Was sonst noch Ende 2010 passierte

Allen Lesern ein gesundes und glückliches neues Jahr! Hier sind noch einige Reste aus dem alten Jahr (herzlichen Dank an alle Einsender). Mein Wunsch für 2011 ist übrigens, daß dieser Blog am Ende des neuen Jahres völlig überflüssig sein wird, weil es dann keinen Billigflughafen mehr in Lübeck geben wird. (Man wird ja wohl noch hoffen dürfen…)

Jahresrückblick – Der Airport kommt nicht von der Stelle

Es ist ein klares Bekenntnis der Lübecker zu ihrem Flughafen: Der erfolgreiche Bürgerentscheid verleiht dem Betrieb kurzzeitig Flügel. Am Jahresende steht dennoch eine traurige Bilanz: Sinkflug statt Höhenflug.

Ob das so traurig ist, dürfte allerdings im Auge (und vor allem im Ohr, vielleicht auch in der Nase) des Betrachters liegen.

Zudem verwundert die hiesige Monopolpresse den neutralen Beobachter mal wieder, wenn sie schreibt:

Das ganze Jahr über kursieren Gerüchte, dass Ryanair-Chef Michael O’Leary sich von einer Basis in Lübeck verabschiedet. Ein eindeutiges Zitat gibt es dazu nie.

Aber hat es denn je eine eindeutige Zusage gegeben, von der er sich überhaupt hätte „verabschieden“ können? Nein, und das weiß auch der Autor des Artikels:

Vergeblich bemühen sich Bürgermeister Saxe und die Führungscrew des Flughafens um eine verbindliche Zusage Ryanairs, dass Lübeck 2011 eine Basis für den größten Billigflieger Europas wird.

Etwas anders haben es die Flughafen-Fans im Vorfeld des Bürgerentscheids dargestellt:

Ryanair hat bereits mehrmals deutlich gemacht, dass sie bereit sind, in Lübeck eine Base zu eröffnen. Entgegen anders lautender Aussagen wiederholt Ryanair diese Absichtserklärung auch in regelmäßigen Abständen, zuletzt wurde dieses Bekenntnis zum Flughafen Lübeck auf einer Pressekonferenz von Ryanair in Lübeck am 26. Februar 2010 noch einmal wiederholt. Allerdings muss die Hansestadt Lübeck dazu ihre Hausaufgaben machen und die Mittel zur Verlegung der Landeschwelle 07 und zum Upgrade des ILS zur Verfügung stellen.

Abgesehen davon, daß diese Voraussetzungen durch den Bürgerentscheid erfüllt wurden, stand in den Absichtserklärungen noch mehr, vermeldeten die Lübecker Nachrichten vor wenig mehr als einem Jahr:

Die irische Fluggesellschaft Ryanair will mehr Passagiere und neue Linien bringen. Das steht in einer Absichtserklärung. Ryanair will bestehende Linien beibehalten, auf geplante Reduzierungen verzichten, frühere Routen wieder aufnehmen und neue Ziele einrichten.

War wohl nix, und das alles trotz Bürgerentscheid – an den sich Ryanair natürlich nicht halten muß! Aber Entschuldigungen finden sich immer:

[Flughafen-Geschäftsführer] Lange ist sich sicher, dass der Flugplan in Lübeck auch wesentlich praller ausgefallen wäre, hätte die Bundesregierung nicht die Luftverkehrsabgabe eingeführt. Lange: „Uns erwischt es zu einem unglaublich schlechten Zeitpunkt.“ Ryanair hatte angekündigt auf die Abgabe mit Reduzierungen der deutschen Linien um 30 bis 40 Prozent zu reagieren. Dabei sei Lübeck noch einigermaßen glimpflich davon gekommen im Vergleich zu den Ryanair-Basen in Weeze/Düsseldorf und Bremen, so Lange.

