Pannens Favorit bleibt stumm, Stöcker ante portas?

Wie soll man nur noch Artikel-Einstiege finden? Karneval hatte ich schon oft erwähnt, den 1. April auch. Blankenseer Chaostage? Ja doch, fast jedes Jahr. Wir wäre es mit: alles zusammen?

Der Favorit des Landewiesen-Insolvenzverwalter Prof. Pannen hat, jedenfalls bis Sonnabend Mittag, anders als angekündigt nichts von sich hören lassen. Das für den Freitag versprochene Finanzkonzept blieb aus. War wohl doch nicht so ernst gemeint, oder?

Aus den Reihen der Lokalpolitik ist mittlerweile dezenter Unmut zu vernehmen über den Auftritt des Prof. Pannen vor dem Hauptausschuß der Bürgerschaft am 24. März. Er trug nichts Konkretes vor, und was das berühmte für den nächsten Tag angekündigte Finanzkonzept seines Favoriten angeht: das, sagen manche, hätte er so rechtzeitig anmahnen müssen, daß es bereits zur Sondersitzung vorgelegen hätte. So war das ganze eine Veranstaltung ohne jeglichen Nutzen.

An ein Versäumnis Prof. Pannens mag ich aber so recht nicht glauben; eher daran, daß der Interessent wohl doch das Interesse verloren hat. Dann sollte der Insolvenzverwalter nicht aber auch noch gute Miene zum bösen Spiel machen.

Und jetzt?

Damit wird es eng für den Weiterbetrieb des Flughafens. Denn für die Mehrheit der Lübecker Bürgerschaft aus SPD, Grünen und die Linke steht fest: Ohne belastbares Finanzierungskonzept bekommt der Flughafen auch kein weiteres Geld mehr.

NDR, 26. März 2016 (Memento)

Eigentlich hätte es in Einklang mit früheren Aussagen heißen müssen, daß der Flughafen kein Geld mehr von der Stadt bekommt, Konzept hin oder her.

Damit wird es auch keine Sondersitzung der Bürgerschaft Anfang April geben, war aus Kreisen der Bürgerschaftsmitglieder zu hören. Ohne Entscheidung dürfte dem Flughafen aber Mitte April das Geld ausgehen. Politische Mehrheiten für eine weitere Subvention des Betriebes zeichnen sich in der Bürgerschaft derzeit nicht ab.

HL-Live, 26. März 2016

Einen letzten Interessenten, offenbar nicht Prof. Pannens Favorit, gibt es.

Auch ein Unternehmer der Region war noch als Interessent aufgetreten. Aber auch sein Konzept soll Lücken aufweisen.

Und wer ist das? Einmal dürfen Sie raten.

Nun wird in Lübeck spekuliert, ob der Unternehmer Winfried Stöcker den Flughafen noch in letzter Sekunde übernimmt. Er hatte 2012 bereits Interesse am Airport, hatte damals aber Betriebskostenzuschüsse von der Stadt gefordert.

NDR, 26. März 2016 (Memento)

Schon wieder Stöcker?

Gefordert hatte er jede Menge. In seinen eigenen Worten:

Werte Politiker in Kiel und in Lübeck: Geben Sie dem Lübecker Flughafen eine Perspektive von mindestens zehn Jahren, … sorgen Sie dafür, dass die Gerichtsverfahren abgeschlossen werden, lassen Sie es zu, dass die Rollbahn verlängert wird, schießen Sie ein paar Jahre lang jährlich 2 Millionen an Landesmitteln für den Geschäftsbetrieb zu und kooperieren Sie mit dem Rostocker Flughafen.

Winfried Stöcker, 20. Juli 2012

ufo-anzeige

Verlängerung der Rollbahn bedeutet übrigens Ausbau nach Planfeststellungsbeschluß, für dessen Umsetzung ein Investor nicht nur mindestens 60 Mio. Euro aufbringen müßte, sondern auch nachweisen müßte, daß er das stemmen kann. Das nur nebenbei.

