Klarstellung

Und wieder hört man das Politiker-Gerede von der fälligen „Renaturierung“, sollte die Landewiese geschlossen werden; das Gerede, die Fläche könne gar nicht anders als für Naturschutz genutzt werden. Das wurde bisher schon so oft wiederholt, daß es jeder als gegeben hinnimmt. In der Lokalpresse wurde das natürlich nie hinterfragt. Hier deswegen noch ’ne Karte.

Das eigentliche Flughafengelände befindet sich im Eigentum der Hansestadt Lübeck, genauer: des städtischen Betriebs gewerblicher Art (BgA) Flughafen. Auf der Karte ist es orange mit Schraffur markiert.

Hellblau habe ich den Flughafenzaun markiert. Eigentlich ist es ganz einfach: das Flughafengelände außerhalb des Zauns liegt im Naturschutzgebiet (das ich nicht extra markiert habe). In diesem Teil des Geländes gibt es praktisch keine technischen Einrichtungen des Flughafens; nennenswert ist lediglich die Anflugbefeuerung. Diese Fläche wird nicht erst Naturschutzgebiet werden, sondern ist es schon lange. Diskussion überflüssig.

Alles innerhalb des Zauns ist das eigentliche Betriebsgelände der Landewiese und liegt nicht im Naturschutzgebiet. (Für alle, die es ganz genau wissen wollen: durch eine Versetzung des Flughafenzauns im Osten vor ein paar Jahren hat sich der Flughafen ein paar Quadratmeter des Naturschutzgebiets einverleibt; dieses flächenmäßig völlig vernachlässigbare Stück würde im Falle eine Abwicklung der Landewiese tatsächlich wieder dem Naturschutz anheimfallen.)

Jetzt kommt CDU-Experte Andreas Zander und behauptet mal eben:

Die Anlagen des Flughafens müssten abgebaut, Flächen renaturiert werden.

Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, Lokalteil HL, 1. April 2016, S. 10

So einen zugespitzten Unsinn hat man nicht einmal von der Verwaltung gehört. Die hat immerhin zugegeben, daß

  • rund 40% des eingezäunten Flughafengeländes weiter gewerblich nutzbar wären, wobei klar sein dürfte, daß man einen Rückbau überflüssiger Anlagen einem Investor auferlegen könnte, sollte er das Gelände nutzen wollen;
  • daß es ebenfalls denkbar wäre, den abgewickelten Flughafen als Industriebrache zu belassen.

Besonders putzig ist aber Herr Zanders Behauptung über eine Renaturierung. Das kann die Natur eindeutig besser als der Mensch, und billiger wird‘s auch noch. Auch wenn das einige professionelle „Umweltschützer“, die ihre verhinderten landschaftsgärtnerischen Talente austoben wollen, vermutlich ebensowenig wie Herr Zander einsehen.

Sehen Sie mal hier: das ist die „sogenannte“ Panzerplatte am Blankenseer Dorfplatz, früher mal eine gigantische Betonfläche mit zwei großen Flugzeughangars.

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Vom Beton ist schon nicht mehr viel zu sehen, obwohl er noch da ist, und es wachsen sogar Bäume. Sechs Birken. Und dann auch noch in Reih‘ und Glied. Wie geht das? Ganz einfach: die Bäume haben sich in einer Abwasserrinne angesiedelt. Die Natur findet immer einen Weg.

Stöckers Gelüste

Die gelben Flächen im Süden gehören übrigens dem städtischen Beteiligungs-U-Boot KWL (auch allesamt im Naturschutzgebiet).

Spaßeshalber habe ich das Betriebsgelände der Firma Euroimmun am Seekamp dunkelgrün markiert; es liegt nicht im Naturschutzgebiet, wird aber vom ihm so effektiv eingerahmt, daß eine Expansion trotz der Grundstücks-Gelüste des Firmengründers Prof. Stöcker derzeit nicht möglich ist.

Seinerzeit rühmten sich professionelle „Umweltschützer“ einer Mediationsvereinbarung, die angeblichen Naturschutzzwecken mal eben 2,5 Mio. Euro zukommen ließ und unter anderem folgendes vorsah:

Sicherung von weiteren 15 ha KWL-Eigentumsflächen im Schutzgebiet gegen Expansionsbestrebungen der Fa. EUROIMMUN (ehemaliges Kasernengelände mitten im südlichen Schutzgebiet) durch Übereignung an die Stiftung zum gleichen m²-Preis

Sicherung der östlich an EUROIMMUN angrenzenden Schutzgebietsflächen im Eigentum der Stadt Lübeck (ca. 30 ha) durch Eintragung einer beschränkt persönlichen Dienstbarkeit für den Naturschutz zugunsten des BUND (oder NABU) mit Bewehrung gegen Verstöße in Höhe von 100 €/m²

Pressemitteilung NABU, 1. Februar 2008 (nicht mehr online abrufbar)

Tja, ist schon lange her, gell? Die im Vertrag festgelegten Regelungen laufen im Jahr 2019 aus. Dann werden die Karten wohl ohnehin neu gemischt. Ob sich dann noch ein Flugplatz in Lübeck-Blankensee befindet, ist eine andere Frage. Mal abgesehen davon, daß sich die professionellen „Naturschützer“ vom Flughafen entgegen dem Vertrag auf der Nase herumtanzen (siehe auch hier) lassen, was die Entwässerung angeht.