region Lübeck lässt man die Zukunftschancen lieber vorüberrauschen.

Eben waren wir noch bei Hamburg, jetzt ist es auf einmal Kopenhagen. Also, Hamburg läuft über, aber Kopenhagen verdient Geld? Wirres Zeug. Groovy!

Zu Recht fordern die Liberalen angesichts dieser Entwicklung erneut ein norddeutsches Luftfahrtkonzept ein.

Gibt‘s schon, siehe oben. Wovon redet Herr Hammer? Gefällt ihm das aktuelle Konzept nicht?

Natürlich wäre ein Flughafen Lübeck als Teil des Airports Fuhlsbüttel ein wichtiger Baustein für die Entwicklung der ganzen Region. In Hamburg will man das noch nicht sehen – oder noch nicht zugeben.

Das ist nicht Sache Hamburgs, sondern die des Flughafenbetreibers dort. Der hat sicherlich mehr wirtschaftlichen Sachverstand als der Autor des Kommentars, der sich sich stattdessen wohlig in den Pfützen seiner Feindbilder suhlen kann:

[…] die Grünen in der Koalition sind eh froh über jede Hiobsbotschaft aus Lübeck. Statt auf moderne Verkehrsmittel setzt man bei ihnen weiter auf Gartenzwergidylle. […] Zu Recht fordern die Liberalen […] müsste eine von grünen Bremsern befreite Kieler Regierung endlich Druck machen.

Bla bla, neoliberaler Polit-Klimbim vom Feinsten. Das sei einem Kommentator zugestanden, Herr Hammer mag jeden Unsinn zu Papier bringen, an den er glaubt. Aber zurück zum Artikel auf Seite 1.

Die zweite Hälfte beschäftigt sich ausschließlich mit schleswig-holsteinischen Landespolitikern, die sich über „Hamburg“ beschweren. Da will ich nicht weiter darauf eingehen, denn sämtliche Forderungen müßte man – wie gesagt – an die Flughafen Hamburg GmbH richten, und die lacht sich über die blöden Schläfrig-Holzbeiner vermutlich krank.

Aber jetzt die unvermeidliche Portion Medienschelte. Hat Herr Hammer für seinen Artikel überhaupt recherchiert und nicht nur Politiker-Blabla zitiert? Es sieht nicht so aus. Erstmal hätte er hier die Fakten nachlesen können, aber ich verstehe schon, daß es unter der Würde eines LN-Autors ist, Blogs des Pöbels wie diesen hier zu lesen. Gibt es vielleicht weitere Stimmen, die die ganze Sache anders beurteilen?

Man hätte Fachjournalisten fragen können, zum Beispiel Andreas Spaeth, der meinte, daß auf jeden Fall „noch lange nicht an seine Kapazitätsgrenzen“ stößt:

Für die Passagierabfertigung gebe es die Möglichkeit, weitere Terminals auf dem Vorfeld unterzubringen, die mit unterirdischen Laufbändern mit dem Hauptterminal verbunden sind. Und die Zahl der Flugbewegungen lasse sich ebenfalls noch erhöhen. Zudem können durch Auslastung und Größe der eingesetzten Flugzeuge Kapazitätsreserven gehoben werden.

Oder, was für eine verrückte Idee, Herr Hammer hätte ja mal beim Flughafen Hamburg nachfragen können! Da hätte er vermutlich die Standardantwort bekommen, daß

wir es nicht zu unseren Aufgaben zählen, uns zu den Herausforderungen anderer Flughäfen zu äußern.

Gab‘s hier schon vor ziemlich genau sechs Jahren.

Obwohl man in der Hinsicht abgehärtet ist, ist es schon erstaunlich, ein derartiges Wirtschafts-Propaganda-Doppelstück auf Seite 1 und 2 der LN serviert zu bekommen.

