Stöcker 2.0

Jetzt ist ganz offiziell, was man vor Ort schon lange vermutet hatte: Euroimmun-Chef Prof. Winfried Stöcker will, wie der NDR irreführend berichtet, den „Flughafen Lübeck kaufen“. Und einmal dürfen Sie raten, wen er als Geschäftsführer der Landewiese vorgesehen hat. Wohlige Schauer der Nostalgie laufen über meinen Rücken.

Winfried Stöcker, der Chef der Lübecker Firma Euroimmun, sagte NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig Holstein Magazin, er habe sich schon zwei Mal mit dem Insolvenzverwalter des Flughafens getroffen. Bei den Verkaufsverhandlungen sei man auf einem guten Weg.

NDR, 13. April 2016 (Memento)

Vielleicht sollte man erst mal klarstellen, daß es hier mitnichten um den Kauf eines Flughafens geht, denn die Sache ist viel komplizierter. Kurz und knackig:

  1. dem insolventen Flughafenbetreiber PuRen Germany gehören die meisten technischen Einrichtungen des Flughafens, Gebäude etc. sowie einige Grundstücke rund um den Flughafen, die die Stadt seinerzeit als Geschenk obendrauf gepackt hat. Das alles versucht der Insolvenzverwalter Prof. Pannen derzeit zu verkaufen.
  2. Der Stadt gehören nach wie vor das eigentliche Flughafengrundstück sowie einige technische Einrichtungen, nämlich die, die seinerzeit vom Land subventioniert wurden. Beides wurde an den Flughafenbetreiber lediglich verpachtet bzw. vermietet.

Das wird vermutlich kein Hindernis darstellen, denn die Verwaltung wird alles in ihrer Macht stehende tun, um doch noch einen „Investor“ zu finden.

Für Prof. Stöcker wird es seit seiner letzten „Bewerbung“, als die Stadt die unter Punkt 1. genannten Werte tatsächlich komplett verschenkte und Millionen in Form von Investitionsbeihilfen und Grundstücken draufpackte, wohl trotzdem nicht ganz so einfach. Diesmal muß ein potentieller Flughafenbetreiber diese Dinge wohl wirklich kaufen, für mehr als einen symbolischen Euro. Daß der Insolvenzverwalter, wie die Stadt damals, alles verschenkt, erscheint unwahrscheinlich.

Wie bereits erwähnt, wollte Prof. Stöcker seinerzeit einen bedingungslosen Zuschuß von der Stadt in Höhe von 5 Mio. Euro (immerhin: bei Mißerfolg zurückzuzahlen) und für einen nicht genau definierten Zeitraum 2 Mio. Euro pro Jahr vom Land. Ersterem hat der Hauptausschuß der Bürgerschaft gerade einen Riegel vorgeschoben. Beschlossen wurde, daß die bereits in den Haushaltsplan eingestellten Investitionsbeihilfen von rund 5 Mio. Euro nicht bedingungslos gewährt werden dürfen, sondern nur im Gegenzug für Investitionen durch den Betreiber in gleicher Höhe.

Geschacher?

Ob dieser Riegel dem Stöckerschen Drängen widersteht? Es wäre nicht das erste Mal, daß Politiker zu dem Schluß kommen, daß sie ihr „dummes Geschwätz von gestern“ nichts mehr angeht (siehe Dräger/Finkenstraße). Erst recht, sollte er die Firma Euroimmun ins Spiel bringen.

Koppelgeschäfte, andere würden sie wohl Geschacher nennen, sind Prof. Stöcker nicht fremd.

Als unanständig bewertet Thomas Misch, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, das Angebot von Euroimmun-Chef Prof. Winfried Stöcker an die Stadt. Stöcker will eine Unterkunft für 300 Flüchtlinge in Selmsdorf [Mecklenburg-Vorpommern] bauen, wenn die Stadt ihm Baurecht auf dem Gelände seiner Firma in [Blankensee] gibt. Misch: „Für Stöcker gelten die gleichen Regeln wie für jeden Unternehmer. Wir sind nicht in einer Mafioso-Stadt.“

Lübecker Nachrichten, 9. Juli 2015, Lokalteil HL, Druckausgabe, S. 11

Kommt so etwas unter dem Motto „eine Hand wäscht die andere“ auch im Zusammenhang mit der Landewiese? Keine Ahnung, soweit sind wir noch nicht.