Es folgte eine putzige Serie von Anzeigen in den Lübecker Nachrichten, in denen der Hanselstadt™ der Himmel auf Erden versprochen wurde, wenn der „Traditionsflughafen“ (Stöcker) nur erhalten bliebe. Putzige Sammelbildchen (übrigens treffliche Vorlagen für Parodien, siehe Bilder in diesem Beitrag) gab es ebenso wie ein langweiliges Textgeschwurbel inklusive Stöckerscher Selbstbeweihräucherung in neun Teilen. Die Kosten für die Anzeigen dürften sich im sechsstelligen Bereich bewegt haben, legt man die Anzeigenpreisliste der LN zugrunde.

Anzeige-Großflughafen

Und dann gab es so eine Art Bewerbungsschreiben an die Stadt:

Bevor ich mich endgültig in dieser Sache festlege, müssen viele Fragen geklärt werden. Ich will zum Beispiel die Risiken nicht übernehmen, die aus vergangenen Streitigkeiten herrühren (EU, AirBerlin usw.). Ich will mir keine Nachschusspflicht oder Durchgriffshaftung aufladen, zum Beispiel hinsichtlich drohender Rückforderungen von Investitions-Zuschüssen. Die Übertragung soll schuldenfrei erfolgen. Zur Deckung der bei der heutigen Konstellation zu erwartenden erheblichen Anfangsverluste muss die Stadt fünf Millionen EURO Mitgift beisteuern. Wenn sich nach einigen Jahren aus heute noch nicht absehbaren, von mir nicht zu vertretenden Gründen das Unternehmen als undurchführbar oder therapierefraktär als verlustbringend erweisen sollte, will ich das Objekt zurückgeben dürfen, bei Rückerstattung der Mitgift.

Winfried Stöcker, 25. Oktober 2012

Also Flughafen geschenkt, keine Risiken, fünf Milliönchen bar auf die Hand, und oben lasen wir von zwei Millionen Euro zusätzlich pro Jahr. Und vom Ausbau, der kommen solle, ohne Hinweis darauf, woher das Geld kommen soll. Und dann sollte ja noch die eigene Fluggesellschaft hinzukommen!

Niemand hat es bisher gewagt, in Blankensee Linienflüge einzurichten, weil die Zukunft des Flughafens ständig in Frage gestellt wurde.

Ähh… Ryanair, Wizz Air? Das waren keine Linienflüge? Ach so.

Mein Konzept sieht daher vor, dass von einer neu zu gründenden Aktiengesellschaft (Flughafen Lübeck AG) nicht nur der Flughafen von der Stadt übernommen, sondern auch eine Fluggesellschaft gegründet wird (LuebeckAir). Wenn sich beide Komponenten in einer Hand befinden, kann dieses lähmende Misstrauen gar nicht aufkommen.

Der Tiger, der hier sprang, landete als Bettvorleger. Eine echte Bewerbung im damaligen Bieterverfahren gab es nie, so die Verwaltung:

Prof. Stöcker hat zwar eine notariell beglaubigte Erklärung über den Erwerb des Lübecker Flughafens abgegeben. Diese Erklärung umfasst dem Inhalt nach keine hinreichend konkretisierte Substanz und ist deshalb schon aus formalen Gründen kein annahmefähiges Angebot.

So ähnlich könnte das „Konzept“ wieder aussehen, sollte es von Prof. Stöcker stammen – was wir nicht wissen, und auch der NDR behauptet nur, daß über sein Interesse spekuliert werde. Das ist, genau genommen, nicht neu.

luftikus-anzeige

Es gibt im Vergleich zu 2012 zwei Unterschiede.

