Investorenfalle kurz vor dem Zuschnappen

Der Betrachter wendet sich mit Grausen: die Schmierenkomödie „Landewiese Lübeck: Insolvenz in Permanenz“ geht in die nunmehr sechste Verlängerung. Ein Wohltäter, vermutlich der König von Blankensee, zahlt für rund sechs Wochen den Weiterbetrieb der Geldverbrennungsmaschine.

Doch welches Interesse hat er wirklich?

Die Verhandlungen zum Verkauf des Lübecker Flughafens Blankensee sind noch nicht abgeschlossen. Es gebe noch immer vier Interessenten, doch mit einem davon verhandele er sehr intensiv mit dem Ziel einer baldigen Übergabe, sagte jetzt der Insolvenzverwalter Klaus Pannen. Er hoffe, dass es im Juni zu einem Vertragsabschluss kommen werde.

Pannen bestätigte, dass sich einer der Interessenten bereiterklärt habe, ab Mitte Mai die Betriebskosten des Flughafens zu übernehmen. „Dadurch ist der Weiterbetrieb des Flughafens bis Ende Juni gesichert“, sagte er. Er sprach von sehr konstruktiven Gesprächen mit einem Investor bezüglich einer Übernahme des Flughafens. „Das würde einen vollständigen Erhalt der bisherigen Infrastruktur bedeuten“, sagte der Insolvenzverwalter.

dpa via airliners.de, 11. Mai 2016

Der letzte Satz gibt schon zu denken: wollen die anderen drei Interessenten etwa keinen „vollständigen Erhalt der bisherigen Infrastruktur“?

Bei dpa hieß es am Nachmittag noch schwammig:

Zu Gerüchten, wonach der Lübecker Unternehmer Winfried Stöcker die Betriebskosten vorstrecke, wollte Pannen keine Stellung nehmen. Auch Stöcker selbst machte dazu keine Angaben.

Konkreter wird es hier:

Der Lübecker Unternehmer Winfried Stöcker will den insolventen Flughafen der Hansestadt zum Sommer übernehmen. Das hat er heute dem Schleswig-Holstein-Magazin bestätigt. Die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter stünden kurz vor dem Abschluß.

Da dem Flughafen bereits in vier Tagen das Geld ausgeht, will Unternehmer Stöcker schon ab Mitte Mai für die Betriebskosten und Gehälter der 31 Mitarbeiter aufkommen. Zum 1. Juli soll dann der Vertrag mit dem Insolvenzverwalter in Kraft treten.

[Prof. Pannen:] Er hat in der Tat die Absicht, diesen Fluchhafen [phon.] als Fluchhafen [phon.] fortzuführen, äh, er wird zunächst also, auf etwas kleinerer Flamme kochen, und wird dann im Lauf der Zeit auch den Linienbetrieb nach Lübeck holen.

Schleswig-Holstein-Magazin, 11. Mai 2016 (ab Minute 19:48)

Klar, wird er. Er schafft alles!

Weg mit dem Gequatsche

Vergessen wir dieses Dumpfbacken-Gequatsche ganz schnell. Herrn Prof. Stöcker dürfte es um etwas anderes gehen – und leider erwähnt der NDR mit keinem Wort, daß der Investor offenbar (so der Herr Bürgermeister Saxe neulich im Hauptausschuß) auch das Flughafengelände „kaufen“ möchte.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters Klaus Pannen müssen nur noch Details geklärt werden.

NDR, 11. Mai 2016

Und dafür braucht man nochmal sechs Wochen, nach über acht Monaten Insolvenz? Für den Insolvenzverwalter mag das zutreffen; er verkauft ja nur Teile der Landewiese. Andere Teile gehören nach wie vor der Stadt, und hier dürfte der aktuelle Knackpunkt liegen. Nicht nur muß die Stadt ihre Flughafeneinrichtungen und das Betriebsgrundstück verpachten oder verschenken – das hatten wir bereits.

Man kann getrost davon ausgehen, daß „Investor“ Stöcker weitere Forderungen an die Stadt und die ihm verhaßte „unsäglich untaugliche“ Verwaltung (Lübecker Nachrichten, 10. März 2011) stellt, und daß es in den Verhandlungen darum geht, auch wenn unser Herr Bürgermeister nach eigenem Bekunden nicht dabei ist.

