Peinlich, peinlich

Jetzt bin ich aber echt enttäuscht: Flughafenübergabe an Prof. Stöcker ohne Feierstunde? Und das, wo Millionengeschenke an den „Investor“ in der Bürgerschaft kurz zuvor in geheimer Abstimmung mehrheitlich abgesegnet wurden, angeblich in wenigen Minuten? Der Vollständigkeit halber: Grüne und GAL stimmten dagegen. Man hat den Eindruck, die ganze Sache ist den meisten Beteiligten nur noch peinlich. Passend dazu sieht die Landewiese bei der Wahl zum Peinlichsten Flughafen Deutschlands derzeit ganz gut aus. Bronze ist in Reichweite.

Dabei hätte ich für eine feierliche Schlüsselübergabe so schöne Texte gehabt, die die ebenfalls beteiligten Herren, Bürgermeister Saxe und Insolvenzverwalter Prof. Pannen, hätten aufsagen können:

Saxe: Ja, natürlich, das ist ein bißchen Déjà-vu, aber wir erleben heute hier einen Neustart, wenn man so will, nach einer schwierigen Situation, in einer schwierigen Situation, wo nicht nur der Investor uns abhanden gekommen ist, sondern auch Flugverbindungen gecancelt worden sind, geht es jetzt ganz von vorne los.

Pannen: Was ich bisher so gesehen hab‘, sind das natürlich zunächst Ideen, die entwickelt worden sind, woraus man eben einen Business-Plan schneidern wird.

Was umso einfacher gewesen wäre, weil sie das bei der vorhergehenden Flughafenverschenkung Wort für Wort genau so gesagt haben (NDR, Schleswig-Holstein-Magazin, 1. August 2014 – online nicht mehr abrufbar). Und der Reporter hätte dann auch sein Fazit wiederholen können:

Bislang keine neuen Airlines, keine neuen Flugverbindungen, keine konkreten Pläne.

Nicht, daß ich etwas davon vermissen würde; der jetzige Zustand ist ganz angenehm, nur: bleibt es so?

Die Monopolpresse hält sich ebenfalls sehr zurück nach den sich geradezu überschlagenden Lobeshymnen vor ein paar Wochen und titelt nachrichtlich bloß „Flughafen Lübeck verkauft“. Dabei hätte man doch gerne so etwas gelesen wie zur Begrüßung des chinesischen Investors:

[I]ch lege mich jetzt mal fest und sage: Das wird was! … Es ist mehr so ein Bauchgefühl. … Das Projekt muss … mehr für ihn sein, als nur ein Testballon, den man auch schnell platzen lassen kann, wenn es nicht so läuft.

Lübecker Nachrichten, Druckausgabe 3./4. August 2014, Lokalteil HL, S. 11

Raten Sie mal, was passierte. Genau. Der Ballon platzte schnell, warum auch immer. So viel zu Bauchgefühlen (Blähungen?) als Ratgeber.

Der Unterschied: ein Prof. Stöcker wird den Ballon im Zweifelsfall wohl nicht platzen lassen, wenn es „nicht so läuft“, sondern stattdessen in vermutlich intimer Kenntnis der deutschen Subventions-Unkultur nach staatlichen Beihilfen rufen und dabei mit dem Platzen des Ballons drohen. (Siehe Memmingen, u. a. „Privater“ Flugplatz Memmingen kurz vor der Teilverstaatlichung.)

Logo? Logo!

Das größte Problem ist jedoch bereits abgeräumt. Der Flughafen hat ein neues Logo! Hurra! Komisch, das ist so ziemlich das erste, was bisher jeder „Investor“ in Angriff nahm. (Werden jetzt auch die Hallen mal wieder neu gestrichen?)

Bereits jetzt, zur Übernahme, wurde ein neues Logo vorgestellt. Ab sofort sind die Farben blau und rot das Aushängeschild des Airports und lösen damit, das viel diskutierte und oftmals nur schwer zu erkennende grüne Logo ab.

airportzentrale.de, 1. Juli 2016

Puh… von der verunglückten Interpunktion in dem Satz mal abgesehen: Wer hat die Farbgebung des Logos je diskutiert? Ich kenne niemanden. Nicht mal in den esoterischsten Luftfahrt-Foren war das je ein Thema.

Aber gut, das ist natürlich die Erklärung für die Misere der Landewiese: die Piloten haben alle das „schwer zu erkennende“ Logo nicht erkennen können und sind einfach vorbeigeflogen am Flughafen. Klar, das wird’s gewesen sein.