Beitragsbild: Terminal 2 im Hamburger Flughafen [By Medvedev (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons]

10 Antworten auf „Voll der Hammer“

  1. Ich denke mal der Hr. Pannen wird am Donnerstag seine 200.000€ bekommen auch wenn einige Stimmen im Moment dagegen sind . Aber bis dahin kann man sich ja den ganzen Wahnsinn nochmal durch den Kopf gehen lassen. Und wer will am ende sagen , ich wars nicht. Der Hr. Pannen wird denen schon das richtige Horrorzenario in den grausamsten Farben darstellen . Und das wollen sich die (…) bestimmt ausmalen . Entschuldigt diesen ausdruck. Besser währe Junkies . Und irgendwelche Drogen müssen sie ja nehmen . Den mit normalen Menschenverstand ist das ganze nicht zu erklären. Was hat er damals gesagt ! Er prüfe nicht ob ein Investor Liquide ist . Hauptsache er nimmt die Landewiese. Und nun muss er betteln gehen . Wie armselig ist das. Warum pumpt er nicht den vielleicht zukünftigen Investor an ? Im Haushalt 2015-16 steht die Hanselstadt mit 14 Mill. In der Kreide . Ohne etwas über den Flughafen gefunden zuhaben. Da hat man bewusst die Kosten rausgehalten . Da sie im Haushalt nicht auftauchen . Nun warten wir gespannt auf den Donnerstag . Wie kleine Kinder auf den Osterhasen .

      1. Tja Hr. Klarinowski ! bei diesen Objekt kann man nur wirklich Spekulieren was damit geschehen soll. Die Hanslstadt währe ja blöd wenn sie nicht von ihren Vorkaufsrecht gebrauch machen würde.

  2. Titelzeile von heute:
    Ln-online:
    Saxe kritisiert Landespolitiker
    Kiel habe für Förderung des Flughafens nicht genug getan.

    airliners.de :
    http://www.airliners.de/wizz-air-rueckzug-entlassungen-airport-luebeck-folge/38166

    Die beiden Kaufinteressenten, mit denen Pannen noch verhandelt, haben nach seinen Angaben auf den Rückzug gelassen reagiert. Für deren Geschäftskonzepte sei ein Linienflugbetrieb nicht erforderlich, sagte er. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

    Zitat Ende.

  3. Hatte ich nicht vorgestern im Sarkasmuswahn davon geschrieben, dass unsere Lokalpresse doch mal selbstkritisch sein könnte?

    Ich glaube dort arbeiten überhaupt keine Journalisten… anders kann ich es mir nicht erklären, dass die die unsinnige Propaganda immer und immer wieder verbreiten! Das ist auch ein Grund für mich, warum ich kein Abo mehr besitze, sondern die abgelegten Exemplare auf der Arbeit kurz überfliege.

    Eine wichtige Aussage fehlte: „Der Flughafen hat eine letzte Chance verdient!“ 😉

  4. Aktualität hat die Eigenschaft sich nicht um die Vergangenheit zu kümmern.
    Prognosen haben leider immer wieder Probleme mit der Zukunft.
    Überholtes wird auch durch mehrmaliges Wiederholen nicht wieder richtig.

    Nehmen wir einmal, Zitat: „Dieses Konzept gibt es bereits seit August 2012, nur gefällt es den Fanboys nicht. Es stellt nämlich fest, daß die großen norddeutschen Flughäfen einschließlich Fuhlsbüttel nicht vor 2030 an Kapazitätsgrenzen stoßen werden.“

    Stellen wir uns doch mal frei nach der Feuerzangenbowle auf – „Da stelle mer uns wieder janz dumm.“. Woran erkennt denn der Laie, ob ein Flughafen seine Kapazitäten erschöpft?