Man braucht sich wirklich nur die Karte (Beitragsbild) anzusehen, um mögliche weitere Interessen des Herrn Prof. Stöcker auszumachen. Betrachten Sie die leckere Fläche östlich des grün eingerahmten Euroimmungeländes, die sich derzeit im Besitz der Stadt befindet.

Im Mediationsvertrag mit den „Umweltschützern“ wurde folgendes festgelegt:

Sicherung der östlich an EUROIMMUN angrenzenden Schutzgebietsflächen im Eigentum der Stadt Lübeck (ca. 30 ha) durch Eintragung einer beschränkt persönlichen Dienstbarkeit für den Naturschutz zugunsten des BUND (oder NABU) mit Bewehrung gegen Verstöße in Höhe von 100 €/m².

Nun, die Fläche würde dann Eigentum der Firma Euroimmun oder von Prof. Stöcker werden, und diese Vereinbarung im Jahr 2019 auslaufen. Aber selbst vorher ließe sich da etwas drehen, denn es gibt eine vertraglich festgelegte Begrenzung auf 10 Mio. € Höchststrafe. Das macht bei einem Verstoß auf der gesamten Fläche 30 Euro pro Quadratmeter – recht günstig für Gewerbeflächen, wenn man sie ansonsten womöglich geschenkt bekommt.

Man wird sehen müssen, ob die Mehrheit der Lübecker Bürgerschaft sehenden Auges in die nächste Investorenfalle hineintappt. Vermutlich ja.

21 Antworten auf „Investorenfalle kurz vor dem Zuschnappen“

  1. Hallo Herr Klanowski,
    ich habe mehrfach über Ihren Titel:“Investorenfalle kurz vorm zuschnappen“ nachgedacht.
    Eigentlich müsste es doch heißen:“Falle der Investoren kurz vorm zuschnappen“, oder??
    Denn der/die Investoren werden doch nicht gefangen, sie stellen die Falle doch auf, wer darin gefangen wird, können wir uns alle ausrechnen.
    Zum Vergleich: in der Mausefalle wird die Maus gefangen.

    1. Ich dachte eher an so etwas wie die „Schuldenfalle“, in der ja auch keine Schulden gefangen werden 😉 Aber wie sieht die Maus in der Falle das, jedenfalls anfänglich: do I eat or am I eaten?

      Meinen Sie wirklich, das ist so einseitig? Oder eher so wie „halb zog sie“ (die Hanselstadt™) ihn (Stöcker), halb sank er hin? Wissen wir das? Vielleicht hat der Herr Bürgermeister ja längst seinen Canossagang zum König vom Blankensee in seiner Residenz am Seekamp 31 absolviert, wer weiß? Was läuft hinter den Kulissen?

  2. Falls Herr Prof. Dr. Stöcker den Zuschlag für LBC erhält, wird die Welt
    nicht gleich untergehen. Es liegt doch an der Stadt, inwieweit sie sich
    auf die Forderungen Stöckers einläßt.
    Auf die Drohungen der Fa. Dräger mit Weggang hat man auch reagiert
    und u. a. die Finkenstr. gesperrt.
    Herr Stöcker ist sicherlich einer der besseren Geschäftsleute mit einer
    guten Nase für das Machbare. Ich traue ihm und seinem Stab zu, LBC
    innerhalb von zwei Jahren neues Leben einzuhauchen. Vielleicht werden
    zukünfige Generationen noch mal dankbar sein, das er mit seiner Weit-
    sicht die Lizenz für einen Verkehrflughafen LBC erhalten hat.

    1. Ist schon komisch, nicht? Vom Weltuntergang reden eigentlich immer nur die Fanboys, wenn die Landewiese geschlossen werden sollte. Aber zu dieser Pseudo-Religion etwas später mehr, denn mit Ihrem Hinweis auf die Affäre Dräger – so nenne ich sie – geben Sie mir die Gelegenheit, nochmals auf diesen vorzüglichen Artikel hinzuweisen:

      Dräger und die Lübecker Finkenstraße – oder wie ein Konzern die Allgemeinheit enteignet

      Alles auf Kosten der Allgemeinheit, inklusive Umwege, die tausende von Fahrzeugen aufgrund der Verschenkung der Finkenstraße an Dräger täglich nehmen müssen (mehr Benzinverbrauch, mehr Abgase). Eine geradezu unglaubliche Frech- und Dummheit.

