Ende der Sommerpause 2016

Wenn Sie glauben, an der Landewiese geschehe derzeit nicht viel, haben Sie recht. Ein paar Sportflieger, ein paar Schulungsflüge, ein paar Geschäftsflüge – all das ist übrigens nichts, was es nicht schon vorher gegeben hätte. Von den Segelfliegern des Aero Club von Lübeck (ACvL), denen man angeblich wieder Unterkunft gewähren will, fehlt nach wie vor jede Spur. Schön ruhig ist es größtenteils, so jedenfalls meine persönliche Wahrnehmung; so kann es gerne bleiben. Im folgenden geht es aber nicht darum, ob es so bleiben wird, sondern um einige aktuelle Details.

Da sich die Geschäftsführer der Landewiese, Prof. Dr. Winfried Alexander Stöcker und Hon.-Prof. Dipl.-Ing. Jürgen Friedel mit Äußerungen zur aktuellen Lage zurückhalten, ist ein Blick auf die aktuellen NOTAMs (Notices to Airmen) hilfreich. Dort sind alle aktuellen Änderungen vermerkt, die Piloten kennen müssen.

Man sieht dort, daß so ziemlich alles, was aus Kostengründen zurückzufahren geht, zurückgefahren wurde. Zwei Punkte sind bemerkenswert.

Erstens: Feuerwehr und Rettungsdienst, vom Flughafen zu bezahlen, wurden auf Kategorie 4 zurückgestuft (zuvor Kategorie 6 und zu Zeiten Ryanairs sogar sogar Kategorie 7). Das verwundert nicht unbedingt, denn diese Kategorie richtet sich nach der Länge der größten Flugzeuge, die einen Flughafen „normalerweise“ anfliegen. Die Maschinen des Typs Boeing 737-800, die Ryanair benutzt, erforderten Kategorie 7; die etwas kürzeren Airbus A320 von Wizz Air kamen mit Kategorie 6 aus. Die sind alle zum Glück verschwunden. \o/

Die jetzt angebotene Kategorie 4 deckt Flugzeuge bis zu einer Länge von 23,99 Metern ab. Ab und an, gerne übers Wochenende, wird auch mal zeitweise auf Kategorie 2 heruntergestuft (bis 11,99 Meter). Auf Anfrage, so heißt es vom Flughafen, sei jedoch Brandschutz einer höheren Kategorie verfügbar. Ob das allerdings für spontane Landungen (Notfälle, Ausweichflüge etc.) größerer Maschinen sofort machbar ist, ist unklar. Im Zweifelsfall sollte man wohl doch einen anderen Ausweichflughafen wählen.

ILS Cat. II – wer braucht das?

Noch interessanter wird es, zweitens, beim schicken neuen Instrumentenlandesystem – na ja, ganz so neu ist es auch nicht mehr. Das ist derzeit nämlich nicht verfügbar, und das einen ganzen Monat lang:

C2466/16 - ILS RWY 07 CAT II NOT AVBL. 17 AUG 08:36 2016 UNTIL 18 SEP 23:59 2016. CREATED: 17 AUG 08:36 2016

Fliegerisch ist das vermutlich uninteressant, da die Landewiese derzeit planmäßig ihre Pforten um 20 Uhr Ortszeit schließt und die paar Nachtlandungen im Jahr, für die das ILS angeschafft wurde, ohnehin ausbleiben. Daher dachte ich natürlich zunächst also auch bloß „na und?“

Der Witz ist, daß das ILS der Hanselstadt™ Lübeck gehört und vom Betreiber der Landewiese lediglich gemietet wird, der – jedenfalls theoretisch bzw. fiktiv – dafür Miete zahlt.

Die Frage ist: wer ist für die Abschaltung des ILS Cat. II verantwortlich? Mir fallen eigentlich nur zwei Versionen ein:

  1. Der Eigentümer des ILS, die Hanselstadt™, sieht Wartungsbedarf. Da die Verträge mit dem Betreiber der Landewiese nicht öffentlich zugänglich sind, weiß man aber nicht, wer für die Wartungskosten aufkommen müßte.
  2. Der Betreiber der Landewiese sieht im Moment keinen Bedarf für das ILS Cat. II.

Das wäre alleine schon deswegen putzig, weil dieses ILS Cat. II mit Millionen vom Land gefördert wurde – werden die jetzt zurückgefordert, nachdem es übrigens seinen Zweck, Millionen von Touristen in die Hanselstadt™ zu spülen, ganz offenbar nicht erfüllt hat?

In dem filzig-klebrig-nebulösen Geflecht aus Netzwerken, Förderbescheiden und Geheimverträgen (sowie ab und an auch Insolvenzverwaltern) läßt sich leider nicht verläßlich einschätzen, was da vor sich geht, und welche finanziellen Auswirkungen die Nicht-Verfügbarkeit des ILS Cat. II für einen Monat hat.

b_landekurs

Wenn der Flughafenbetreiber deswegen eine Mietminderung verlangt, würde es mich nicht wundern – wozu soll er für eine Dienstleistung zahlen, die über vier Wochen lang nicht zur Verfügung steht? Und das gilt möglicherweise selbst, wenn er aus eigenen Stücken auf das ILS Cat. II verzichtet.

Wissen wir es? Nein. Die Verträge sind nun mal geheim. Aber da könnte neues Gezeter anfangen wie vor etwas über einem Jahr mit dem vorherigen „Investor“:

Nicht weniger als 230.000 Euro will der noch vor Jahresfrist als Heilsbringer gefeierte Landewiesen-Investor von der Stadt für angeblich bislang unbekannte Mängel an gepachteten und gekauften Gütern, mal eben so im Vorbeigehen, und stellt Pachtzahlungen ein.

Mal sehen, wann es beim neuen „Investor“ soweit ist. Die Stadt wird noch sehr viel Spaß mit ihm haben, vermute ich.

2 Replies to “Ende der Sommerpause 2016”

  1. Hallo Herr Klanowski,
    leider kann ich verbal nicht so, deshalb habe ich das Treiben in der Bürgerschaft der Hanselstadt zeichnerisch zusammengefasst.
    Das, und eine erhellende Pressemitteilung die zwar nichts mit der Landewiese zu tun hat, aber doch erhellend die verdächtige Nähe unserer Lübecker Presse zur Bürgerschaft aufzeigt, sende ich Ihnen an Ihre E-Mail-Adresse.
    Fliegende Grüße aus dem Exil der Segelflieger
    Wolfgang Diehl

    1. Das will ich bestimmt niemandem vorenthalten!

      Hier die Zeichnung, die ich „Verwaltung reitet tote Steckenpferde“ nennen würde, wenn Steckenpferde nicht ohnehin aus dem selben Totholz bestehen würden wie die unsägliche hiesige Monopolpresse. Und damit meine ich nicht nur das Papier, auf das die Postille gedruckt wird 😉 Für eine größere Darstellung bitte auf die Grafik klicken.

      Die erwähnte Pressemitteilung findet sich hier.

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