Was Prof. Stöcker in etwa mit der Landewiese vorhat, hat er bereits früher skizziert. Sein Eigeninteresse hat er nicht geleugnet:

Wir sind auf das Flugzeug angewiesen und warten seit langem auf neue Direktverbindungen zwischen Lübeck und mehreren europäischen Drehkreuzen des Luftverkehrs.

Und daß in Lübeck sogar Business-Jets starten und landen können, die sowohl Bautzen als auch Peking non-stop erreichen können, wissen wir inzwischen auch. Wer auch immer sie nutzt 🙂

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Aber Linienverkehr soll es auch geben, so Prof. Stöcker in früheren Äußerungen, und zwar jede Menge.

„Wenn wir schon über einen Flughafen verfügen, müssen wir ihn ausbauen“, sagt Stöcker. Ziel müsse sein, von Lübeck aus mehrere Großflughäfen direkt ansteuern zu können. Der Unternehmer denkt an Frankfurt, München, Kopenhagen und Amsterdam. Ganz wichtig wäre die Wiederbelebung der Ryanair-Linie von Lübeck nach Stansted.

LN-Online, 3. Februar 2012

Zeitweise ventilierte Prof. Stöcker gar die Gründung einer eigenen Fluggesellschaft, Lübeck-Air, die sogleich den Spitznamen „Stöck-Air“ verpaßt bekam.

Laut aerotelegraph wollte Lübeck-Air „im Inland etwas [sic] nach Dresden, Düsseldorf, Frankfurt und München fliegen, im Ausland plant sie Amsterdam, Kopenhagen und Zürich zu bedienen.“

Irgendwie wurde nichts draus. Vorübergehend schien er komplett die Lust verloren zu haben:

… hat sich auch der Euroimun-Chef Winfried Stöcker von Übernahmeplänen verabschiedet. Er könne den Airport nicht im Alleingang in eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft führen, sagte Stöcker NDR1 Welle Nord.

NDR, 23. Juni 2014

Non-Stop-China statt Hummelnest

Was Prof. Stöcker jedenfalls nicht will, ist auch klar. Am 12. Juli 2011 veröffentlichten die Lübecker Nachrichten einen Leserbrief, in dem er schrieb:

Ich wohne selbst in der unmittelbaren Umgebung des Flughafens und bin froh, dass uns die Linienmaschinen heute die Sportflugzeuge vom Leibe halten, die uns vor zwanzig Jahren abends und am Wochenende ständig gestört haben mit ihrer permanenten Geräuschkulisse, immer wenn es draußen schön war und man im Garten sitzen konnte.

Und später:

„Der Flughafen darf nicht zu einem Hummelnest für laute Motorflieger herabgestuft werden.“

LN-Online, 3. Februar 2012

Also, Sportflieger und Flugschulen: warm anziehen! Und was die Segelflieger und ihr Gelände im Süden angeht – wer weiß… Jedenfalls ergeben sich aus der räumlichen Nähe von Euroimmun und Flughafen ganz neue Perspektiven.

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Hellblau eingerahmt: Flughafengelände; dunkelgrün eingerahmt: Euroimmun-Gelände; orange schraffiert: Eigentum Hansestadt Lübeck; ocker: Grundstücke des Lübecker Beteiligungs-U-Boots KWL

Dem steht zwar das Stillhalteabkommen des Flughafens mit den „Naturschützern“ entgegen, das nebenbei auch die Expansionsbestrebungen von Euroimmun eingedämmt hat – aber nur vorläufig. Auch Prof. Stöcker wird wissen, daß diese Mediationsvereinbarung Ende 2019 ausläuft. Im östlichen Teil des Flughafengeländes, einschließlich der Hallen der Segelflieger, sind Baumaßnahmen laut Vereinbarung schon seit Ende 2014 möglich.