      Selbst, wenn man geglaubt hat, daß a) die Wünsche der Firma begründet sind und sie b) bei Nichterfüllung nach XYZ abwandert, und ich glaube beides nicht, hätte man standfest bleiben und eine rote Linie ziehen müssen: bis hierher und nicht weiter, wir sind nicht erpreßbar. Selbst auf die Gefahr hin, daß man kurzfristig einen Nachteil hätte hinnehmen müssen.

      Denn das war doch klar: das war der Präzedenzfall, an dem sich andere Firmen orientieren werden würden.

      Aber vielleicht ist das auch nur üblich heutzutage, der traurige Zustand einer angeblichen Marktwirtschaft, in der ohne staatliche Subventionen für „Investitionen“ plus Grundstücksgeschenke plus staatlich subventionierten Billiglöhnen (ALG-II-Aufstocker) gar nichts mehr läuft.

      Zurück zu Ihrem Kommentar. „…traue ihm zu“, „vielleicht“. Ganz starke Argumente. Fehlt nur noch ewiges Leben im Jenseits, solange man nur an den Heiligen Winfried und den Flughafen glaubt.

      Können Sie mir eigentlich ein Beispiel nennen, in dem Sie oder andere Fanboys bezüglich Ihrer Erwartungen, Ihres Glaubens, Ihres Zutrauens oder gar Ihrer Prognose Recht behalten haben? Ich bin großzügig und dehne den Wettbewerbszeitraum auf die letzten 60 (sechzig!) Jahre aus.

      Ich grüße Sie in gespannter Erwartung Ihrer Antwort.

      1. Hallo Herr Klanowski,
        ich will Sie nicht lange auf meine Antwort warten lassen.
        Für die vor uns liegenden Aufgaben, die unsere Kinder und Enkelkinder umsetzen sollen,
        müssen heute schon die planerischen und gesetzlichen Vorraussetzungen geschaffen wer-
        den.
        Denken Sie dabei bitte an den Belttunnel, die Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau
        der Strecke Puttgarden – Lübeck sowie an den Weiterbau der A20 incl. Elbquerung.
        Wir wissen alle, wie weit die Wege bis zur Fertigstellung dieser beiden Projekte sind.
        (Planung und Umsetzung mehr als 25 Jahre)
        Bei der Belebung des Hafens hat die HL schwere Fehler begangen. (Werften weg, kein ver-
        nünftiges Kreuzfahrtterminal, Papierentladung Posener Str. eingestellt)
        Ich erwarte vom Senat, das er seine Hausaufgaben bezüglich der Infrastruktur besser plant
        und ausführt.
        Da ich zukunftsorientiert denke, bin ich mir ziemlich sicher, das der Airport (wenn auch
        nicht in den nächsten Jahren im Linienverkehr) benötigt wird.
        In der Vergangenheit sind bei den Vertragsabschlüssen mit den jeweiligem Betreiber sicherlich
        schwerwiegende Fehler gemacht worden. Aber unser Blick sollte sich nach vorn orientieren.
        Rostock-Laage z.B. zeigt gute Ansätze, die man mit ein bischen gutem Willen auch auf LBC übertragen könnte.
        Eine Bitte habe ich zum Schluss noch:
        Leute, die nicht mit den Meinungen in diesem Forum übereinstimmen, sollte man nicht ein-
        fach als Flughafen-Fan-Boys abstempeln. Zu einem Parlament gehören immer Regierung
        und Opposition. Und das hat seine Berechtigung.

        Frohe Pfingsten
        Wolfgang Wilkens

        1. Werter Herr Wilkens,

          danke für Ihre Antwort, in der Sie auf meine Frage – welche Ihrer Prognosen oder anderer Fanboys bisher je zugetroffen hat – nicht antworten.

          „Fanboys“ meine ich doch um Himmels Willen nicht böse, eher nett; ich verstehe darunter Leute, die ein wenig einseitig auf den Flughafen fixiert sind, dabei aber (abgesehen von Heilsversprechen bis in die nachfolgende Generation) nicht in der Lage sind, ihre Prognosen zu vernünftig zu begründen. Das haben Sie übrigens auch hier wieder mal verpaßt.

          Wie viele Generationen Probezeit wollen Sie nach 60 Jahren erwiesener Erfolglosigkeit der Landewiese noch einfordern?

