Neues Stück über Stöcker

„Der neue Heilsbringer für den Erhalt des Lübecker Flughafens heißt Winfried Stöcker. Die Begeisterung der Hanseaten ist so groß, dass sie ganz zu vergessen scheinen, wer dieser Mann eigentlich ist,“ schreibt Karin Lubowski.

shz.de, 24. April 2016

Wohl wahr. Das ist zunächst ein Stück über die lübschen Hanselmännchen, die jubeln, obwohl der „neue Heilsbringer“ überhaupt nichts Konkretes angekündigt hat. Typisch, man klammert sich an jeden Strohhalm.

Natürlich geht es in dem Beitrag um die Äußerungen des Herrn Professors, die in weiten Kreisen als fremdenfeindlich gewertet, von anderen freudig begrüßt wurden – die NPD Sachsen ernannte ihn spontan zum Unternehmer des Jahres 2015.

Da kann der Herr Professor natürlich nichts für. Die Diskussion lenkt sowieso ein wenig ab. Erratisch hat Professor Stöcker schon immer agiert.

Vor zweieinhalb Jahren zahlte Stöcker 5000 Euro für einen unerlaubt angelegten Parkplatz, nachdem er jahrelang vergeblich auf eine Genehmigung gewartet hatte. Auch den Kauf des Blankensees vor der Firmenzentrale fanden nicht alle Behörden der Hansestadt gut. Ausdrücklich gelobt wurde der Unternehmer dafür, dass er 2010 für mehr als 200 000 Euro die Straße vor dem Unternehmen, den Seekamp, auf eigene Kosten sanierte.

Eben, die Straße vor seinem Unternehmen, den Rest der Straße natürlich nicht! Und das ging in der hiesigen Monopolpresse tatsächlich als Wohltat durch. Stattdessen dann das nächste Bußgeldverfahren:

Hinter einem umzäunten Bolzplatz soll eine Sporthalle für seine Beschäftigten entstehen. Neben dem Platz will er einen Neubau für den Kinderhort hochziehen. Bolzplatz und Spielplatz sind bereits angelegt. Doch jetzt hat der eigenwillige Unternehmer mächtig Arger mit den Genehmigungsbehörden der Stadt. Die haben Stöcker eine Untersagungsverfügung und einen Bußgeldbescheid über 50 000 Euro zugeschickt. Der 66-jährige Firmengründer wehrt sich mit einem renommierten Anwalt – dem FDP-Politiker Wolfgang Kubicki.

Lübecker Nachrichten, Lokalteil HL, 20. Dezember 2013, Seite 9

Kubicki, den Namen habe ich doch gerade irgendwo gelesen…? Das Problem: der Herr Professor hatte mal wieder Bäume beseitigen lassen, obwohl er das nicht durfte. Einsehen will er das nicht; im Gegenteil.

[E]r wolle sich auf seinem Gelände nicht alles vorschreiben lassen. Der Unternehmer: „Ich habe eine Güterabwägung vorgenommen. Wenn die Hansestadt so lange braucht, um Gesetze auszuführen, muss ich mich darüber hinwegsetzen.“

Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Prof. Stöcker glaubt, er müsse sich über Gesetze hinwegsetzen? Ob bei ihm noch alle Maßstäbe stimmen, wäre eine öffentlich zu diskutierende Frage. Auch angesichts seines Gesülzes über

Politiker und arrogante Journalisten, die glauben, Ihnen vorschreiben zu dürfen, was Sie zu denken und zu sagen haben, und die einfältig und überheblich auf Menschen herabblicken, deren stichhaltige Beweggründe sie nicht durchschauen.

shz.de, 24. April 2016

Kein Zweifel, er meint sich selbst. Er weiß alles besser. Er ist klüger als die Verwaltung. Und als Journalisten sowieso. Die sind alle dumm und verstehen seine stichhaltigen Beweggründe nicht. Vielleicht sollte ich mal über ultra-arrogante Unternehmer klagen, die sich in ihrem eigenen hinzugekauften Beritt (z.B. Blankensee) wie Könige aufführen und Hof halten?

Ob man jemandem wie ihm den Betrieb eines Flughafens im öffentlichen Auftrag übertragen sollte? Ich denke, so ein launischer Kandidat, der gerne mal das Gesetz in seine eigene Hand zu nehmen versucht und alle anderen für blöd hält, wäre eher ungeeignet.

Aber noch kurz zum Artikel von Frau Lubowski, der leider nicht ganz fehlerfrei ist:

Insolvenzverwalter Klaus Pannen will im Mai entscheiden, wer den Flughafen bekommt.

shz.de, 24. April 2016

Nein, das kann und wird er nicht, denn er hat keinen Flughafen zu verkaufen, sondern lediglich Teile davon. Der Rest hängt von der Zustimmung der Hanselschaft der Bürgerstadt ab, der der Rest gehört, und die nickt zwar jeden Schwachsinn ab, aber abwarten sollte man das anständigkeitshalber schon.

Vielleicht erinnert sich ja sogar Herr Zander (CDU) an das, was er damals Professor Stöcker bezüglich seiner als fremdenfeindlich empfundenen Äußerungen nahegelegt hat, nämlich „ob er sich nicht auf seinen geistigen Zustand untersuchen lassen muss.“(LN-Online, 19. Dezember 2014)

Und wie die Freien Wähler schon mal in einer anderen Angelegenheit befanden:

Für Stöcker gelten die gleichen Regeln wie für jeden Unternehmer. Wir sind nicht in einer Mafioso-Stadt.

Äh, ja… nein… oder?