  1. Die Hanselstadt™ mag Herrn Prof. Stöcker ja schenken, was immer ihr am Flughafen derzeit gehört, vielleicht sogar die Betriebsfläche (wenn sie so unglaublich dumm sein sollte). Andere Teile gehören jedoch nach wie vor der insolventen PuRen Germany, aber ob deren Insolvenzverwalter diese Teile einfach so verschenkt? Vermutlich dürfte er das nicht einmal.
  2. Damals entfachte Herr Professor Stöcker einen wahren Publicity-Wirbel. Diesmal herrscht Schweigen im Walde, was nicht unbedingt typisch ist für Stöcker. Vielleicht weil er, jedenfalls vor Ort, ein gewisses Akzeptanz-Problem hat. Einerseits gefeiert als erfolgreicher Unternehmer und als vorbildlicher Arbeitgeber, hat er es andererseits immer wieder geschafft, sich Feinde zu machen.

Da muß man gar nicht auf seine in Teilen der Öffentlichkeit als rassistisch empfundenen Äußerungen von Ende 2014 verweisen (Zusammenfassung auf Wikipedia). Ich beschränke mich mal auf sein Wirken in Lübeck-Blankensee, dem Hauptsitz des von ihm gegründeten Unternehmens Euroimmun.

An Vorschriften, hat es gelegentlich den Eindruck, mag er sich nicht hier so gerne halten. Schon gar nicht, wenn es um Naturschutz geht. 2007 unerlaubt Bäume gefällt – Bußgeld 5.000 Euro. 2013 wieder Bäume gefällt – Bußgeldbescheid über 50.000 Euro. Und den Blankensee hat er nebenbei auch gekauft, obwohl es bei den letzten zehn Prozent etwas hakte. So weit geht sein Gestaltungswille im Ortsteil Blankensee, daß er auch am See selbst Bäume abholzen und einen Wanderweg zwischen Groß Grönau (so ein Zufall, dort befindet sich eine Zweigstelle von Euroimmun) und Blankensee anlegen möchte. Oder anlegen lassen. Böse Zungen könnten behaupten, daß die Einrichtung jenes Wanderwegs dazu führen würde, daß ausgerechnet die Bäume fallen müßten, die derzeit den Blick vom Euroimmun-Sitz am Seekamp auf Prof. Stöckers Blankensee versperren.

Jedenfalls ging er den Bewohnern von Blankensee und Groß Sarau (ebenfalls am Blankensee gelegen) mit seinem Aktivismus derart auf die Nerven, daß einer im Juni 2014 – nach Stöckerschem Vorbild – Abstimmungszettel verteilte. Nur ging es diesmal nicht um den freien Blick auf den Blankensee und einen Wanderweg, sondern um die Frage:

Soll das Gebiet rund um den Blankensee mit den Ortsteilen Lübeck-Blankensee und Hornstorf [gehört zu Groß Sarau] zur Monarchie zurückkehren?

Der König stand de facto schon fest:

König Winfried I. vom Blankensee könnte … bereits Weihnachten vereidigt werden. Dies hätte … auch den unschätzbaren Vorteil, dass König Winfried I. künftig allein über Kleinigkeiten wie Radwege und Abholzungen etc. entscheiden könnte. Ihre Steuern würden Sie im Gegenzug dann künftig direkt an die Firma Euroimmun zahlen!

Leider wurden die Abstimmungsergebnisse nie bekannt. Okay, das entstand aus einer Bierlaune heraus. Man sieht aber trotzdem, Kollege Stöcker ist nicht bei allen beliebt.

Kollege? Ich bin kein Mediziner (Architekt, Kaufhauschef, verhinderter Opernsänger, Marmeladenkoch…), aber Blogger. Prof. Stöcker auch. Das wußten Sie nicht? Ich bis jetzt auch nicht. Hier mal die Titel seiner letzten fünf Beiträge:

  • Bemalte Spiegeleier für das Osterfest
  • Aufruf zum Sturz der Kanzlerin Merkel
  • Interview in „Welt der Fertigung“
  • Rhabarber-Kaltschale
  • Gesinnungsterror in Fragen zur Asylpolitik

Na ja, wie soll man sagen? Verwirrt oder nur unkonventionell?