    Im Detail mal erstmal gar nicht, denn dafür gibt es Fachgremien, die das überwachen. Da ist erst einmal das Bundesverkehrsministerium, dann gibt es die Flughafenkoordinierung (FHKV) und einen Koordinierungsausschuss. Diese Gremien haben auf der Grundlage internationaler Vereinbarungen und lokaler Gesetze ein Auge auf die Flughafenbetriebe und sich in der Vergangenheit tatsächlich mit sensiblen Augenmaß und Sachkenntnis bewegt, immerhin geht es auch um viel Geld. Die Relevanz von Kapazitätsgrenzen kann man dabei der Einstufung des Flughafen entnehmen, zum Beispiel am Level Kriterium, Zitat „Coordinated Airports – Level 3. At coordinated airports (Level 3) the capacity of the airport does not meet the air carrier’s demand. It is mandatory for all air carriers and aircraft operators to have a slot allocated by the coordinator in order to arrive or depart at the airport.“ (Quelle: http://www.fhkd.org/ Airports Level 3).

    Nun listet die EUACA (European Airport Coordinators Association) den Flughafen Fuhlsbüttel neuerdings als Level 3 und nicht nur für Linienflug, sondern gleich auch für alle Klein- und Geschäftsflieger (Quelle: http://www.euaca.org/ – LIST OF AIRPORTS – LEVEL/PERIOD OF COORDINATION – EDDH). Bei näherem Hinschauen entdeckt man dann die Nachrichten für Luftfahrer NfL 1-696-2016 vom 11. März 2016, „Bekanntmachung über die Erklärung des Flughafens Hamburg zum koordinierten Flughafen“, gültig ab sofort (Quelle: http://www.fhkd-speicher.org/app/download/5809187617/HAM-Level3.pdf).

    Ich weiss nicht wie es anderen geht, aber für mich ist damit der Einwurf „die Kapazitäten reichen sowieso mindestens bis 2030“ gegen die Dritte-Landebahn-Hamburg-Jünger hinfällig, ein Boomerang und nicht stichhaltig. Die Verlagerung der drei Linienverbindungen der WizzAir kann ja schlecht sofort die gesamte geplante Restkapazität bis 2030 verbraucht haben.

    1. Sehr interessant, aber verwirrend. Korrigieren Sie mich, wenn ich Unsinn erzähle.

      Die technische luftseitige (!) Maximal-Kapazität eines Flughafens, z.B. Hamburg, ergibt sich aus der Konfiguration der Start- und Landebahn(en).

      Die tatsächlich zulässige Kapazität an Starts und Landungen wird in der Betriebsgenehmigung festgelegt und liegt unter der theoretischen Maximalkapazität. (Hamburg: 210.000 pro Jahr genehmigt; tatsächliche Flugbewegungen 2015: 158.390).

      Das Slot-System, dem offenbar auch Hamburg jetzt unterliegt, regelt

      die Verteilung der Slots auf die einen Flughafen anfliegenden Gesellschaften,
      und darüber hinaus die Verteilung der Slots unter den koordinierten Flughäfen. Lübeck gehört nicht dazu.

      airliners.de über Slots

      Was hat das jetzt also mit Lübeck zu tun? Ist die Kapazität von Fuhlsbüttel im Gegensatz zur Betriebsgenehmigung irgendwie eingeschränkt worden? Ein technisches Problem wäre das dann nicht, sondern ein regulatorisches.

      Im übrigen bitte ich um Verständnis darum, daß ich das alte Gesülze unter dem Motto „Fuhlsbüttel braucht Lübeck“, das nachweislich bis ins Jahr 1955 (Lübecker Nachrichten, 23. August 1955) zurückgeht, nicht nochmal komplett aufgearbeitet habe.

      Beispiel: wie lange dauert es, sollte Fuhlsbüttel mal überlaufen, bis dann auch die winzige hiesige Landewiese, die garantiert noch weniger erweiterungsfähig als Fuhlsbüttel ist, überläuft? Ich habe das mal durchgerechnet. Die Jahreszahlen passen Sie bitte selbst an.

      1. Ja, es ist auf den ersten Blick verwirrend, beim zweiten aber durchaus plausibel, wenn man die sich ergebenden Implikationen geistig zulässt.