Und stellen Sie sich mal vor, die Euroimmun-Mitarbeiter müßten nicht mehr den zeitaufwendigen Riesenumweg über Seekamp, Am Flugplatz und Blankenseer Straße nehmen, um zum Flughafen zu kommen, sondern hätten einen eigenen Zugang zum Flughafen, notfalls als Tunnel unter der Start- und Landebahn, und dann womöglich noch zu einem eigenen Euroimmun-Terminal! (Ich würde das gerne als Ironie kennzeichnen, aber nichts ist so verrückt, daß es nicht doch irgendwann vorgeschlagen wird. Jedenfalls in der Hanselstadt™.)

Zudem könnten sich nach einer Durstphase die politischen Mehrheiten bei Wahlen in Stadt und Land ändern, die CDU jeweils die Mehrheit erreichen und etwas großzügiger subventionieren. Vielleicht lesen die Christdemokraten vorher aber mal diesen Beitrag des Bloggers Prof. Stöcker über das Christentum und den anzustrebenden Sturz von Angela Merkel (Memento). Er wird sie köstlich amüsieren!

Nostalgische Gefühle

Und wir wollen uns jetzt auch amüsieren. Wir haben es uns verdient.

Auf der Gehaltsliste Stöckers steht seit mehr als einem Jahr der ehemalige Geschäftsführer des Flughafen [sic] Lübeck, Jürgen Friedel … Nach Angaben von Stöcker soll Friedel Fluggesellschaften nach Lübeck holen, damit Passagiermaschinen dort wieder starten und landen können.

NDR, 13. April 2016 (Memento)

„Zwei Jahre“ (mindestens) wäre übrigens zutreffender. Also niemand geringeres als Hon.-Prof. Dr.-Ing. Friedel, derzeit Kaufhaus-Chef in Görlitz, in der Pampa vor der polnischen Grenze gelegen, soll den Flughafen retten. Mal wieder!

LN: Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie dachten: Der Flughafen ist nicht zu retten?

Friedel: Zu Beginn meiner Tätigkeit haben wir eine Ist-Analyse vorgenommen. Als die vorlag, hatte ich tatsächlich den Eindruck, die Karre steckt zu tief im Dreck. Aber wie immer im Leben: Mit Durchhaltevermögen haben wir es geschafft, die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen.

LN, 5. Oktober 2013, Druckausgabe, Lokalteil HL, S. 12

Noch deutlicher:

„Ich bin mächtig stolz, den Flughafen Lübeck gerettet zu haben“, sagt Friedel …

LN-Online, 1. Oktober 2013

Mit Verlaub, das scheint übertrieben. Gerettet hat die Landewiese seinerzeit ein ebenso überflüssiger wie teurer Bürgerentscheid, der bis Ende 2012 galt – bezahlt hat den Spaß bis dahin die Hanselstadt™ bzw. ihr Steuervolk. Zum Zeitpunkt der Abstimmung (25. April 2010) war Hon.-Prof. Dr.-Ing. Friedel nicht Geschäftsführer der Flughafen Lübeck GmbH, das wurde er erst rund ein Jahr später.

Wie gesagt, zu retten gab es bis Ende 2012 nicht viel, weil die Stadt im Endeffekt alles bezahlte. Dann kam die Verschenkung an den „Investor“ Amar – und neun Monate später war Hon.-Prof. Dr.-Ing. Friedel weg.

LN: Sie haben sich eingearbeitet, Sie kennen alle Probleme des Airports – wäre es nicht besser gewesen, einen solchen Kapitän an Bord zu lassen?

Friedel: Im Sinne der Kontinuität wäre das sicher gut gewesen, aber für mich ist der Flughafen Lübeck keine Lebensstellung. Ich musste irgendwann den Absprung machen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt.

LN, 5. Oktober 2013, Druckausgabe, Lokalteil HL, S. 12

Knapp zweieinhalb Jahre dauerte sein Wirken an der Landewiese. Währenddessen akquirierte er jede Menge neuer Fluglinien, oder? Ich sehe das jetzt nicht nach und überlasse die Zusammenfassung den LN:

Wenige Monate nach Amtsantritt von Jürgen Friedel verkündet Ryanair das Aus der London-Linie (Juli 2011). … Im Januar 2012 stellt Friedel sein Sparkonzept für den Airport vor – mit radikalem Stellenabbau. Am 9. Mai 2012 kam Ryanair-Chef Michael O’Leary nach Lübeck – große Show, keine neuen Linien.

