Operation Sparflugplatz

Nach der Übernahme der Landewiese durch die Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG stellte sich der Firma zunächst vermutlich die Frage, wie der Flugbetrieb so weit wie möglich einzuschränken sei. Das klingt nur so lange paradox, wie man die Kosten gewisser Flugverkehre übersieht.

Soll man beispielsweise die Landewiese an Sommerabenden bis Mitternacht offenhalten, nur weil eventuell die ein oder andere Maschine wegen Gewitters in Hamburg nach Lübeck ausweicht? Oder an Herbstabenden bei Nebel?

Solche Landungen, die oft als Existenzberechtigung für die lübsche Landewiese herhalten sollten, konnte man in den letzten Jahren, und eigentlich schon immer, an den Fingern beider Hände abzählen. Jetzt sind sie sogar explizit ausgeschlossen.

Das Spannungsfeld ist klar beschrieben: (A) Betriebsgenehmigung versus (B) Betriebspflicht. Aus A folgt B… eigentlich. Und umgekehrt: wird B eingeschränkt, müßte dann nicht auch A angepaßt werden?

Die Aufgabe lautete: schränke aus Kostengründen die Betriebspflicht (B) ein, ohne die Betriebsgenehmigung (A) zu verändern. Einige Bausteine hatte ich bereits hier beschrieben: Verkürzung der Öffnungszeiten, Zurückstufung des Brandschutzes, zeitweise Rückstufung des Instrumenten-Landesystems.

Warum macht man das? Ich will nicht weiter spekulieren, nur kurz zwei mögliche Erklärungen anreißen:

  1. Man hat tatsächlich noch Größeres mit der Landewiese vor, hat im Moment nur nicht das Geld dafür.

  2. Man hat tatsächlich überhaupt nichts Größeres mit der Landewiese vor, will aber die lübschen Lokalpolitiker nicht verschrecken, die von Größerem träumen. Man möchte sie weiter träumen lassen, denn man braucht die Hanselfrauchen und -männchen vielleicht noch mal für leckere Subventionen.

Man ist, offenbar in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein – auf jeden Fall aber mit dessen Zustimmung – am Flughafen auf eine höchst kuriose Lösung verfallen.

Luftnummer-Plan

Der Landesbetrieb spricht von einer

Aufhebung des Luftsicherheitsplans, der nach Einstellung des Passagierflugbetriebs mit Flugzeugen mit einem maximalen Abfluggewicht [MTOW] von mehr als 15 t nicht mehr im bisherigen Ausmaß erforderlich war.

Schreiben des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein

Also halten wir fest: Passagierflugbetrieb (Definition folgt unten) mit Flugzeugen mit einem maximalen Abfluggewicht von mehr als 15 t ist an der Landewiese eingestellt worden. Deswegen sind geringere Sicherheitsmaßnahmen vonnöten, und wegen der reduzierten Sicherheitsmaßnahmen ist Passagierflugbetrieb nicht mehr möglich.

Bin ich der einzige, der der Auffassung ist, daß es sich hier um eine zirkuläre Logik handelt, die sich wie eine Katze in den eigenen Schwanz beißt (wobei die Katze übrigens verhungern würde)?

Keine Linienflüge

In dem o.a. Schreiben bestätigt der Landesbetrieb ausdrücklich,

dass eine geplante Nutzung für entsprechende Passagierflugverkehre, die für den Flughafen Fuhlsbüttel vorgesehen waren, derzeit nicht möglich ist.

Gut, diese potentiellen Kostenverursacher einschließlich Ausweichflüge wäre man also erst einmal los. Es gibt weitere nette Nebenwirkungen, wenn man bei der Sicherheit jetzt plötzlich in einer 180-Grad-Wende beide Augen zudrückt. So kann man sich vermutlich den jahrelang behördlicherseits angemahnten Aus- und Umbau des Bestreifungsweges am Flughafenzaun sparen, der wohl auch einen sechsstelligen Betrag verschlungen hätte.

Und man kann sogar die Segelflieger des Aero Club von Lübeck (ACvL) mit einem Leckerli locken, denn das wäre gut fürs Image der Landewiese. So bestätigt der Landesbetrieb:

Es ist richtig, dass der provisorische Zaun, der einen Teil des vom ACvL genutzten Geländes von den Flächen des Flughafens abtrennte, zwischenzeitlich abgebaut wurde.

Es müßte aber jedem klar sein, daß die alten „Sicherheitsvorkehrungen“ [siehe Beitragsbild], die so mancher gerade in Bezug auf die Segelflieger eher für Schikane hielt, jederzeit wieder eingerichtet werden könnten, eigentlich sogar müßten, wenn der Passagierflugverkehr wieder aufgenommen werden sollte – und das ist laut Aussagen des Firmeninhabers Stöcker früher oder später geplant. Dank nach wie vor gültiger Betriebsgenehmigung wäre das jederzeit möglich.

