Meßfehler?

Es war schwerlich zu überhören, daß am Montag, 30. Mai, mal wieder Meßflüge über der Landewiese stattfanden. Eigentlich eine Routineangelegenheit – für Flughäfen, die sich das leisten können. Aber wie läuft das an einem Pleiteflughafen?

Sehr vereinfacht ausgedrückt, muß das Instrumentenlandesystem eines Flughafens etwa zweimal jährlich eingemessen werden, was sowohl am Boden als auch in der Luft geschieht. Es ist nicht jedesmal das volle Programm erforderlich, unter Umständen kann auch mal eine Messung komplett übersprungen werden. Aber das spielt hier keine Rolle.

Bis 2014 war der Landewiese natürlich nur das Beste gut genug. Die Meßflüge wurden vom britischen Luftfahrtunternehmen Cobham durchgeführt, mit knapp 3 Milliarden Euro Jahresumsatz kein kleiner Fisch. Billig war das sicherlich nicht.

Im Jahr 2015, es war bereits ein verschärfter Sparkurs angesagt, buk man kleine Brötchen und beauftragte die erst 2014 gegründete Braunschweiger Firma SVEGE Flugdienstleistungen GmbH.

Und die verrät schon auf ihrer Webseite:

Wir sind Ihr Ansprechpartner im Bereich Flugvermessung. Unser Ziel ist Top-Qualität zu kleinem Preis.

Was so etwas kostet, entzieht sich meiner Kenntnis, aber unter einem fünfstelligen Betrag wird es dem Vernehmen nach kaum abgehen. Immerhin war das einzige Meßflugzeug (D-ISGS) der Firma SVEGE am 30. Mai mindestens fünf Stunden in der Luft, und auch rund um die technischen Einrichtungen am Boden konnten emsige Aktivitäten beobachtet werden.

Wer hat’s bezahlt? Ganz einfach, mag man einwenden, Prof. Stöcker zahlt doch für den Betrieb der Landewiese bis Ende Juni. Aber so einfach ist das nicht, denn das ILS gehört nicht zur Insolvenzmasse, sondern nach wie vor der Hanselstadt™. Prof. Stöcker, kein ausgewiesener Fan der lübschen Verwaltung, zahlt also für die Wartung städtischen Eigentums? Eher friert die Hölle zu, würde ich spontan vermuten.

Das neue Instrumentenlandesystem war bekanntlich schon seit Jahren ein Quell der Freude für die Landewiese. Trotz seiner baulichen Fertigstellung im März 2012 funktionierte es fast zwei Jahre lang nicht und wurde erst im Februar 2014 (kurz vor der Insolvenz des Flughafenbetreibers Yasmina) offiziell zur Benutzung freigegeben. Die Gründe für die Verzögerung wurden nie bekannt.

Noch im November 2013 beschloß die Lübecker Bürgerschaft, Mehrkosten bei der Einrichtung des neuen ILS in Höhe von rund einer halben Million Euro zu übernehmen, die durch einen „Planungsfehler“ entstanden seien. Hm… wessen Planungsfehler eigentlich?

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G-COBM von Cobham in Aktion (Aufnahme vom 7. April 2014)

Und am 6. März 2014 hat Bürgermeister Bernd Saxe nochmal „außerplanmäßig“ 21.712,11 Euro bewilligt, um die „Schlussrechnung“ für das neue Instrumentenlandesystem zu bezahlen. Oder war das eher die Vorkasse für die Cobham-Meßflüge am 7. April 2014 – rund zwei Wochen vor Anmeldung der Insolvenz der Betreibergesellschaft?

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Cobham-Meßflug April 2014 via Flightradar24

Immerhin war die Kostenfrage für die Wartung der stadteigenen technischen Einrichtungen vertraglich klar geregelt: die Hansestadt Lübeck [Vermieter]

und die Yasmina Flughafenmanagement GmbH [Mieter] schließen einen Mietvertrag über die Gebundenen Wirtschaftsgüter (z.B. ILS CAT II, Sicherheitszaun, Vorfeldbeleuchtung, Feuerwehrfahrzeuge), die im Eigentum der FLG stehen. … Der Mieter ist verantwortlich für die Instandsetzung und Instandhaltung des Mietobjekts … Kommt der Mieter seiner Pflicht … nicht nach, ist der Vermieter berechtigt, die dafür anfallenden Kosten als Nebenkosten auf den Mieter umzulegen.

Das galt ebenfalls für den nächsten Investor, PuRen Germany. Ob die „Investoren“ allerdings je für Vermessungsflüge gezahlt haben, ist unklar.

Ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier einige Daten von Vermessungsflügen ab 2013 (Übernahme durch Yasmina).

  • Cobham, 27. März 2013
  • Cobham, 7. April 2014
  • Cobham, 7. Oktober 2014
  • Cobham, April 2015
  • SVEGE, Herbst 2015
  • SVEGE, 30. Mai 2016

Wäre interessant zu wissen, wie viele dieser Meßflugaktionen tatsächlich von den Pleite-„Investoren“ bezahlt wurden oder dann doch eher nicht. Ebensowenig. ob die Hanselstadt™ die Auslagen je von ihnen zurückgefordert hat.

Im aktuellen Fall wäre dringend zu fragen, ob die jüngste Vermessung tatsächlich vom Insolvenzverwalter (mit Geld von Prof. Stöcker) bezahlt wurde oder doch vom Eigentümer des ILS, der Hanselstadt™. Auf jeden Fall, denke ich mal, nur per Vorkasse.

4 Replies to “Meßfehler?”

  1. Tolles Bild heute morgen: Prof. Pannen lacht mir von der Titelseite der LN entgegen. Und er lacht und lacht und lacht……..

    1. Leider kann man aus Insolvenzbekanntmachungen.de nicht entnehmen, welcher Richter diesen Auftrag an Hrn. Pannen gegeben hat. Weiss jemand wo dies nachzuschauen ist? Wieviele Insolvenzverwalter gibt es eigentlich und wer bekommt welchen Anteil?

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