Quatsch in letzter Minute

Aber muß man da weiter spekulieren? Stöcker oder nicht, Abwrackflughafen oder nicht – es gibt kein Konzept. Und die Zeit wird knapp; eigentlich ist es bereits zu spät. Alles, was jetzt noch kommt, ist Quatsch in letzter Minute. Um Zehnerpotenzen dümmer als der Quatsch, den uns die letzten „Investoren“ verkaufen wollten. Hoffentlich fällt niemand mehr darauf herein.

Politiker! Macht endlich Schluß mit dem Mist und kümmert Euch um die wirklichen Probleme dieser Stadt. Der Erhalt eines überflüssigen Flughafens um jeden Preis gehört nicht dazu. Es wird Zeit, den Stecker zu ziehen. Besser ein Ende mit Schrecken als… Sie wissen schon.

 

21 Antworten auf „Pannens Favorit bleibt stumm, Stöcker ante portas?“

  1. Sorry, scheinbar bewege ich mich im falschen Film. Trotz mehrfachem Lesens habe ich nicht herausgefunden, an welcher Stelle ich geschrieben habe, dass ich ein weiteres Konzept befürworten würde. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es schlicht sinnvoll wäre, ein (das) Konzept zu prüfen. Und das dieses durchaus übliches Geschäftsgebahren eines Beraters ist. Kein übliches Geschäftsgebahren ist, ein Konzept direkt der Öffentlichkeit zu präsentieren.
    Wo lesen Sie da jetzt, was Ich glaube und was nicht? Und was ich mir wünschen würde.

  2. Das Spiel ist aus
    Der Investor aus dem Westen von Europa ist dem Pannenmann ein halbes Jahr auf der Nase rumgetanzt. Der Zweite gehört ebenso dazu . Mir bleibt da nur ein Kopfschütteln übrig . Die Kohle reicht nur noch bis mitte April . Wie sagt man so schön ! Frisches Geld gibt es nicht . Langsam dämmert es den dreien Parteien auch . Die andere klammert sich ja immer noch an den berühmten Strohhalm . Denke Hr. Pannen kann schon den Bleistift rausholen und einen Schlußstrich ziehen.

  3. Huch?! Was ist denn mit den Herren hier los? Also, dem Vernehmen nach sollte das Konzept am Freitag vorgelegt werden. Vermutlich dem Insolvenzberater und nicht der Presse.
    Mein Verständnis von sorgfältiger Arbeit ist, dass jedes Konzept einer Prüfung unterzogen wird, in dem vorliegenden Fall ggf mit den entscheidenden Protagonisten besprochen wird.
    Irgendwie finde ich in der Beschreibung des Berufsstandes Insolvenzberater nichts, was eine sofortige Weitergabe an die Öffentlichkeit vorgibt. …… Und im Übrigen, es ist Ostern. Ich glaube, dass selbst das Beratungsbüro Pannen an solchen Feiertagen nur bedingt einsatzbereit ist.

    1. Am Karfreitag soll ein potenzieller Käufer ein Finanzierungskonzept vorlegen, das hat Insolvenzverwalter Klaus Pannen in der nicht-öffentlichen Sondersitzung des Hauptausschusses erklärt.

      LN-Online, 24. März

      Heute will ein potenzieller Käufer dem Insolvenzverwalter ein Finanzierungskonzept vorlegen.

      LN, 25./26. März 2016

      Ein Interessent für den insolventen Airport hat bisher – anders als angekündigt – kein Finanzierungskonzept vorgelegt.

      NDR, 26. März 2016

      Vergeblich warteten Lübecks Politiker auf das für Karfreitag angekündigte Finanzierungskonzept für den Lübecker Flughafen.

      HL-Live, 26. März 2016

      Und so weiter. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Der erkennt dann auch, daß Prof. Pannen nicht nur der Öffentlichkeit nichts erzählt hat, sondern auch den Politikern, die er mal eben um 200.000 Euro anbettelt; und daß die Ankündigung eines Finanzkonzepts am Freitag sich nicht erfüllt hat. Prof. Pannen hat den Termin doch selbst genannt! Er hätte ja auch sagen können, nee, das kommt nach den Feiertagen.

