Oldie-Festival am Flughafen abgesagt, das nie (?) angekündigt wurde

Kuriose Geschichte am Rande der ewigen Flughafen-Saga:

Drei Tage, zwei Bühnen und Platz für 5000 Zuschauer: Der Veranstalter Fabulous Germany Concerts wollte sein Mega-Oldie Festival von den Wallanlagen auf das Flughafen-Gelände verlegen und noch deutlich vergrößern. Das klappt nicht, wie der Veranstalter am Donnerstag mitteilte.

HL-Live, 19. Mai 2016

Interessant, aber teilweise falsch. Das mit der Absage stimmt, also wo liegt der Fehler? Hier: „auf das Flughafen-Gelände verlegen“. Auf der Webseite des Veranstalters Fabulous Germany Concerts ist alles sehr genau dargestellt, und HL-Live hat’s wohl nicht so genau gelesen. Aber auch die offizielle Version des Veranstalters sorgt für Stirnrunzeln.

Zunächst mal: wie kommt man auf einen Veranstaltungsort in der Nähe der Landewiese? Fabulous Germany Concerts domiziliert Am Flugplatz 4 im Ausbildungspark, das dürfte es erklären, aber weder den noch das Flugplatzgelände selbst hatte man sich ausgeguckt.

Schon im Juli [2015] sind wir fündig geworden und hatten eine entsprechende Anlage beim Flugplatz Lübeck-Blankensee im Auge, für den bereits die Gespräche und Verhandlungen Mitte September so gut wie abgeschlossen waren.

Fabulous Germany Concerts (Memento)

Das war allerdings der Zeitpunkt, zu dem es beim damals noch chinesischen Flughafen schon recht kräftig im Gebälk krachte – Ende des Monats folgte die Insolvenz. Was der Konzertveranstalter als Veranstaltungsstätte glaubte gefunden zu haben, waren offensichtlich ein oder mehrere Grundstücke nördlich der Blankenseer Straße, die zwar der Betreibergesellschaft der Landewiese gehören, aber außerhalb der Betriebsfläche liegen, die zu allem Überfluß auch noch vom Land als Flächen für mögliche Flüchtlingsunterkünfte untersucht werden.

Den Rest kann man abkürzen: auf Grund der anhaltenden Insolvenzwirren und Unklarheiten läßt sich das geplante Festival im Jahr 2016 dort jedenfalls nicht mehr realisieren.

Das zeigt nebenbei sehr schön, daß das Gejubel gewisser Kreise über einen angeblich gefundenen Investor zumindest im Moment völlig unbegründet ist. Noch ist nichts unterschrieben oder beschlossen. (Nicht daß ich viel Hoffnung hätte, daß neuerlicher Schwachsinn vermieden werden wird.)

Für 2017 gehen wir die Sache dann neu an. Bis dahin sollte die Arie rund um den Flughafen hoffentlich zu Ende sein und wir wissen, mit wem wir über die Fläche zu verhandeln haben. Entweder den neuen Betreibern oder der Stadt (wenn die Fläche an diese zurück geht) oder dem Insolvenzverwalter. Wobei letzteres eher nicht in Frage kommt, da wir die Fläche nur mieten und nicht kaufen wollen.

Fabulous Germany Concerts (Memento)

Das ist das Besondere an diesen Flächen: sie gehören zwar derzeit dem insolventen Flughafenbetreiber PuRen Germany, und natürlich versucht sie der Insolvenzverwalter Prof. Pannen zu verkaufen – nur hat die Hansestadt Lübeck ein insolvenzsicheres Wiederkaufsrecht, und zwar für einen Euro.

Konzert in der Pampa?

Erstaunlich waren die Pläne des Konzertveranstalters auch aus anderen Gründen:

Wir wollten jetzt an 3 Tagen und auf 2 Bühnen Programm bieten. Ausreichend kostenlose Parkplätze, direkte Bus-Anbindung über die Stadtwerke, Platz für bis zu 5.000 Besucher mit Stehplätzen und Sitzplatz-Tribünen (mit Aufpreis), 4 Einlass-Schleusen, umfangreiche kulinarische Versorgung, mehrere Getränke- & Cocktail-Stände …

Wer die Grundstücke und die Umgebung kennt, muß sich wundern. Kostenlose Parkplätze? Na gut, da hätte man eventuell den seit längerer Zeit ungenutzten Parkplatz P3 vom Flughafenbetreiber gemietet (auf dem ja eigentlich damals schon die ersten chinesischen Flugschüler untergebracht werden sollten…) Aber der faßt nur 700 Pkw. Die Besucher müßten zudem nach dem Ausstieg aus dem Wagen die Blankenseer Straße überqueren, um zum Festivalgelände zu gelangen… überflüssig zu sagen, daß es dort weder Ampeln noch Fußgängerüberwege gibt und auf der Blankenseer Straße gerne gerast wird.