Der ACvL hat sich öffentlich nicht geäußert, seine Vereinsaktivitäten bisher aber auch nicht nach Lübeck-Blankensee zurückverlegt.

Keine Verbot für schwere Maschinen

Was sind nun diese Passagierverkehre, die es hier nicht mehr gibt? Linien- und evtl. Charterflüge, wobei letzteres nicht ganz klar ist. Ein generelles Landeverbot für Maschinen über 15 t MTOW gibt es jedenfalls nicht, so der Landesbetrieb:

Gleichwohl können grundsätzlich weiterhin auch schwere Luftfahrzeuge in Lübeck starten und landen, z.B. als Werksverkehre, Businessflüge, Regierungsflüge etc. Die Betriebsgenehmigung hat sich im Zuge des Betreiberwechsels inhaltlich nicht geändert. Es ist daher derselbe Flugbetrieb wie bisher möglich, nur die Passagierbeförderung ist aus luftsicherheitsrechtlichen Gründen derzeit eingeschränkt.

Warum?

Weil die Sicherheitsstandards gelockert wurden. Und die wurden gelockert, weil man derzeit keinen Passagierverkehr mehr hat… oder haben will. Einfach köstlich. Jedes Computerprogramm würde sich angesichts dieses Zirkelschlusses in Mikrosekunden aufhängen. Menschen und Behördenvertreter kommen mit damit komischerweise bestens zurecht.

Was soll das?

Es bleibt davon abgesehen eine ganz witzige Frage bezüglich des provisorischen Zauns, der einen Teil des vom ACvL genutzten Geländes von den Flächen des Flughafens abtrennte. Wozu diente der eigentlich, wenn man die Erklärungen des Landesbetriebs ernst nimmt?

Der Luftsicherheitsplan betrifft … nicht den Passagierflugbetrieb, sondern ausschließlich luftsicherheitsrechtliche Aspekte, also Fragen der Sicherung des Luftverkehrs und der Passagiere vor Angriffen von außen.

Schreiben des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein

Angriffe des Luftverkehrs durch Segelflieger, oder wieso mußten die eingezäunt werden? War es doch nur reine Schikane, als sie de facto ausgesperrt wurden?

In diesem Zusammenhang finden wir tatsächlich diesen ominösen Luftsicherheitsplan, der jetzt gelockert wurde. Nachdem er erst, so eine Überraschung!, vor etwas über einem Jahr noch verschärft wurde.

„Zum 1. April [2015] ist ein neuer Luftsicherheitsplan in Kraft getreten“,

so der damalige Geschäftsführer des Flughafens, Dr. Peter Steppe.

Dabei gehe es vor allem um strengere Kontrollen. Den habe man zwar selbst ausgearbeitet. „Aber so wie bisher, war er nicht genehmigungsfähig“, betont Steppe. „Ich kann dem Club [ACvL] nicht helfen, ich mache die Vorschriften nicht.“

Lübecker Nachrichten, 25. April 2015

Nur: die Passagierzahlen der Landewiese befanden sich zu dem Zeitpunkt schon lange im Sturzflug, was eher für eine Lockerung der Sicherheitsmaßnahmen gesprochen hätte.

Bla-bla

Aber man muß sich nicht wirklich ernsthaft mit all diesen Begründungen befassen. Ich habe den Eindruck, sie sind vorgeschoben und daß ganz andere Motive, die übrigens wenig mit Sicherheit zu tun haben, hinter den dauernden „Anpassungen“ der Sicherheitsmaßnahmen stecken. Das ist die übliche Trickserei, die wir seit Jahrzehnten kennen, nichts weiter.

Aktuell kann man damit jedenfalls verhindern, daß trotz einschlägiger Betriebspflicht verlustbringende Linienflüge abgewickelt werden müßten. Oder nächtliche Ausweichflüge von wo-auch-immer. Womöglich, Gott bewahre, kommen am Ende noch Ryanair oder Wizz Air zurück. Wäre ja fürchterlich.

Man erinnert sich vielleicht: Der neue Besitzer der Landewiese, Winfried Stöcker, „meldete sich als Interessent erst, als Wizz Air wegging“, wie Insolvenzverwalter Prof. Pannen ausplauderte (Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, Lokalteil HL, 18./19. Juni 2016, S. 24). Sicherlich kein Zufall.

