Großes Kino: der Vorspann zu Stöck-Air-Port

Dieses Video wird zum Klassiker werden. In zwei Wochen, in zwei Monaten, zwei Jahren; wer weiß. Das Schleswig-Holstein-Magazin des NDR berichtet über Prof. Stöckers Pläne, die marode Landewiese zu übernehmen – und selbst der dafür vermutlich vorgesehene Geschäftsführer hat Zweifel, aber eine recht merkwürdige Begründung, wieso er doch dabei ist. Popcorn!!1!

Prof. Stöcker, Chef des Lübecker Unternehmens Euroimmun, sei „sehr zuversichtlich, mit dem Insolvenzverwalter schon bald zum Vertragsabschluß zu kommen“. Und das in etwa zwei Wochen, so der Bericht.

Löblich: weder fehlen im Beitrag die Äußerungen Stöckers in der Vergangenheit, die viele als fremdenfeindlich ansahen, noch der Aufruf zum Sturz der Kanzlerin Merkel und das Rezept für eine Rhabarber-Kaltschale.

Reaktionen von Lokalpolitikern:

Wenn er das Geld hat und wenn er das wirklich profitabel betreiben kann, dann, mein Gott, dann soll er das machen. Aber wie gesagt, wenn er wie beim letzten Mal meint, daß es dort noch einen Betriebskostenzuschuß von der Stadt geben soll, damit darf er eben nicht spekulieren, weil es dort kein weiteres Geld geben wird von der Stadt.

Michelle Akyurt, Bündnis 90/#Grüne

Es ist immer so eine Sache mit Fernsehbeiträgen, in denen man nur ein paar Sekunden zur Verfügung hat. Aber so wie hier zitiert muß die Aussage enttäuschen; nach wie vor geht es beim Flughafen auch um Lärm- und Naturschutz sowie beispielsweise endlich eine Entwässerung, die der gesetzlichen Norm entspricht. Für Lärmschutz und Entwässerung dürften alleine 14,5 Mio. Euro fällig werden (Stand: 2010). Auch ein Herr Prof Stöcker hat die vermutlich nicht, schon gar nicht zusätzlich zu den laufenden Kosten des Flughafenbetriebs, in der Portokasse. Überhaupt darf man auf die Finanzierung gespannt sein. Wie hieß es doch vor gar nicht allzulanger Zeit?

Er könne den Airport nicht im Alleingang in eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft führen, sagte Stöcker NDR1 Welle Nord.

NDR, 23. Juni 2014

Frau Akyurt weiß sicherlich auch, daß es andere Möglichkeiten gibt, einem „Investor“ einen geldwerten Vorteil zuzuschanzen: Grundstücke. Das haben wir doch gerade am Beispiel Blankenseer Straße 100 erlebt, einst dem Flughafenbetreiber geschenkt und jetzt für 175.000 Euro versilbert. Ich habe übrigens auch eine Ahnung, wer das Haus gekauft hat und dort vermutlich nicht einziehen wird.

Frage also: soll die Stadt, wie bei den letzten „Investoren“, auf die Grundstücke rund um den Flughafen verzichten und somit einen neuen Flughafenbetreiber indirekt in zweistelliger Millionenhöhe subventionieren?

Jan Lindenau hat indes keine Probleme mit dem „Investor“ Stöcker.

Im Ergebnis ist es für die Stadt immer sicherer und besser, wenn der Flughafen weiterbetrieben wird, und von daher kann am Ende auch ein Herr Stöcker selbstverständlich seinen privaten Vergnügen auf dem Flughafen, äh, dann entsprechend weiter vorantreiben.

Jan Lindenau, SPD

Welch ein Offenbarungseid der SPD, abgesehen vom mangelhaften Deutsch. Die Landewiese, einst Kernpunkt lübscher Staatsräson, jahrzehntelang als angeblicher Jobmotor und vermeintlicher Touristengenerator hochgejubelt, wird nunmehr zur Lustwiese degradiert, auf der Prof. Stöcker Marmelade kochen, Ostereier ausblasen und Geldscheine verbrennen kann? Hauptsache, er ist so doof und bezahlt es?

Ich wage sonst keine Prognosen, aber hier schon: Herr Prof. Stöcker ist ganz bestimmt nicht so doof, wie Herr Lindenau anzunehmen scheint. Die Rechnung kommt später, aber sie kommt. Ganz bestimmt. Und es wird Prof. Stöcker ein fast unendliches Vergnügen bereiten, sie gerade der SPD unter die Nase zu halten. Falls die in ein paar Jahren überhaupt noch eine Rolle in Lübeck spielen sollte.