        Mit der Erklärung zum coordinated Airport Level 3 GA/BA nimmt Fuhlsbüttel an der übergreifenden Verteilung der Slots teil. Diese Bürokratie und die sich ergebende Unflexibilität tut man sich nicht ohne Not an. Offenbar sind der Koordinationsausschuss, die FHKV und das Ministerium nach Prüfung der Gegebenheiten zu dem Schluss gekommen, dass Fuhlsbüttel unter dem Gesichtspunkt Kapazitätsgrenze die Kriterien für Level 3 erfüllt. Diese Kommissionen machen sich ihr Leben nicht leicht und woran die – durchaus überraschende – Festlegung liegt, bekommen wir vielleicht nie zu hören. *Wilde Spekulation*: vielleicht hat man, im stillen Vorgriff auf mögliche (umsetzbare?) Erweiterungen des Flughafens, eine Betriebsgenehmigung erteilt, die eine aktuell praktisch nicht handhabbare Zahl von Bewegungen erlaubt? Keine Ahnung, da müssen die Insidervetternnetzwerke etwas zu sagen.

        Die Situation führt nun mit der operativen Umsetzung wohl zum Sommerflugplan dazu, dass Flugzeuge nicht nur zwingend einen Flugplan benötigen, um Fuhlsbüttel anzufliegen (Linie muss das sowieso), sondern auch einen +/- 15 Minuten Slot zum An- und Abflug einhalten müssen (was bei einigen Verbindungen in Hamburg Probleme geben wird). Dummerweise betrifft das durch die GA/BA Festlegung auch Kleinflugzeuge und den Geschäftsfliegerverkehr, die normalerweise von genau dieser Flexibilität leben.

        Ja, Lübeck nimmt an dem Slotverfahren nicht teil und das war in der Vergangenheit auch einer der Vorteile. Wer kurzfristig einen Flug durchführen möchte (Bedarfsverkehr, Zusatzflüge in Ferienzeiten etc.), der kann sich das Kaufen eines Slots meist nicht leisten (Slots sind unwahrscheinlich teuer auf dem Markt), weil der typische Urlaubsbomber sowieso schon mit sehr wenig Marge fliegen muss, und hat zudem oft wenig Möglichkeiten sich flugtechnisch auf Randslots zu bewegen (im Zweifelsfall ist der Zielflughafen beim Ankommen sonst geschlossen).

        Ich halte das Gerede von der Dritten Landebahn auch für sehr diskussionswürdig (die Frage ist doch eher warum Schleswig-Holstein keine Landebahn zu brauchen meint, das Gerede Fuhlsbüttel wäre die Landebahn SHs ist jedenfalls nicht besser als das über die Dritte-Landebahn), aber was wird jetzt ab Sommer geschehen? Kurzfristige Flüge werden nicht mehr wie in der Vergangenheit unkompliziert von/nach Fuhlsbüttel möglich sein. Vielleicht bekommt man das im ersten Moment noch irgendwie hingequetscht, aber wie die Kommission festgestellt hat – es geht nicht mehr ohne Koordinationsdaumenschrauben. Wie es dann nach einer Weile ausschaut, wissen wir von anderen Flughäfen. Die noch stattfindenden Bedarfsflüge werden zu Zeiten stattfinden, die wenig zur Freude beitragen, wenn sie überhaupt noch angeboten werden können. Zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abends werden auch Kleinflugzeuge und Geschäftsflieger nur mit Schwierigkeiten überhaupt Fuhlsbüttel anfliegen können.

        Das ergibt natürlich für einen (noch) Flughafen wie Lübeck eine gegen das normale Airlinerdurchwinken komplexe Situation, in der „Branchenexperten“ regelmässig betriebswirtschaftlich scheitern. Damit so etwas funktionieren kann, müssen Rahmenbedingungen anders sein als für A380 über Blankensee. Es bleibt aber eine Chance, die anderswo in der Welt durchaus erfolgreich funktioniert, man denke an Roskilde-Kopenhagen oder Schönhagen-Berlin (und vergessen mal, dass München dies Thema lokalpolitisch motiviert total versemmelt hat).

        Ich bin gespannt was jetzt kommen wird, bin aber ob der Handelnden nur sehr eingeschränkt optimistisch.

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