Aber es gab doch so viele tolle Ansätze:

Die Projekte für Gäste aus der Schweiz und aus Österreich brauchen einen Airport in Lübeck.

Wie viele Gäste kamen denn? Und, um mal andere Projekte späterer Geschäftsführer zu erwähnen, was war denn mit den Weihnachtstouristen aus Schweden? Mit den Charterflügen nach Antalya? Der letzte Investor

Chen … hatte auch schon die erste Charter-Fluglinie im Gepäck. Ab den Herbstferien soll die neue Charter-Fluglinie von Lübeck in das türkische Antalya starten.

LN-Online, 1. August 2014

Resultat: vier Flüge, dann war‘s schon wieder vorbei. Das hat die Presse natürlich nie erwähnt. Das neuerliche wundersame Wirken des Hon.-Prof. Dr.-Ing. Friedel wird allerdings nicht sofort Früchte tragen:

Bis dahin werde es aber mindestens ein bis zwei Jahre dauern, erklärte Stöcker.

NDR, 13. April 2016 (Memento)

Was machen wir in der Zwischenzeit? Wie in den guten alten Friedel-Zeiten: Lustige Strandkorb-Rallye auf der Start- und Landebahn. Es kommen nur ein paar Dutzend Teilnehmer und Zuschauer? Die Runway mußte über die Luftsicherheitsbehörden gesperrt werden, also war der Flughafen nicht betriebsbereit. Das soll, so war zu hören, ohne Personalkosten schon 6.000€ gekostet haben – für 60 Teilnehmer. Anschließend hieß es, man wolle auch gar nicht mehr Gäste, „um erst mal zu prüfen, ob die Abläufe funktionieren.“

Oder wie wäre es mit irischem Folk von Glenfiddle im Terminal? Aber was ist, wenn doch mal ein Flugzeug kommt? Muß man dann als Ersatz für das Terminal eine Flugzeughalle für das Konzert leerräumen, Kosten egal – bei 150 Gästen, keineswegs alle zahlend?

Und mittelfristig braucht man ein neues Logo (gaanz wichtig, hat bisher jeder „Investor“ gemacht). Der letzte hat das alte Logo zwar nicht wesentlich umgestaltet, aber in chinesisches Kommunisten-Rot getaucht. Man sieht, es gibt viel zu tun für Hon.-Prof. Dr.-Ing. Friedel. Der hatte ein neues Logo bei der Hamburger Agentur Elbfeuer in Auftrag gegeben und das sogar in Form von Plastikfolie an den Aussichtsturm hängen lassen – man sieht das heute öfter noch auf Archivfotos.

blau

Sie ist längst nicht mehr da; ob sie mit Absicht entfernt oder einfach vom Wind verweht wurde wie bisher alle Flughafenträume, weiß ich nicht.

11 Replies to “Stöcker 2.0”

  1. Wir alle wissen seit dem 30.9.2015 von der letzten Insolvenz. Daher muss die Frage erlaubt sein, warum Herr Stöcker erst jetzt, über 6 Monate später, ernsthafte Verhandlungen führt.

    Kann ja nur eines bedeuten: Wenn ein anderer den Flughafen kauft, habe er ihn nicht als Kostenfaktor in seinen Büchern. Da es keinen anderen Käufer gibt bleibt nur der letzte Ausweg: Weil Herr Pannen Handlanger der Politik geworden zu sein scheint, kauft Herr Stöcker nun doch den „Weltstadtflughafen“, Haupsache andere bezahlen.

    Wollen wir wetten ?

    1. Es muss nur zeitlich wieder knapp genug sein und es muss betont werden, wie wichtig der Flughafen ist. Auf Aussagen der Politik in Lübeck vertraue ich nicht mehr! Der Leidensdruck muss nur groß genug sein und die Steuergelder werden wieder fließen. Wetten dass?!?