          Wenn Sie in Sachen Fehmarnbeltquerung mal etwas Sinnvolles machen wollen:

          https://www.change.org/p/nord-europas-gr%C3%B6%C3%9Fte-baustelle-mitten-in-einer-urlaubsregion-ohne-mich?recruiter=328355523&utm_source=petitions_share&utm_medium=copylink

          Hab‘ gerade unterzeichnet. Frohe Pfingsten.

          1. Auch wenn „Wilkens“ gelegentlich wenig hilfreiches zu diesem Blog beiträgt – was ich durchaus begrüsse und auch selber gezielt anwende – aber ihn damit immerhin mit am Leben hält, sind die Argumente auch einmal näher zu betrachten.

            Schläfrig-Holzbein ist zu einem Land der Tagträumer, Latzhosenökofanatiker und Fortschrittsverhinderer geworden. Als einzige Perspektive auf die Zukunft verbleibt beim derzeitigen Verhalten das Warten auf die endgültige Sozialistische Revolution, denn wenn jemals wieder nach wirtschaftlichen Kriterien gelebt werden sollte, dann wird es hier ganz düster.

            Das Symptomatische bleibt für mich die Elektrifizierung der Bahn zwischen der Hammaburg und Lübeck. In den 30er Jahren geplant und fast 70 Jahre später „schon“ fertig. In der Welt finden zweiter Weltkrieg, Vietnam, Korea, die Gründung und die Auflösung zweier deutscher Staaten, Mondreisen, der Fall der Sovietunion, diverse Wirtschaftskrisen, der weitgehende Sieg über den Hunger in Afrika, die flächendeckende Nutzung von Smartphone und Tablet und die lückenlose Überwachung der Menschen statt. Und in der Region, in der selben Zeit werden zwei Elektrokabel an Masten gehängt, toll. Das selbe kann mit der Mentalität der totalen Verhinderung auch bei den Windkrafträdern geschehen, aber immerhin haben die Dithmarscher dann die Möglichkeit auf innenbeleuchtete Kohlfelder. Wenigstens auf den Feldern gäbe es dann hier ein paar Leuchten.

            Sogar für Schleswig-Holstein hat Lübeck noch eine „Erfolgsliste“ die einen erschaudern lässt und auf der Rangliste der erfolgreichen Städte dürfte eine ähnliche Platzierung wie Deutschland beim ESC mehr als gerechtfertigt sein. Es ist unglaublich wie einige wenige Krawallbürger die tumbe Masse animieren und die Intelligenzia in den Untergrund treiben können, aber das scheint eine der herausstechendsten Merkmale mit langer Tradition in Deutschland zu sein.

            Ja, man kann über Rostock-Lage amüsiert sein und ja, auch bei „Hamburg-Berlin-Parchim International“ muss man an der einen oder anderen Stelle schon mal schmunzeln, aber – es wird dort ausprobiert und zumindest versucht Zukunft zu ermöglichen. Dass Lübeck mit seinem Bürgermeisterlandeplatz und A380 über Blankensee Wahnvorstellungen mal vor 20 Jahren geistig falsch abgebogen ist und Rahmenbedingungen geschaffen hat, die nachhaltig behindern, dass etwas neues entsteht, müsste nicht in Stein gemeisselt sein. Und ja, ich gehe auch davon aus, dass die Unfähigkeit der Lübecker Politik in dieser Sache in der Vergangenheit auch in der nächste Zukunft noch teuer wird, egal was passiert und ob nun mit oder ohne Fluglatz. Aber bis die Erkenntnis in den Köpfen ankommt, kann es wieder 70 Jahre dauern und in der Zwischenzeit wird per Salamitaktik auf beiden Seiten weiter permanent Kindergeburtstag gefeiert.

          2. Wollen Sie sich hier in andere planerische Katastrophen, wie z.B. die die schwachsinnige Fehmarnbeltquerung, wirklich einmischen? Dann wird es in dieser Kommentarsektion bald so naiv fortschrittsgläubig wie anderswo. Ich begrüße das nicht.

            P.S.: Nein, diesmal keinen Fisch.

          3. Wollen Sie hier die andere gesellschaftliche Katastrophe, den Umgang mit dem Bau der Fehmarnquerung, wirklich einmischen? Dann wird es hier bald so buntdoof wie anderswo. Ich begrüße das nicht.

