Nur noch hahnsinnig

Großes Kino am Hahn! Haben Sie schon ausreichend Popcorn besorgt? Ich dachte bisher, die Lübecker Flughafen-Luftnummern seien nicht zu übertreffen, aber möglicherweise lag ich mit der Annahme falsch.

Der „Investor“ Shanghai Yiqian Trading (SYT), der den Flughafen Hahn übernehmen will (unter dem Saldo gegen Zahlung etlicher Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz), ist bereits jetzt zumindest in einem Fall der Falschaussage verdächtig.

Shanghai Yiqian Trading kündigte am Montag einen deutlichen Ausbau des Frachtgeschäfts an. Man sei im Gespräch mit der ebenfalls in China ansässigen Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express, damit diese an den Airport zurückkehre, sagte der Generalbevollmächtigte Yu Tao Chou.

Handelsblatt, 8. Juni 2016

Nur weiß die Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express davon leider nichts und kennt die Firma SYT nicht einmal. Die ganze Sache war übrigens von vornherein etwas merkwürdig, denn der Eigentümer von Yangtze River Express ist die Chinese Hainan Group (HNA), die sich auch um die Verschenkung des Flughafens Hahn beworben hatte, aber leer ausging.

Yangtze River Express [hat] keinerlei Pläne, den Hunsrück-Airport wieder anzufliegen. „Die Kundennachfrage war rückläufig, deswegen haben wir die Kooperation beendet“, sagte Marketing-Manager Wang Bo am Mittwoch telefonisch der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Mit dem Rückzug der Airline 2015 war das Frachtgeschäft in Hahn eingebrochen.

Von dem chinesischen Unternehmen Shanghai Yiqian Trading (SYT), das den Flughafen kaufen will, oder dessen Generalbevollmächtigten Yu Tao Chou hatte der Manager noch nie gehört.

Handelsblatt, 8. Juni 2016

Herr Chou ist sowieso eine interessante Person. Als Multitalent in einer Person ist er „Generalbevollmächtigter“ der SYT, künftig auch zweiter Geschäftsführer des Flughafens Hahn, nebenbei nach eigenen Angaben Arzt (wieso haben wir dann noch nichts zum Thema Medizintourismus von ihm gehört?!) und dann auch noch Frachtflugzeugpilot. Und zwar bei, raten Sie mal, Yangtze River Express.

Der Leiter der Personalverwaltung der Gesellschaft, Yu Yang, kannte die Firma SYT auch nicht, bestätigte aber nach Prüfung der Akten, dass Chou als Pilot für Yangtze River Express geflogen und immer noch bei der Airline angestellt sei. Chou habe allerdings keinen chinesischen Pass, sondern sei Taiwanese.

Auch sonst kennt niemand die SYT.

Die Chinesische Handelskammer in Deutschland kennt den neuen Investor am verschuldeten Hunsrück-Flughafen Hahn bislang nicht. Eine Kollegin habe die Shanghai Yiqian Trading Company (SYT) auch nicht im chinesischen Internet entdeckt, sagte ein Sprecher der Kammer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Welt, 7. Juni 2016

Immerhin gibt es die Firma (na gut, PuRen gab es ja auch), doch:

Seltsam auch der Auszug aus dem chinesischen Handelsregister. Dort wird die Shanghai Yiqian Trading als Firma mit 10 Angestellten und einem Grundkapital von 67 000 Euro geführt. Ein bisschen wenig, um ein solch großes Rad zu drehen, sagen Experten.

Bild, 8. Juni 2016

Die für den Verkauf verantwortliche Beratungsgesellschaft KPMG, die auch in Shanghai mit einem Büro vertreten ist, hatte betont, die SYT habe sichere, von der EU-Kommission geprüfte Businesspläne präsentiert. Ihr Frankfurter Rechtsberater Gunther Weiss sagte: „Sie existiert mindestens seit 2013.“ Es gebe in China mehrere Firmen mit diesem Namen. „Das kann zu Verwirrung führen.“

Die Welt, 7. Juni 2016

Da kann man nur hoffen, daß a) KPMG sich nicht selbst hat verwirren lassen und b) die Unklarheiten ganz schnell aufklärt – bei einem Honorar von einer Million Euro dürfte das doch drin sein?