      Unsere Lokalpresse übernimmt doch derzeit wieder ungeprüft die Zahlen, wie wichtig der Flughafen doch sei. Ist es nicht auch Aufgabe der Presse Zahlen/Fakten mal zu überprüfen? Erst recht, wenn man mit vielen Artikeln in der Vergangenheit über den Flughafen schon derartig falsch gelegen hat. Jahrelang wurde dieser Flughafen einfach nur sinnlos hochgejubelt und nie wurden seitens der Lokalpresse kritische Gegenfragen gestellt. Das muss alles ein kleiner guter Blog übernehmen?

      1. Gegen die einseitige Berichterstattung des inoffiziellen Stadt-Organs helfen wirklich nur zwei Sachen:

        1. Diesen Blog lesen
        2. Die LN abbestellen.

        Punkt 1 gönne ich mir schon lange.
        Punkt 2 habe ich mittels entsprechendem Anschreiben vor Jahren erfolgreich hinter mich gebracht, als die LN die Abo-Gebühr anheben wollten mit dem Hinweis, dass nur auf Grund der höheren Gebühren eine gleichbleibend gute journalistische Qualität gesichert werden könne.
        Es darf meinem Beispiel gerne gefolgt werden.
        Wenn mich etwas über Lübeck interessiert, gucke ich bei HL-live nach. Die haben zwar auch nachgelassen mit ihrem Biss, aber was soll’s.

        Und bezüglich des Fluchhafens Blankensee gibt es ohnehin nur eine verlässliche Quelle. Diesen „kleinen“, aber feinen Blog.

        1. Jupp. So mache ich es auch seit Jahren. Die wichtigsten Updates was in Lübeck passiert, erhält man auf HL-Live – wobei ich bei denen auch keinerlei journalistischen Ansprüche stelle. Die veröffentlichen halt Polizeimeldungen oder andere Pressemeldungen. Dafür hat man recht viel nervige Werbung – aber man ist einigermaßen informiert, was in der Stadt so passiert bzw. Thema ist.
          Letztlich ist es für die Medienlandschaft aber tragisch, dass sie(die Lokalpresse) sich selbst mit ihrer absolut kritiklosen Berichterstattung überflüssig macht. Mich würde mal interessieren was die Mitarbeiter dieser lokalen Zeitung dazu sagen bzw. darüber denken? Haben Journalisten nicht irgendwie eine „berufliche Ehre“? Oder ist ihnen auch egal, dass es in ein paar Jahren keine Tageszeitung mehr geben wird? Man dürfte doch erwarten, dass in den Redaktionsräumen noch irgendwelche Journalisten sitzen, die Behauptungen/Zahlen hinterfragen oder bei Politikern mal energisch nachfragen(usw.)?
          So sehe ich jedoch bei denen einfach keinen Mehrwert zu HL-Live.
          Eigentlich traurig…. unfähige verklüngelte Politik und eine lethargische Lokalpresse.
          Hach 🙁

          1. Genau so ist es. Was JvZ da heute wieder vom Stapel gelassen hat, ist schlicht das Letzte.
            Eine Aneinanderreihung von zusammentelefonierten Zitaten von Leuten, die in der Vergangenheit noch nie etwas zum Flughafen gesagt haben, das sich am Ende als richtige Vorhersage entpuppte. Z.T. widerspricht es auch dem, was diese Leute früher gesagt haben. Kein Nachhaken, kein Rückblick, nur das alte Gequatsche als neuer Aufguss.
            Und der unbedarfte Leser denkt sich wieder: alles Gut, JETZT wird es was mit dem Flughafen.
            Der Anteil u.a. von JvZ und KD am Fortdauern dieses Dramas ist nicht zu unterschätzen, denn sie bereiten den Nährboden, auf dem die Leute auf der Straße diesen Irrsinn widerstandslos hinnehmen.
            Irgendwie haben die ihre Aufgabe in der Gesellschaft so gar nicht verstanden.

          2. „Fanboy“,
            Ich kann Ihnen nur zustimmen, dass die Journalisten Zahlen hinterfragen, recherchieren und auch energisch nachfragen sollten, wie es der NDR ja teilweise gemacht hat.