Aber die goldene Palme geht zweifelsohne an Hon.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Friedel, den augenscheinlich designierten Geschäftsführer des Stöck-Air-Ports. Er erklärte dem Schleswig-Holstein-Magazin telefonisch:

Ich bin ja selbst sehr skeptisch für die nächsten Jahre, und sage das auch Herrn Stöcker so. Aber er glaubt langfristig dran. Und hat ja auch bei Euroimmun öfter schon den richtigen Riecher bewiesen.

Das überzeugt mich echt. Jetzt verstehe ich auch den Aufruf Stöckers zum Sturz der Kanzlerin Merkel erst richtig – wer soll denn der Nachfolger werden? Der geniale multitalentierte Philanthrop vom Blankensee ist natürlich viel zu bescheiden, sich selbst vorzuschlagen. Nun gut, dann mache ich das mal eben: Winfried Stöcker muß Bundeskanzler werden! Oder König, oder Kaiser.

4 Antworten auf „Großes Kino: der Vorspann zu Stöck-Air-Port“

  1. Meine erste Reaktion war auch die, dass ich mir dachte „Soll er doch, ist ja sein Geld, was er da verbrennt“. Aber den Punkt Umweltschutz darf man nicht vernachlässigen. Es ist daher richtig, dass Herr Klanowski das in Erinnerung ruft. Doch nennenswerter Flugverkehr, der zu großer Verschmutzung führt, ist eher unwahrscheinlich. Selbst Herr Friedel ist da skeptisch. Aus meiner Sicht ist das alles im Rahmen, wenn…

    – die Konzernlenker ihre Business-Flieger nutzen können
    – Herr Friedel ein paar Urlaubsflieger organisiert
    – die Segelflieger ihrem angestammten Sport weiter nachgehen können
    – der Lärm der Motorflieger nicht Überhand nimmt
    – Herr Stöcker ganz hanseatisch seine Abgaben für die Piste bezahlt
    – die Stadt sich nicht mit Zuschüssen oder Vergünstigungen beteiligt

    Man kann ja schon froh sein, dass diesmal keine Witzfigur mit irren Plänen den Laden übernehmen will. Oder sehe ich das zu locker?

    1. Es heißt ja so schön, und auch ich habe das geschrieben, am Flughafen sei nun nichts mehr los. Das bezog sich natürlich vor allem auf Passagier- und Gepäckabfertigung.

      Über die mögliche Motivation von Prof. Stöcker vielleicht später mehr; immerhin will er laut heutiger LN an den Ausbauplänen festhalten, was ja auch schon etwas aussagt. Aber noch hat er die Landewiese doch gar nicht. Nehmen wir mal an, stattdessen bekommt der Schrotty den Zuschlag – dann wird’s aber heftig mit Lärm- und Umweltschutz.

      Daß es in naher Zukunft keinen nennenswerten Flugverkehr mehr geben würde, wage ich zu bezweifeln, unabhängig vom neuen Betreiber. Im Jahr 2015 gab es in Lübeck 872 Starts in der Gewichtsklasse 25 – 75t, wobei man annehmen kann, daß das größtenteils Wizz-Air-Flüge waren. Im selben Zeitraum gab es aber 5,716 Starts leichterer Flugzeuge (Quelle: Statistisches Bundesamt). Ich rechne nach dem Weggang von Wizz Air daher nicht mit einer deutlichen Abnahme der Flugbewegungen.

      1. Wenn der Schrotty den Zuschlag erhielte, wäre es schon doof. Bin jetzt aber mal davon ausgegangen, dass Herr Stöcker den Kauf tätigen wird. Könnte mir auch vorstellen, dass er das schon immer vorhatte und nur gewartet hat, bis nichts mehr geht und ihn alle anbetteln. Ich glaube nicht mehr an ein Ende, auch diesmal wird der Wunsch wohl nicht in Erfüllung gehen. Einziger Trost ist die Tatsache, dass Herr Stöcker nicht wie Amar oder Chen ist. Das Festhalten an den Ausbauplänen und das Ziel einer Rückkehr des Linienbetriebes halte ich für Rhetorik und bezweifle auch, dass Herr Friedel dies als Pflichtprogramm aufgetragen bekommt. Weil damit die Defizite nur wieder steigen würden, dürfte das ausfallen. Wie satt dessen ein wirtschaftlicher Betreib stattfinden soll, darauf bin ich sehr gespannt. Hauptsache die Lösung liegt nicht darin, die Stadt und Steuerzahlerinnen dafür heran zu ziehen.

Kommentare sind geschlossen.