      Und ganz nebenbei: Sie wissen auch, daß die Insolvenz fast sechs Monate zurückliegt? Immer noch nicht genügend Zeit für ein Konzept? Dann, denke ich, ist der Fall hoffnungslos. In etwas über zwei Wochen ist das Geld komplett verbrannt. Glauben Sie ernsthaft, in der Zeit könnte man noch ein tragfähiges Konzept für die Landewiese aus dem Boden stampfen, wenn man es in den letzten sechs Monaten nicht geschafft hat? Für mich sieht das nach hilfloser Hinhaltetaktik aus.

      1. Sehen Sie, Herr Klanowski, woher wissen Sie, dass das Konzept nicht eingereicht wurde? Ich glaube nicht, dass Herr Pannen Ihnen unmittelbar Bericht erstattet.
        Und der Berichterstattung der Presse würde ich auch nicht in allen Punkten folgen wollen.

      2. Auch wenn ein möglicher Investor vor 6 Monaten ein Konzept zu erstellen angefangen hätte, wäre das zum Einen bestimmt noch nicht fertig, denn in solch brutal vergifteter Umgebung dauert das sicher länger und zum Anderen würde man ein solches im Zweifelsfall bestimmt nicht gleich dieser Öffentlichkeit zum Frass vorwerfen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass das sinnvollste Konzept in einer Mistgabel besteht.

        1. Ich weiß nicht, wie lange Sie die Geschehnisse um die Landewiese schon verfolgen. Wenn Sie es lange genug tun, müßten Sie wissen, was – und wem – die von Ihnen diagnostizierte vergiftete Umgebung zuzuschreiben ist. Es waren und sind Geheimbündlerei, Salamitaktik, Nebelkerzen, Geheimniskrämerei, Tricksereien von Seiten des Flughafens und der Verwaltung. Eben Nicht-Öffentlichkeit. Natürlich wächst da das Mißtrauen, was denken Sie denn? Daß es anders gehen könnte, hat man ansatzweise vorübergehend in der Ära Infratil unter den Flughafen-Geschäftsführern Seidenstücker und Scharnberg ahnen können. Wenn man dagegen sieht, wie sich einige andere Geschäftsführer hier aufgeführt haben… Und wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

          Dem Satz mit der Mistgabel könnte ich evtl. zustimmen, wenn Sie darlegen, was Sie mit ihr machen würden 🙂

          1. Ich verfolge die Posse um den Flughafen schon eine sehr, sehr lange Zeit und teils auch mit (erschreckenden) Einblicken hinter den Vorhang und kann ihnen in sehr vielen Dingen zustimmen. Allerdings schreibe ich einen nicht geringen Anteil dessen was sie mit „Geheimbündlerei, Salamitaktik, Nebelkerzen, Geheimniskrämerei“ umschreiben schlicht (betriebswirtschaftlich unverzeihlicher) Unkenntnis, Untätigkeit und Unfähigkeit zu. Da ist ein großer Teil nicht (wie in verschwörungstheoretisch natürlich interessierten Blogs lanciert) gezielt gesteuert, sondern die Handelnden haben es ganz einfach nicht verstanden und oft einfach – nichts gemacht, so daß teils üble Situationen entstanden sind.

            Ich habe volles Verständnis für das entstandene Misstrauen, aber keinerlei Verständnis für die Bevölkerung, dass sie es in den inzwischen Jahrzehnten nicht vermocht haben, sich an die entscheidenden Stellen vertrauenswürdiges Personal zu wählen. Ich kann auch nicht verstehen, weshalb man sich einen solch hohen Anteil politisch motivierter Migranten von den etablierten Parteien hat aufdrücken lassen, dass zwischenzeitlich der Eindruck entstand hier würden Parteifunktionäre aller Couleur in der Provinz die sich nicht wehrt entsorgt.