Der jetzt wohl auch wieder offiziell Flughafen Lübeck heißt und nicht Lübeck Airport. Solange Prof. Stöcker nicht die Namensrechte für 10 Mio. Euro verkauft, wie er es schon mal vorgeschlagen hat:

Für zehn Millionen Euro verkaufen wir auch den Namen des Flughafens.

LN Online, 22. September 2012

Klar, die Käufer geben sich die Türklinke in die Hand. Der gesamte Flughafen (jedenfalls der zum Verkauf durch den Insolvenzverwalter stehende Teil) dürfte Herrn Prof. Stöcker, selbst ohne Anrechnung von Grundstücksgeschenken und zugesagten städtischen Subventionen viel weniger als 10 Mio. Euro gekostet haben.

Schlagen die „Naturschützer“ wieder zu?

Vom üblichen Pressemitteilungs-Blabla mal abgesehen sorgt eine Passage in der offiziellen Verlautbarung dann doch für Stirnrunzeln.

Die neue Flughafengeschäftsführung führt bereits Gespräche mit den Verbänden und Vereinen rund um den Airport und den Blankensee und möchte auch das Gespräch mit den Bürgern der anliegenden Ortschaften aufnehmen.

Nein, kein Stirnrunzeln, weil man den „Airport“ nicht auch hier durch „Flughafen“ ersetzt hat. Das braucht wohl seine Zeit.

Man hört jedoch nebenbei, daß an den Gesprächen auch einige organisierte „Naturschützer“ beteiligt sind. Und zwar ziemlich genau die, die früher sämtliche Klagen gegen Zahlung von 2,5 Mio. Euro eingestellt haben. Dafür bekamen sie zwar einen Mediationsvertrag, der den Flughafen zum Beispiel schon seit Jahren zur Erneuerung seiner Entwässerungsanlagen verpflichtete.

Doch anstatt nun wenigstens auf dem zu bestehen, was vertraglich zugesichert, aber nie umgesetzt wurde, beließen die „Naturschützer“ es bestenfalls bei verbalen Protesten ohne jede Konsequenz. Im Fall der Entwässerung drohte der Flughafen gar indirekt mit der Einstellung des Flugbetriebs – und so etwas können echte „Naturschützer“ ja nun wirklich nicht wollen.

Ob das noch eine Rolle spielen wird – der Mediationsvertrag läuft ohnehin Ende 2019 aus – ist ungewiß. Er sollte übrigens auch die Expansionsbestrebungen der Stöckerschen Firma Euroimmun, die mitten im Naturschutzgebiet und am Rand der Landewiese liegt, eindämmen. Das wird Herrn Prof. Stöcker sicherlich amüsieren, braucht er doch nur noch ein wenig abzuwarten.

Von diesen „Naturschützern“ ist vermutlich nichts zu erwarten, doch das bedeutet noch längst keine Rechtssicherheit. Die LN titeln vor ihrer Bezahlschranke: „Airport: Stöcker im Glück – aber Groß Grönau will weiter klagen – Schutzgemeinschaft und Anwohner ziehen ebenfalls vor Gericht.“

Man meint fast, ein verwundert-indigniertes Räuspern zu hören: was erlaubt sich der Plebs gegenüber seiner Majestät, König Winfried I. von Blankensee? Der bloßen Erwähnung seines Namens sollte ehrfürchtiges Schweigen folgen.

Natürlich nicht, dann am Flughafen hat sich nichts geändert. Der Betreiber heißt jetzt anders, das ist alles. An den schwachsinnigen Ausbauplänen seiner Vorgänger will er nach öffentlichen Bekundungen festhalten, wenngleich die vielleicht eher der temporären Beruhigung geltungssüchtiger Lokalpolitiker der Hanselstadt™ gelten sollen.

Vorläufiges Fazit: Bis zum Beweis des Gegenteils kein Ende des Schwachsinns an der Landewiese in Sicht.

Für Lübeck abstimmen, bitte

Spaßig wird es derweil ausgerechnet beim manager-magazin (ich wiederhole hier einen Hinweis aus der Kommentarsektion). Man sucht dort den Peinlichsten Flughafen Deutschlands. Ich bitte Sie, da können wir in der Hanselstadt™ doch ganz vorne mithalten. Bitte fleißigst abstimmen!

Reicht es bundesweit zu Platz 3, wenn man in der Regionalliga immerhin Vizemeister wurde? Derzeit scheint sogar Platz 2 vor Kassel-Calden noch erreichbar!