8 Antworten auf „Operation Sparflugplatz“

  1. Herr Klanowski, so ganz Unrecht hat Herr Wilkens nun nicht. Der neue Flughafenbetreiber unterscheidet sich sehrwohl von den bisherigen…er posaunt halt nichts raus und läßt keine rosaroten Ballons starten. Was sein Konzept betrifft und deren Finanzierung, da scheinen Ihnen wohl die Informanden ausgegangen zu sein. Das gleiche betrifft wohl auch die Segelflieger.

    1. Der derzeitige Investor läßt keine rosaroten Ballons starten? Wo waren Sie in den letzten Jahren, hier in Lübeck? Haben Sie die Anzeigenserie des Herrn Professors im Rahmen des Bürgerentscheids übersehen, die ihn einen sechsstelligen Betrag gekostet haben dürfte? Hier übrigens die schönsten Parodien.

      Seine „Bewerbung“ im Jahr 2012, „Ein wirres … Konvolut von unbewiesenen Annahmen, Heilsversprechen (solange man nur nicht vom rechten Glauben abfalle) und Drohungen (falls man vom rechten Glauben abfalle),“ in meiner Beschreibung – die die Verwaltung seinerzeit mangels Substanz zurecht in die Tonne getreten hat? Seine Pläne für eine eigene Fluglinie? Alles schon vergessen? Jetzt landet der Mann auf dem Boden der Realität, backt ultrakleine Brötchen und wird genau deswegen gelobt?

      Alleine seine zuletzt im Schleswig-Holstein-Magazin vom 11. Juli 2016 (online leider nicht mehr abrufbar) getätigten Äußerungen waren mit rosaroten Luftballons prall gefüllt, die als Ausstattung für mehrere Kindergeburtstage ausgereicht hätten. Ich lache mich schlapp.

      Weniger über den Investor (der agiert als ganz normaler Unternehmer, was ich nicht kritisiere, sondern nur beschreibe, auch wenn es Herrn Wilkens et al. nicht gefällt) als vielmehr über die, die kritiklos an seinen Lippen hängen und ihn offenbar für den neuen Messias halten, der uns von allem Übel erlöst.

      Mit den Flughafen-Fanboys alter Schule habe ich ja zumindest auf einem technischen Level noch diskutieren können. Mit den Anhängern der Kirche des Heiligen Winfried ist das kaum noch möglich. Die leben in ihrer eigenen Welt, habe ich so den Eindruck.

      1. Naja, sie legen sich die Antworten auf Ihre Berichte immer genauso hin, wie es Ihnen am besten paßt. … Nur mal so, ich habe von der derzeitigen Situation gesprochen, nicht von ewig Gestrigem. Ist einfach schwierig, wenn man nicht so endlos Zeit hat, um stundenlange Erkärungen, Ausklammerungen abzugeben. Eigentlich ist es doch völlig egal, wie der Eigentümer des Flughafens heißt. Maßgeblich ist doch, wie seine Konzept aussieht. Da scheinen Sie wirklich derzeit nicht viel zu wissen….macht ja nichts. Schönen Tag noch.

  2. Moin Herr Klanowski,
    warum lassen Sie den neuen Flughafenbetreiber nicht in Ruhe arbeiten ?
    Sind Ihnen die Verschwiegenheit und das besonnene Vorgehen ein Dorn im Auge ?
    Welcher Betreiber könnte es Ihnen überhaupt recht machen ?
    Geben Sie nicht eher Ruhe, bis der Airport ganz geschlossen wird ?
    Warum setzen Sie sich nicht dafür ein, das der Lübecker Hauptbahnhof und der
    Hafen geschlossen werden ? Ist das Wort Infrastruktur für Sie heiße Luft ?
    Wissen Sie überhaupt, was konstruktive Kritik ist ? Oder machen Sie einfach nur
    auf dicke Hose ? Wann schreiben Sie den ersten positiven Beitrag bezüglich LBC ?

    Wie immer mit freundlichem Gruß
    Wolfgang Wilkens

    1. Werter Herr Wilkens,

      danke für Ihren Ansporn, der mich immer wieder dazu motiviert, diesen Blog weiter zu betreiben.

      PS: Ach so, enthielt mein Beitrag irgendeine falsche Tatsachenbehauptung?

    1. Wie bereits in dem Beitrag gesagt: bei Charterflügen war ich mir nicht ganz sicher. Vorsichtshalber nennt der Veranstalter das ganze nicht mal Charter-, sondern „Sonderflug“ – was immer das sein mag.

      In diesem Fall beträgt die Mindestteilnehmerzahl für den „Sonderflug“ übrigens 127 Passagiere, was natürlich ein noch deutlicheres Licht auf die derzeitigen schizophrenen Interpretationen von Sicherheitsvorschriften wirft.

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