            In einer solch verfahrenen Situation wieder auf sinnvolles Terrain zu kommen, bedarf tatsächlich einer professionellen Persönlichkeit und ein bisschen davon konnte man zu Infratil Zeiten spüren. Diese Personen hatten allerdings nur kurz Zeit sich um den Nebenbeimist in Lübeck zu kümmern. Ich bin mir absolut sicher, dass Menschen mit einem ähnlichen Profil und zusätzlich aus der Region länger gegen die politische Hydra den Auguisstall ausmisten würden. An der Stelle fehlt mir übrigens auch das Verständnis wie man mit einem Herrn Stöcker umgeht. das passt zu sehr in den aktiv-Misstrauen-aufbauen-Topf.

            An anderer Stelle habe ich das schon mehrfach geäußert und ich tue das auch jetzt wieder hier – ich bin der Überzeugung der Flughafen ist gut und sinnvoll, wenn er denn richtig geführt würde. Ja, dazu gehört auch ein gewisses Maß an Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit und ein aktives Miteinander mit der Umlandbevölkerung. Ja, dabei wird es immer ein paar teutsche Grantler und Stinkstiefel geben, die das nach Kräften und ohne Sinn und Verstand torpedieren wollen (und in unserer kranken Gesellschaft als Einzelner juristisch leider auch sehr viel Macht bekommen haben). Mit denen muss die Bevölkerung selber klar kommen, nicht die Flughafenmannschaft, denn die hätten genug mit dem Betrieb zu tun und kümmern sich aktuell zu sehr um solche Dinge.

            Es mag sein, dass der Flughafen geschlossen wird, was ich bedauern würde. Aber, wenn der Flughafen scheitert, dann scheitert nicht die Verwaltung und auch nicht die Summe der Betreiber, sondern jeder einzelne Lübecker scheitert persönlich zusammen mit allen anderen Lübeckern. Wer die Daltons nicht geteert und gefedert beizeiten aus der Stadt jagt, der darf sich über Räuber in der Stadt nicht beklagen.

            Ich bevorzuge den Mistgabelweg. Der Flughafenbetrieb ist so lange, so massiv und so unprofessionell zu einem Scheisshaufen herunter gemanagt worden, dass es kaum mehr erkennbar ist, was das sein könnte. In dem Zustand helfen keine „Konzepte“, „Flughafenmanagementbranchenexperten“ oder bunte Wahnbildchen von „A380 über Blankensee“ mehr. All diese Prospekte befeuern letztendlich nur das Misstrauen, weil die Lübecker nur zu gerne ihre Verantwortung gegen Sammelbildchen abgeben und sich dann beschweren, dass der einsame Ritter keine Chance hatte. Ich votiere klar zu einem Schnitt, aber einem Schnitt weg von der politischen Steuerung, die nachweislich über mehr als ein Jahrzehnt versagt hat, und hin zu einem vollständig privaten Betrieb mit einer lokalen Persönlichkeit – die bestimmt ein Jahr mit der sprichwörtlichen Mistgabel den Rotz aus den Ecken entfernen muss, sowohl real als auch metaphorisch in den Köpfen, bevor man wieder etwas Licht sieht.

    2. Sehr geehrte Frau Charlotte, lesen Sie bitte meinen Beitrag „Not macht erfinderisch“, dann wissen Sie, was von Lübeck als Verwertungsflugplatz zu halten ist. Es reicht nicht, Wünsche zu haben. Und wenn es je sorgfältige Prüfungen gegeben hätte, hätte Herr Chen vor 2 Jahren nie den Zuschlag für die Übernahme des Betriebes bekommen. Die Idee mit 5.000 chinesischen Flugschülern pro Jahr war – schlicht ausgedrückt – Schwachsinn. Genauso wie der abwechselnd arabische und chinesische Medizintourismus und die Idee mit bis zu drei Lübecker Fluggesellschaften. Sie und viele andere Befürworter eines Verkehrsflughafens Lübeck verwechseln Luftverkehr in seiner Komplexität offensichtlich immer noch mit einem Fuhrunternehmen und Flugzeugverwertung mit „Autoteile-Kiesow“.
      In Sachen Lübeck-Flughafen ist noch nie etwas mit Sachkenntnis und gewissenhaft geprüft worden, denn dann wäre die Stadt heute um 100 Millionen reicher und einige Blamagen ärmer.