            Allerdings stimme ich ihnen nicht zu in dem Punkt, dass die Mitarbeiter der lokalen Zeitung ihre eigene Meinung dazu sagen sollten, bzw., was sie denken.
            Begründung:
            Ich habe schon einige kritische Kommentare an HL-Live geschrieben.
            Manche wurden gedruckt, manche erschienen nicht.
            In letzterem Fall kam dann eine Rückmail mit sinngemäß folgendem Text:“ man habe freiberufliche Leute, die meinen Text geprüft haben usw. Wer meinen Kommentar prüfte, kann nicht nachvollzogen werden“.
            Und da bin ich bei der freien Meinungsäußerung: Hat zufällig jemand, der meiner Meinung ist, den Text kontrolliert, dann erscheint er auch als Leserbrief.
            Ist der „freie Mitarbeiter“ nicht meiner Meinung, dann erscheint der Kommentar eben nicht.
            Ich schreibe deshalb nicht mehr an HL-Live, weil das für mich reine Zensur ist.
            Und ebenso interessiert mich die persönliche Meinung der Journalisten nicht.
            Ich möchte, genau wie Sie, dass nicht irgendwelche Aussagen und Zahlen nachgeplappert werden, sondern dass auch mal in die Tiefe recherchiert und Aussagen hinterfragt werden.
            Aber das erlebt man heutzutage selten.

        2. Danke für das Lob!

          Ich habe mal kurz bei der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) nachgesehen, wie es den LN so geht. Alle genannten Zahlen beziehen sich auf die Verbreitung lt. IVW (alle Lokalausgaben, einschließlich e-paper, einschließlich Sonntagsausgabe). Die Quartalszahlen habe ich zu Jahreszahlen zusammengefaßt.

          Innerhalb von 10 Jahren sank die Verbreitung von rund 489.000 auf 406.000 Exemplare, ein Rückgang um 17%. Alleine von 2014 auf 2015 ging sie um 12.600 Exemplare oder 3% zurück.

          Traurig, und ich meine das nicht ironisch, denn diese Stadt bräuchte schon eine gute Lokalzeitung. Man ist in einer Abwärtsspirale: es wird weniger verkauft, man muß sparen – und woran spart man dann wohl? Das resultierende Produkt wollen noch weniger Leute lesen, und weiter geht’s nach unten. Meines Wissens ist das kein Problem der Lübecker Nachrichten, sondern weit verbreitet. Aber zusätzliche lokale Faktoren kann ich natürlich nicht ausschließen 😉

    2. Was Herr Sählandt sagt, klingt recht plausibel. Solange ein anderer die Piste betrieben hat, konnte Herr Stöcker die Einrichtung nutzen und musste sich die Probleme nicht selbst ans Bein binden. Das erklärt die Zurückhaltung bis zuletzt. Nun findet sich aber offenbar niemand mehr und Herr Stöcker steigt in die Verhandlungen ein. Praktischerweise ist auch die Belegschaft auf ein gesundes Maß reduziert, die Kündigungen hat schon Herr Pannen erledigt. Gut in Szene setzen lässt sich sicher auch die Rettung in letzter Minute. Und wie Herr Klanowski schreibt, rückt durch die Übernahme der Zugriff auf benötigte Flächen für Euroimmun noch näher. Bürgerschaft, LN und Fans werden diese Wendung sicher feiern. Und tatsächlich dürfte diesmal genug Durchhaltevermögen vorhanden sein, so dass es nicht schon nach kurzer Zeit wieder vorbei ist. Es wird sicher auch ruhiger um den Flughafen werden, ohne verrückte Geschäftsideen oder Ankündigungen, die sich nicht erfüllen. Bleibt nur zu befürchten, dass die Politik vor lauter Dankbarkeit vergisst, auf Rechte, Einnahmen und Steuern zu pochen.

      1. Denke ich auch, bis auf eines.

        Es wird sicher auch ruhiger um den Flughafen werden, ohne verrückte Geschäftsideen oder Ankündigungen, die sich nicht erfüllen.

        Nee, davon werden wir etliche bekommen. Nicht sofort, aber später bestimmt. Den Zeitraum kann ich nicht definieren, aber so nach zwei Jahren wird’s interessant werden. Ist andererseits auch ganz nett, wenn ich so lange Pause machen kann.

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