Vergessen Sie die überflüssige Information, daß Herr Chou oder die SYT oder sonstwer das Geld für den Kaufpreis hat. Das war bei den beiden gescheiterten Investoren an der lübschen Landewiese genauso. Papier, und dazu gehören auch Bankbescheinigungen, sind geduldig.

Alles schon mal dagewesen, siehe Magdeburg-Cochstedt:

Parallel zu der Aufnahme des Sichtflugbetriebes im September 2006 verhandelte das sachsen-anhaltische Wirtschaftsministerium mit einem amerikanischen Investor, der von Cochstedt aus international Cargo abfertigen wollte. Das Wirtschaftsministerium hatte versäumt, die Bonität des Investors zu überprüfen. Es stellte sich heraus, dass der vermeintliche Investor lediglich über selbst gefertigte Briefbögen verfügte.

Wikipedia

Man sieht, deutsche Regionalflughäfen sind zumindest in Verbindung mit ihren schier unergründlichen staatlichen Subventionstöpfen ein begehrtes Ziel von privaten „Anlegern“.

Doch selbst ein paar Millionen echtes Geld sind für Vabanque-Spieler kein Hindernis. Im Zweifel steht immer ein Geldgeber (?) im Hintergrund.

Auch am Hahn gibt es angeblich eine solche Firma, nur welche? Es hieß immer nur lapidar, diese Firma „unterstütze“ SYT; wie, wurde nie gesagt. Auch hier wieder das Spiel der doppelten Lottchen:

Nach Angaben des Käufers Chou wird er von Shanghai Guo Qing Investment Co. mit Sitz in der ostchinesischen Hafenmetropole unterstützt. Es wurde der deutschen Seite als ein „führendes Unternehmen“ in inländischen Bauprojekten beschrieben. Mehrere chinesische Branchenkenner in Shanghai, die auch im Flughafenbau tätig sind, hatten von der Firma allerdings noch nichts gehört.

Der Käufer gab ferner an, mit einer Guo Qing Qin Huang Island genannten Firma für Baumaterial und Transport zu kooperieren, die als Experte für Unternehmungen und Dienstleistungen im Flughafenbereich dargestellt wurde. Auch dieses Unternehmen war den Insidern nicht bekannt. Zudem waren im chinesischen Internet keine Informationen über diese Firma zu finden.

Handelsblatt, 8. Juni 2016

Nun mal ganz ehrlich: wie seriös ist das alles, zumal man die Hahn-Verramschung nach bewährtem Muster noch vor der Sommerpause im rheinland-pfälzischen Landtag durchwinken will? Wenn Sie wissen wollen, wie das geht, fragen Sie die Lübecker Verwaltung; die dürfte ähnliches für die hiesige Landewiese planen.

Beitragsbild: Satel/ORF

 

 

 

3 Antworten auf „Nur noch hahnsinnig“

  1. Mutmaßlich von missgünstigen Wettbewerbern der bei diesem Hahn-Verkauf involvierten Beratungsgesellschaft wird gerne das Gerücht gestreut, die Buchstaben KPMG stünden für „Keine Prüfung mit Gewähr“.

  2. Könnte mir das mal irgend jemand auch nur halbwegs erklären. Das klingelt wie ein Echo und so langsam verstehe ich nix mehr – Regionalflughafen, Subventionsmillionen, chinesischer Investor, unbekannter Mutterkonzern, Firma in China auch für Chinesen nicht auffindbar und schon wieder der Name Weegen? Am Ende ist der Herr Pannen auch noch als Insolvenzverwalter der nächsten Hahnpleite schon gesetzt?

    Also, wenn man bei der Gemengelage nicht auf Verschwörungstheorien kommen soll …

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