  4. Woher wissen Sie, dass es kein eingereichtes Konzept gibt? Vielleicht gibt es ja Dinge, die nicht direkt in der Öffentlichkeit diskutiert werden, sondern erstmal einer Prüfung unterzogen werden.
    Diesen Gedanken habe ich übrigens bei so einigen Ihrer Mutmaßungen.

    1. Ist das ehrlich ihr Ernst ? Wieviele Konzepte, Anschubfinanzierungen,
      Investoren,Feuerwerke neuer Linien (Grins) und allerallerallerallerletzter Chancen soll es denn bitte noch geben ? Unglaublich das tatsächlich noch jemand davon ausgeht die Pleitewiese hätte eine Zukunft.

    2. Werte Charlotte,

      so sehr ich es es auch versuche, ich verstehe Ihren Einwand nicht. Ich bin wohl zu dumm dazu. Ich halte mich z.B. an diese Überschrift: „Kein Konzept für den Flughafen“ (HL-Live, 27. März 2016) Oder hier: „Lübecker Flughafen: Investor ohne Finanzkonzept“ (NDR, 27. März 2016). Oder hier: „Noch kein Konzept des Investors“ (LN, 27./28. März 2016). Drei voneinander unabhängige Medien, eine Aussage: kein Konzept. Reicht noch nicht? Herr Zander von der CDU auf die Frage, was der von Prof. Pannen favorisierte Investor vorhabe:

      Das wurde nicht gesagt, es wurde auch nicht gesagt, wer das ist. Es gibt Gründe der Geheimhaltung zu dem Thema.

      NDR Schleswig-Holstein-Magazin, 24. März 2016

      Geheimhaltung gegenüber dem (geheim tagenden!) Hauptausschuß, wohlgemerkt; nicht nur gegenüber der Öffentlichkeit, um deren Steuergelder es geht. Klingt das nach einem auch nur im Geheimen vorgelegten Konzept? Für mich nicht. Eher nach einer elenden Schmierenkomödie.

      Wozu überhaupt die doppelte Geheimhaltung? Und hallo, wenn man ein gutes Konzept hat, kann man es doch wohl laut herausposaunen – wenn es gut ist, überzeugt es alle! Aber da bin ich wohl wieder zu doof, um zu verstehen, warum so etwas nicht geschieht.

      Wenn Sie hingegen andeuten wollen, daß hinter den Kulissen derzeit gewaltige Anstrengungen unternommen werden, um die Landeweise trickreich (und an der kritischen Öffentlichkeit vorbei) mit dubiosen „Konzepten“ doch noch irgendwo zwischenzuparken, und sei es bei Prof. Stöcker, dann mögen Sie recht haben. Der nächste Trick kommt schneller als wir alle denken.

      1. Auch diese Webseiten, neben der allgemeinen Verhaltens- und Umgangsformen des Homo Lübziensis Communalis, tragen dazu bei, dass es mehr als nachvollziehbar ist, wenn Konzepte und Verhandlungen nicht an die Öffentlichkeit gelangen …

      1. Hr Sählandt zu ihrem Thema Totes Pferd ist mir gerade was eingefallen .
        Wie nennt meinen Cowboy dessen Pferd wirklich tot ist .
        Sattelschlepper .
        Es gibt halt Leute die wirklich sehr schwer zu überzeugen sind .

        1. Ups, so lange bin ich nun nicht dabei, als dass ich diese Seiten kennen sollte.

          Nun ist es wohl wirklich tot. Und ich empfehle den Bestatter……..

          (werde ich nicht nennen, könnt ihr euch denken. Hoffentlich kann er das diesmal richtig!)

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