Verkehrsflughafen ohne Passagiere: das lächerliche Lübecker Konzept

Eigentlich hätte es in diesen herbstlichen Tagen noch einmal ein, wenngleich sehr bescheidenes, Feuerwerk an Flügen von der Landwiese Lübeck geben sollen. Aber irgendwie scheint es nicht stattzufinden.

Hier der eigentlich vorgesehene Flugplan:

Veranstalter/Ziel Abflug Rückflug
TUI Deutschland GmbH, LN Card Leserreisenservice → Dalmatien

19. Okt.

26. Okt.

Globalis Erlebnisreisen → Seidenstraße

26. Okt.

2. Nov.

TUI Deutschland GmbH, LN Card Leserreisenservice Malta

1. Nov.

11. Nov.

Ich habe mir den 19. Oktober auf flightradar24.com im Zeitraffer angesehen und konnte keinen Flug in Richtung Dalmatien entdecken, lediglich das stundenlange Gewusel der Lufthansa-Flugschüler um die Landewiese herum.

Ob die Flüge am 26. Okt. und am 1. Nov. stattfinden, weiß ich nicht – wenn Sie sie gebucht haben sollten und sich im Unklaren sind, fragen Sie bitte den Reiseveranstalter, nicht mich.

Im Fall Globalis ist ohnehin wichtiger, daß man nach fünf Jahren in Lübeck nunmehr auf Hamburg für Flüge ab Norddeutschland setzt; im Reisekalender 2017 der Firma findet sich kein einziger Flug ab Lübeck. Immerhin finden sich bei den Zeitungs-Leserreisen „LN-Card“ vier Termine im Jahr 2017, aber bis dahin ist noch lange Zeit.

Die nächstliegende Erklärung für den möglichen Ausfall der Flüge ist laut Hinweis eines Lesers das derzeitige (unzureichende?) Sicherheitskonzept der Landewiese (weitere Erläuterungen hier.) Was allerdings kein Betriebsunfall ist, sondern pure Absicht, um verlustbringenden Linienflugverkehr (Billigflieger) möglichst auszusperren. „Sonderflüge“ für Pauschalreisende, die für ihren Urlaub mal eben ein zwei Täusis abdrücken, sind da lukrativer, und Globalis zahlt der Landewiese garantiert mehr als Ryanair.

Außergesetzlicher Sonderstatus

Nur: es reicht eben wohl doch nicht, solche Passagierflüge als „Sonderflüge“ zu bezeichnen, um sie sich genehmigen zu lassen. Es sind und bleiben Charter-, also Passagierflüge – die derzeit nicht stattfinden dürfen. Weil die Landewiese derzeit an allen Ecken und Enden versucht, Geld zu sparen, also auch bei Sicherheitsmaßnahmen. Der Traum, zwischendurch mal eben so ein paar hundert Charterflug-Passagiere durchzuquetschen, sollte es ihn je gegeben haben, hat möglicherweise also nicht funktioniert. Zugegeben, die Einnahmen würden die Landewiese sowieso nicht retten.

Die Luftaufsichtsbehörde wird sich auf jeden Fall fragen lassen müssen, wie lange sie diesen eigenartigen, gesetzlich nirgendwo vorgesehen Zustand eines Verkehrsflughafens ohne Passagierverkehr aufgrund zwecks Kosteneinsparungen reduzierter Sicherheitsmaßnahmen tolerieren will. Die Anpassung der Betriebsgenehigung, eine Rückstufung zum Verkehrslandeplatz wäre da mehr als angebracht.

Wenn nicht gleich der komplette Entzug der Betriebsgenehmigung mangels Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit infrage käme. Ich darf an die Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO) erinnern, § 48 Rücknahme und Widerruf der Genehmigung:

(1) Die Genehmigung … ist zu widerrufen, wenn die Voraussetzungen für ihre Erteilung nachträglich nicht nur vorübergehend entfallen sind. Sie kann widerrufen werden, wenn die erteilten Auflagen nicht eingehalten werden.

Man kann der Luftaufsichtsbehörde nur ein wachsames Auge wünschen.