Sonntagsspaziergang mit Foto-Safari

Aus der beliebten Rubrik „Warum Lübeck einen Flughafen braucht“ heute die Folge „Ungemein wichtige Geschäftsflüge“. Am frühen Sonntagabend muß mindestens eine Extrem Wichtige Person von der hiesigen Landewiese abgeflogen sein. VIP? VVIP? Zunächst dachte ich noch, „oh, da steht ein A320 von Wizz Air. Ich mach‘ mal ein Foto, es wird vielleicht mein letztes von Wizz Air in der Hanselstadt™“. Aber Wizz Air, soviel sah ich schon beim Näherkommen, war es nicht. Auch kein A320.

Die Auswertung der Fotos ergab dann sehr schnell, daß es sich um einen Bombardier Global Express (GLEX) der Firma FAI rent-a-jet mit der Registrierung D-AFAM handelte. Das ist nun freilich ganz was Nobles. Alles vom Feinsten für bis zu 14 Passagiere, die auf breiten Sesseln (Leder, vermute ich mal) Platz finden. Mit Flugbegleitung, Bordküche mit Bar, Satellitentelefon, Hochgeschwindigkeits-Internet, Drucker, Konferenztisch und einer Auswahl an Kinofilmen. Oh, und zwei Toiletten. Die beiden Düsentriebwerke von Rolls-Royce bringen die Maschine auf eine Reisegeschwindigkeit von 900 km/h, und die Reichweite von 11,140 km langt locker bis nach China.

Kurz vor 19 Uhr startet D-AFAM. Was für einen Riesentrip die wichtige(n) Person(en) an Bord wohl vor sich haben? Vor ein paar Jahren hätte das niemand herausfinden können. Heute gibt es Flightradar24 und Planefinder.

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Eine Konsultation beider brachte dann eher Banales zutage. Ziel war offenbar nicht Beijing, sondern Bautzen im tiefsten Sachsen. Entfernung Luftlinie keine 400 km; Flugzeit etwa eine halbe Stunde. (Warum „offenbar“? Nun, Start und Landung wurden aufgrund der geringen Höhe des Flugzeugs in diesen Phasen nicht registriert. Aber den Start in Lübeck habe ich selbst gesehen, und vor Bautzen war die Maschine wieder auf eine Höhe herunter, die einen Landeanflug mehr als nahelegt.)

Wer das Flugzeug gemietet hat, weiß ich nicht. Wer drin saß, weiß ich ebenfalls nicht.

Was ich weiß, ist, daß die beiden Euroimmun-Niederlassungen in Sachsen relativ gut von Bautzen aus zu erreichen sind, ebenso Görlitz. Dort befindet sich das vom Euroimmun-Gründer Prof. Stöcker erworbene Kaufhaus. Nette Pointe am Rande: dort fungiert der ehemalige Geschäftsführer der lübschen Landewiese als Projektleiter des geplanten Konsumtempels. (Eröffnung, wie schon in den Jahren zuvor, „im nächsten Jahr“.)

Nun ja. Wie hieß es in der Sächsischen Zeitung?

So wie andere Menschen mit dem Auto von A nach B pendeln, ist Winfried Stöcker mit einem Privatflugzeug unterwegs zwischen seinem Firmensitz in Lübeck und seinen 14 Niederlassungen weltweit – eine davon gleich vor den Toren von Görlitz.

sz-online, 5. Juli 2014

Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse – auch, was das wiederholt öffentlich bekundete Interesse Prof. Stöckers an der Landewiese befördern mag oder erklären könnte. Und nein, ein Verkehrslandeplatz mit verkürzter Start- und Landebahn würde für den GLEX nicht reichen; Minimum sind laut FAI rent-a-jet 1.890 m. Da liegt Lübeck mit 2.100 m nur knapp drüber.

PS: Eigentlich galt mein fotografisches Interesse ganz anderen Flugobjekten 🙂

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6 Antworten auf „Sonntagsspaziergang mit Foto-Safari“

  1. Da liegen sie wohl richtig . Einer der Millionen verdient fliegt auch nicht mit einer Popligen Cessna . Nun kann man auch verstehen warum er so an der scheiß Landewiese hängt . Einstegen und Losfliegen . Das würde in Hamburg nicht so schnell gehen .

  2. An den Haaren herbei ziehen ist auf diesem Blog ja eine schöne Tradition, aber warum dann auf so ein Flugzeug beschränken? Was ist mit der großen Turbopropeller Maschine mit Registrierung von der Isle of Man, Flüchtlinge wegen dem (medial mit bewusstem Falschwissen aufgepumpten) Panamaaufreger? Was ist mit der türkisch registrierten zweimotorigen Cessna, der erste Flüchtlingspendelverkehr aus dem „Merkelpakt“ (wieso fällt mir da spontan der 23. August 1939 ein) ? Und die ganze Flugzeuge, die NICHT auf Flightradar24 zu sehen sind, (übrigens die allermeisten) das sind bestimmt alles Spione und Schmuggler? Bestimmt haben auch die chinesischen Programmierguerilla den „20 Mio Softwarefehler“ in der Verwaltung eingeschleust, um von der Verantwortung der Sachbearbeiter und nicht zuletzt des amtierenden Finanzsenators, der ja nun eigentlich die politische Verantwortung für den legalen und sauberen Ablauf der Verwaltung trägt, abzulenken?

    1. Sie waren schon mal origineller. Komisch, manche Ihrer Beiträge sind zielführend, andere (wie dieser) nun wirklich nicht. Einige Leser haben mich schon gefragt, ob hinter HaraldM evtl. mehrere Personen stecken könnten. Dann eben die doppelte Portion diesmal: > >

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