        2. Hallo Herr Wilkens,

          diese Argumentation erinnert mich ein wenig an die Leute, die sich nach Ihrem Tod einfrieren lassen, in der Hoffnung, sich in einer fernen Zukunft wieder zum Leben erwecken zu lassen.
          Wer kann sich anmaßen, auch „nur“ 10 Jahre in die Zukunft zu sehen? Sollte sich in der nächsten oder übernächsten Generation tatsächlich ein Bedarf für einen Flughafen Lübeck einstellen, werden sich sicherlich Mittel und Wege finden lassen, einen solchen zu bekommen. Die jetzige vorhandene, minimalistische Infrastruktur wird dann ohnehin völlig veraltet sein.
          Es ist doch ganz einfach: im privaten Bereich würden die meisten Menschen niemals über einen jahr(zehnt)elangen Zeitraum den teuren Unterhalt für eine Sache bezahlen, die sie nicht benutzen. Niemand würde denken, „Ach, vielleicht brauche ich (oder meine Nachkommen) das noch mal in 25 Jahren“. Gut, im Keller aufbewahren ist natürlich kostenlos. Leider geht das mit einem Flughafen nicht.
          Die Zeche dafür zahlen die Lübecker Bürger. Ich persönlich würde mein Geld lieber in der Sanierung der MUK verwendet sehen (obwohl die Baumängel natürlich ein Skandal sind), oder in der Fertigstellung der Synagoge.

          1. Die Wahrscheinlichkeit aus einer Kryostasis wieder zum Leben erweckt werden zu können darf man getrost deutlich höher einschätzen als in Deutschland einen neuen Flughafen bauen zu können …

          2. Nur werden Sie es irgendwann müssen, wenn all diese überbordenden Prognosen von immer mehr Passagieren auch nur ansatzweise richtig sein sollten. (Oder sind sie es womöglich gar nicht?!)

            Da steckt man komischerweise den Kopf in den Sand und setzt auf Winzflughäfen wie Lübeck, die, wenn sich das Passagierwachstum in Hamburg tatsächlich so explosiv entwickelt wie manche behaupten, lediglich für einige wenige Jahre (!) eine Entlastungsfunktion übernehmen könnten.

            Ich zitiere mich mal selbst:

            Nehmen wir … an, ab 2020 werden alle Passagiere, die in Hamburg nicht mehr abgefertigt werden können, nach Lübeck umgeleitet, und daß das sowohl technisch möglich ist als auch von den Fluggesellschaften akzeptiert wird (die ja stattdessen auch auf andere Flughäfen ausweichen könnten). …

            Dann wird Lübeck seiner Funktion als „Überlaufflughafen“ erstmals 2020 durch die Übernahme von rund 416.000 Passagieren aus Fuhlsbüttel gerecht. 2021 wären es schon 911.000… Stichwort: exponentielles Wachstum. Ahnen Sie was? Bereits 2025 wären es 3,0 Mio. Passagiere, und im Folgejahr wäre der Überlaufflughafen Lübeck mit 3,6 Mio. Passagieren dann selbst übergelaufen. Autsch!

            Und nu?

            Aber nee, den ganzen Quatsch vom ewigen Wachstum glaube ich auch nicht. Prognosen in der Luftfahrtbranche noch weniger.

            Erinnern Sie sich an die Zeit um 1963? Ich auch nicht. Aber laut Fachzeitschriften („Interavia“) waren damals die großen Prognosen (a) Überschallflugzeuge für Langstrecken und (b) senkrechtstartende und -landende Flugzeuge für Kurzstrecken.

            Gut, unter Punkt a) gab’s das notorisch unwirtschaftliche und durch Milliardensubventionen gepäppelte Projekt Concorde. Zugegeben, ein Meisterwerk der Technik, aber was soll’s, wenn es nicht wirtschaftlich betrieben werden kann? Und unter b) gab’s meines Wissens gar nichts. Albernerweise hat man das auch noch (wie übrigens später Ryanair) als „Demokratisierung“ des Flugverkehrs zu verkaufen versucht.

            Was für ein elender Blödsinn! Demokratie ist, wenn sich jeder ein Flugticket leisten kann? Das ist nur noch gaga. Zumal sich Ryanair ohne staatliche Subventionen nie hätte entwickeln können. Das war, und ist bis heute zum Teil, das Gegenteil von Marktwirtschaft – und undemokratisch sowieso.