Noch vor sechs Monaten, Anfang Juni 2010, war Herr Lange sich allerdings sehr sicher:

Die Verhandlungen des Flughafens Lübeck mit der Fluggesellschaft Ryanair über die Einrichtung einer Basis in der Hansestadt stehen kurz vor dem Abschluss. Er rechne mit einem Ergebnis innerhalb der nächsten vier Wochen, sagte Flughafenchef Michael Lange am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz zum zehnjährigen Bestehen der Kooperation zwischen dem Flughafen und Ryanair.

Hätte, wäre, könnte. Aber offenbar steckt hinter den Ryanair-Streichungen noch ein anderer Beweggrund.

Ticketsteuer und andere Gründe

Eigentlich müsste Ryanair der Bundesregierung dankbar sein. Denn die ab 1. Januar geltende Ticketsteuer hat es der irischen Fluggesellschaft ermöglicht, sich elegant von unrentablen Strecken vom Flughafen Hahn zu trennen. Offiziell bestätigt wird das seitens Ryanair natürlich nicht. Trotzdem gibt es Hinweise darauf, dass nicht jede Strecke tatsächlich wegen der Einführung der zusätzlichen Steuer von acht Euro für einen Kurzstreckenflug aus dem Flugplan genommen worden ist.

Trierischer Volksfreund

Fass ohne Boden: Flughafen kränkelt

Acht Monate nach dem positiven Bürgerentscheid zum Lübecker Flughafen will sich keine eindeutige Haltung zum Erhalt und Ausbau des Airports einstellen. Am Flughafen selbst wird es derweil immer stiller. [Gottseidank.] Verschlankte Winterflugpläne sorgen aktuell für tote Hose in Blankensee. Mit dem nächsten Sommerflugplan ist zwar Auffrischung in Sicht, von den noch vor Jahresfrist erhofften Flugbewegungen und Passagierzahlen aber haben sich selbst Optimisten längst verabschiedet.

Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag

Aber immerhin vermelden die Lübecker Nachrichten:

Gemeinde erzielt große Erfolge bei Verkauf von Erbbaugrundstücken

Die Gemeinde trennt sich … seit einiger Zeit von ihren Erbbaurechtsgrundstücken – und das mit ansehnlichem Erfolg. Es klingelt kräftig in der Gemeindekasse.

Bekanntlich hatte die Lübecker Flughafen-Fans ihr Bürgerbegehren mit dem Finanzierungsvorschlag unterfüttert, Erbbaugrundstücke zu verkaufen. Das klappt auch – nur leider nicht in Lübeck, sondern stattdessen in Stockelsdorf (Kreis Ostholstein). Ähnliche Erfolgsmeldungen hat man aus Lübeck bislang nicht vernommen.

Der Dualismus von Böcken und Gärtnern

Eine Lübecker Lokal-Pirouette zum Schluß kann ich mir nicht verkneifen. Rein rhetorisch hatte ich früher schon mal gefragt, wo eigentlich der Bund der Steuerzahler bliebe, was die Steuergeldverschwendung am Lübecker Sozialflughafen anginge.

Ein freundlicher Hinweis aus der Leserschaft führte mich (mal wieder) zum Lübecker Multifunktionär Nicolaus Lange, der Vorsitzender der Kaufmannschaft zu Lübeck ist, aber rein zufällig auch Vorsitzender des Flughafen-Lobbyvereins „Check-In“ und (jetzt kommt’s) zudem Beisitzer im Landesvorstand des Bundes der Steuerzahler Schleswig-Holstein.

Kommentar überflüssig, oder? Auf der Webseite des Steuerzahlerbundes S-H finden sich bei einer Stichwortsuche nach „Flughafen“ lediglich 11 Treffer, von denen sich neun auf Kiel-Holtenau beziehen und gerade mal zwei auf Lübeck – aus den Jahren 2004 und 2002. Guten Morgen! Flughafen-Steuergeldverschwendung in Lübeck interessiert dort wohl niemanden.

Mehr zum lübschen Wirtschafts-Klüngel gibt’s übrigens in den Artikeln „Sechsfach gefilzt hält besser“ und „Null Ahnung“.