Parken auf dem Festivalgelände selbst? Wenig prickelnd für die Atmosphäre. Für den zuletzt angedachten Termin 10. September hätte man schon fast eine Matsch-Garantie gehabt.

Derzeit kommt man auf das Gelände lediglich über einen holprigen Sandweg, an dessen Rand auch noch Einwohner leben (siehe Beitragsbild – Blickrichtung Blankenseer Straße.). Die würden sich sicherlich über Parkverkehr freuen.

Kommen Besucher stattdessen mit dem Bus? Der verkehrt alle 30 Minuten und faßt, hmm… etwas über hundert Passagiere pro Fahrt. Aber nach 22 Uhr, wenn die Veranstaltungen vorbei wären, sieht’s schon übler aus. 22 Uhr 15 und 23 Uhr 15 in Richtung Innenstadt, das war’s. Wer warten möchte: am Sonnabendmorgen geht der erste Bus um 5 Uhr 41 und am Sonntag um 8 Uhr 40. Vielleicht hätte ja der Flughafen das ansonsten ungenutzte Terminal zur kostenlosen Übernachtung zur Verfügung gestellt?

oldie-festival
Violett: Flächen nördlich der Blankenseer Straße im Besitz der insolventen PuRen Germany – Schauplatz für das Oldie-Festival (Flurstücke 66 bis 79)?

Zwei Bühnen, 5,000 Besucher, vier Einlaßschleusen? Da hätte man alleine deswegen provisorische Wege anlegen müssen – und bei einer derartigen Großveranstaltung laut VstättVO auch breit genug für Rettungsgassen (1,20 Meter pro 600 Personen; in diesem Fall also 10 Meter Breite insgesamt).

Alles nicht vorhanden im Moment. Man fragt sich schon, wie ernst das gemeint war. Zumal ich bislang im Internet keine einzige auch nur unverbindliche Ankündigung dieser Veranstaltung gefunden habe. (Kennen Sie eine? Bitte lassen Sie es mich wissen.)

Die Absage scheint tatsächlich die erste öffentliche Erwähnung dieser Planung zu sein. Da fragt man sich schon, warum.

 

 

 

 

2 Antworten auf „Oldie-Festival am Flughafen abgesagt, das nie (?) angekündigt wurde“

  1. Hallo Herr Klanowski,
    warum wird hier immer so negativ gedacht?
    Zu Zeiten, als sogar noch Ryanair und Wizzair aktiv war, gelang es, ein Strandkorbrennen auf der Runway zu organisieren.
    Ebenso ein Konzert von Glennfiddle.
    …na ja, es kamen da nicht gerade 5.000 Leute, aber da kann man gelassen sein, es kamen ja auch keine 5.000 Flugschüler.
    Für Veranstaltungen hat sich die Situation doch drastisch verbessert: Man könnte doch das Vorfeld für Parkplätze nutzen, Verkehrsflieger stehen da nicht mehr und Frau Merkel wird an den drei Tagen auch nicht gerade kommen.
    Die paar Privatflieger könnten in der Zeit auf dem Gelände der Segelflieger starten und landen.
    Und vier Einlassschleusen dürften auch machbar sein.
    Also alles nur eine Frage der Organisation.
    Vielleicht gehörte das Eventunternehmen mal zu den möglichen Investoren, über die Herr Pannen ja wenig bis keine Aussagen tätigte.
    Alles ist möglich.
    Immer positiv in die Zukunft schauen, vielleicht wird irgendwann sogar Wacken nach Blankensee verlegt, den benötigten Matsch dafür kann man durchaus auch künstlich herstellen.
    Oder nennt man es Schlamm? Hmm Schlamm–Schlammschlacht—– nee, igendwie bringe ich da was durcheinander.

    1. In der Tat, so ganz kann man es wohl nicht ausschließen, daß der Konzertveranstalter von Prof. Pannen als „Interessent“ gezählt wurde. Wäre ja auch nicht ganz falsch.

      Natürlich ist der Flughafen selbst die bessere „Location“ (der Veranstalter übersetzt das für vergreiste Kunden wie mich mit „Spielstätte“). Nur mit Schlamm und Matsch wird’s dort kritisch. Aber Abhilfe ist nah in Form eines gigantischen Güllesilos am Blankenseer Dorfplatz.

      Wer braucht denn primitiven Schlamm und Matsch wie in Wacken – der riecht ja nicht mal nach was. Nein, unsere gute Gülle muß es sein! Es wird sich sicherlich ein Tragschrauberpilot finden, der diesen Träger würziger Landluft eimerweise in seinem fliegenden Gartenstuhl anstatt eines Passagiers mitnimmt und dann aus geringer Höhe über das geneigte Publikum des Festivals verteilt. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal – das gibt’s nirgendwo sonst. Nur in Blankensee!

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