  3. Denke der Drops ist gelutscht. Nicht umsonst hat der Hr. Stöcker das Geld vorgeschossen. Er wird schon wissen warum. Mitte Mai oder ende Mai währe schon wieso Schluss gewesen. Und die Hanselstadt währe ihren Klotz am Bein los. Und die Vorderungen wird nicht die Hanselstadt diktieren , sondern der Hr. Stöcker. Da Leistet er sich zur Zeit ein Kostspieliges Spielzeug. Aber anderes herum kommt man nicht billiger an Baugrundstücke ran . Hat ja auch was den eigenen Flughafen vor der Tür . Aber nur wenns man sich leisten kann . Er währe nicht der 1 der sich an einer Kröte verschluckt .

    1. Eine Auflistung der bisherigen Eigentümer und warum sie gescheitert sind:

      Stadt Lübeck – hohe Verluste
      Yasmina – hohe Verluste
      Amar – hohe Verluste
      PuRen – hohe Verluste

      Und danach ?

      Stöcker – ? Er wird nicht scheitern ! Warum nicht ? Er wird die Stadt Lübeck über den Tisch ziehen ! Als Kaufmann schaut man nicht erst nach 8 Monaten (!) nach der Insolvenz nach Möglichkeiten, seine (!) nach einem Kauf entstehenden Verluste auszugleichen. Die Stadt Lübeck wird durch die Verzögerungen so lange weich geklopft, bis man politisch bereit, alles mitzumachen, den „Verkauf des Flughafen“ als Erfolg „zu verkaufen“. Herr Stöcker wird sich die Grundstücke sichern für eigene, gewinnbringende Geschäfte, da spielt der „Flughafen“ dann eine untergeordnete Rolle. Hauptsache, Herr Stöcker kann seine paar Starts pro Jahr mit dem Jet direkt vor der Haustür erledigen und muss nicht erst nach Hamburg fahren. Das geht u.U. mit einem Minimum an Personal und Aufwand, wenn er den Flughafen als firmeneigenen Flughafen (PPR) betreiben sollte. Personal und sonstige Auflagen (Kosten) würden auf ein Mindestmaß reduziert werden. Linienbetrieb in den nächsten Jahren ? Wird es nicht geben, weil dann die Verluste wieder zunehmen werden, s. Zeitraum Ruin 😉 -Air, aber auch danach. Im Grunde genommen braucht er nur die Startbahn, den Rest kann er abreißen und für Immobilien, Firmenerweiterungen etc. nutzen. Aber halt, da war noch was: Altlasten im Boden !? Die muss natürlich vorher die Stadt Lübeck auf eigene Kosten beseitigen.

      Ich bleibe dabei: Reibungshitze werden die Politiker mit Nestwärme verwechseln.
      +++
      Die Stadt Lübeck verschläft gerade alle Möglichkeiten, Gelder zu erwirtschaften mit der Reduzierung des Flugplatzes. Kleiner Verkehrslandeplatz mit 1000 m Bahn, Segelflug, der Rest kann wirtschaftlich gewinnbringend genutzt werden, die Stadt Lübeck mit positiver Bilanz da rauskommen. Stadt dessen wird der Bevölkerung immer mit hohen Verlusten gedroht. Aber unsere Politiker, egal wo, können mit öffentlichen Geldern nun mal nicht umgehen.

      1. Ich gebe ihnen in allen Punkten recht Hr. Saehlandt . Und das mit der Kröte muss nicht sein , was passieren könnte woran ich selber wenn ich ehrlich bin auch nicht daran glaube.

    2. Ja, „der Drops dürfte gelutscht sein“. Jetzt wird es allerdings noch einmal spannend mit welcher Mannschaft und welcher Botschaft man am Lübecker Flughafen antreten will.

      Wenn, was man der Gewitterluft zuhörend durchaus gesteigert vermuten darf, die Führungsriege wieder aus dem Netz der Hamburger Luftfahrt rekrutiert wird, dann haben wir einen lokallübecker vierten Aufguss von dem Ansatz mit dem die Stadt im A380überBlankenseeWahn und andere exotische Investoren schon mehrfach gescheitert sind. Die im Moment erfolgversprechend ausschauenden Umstrukturierungen an ein paar anderen Plätzen sähen dagegen jedenfalls mutiger und innovativer aus.

      1. Aus Kuhscheiß‘ macht niemand Bonbons, weder da o’m auf dem Berge noch in der norddeutschen Tiefebene. Auch nicht, wenn man die Zwerge auswechselt.

  4. Wenn Herr Stöcker die Stadt Lübeck über den Tisch zieht, empfindet Herr Saxe die Reibung als Nestwärme. Darauf können wir wetten.

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