4 Antworten auf „Peinlich, peinlich“

  1. Guten Morgen Herr Klanowski,
    Bitte räumen Sie dem neuen Betreiber von LBC doch wenigstens eine Frist
    von 100 Tagen ein, um erste zukunftsweisende Veränderungen anschieben
    zu können.
    Wir sollten froh darüber sein, das ein hiesiger Geschäftsmann Geld in die
    Hand nimmt, um dieses Stück Infrastruktur zu erhalten.
    Was wäre wohl mit der Lübecker Hafenwirtschaft los, wenn nicht ein Herr
    Lehmann große Teile der Kaianlagen in Siems übernommen hätte ?

    Mit freundlichem Gruß
    Wolfgang Wilkens

    1. Also, in zehn Tagen hat er auf dem Parkplatz ein paar bunte Fähnchen wehen (die Masten hat der Vorgänger bereits aufgestellt), und wenn er gut ist, malt er in hundert Tagen die Hallen in blau-weiß-rot an. Mehr erwartet doch niemand!

      1. Stimmt. Mehr erwartet niemand. Das ist auch gut so. Alle vorherigen „Investoren“ haben bahnbrechende Neuerungen und Konzepte prasentiert, welche nichtmals im Ansatz zu halten waren. Die Resultate kennen wir.

        Ich bin momentan Pro Wilkens, da ich ebenso denke das Herr Stöcker sehr viel Zeit und nochmehr Geld investieren wird um die Landewiese aufrecht zu erhalten. Der gute Mann wird sich seinen Teil schon gedacht haben. Und ganz ehrlich ? Ich hätte bei all den Voraussetzungen nicht anders agiert als er. Zu behaupten das er die Wiese mit Zubehör ab ca 2022 für eine Ablöse von ca 5,6 Mio. übernehmen kann, ein sozusagenes Schnäppchen, ist falsch. Er wird sicherlich jährlich fast 1 Million Euro für den Erhalt aufwenden, zzgl. 5,5 Millionen Ausbau macht summarum, inklusive 2016, ungefähr Euro 17,5 Millionen als Kaufpreissumme. +- 2-3 Millionen. Keine Förderung vom Land, Bund, EU. Was also ist Ihr Problem ? Ich denke der Fairness halber sollten wir, insbesondere Sie, die Füße stillhalten.

        Verstehen Sie es bitte nicht Falsch. Ich verfolge Ihren Blog seit vielen Jahren und bewundere Sie für Ihr Wissen und Recherche. Ihr Blog ist hervorragend geschrieben und recherchiert. Sämtliche Voraussagen Ihrerseits sind eingetroffen. Aber jetzt ? Jetzt lassen wir Herrn Prof. doch mal walten. Wir werden sehen was passiert. Oder auch nicht.

        1. Vielen Dank für die Lobesworte, aber ich verstehe Ihre Argumentation wirklich nicht. Ich verstehe auch die Lübecker nicht. Es war schon relativ krass, wenn jemand „Flughafen Lübeck“ gesagt hat. Innerhalb der Stadtgrenzen die typische Taxifahrer-Reaktion: „ja, ist doch toll, wenn man von hier nach Malle fliegen kann“. (Daß die Stadt den Spaß bezahlt hat, hat die Taxifahrer nie interessiert.)

          Außerhalb der Stadt, und da muß man nicht mal bis nach Hamburg gehen, schallendes Gelächter über die volldepperten Lübecker mit ihrer Sozial-Landewiese. Haben Sie das nie mitbekommen?

          Und auch Prof. Stöcker überzeugt außerhalb keineswegs. Gibt es Ihnen nicht zu denken, daß Lübeck in der Wahl zum peinlichsten Flughafen Deutschlands derzeit ganz knapp hinter der Nullnummer Kassel-Calden auf Platz drei steht, noch vor dem Hahn mit seinen potenten chinesischen Investoren?

          Und das nach dieser Vorstellung:

          … jetzt übernimmt ein lokaler Unternehmer. Der
          verheißt auch wieder eine große Zukunft, zunächst aber will er nur die Betriebsgenehmigung sichern – und die Beschäftigten des Flughafens in seiner eigenen Medizinfirma einsetzen, gleich nebenan. …

          Probleme mit der Genehmigung wie beim BER konnten in Lübeck übrigens nicht passieren: Für den Flughafen gab es nie einen Planfeststellungsbeschluss.

          Denken Sie nicht auch, daß es da immer noch jede Menge Fragen zu beantworten gäbe? Stöcker hin oder her?

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