NEU! Prof. Pannen – Die Daily Soap

Das wäre doch eine tolle Idee für eine neue, tägliche Kolumne für die Lübecker Nachrichten: „Prof. Pannen wartet“. Ungemein spannend. Am Dienstag gab‘s schon mal eine weitere Folge der Pannen-Serie. Wird bei RTL bereits an einer Fernseh-Adaption gearbeitet?

Was bisher geschah:

  • Am Freitag kam das von einem Investor erwartete Finanzkonzept nicht.
  • Am Sonnabend kam das von einem Investor erwartete Finanzkonzept nicht.
  • Am Sonntag kam das von einem Investor erwartete Finanzkonzept nicht.
  • Am Montag kam das von einem Investor erwartete Finanzkonzept nicht.
  • Bis Dienstag Mittag auch nicht.

Prof. Pannen

wartet weiter auf Finanzierungskonzepte der beiden Kaufinteressenten. Ursprünglich hatte der eine am Karfreitag seine Finanzpläne vorlegen wollen. Das sei nicht geschehen, sagte Pannen am Dienstag.

LN Online, 29. März 2016 (Memento)

Jetzt bastelt Prof. Pannen wieder an dem Verkauf des Grundstücks Blankenseer Straße 100. Der Knackpunkt ist laut LN eine Bedingung, die die Kommunalaufsicht des Landes stellt. Bekanntlich hatte die Stadt auf ihr vertragliches Wiederkaufsrecht (Preis: 1 Euro) für die Immobilie verzichtet, die zuletzt im Auftrag des Insolvenzverwalters für 170.000 Euro angeboten wurde und wird. Das Geld würde dann – logisch – er kassieren, nicht die Stadt, und für den Weiterbetrieb der Landewiese ausgeben.

Blankenseer Straße 100
Blankenseer Straße 100

Dummerweise ist Kiel inzwischen aufgewacht. Hat man jahrzehntelang jeden Schwachsinn rund um die Landewiese abgenickt und teils selbst Geld gezahlt, fordert man jetzt eine Garantie. Welcher Art, ist unklar. (Jede Wette, spätestens heute Nachmittag gibt es wieder jede Menge Äußerungen beleidigter Hanselmännchen, die Kiel der Obstruktion bezichtigen.)

Zunächst hieß es, die Lübecker Bürgerschaft selbst habe die Bedingung für den Verkauf gestellt, daß „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine dauerhafte Fortführung des Flughafenbetriebes zu erwarten ist“.

Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, Lokalteil HL, 25./26. März 2016, S. 11

Im jüngsten LN-Bericht heißt es jedoch:

Die Hansestadt Lübeck hat ein Vorkaufsrecht für dieses Grundstück. Die Bürgerschaft hatte zwar im Februar beschlossen, auf dieses Recht zu verzichten. Die Kommunalaufsicht des Landes hat ihre Zustimmung jedoch an die Bedingung geknüpft, dass der Verkauf mit großer Wahrscheinlichkeit gelingt.

LN Online, 29. März 2016 (Memento)

Welcher Verkauf – der des Hauses? Der des Flughafens (bzw. der Teile der Landewiese, über die Prof. Pannen verfügt)?

Eigentlich ist das egal. Denn Prof. Pannen sagt, er könne sowieso keinerlei Garantien abgeben – was etwas mit § 60 der Insolvenzordnung (Haftung des Insolvenzverwalters) zu tun haben mag.

Wenn es schon bei dem Verzicht auf ein Vorkaufsrecht derartige Schwierigkeiten gibt, was meinen Sie, was los wäre, wenn die Stadt – wie gewünscht – dem Insolvenzverwalter direkt 200.000 Euro zahlen wollte? Das dürfte dann hoffentlich auch an der Kommunalaufsicht scheitern, selbst wenn das von der Stadt gewünschte Finanzkonzept des Investors doch noch eintrudelt, das ja auch keine Garantie darstellt.

Abgesehen davon ist alles, was bis hierher in diesem Beitrag verhackstückt wurde, natürlich keine Lösung, sondern würde lediglich das Weiterwursteln für ein oder maximal zwei Monate ermöglichen. Wie erwähnt, ohne jede Garantie auf Erfolg.

Die Stadt wäre gut beraten, Prof. Pannen jetzt sofort für seine geleisteten Dienste zu danken, ihm das Beste für seine berufliche Zukunft zu wünschen, und das Insolvenzverfahren ohne weitere Einflußnahme seinen gesetzlichen Gang gehen zu lassen. Alles andere ist Casino-Mentalität.

Überblick verloren

Ein Beitrag in dem Fachmagazin (?!) „Property Magazine“ mag vorübergehend noch mal den Puls der versammelten flughafenpolitischen Sprecher und Experten gewisser Parteien und Gruppierungen in Lübeck hochtreiben. Sie erinnern sich?

Der BfL-Politiker [Lars Ulrich] weist darauf hin, dass der chinesische Flughafeninvestor PuRen konkrete Pläne für den Flughafen Lübeck-Blankensee habe. „Deren Umsetzung braucht Zeit, die sich der Investor nehmen kann und nimmt. Eine Flugschule für rund 5000 chinesische Flugschüler kann nicht einfach aus dem Boden gestampft werden.“

Das war im Juli 2015. Think big! Es klappt immer wieder, daß bei der Erwähnung unglaublich großer Zahlen manche Leute schlicht den Überblick verlieren und nicht mal in der Lage sind, allereinfachste Plausibilitätsrechnungen im Kopf durchzuführen. Das scheint eine Art Schockstarre nach Art des vor der Schlange sitzenden Kaninchens zu sein.

Ich demonstriere das mal anhand des Artikels im Property Magazine. (Despite its title, it’s a German-language publication.) Da heißt es über die Landewiese Lübeck:

Daher ruht die Hoffnung von Insolvenzverwalter Klaus Pannen auf zwei potenziellen Investoren: einem regionalen Unternehmen und eine [sic] Firma, die hier künftig Flugzeuge recyceln will. Rund 12.000 Maschinen können, Schätzungen zufolge, in den kommenden 20 Jahren in Lübeck zerlegt und weiterverarbeitet werden.

Property Magazine, 29. März 2016

(Und diese Komiker wollen für den kompletten Zugang zu ihrer Webseite auch noch Geld haben.)

Man muß kein Experte sein, weder für Flugzeugverschrottung noch für Flughäfen, um sich – auch ohne Taschenrechner – klarzumachen, daß 12.000 Maschinen in 20 Jahren rund zwei pro Tag wären. Wenn man dann doch den Taschenrechner hinzuzieht und das ganze auf fünf Werktage pro Woche begrenzt, wären das 2,3 abgewrackte Flugzeuge. Pro Werktag. Über 20 Jahre. In Lübeck. Das ginge vielleicht mit kleinen Flugmöhren, aber da liegt das Geschäft wohl weniger.

Das brauchen wir aber nicht weiter durchzurechnen. Denn das ganze ist ein Mißverständnis, pure Schlamperei, die aber mit etwas Nachdenken hätte vermieden werden können.

[V]om Verband der Flugzeugverwerter AFRA kommt die Annahme, dass in den kommenden 20 Jahren mit 12.000 ausrangierten Maschinen zu rechnen sei. Ob Lübeck von diesem Kuchen ein Stück abbekommt, soll sich in diesen Tagen entscheiden.

shz, 28. März 2016

Korrekt. Die Zahl von 12.000 Maschinen bezieht sich natürlich auf den weltweiten Markt, nicht auf Lübeck. Und sie ist lediglich eine Schätzung. Und sie bezieht sich lediglich auf „aircraft retiring in the next 2 decades“, also auf außer Dienst gestellt Flugmuster. Ob die alle abgewrackt bzw. recycelt werden, ist nicht Teil der Schätzung. Das wird von einer jetzt noch nicht absehbaren Vielfalt von Faktoren (Rohstoffpreise etc.) abhängen.

Mit etwas Nachdenken bzw. -rechnen hätte man darauf ohne jedes Expertenwissen kommen können, schlimmstenfalls durch Nachsehen hier.

Ich hoffe, den flughafenpolitischen Sprechern der geschätzten Parteien und Gruppierungen der Hanselstadt™ eine Peinlichkeit erspart zu haben, bevor sie den Artikel im „Property Magazine“ womöglich aufgreifen. Man weiß ja nie. Nachher nehmen die das noch ernst. Wie die 5000 chinesischen Flugschüler.

Beitragsbild: Alex E. Proimos, Lizenz CC-NC-BY

Eine Antwort auf „NEU! Prof. Pannen – Die Daily Soap“

  1. Vor dem Hintergrund der „mal eben“ so nebenbei „gefundenen“ 20 Millionen Euro alleine für diese Jahr und fast 80 Millionen in der Planung bis 2019 sollte bei der professionellen Buchführung der Stadt doch eine Zwischenfinanzierung nun überhaupt nicht einmal mehr auffallen ;-).

    Erstaunlich auch, dass das Land überhaupt erwägen kann die Haushalte zu genehmigen, obwohl der Jahresabschluss 2012 immer noch nicht vorgelegt wurde. Jedes Privatunternehmen und gerade in Lübeck hätte bei solchen Versäumnissen massive Probleme. Wer war noch gleich der verantwortliche Finanzsenator dafür?

    In welchen Löchern versickern eigentlich die 70 Prozent des Lübecker Haushaltes an „Zuwendungen an Vereine und Verbände“, so der Pressemeldungen in der Rüge durch die Kommunalaufsicht benannt, oder ist das ein „bedauerlicher Übersetzungsfehler“?

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