Stöcker-Versteher ante portas

Es begab sich aber zu der Zeit, daß aus einem der großen Pressehäuser der Republik wieder ein Kundschafter in die Hanselstadt™ aufbrach, dem König von Blankensee zu huldigen. Thomas Hahn ist keineswegs der erste von überregionalen Medien ausgesandte Stöcker-Versteher. Für die Süddeutsche Zeitung kam er mit der Aussage König Winfrieds des Ersten zurück: „Ich bin kein normaler Unternehmer.“ Ach? Dann hätten wir das ja schon mal geklärt.

Was will er denn nun mit der Landewiese, fragen ihn die quartalsweise einfallenden Journalisten, doch die Antworten fallen unterschiedlich aus.

Geschäftsführer Jürgen Friedel arbeitet längst am Neuanfang. … Eines Tages sollen hier wieder zwischen 500 000 und eine Million Passagiere pro Jahr landen, möglichst ohne Billigfluglinien.

Süddeutsche Zeitung, 16. Dezember 2016

Das klang schon mal etwas ambitionierter, vor keinem halben Jahr.

Was beide – Stöcker und Friedel – nicht wollen: Billigflieger. … „In vier bis fünf Jahren werden wir hier einen florierenden Flughafen haben. Wir peilen zwei Millionen Fluggäste pro Jahr an“, berichtet Stöcker optimistisch.

NDR, 11. Juli 2016

Was denn nun, zwei Millionen, eine oder eine halbe? Egal, denn das wichtigste Ereignis steht kurz bevor:

Bald soll das Restaurant wieder einen Koch haben …

Süddeutsche Zeitung, 16. Dezember 2016

Bei den Kollegen der Zeit hieß es vor gar nicht allzulanger Zeit:

Ganz der selbstlose Flughafen-Retter, als der sich Stöcker gern inszeniert, ist er nicht. In fünf oder sechs Jahren soll der Flughafen ihm als Verbindung gen Osten und Südosten dienen. Bis dahin will er in Lübeck eine Privatklinik mit angeschlossenem Hotel bauen, in die er dann per Linienflug reiche Russen und Araber einfliegen lassen könnte. Die Kosten für die Sicherheit am Flughafen würden durch die Linienflüge zwar wieder steigen, doch das Geld glaubt Stöcker durch die Privatklinik einzuspielen.

Die Zeit, 13. Oktober 2016

In der Süddeutschen kein Wort mehr dazu. Was ja nichts heißen muß, einen Plan gibt es offenbar sowieso nicht.

Soweit bekannt verließ sich Stöcker bei dem Erwerb auf das Inhouseteam seiner Firma Euroimmun. [Flughafenexperten!] Bei seinem ersten Angebot 2012 hatte er das Hamburger Büro von Honert + Partner mandatiert.

JUVE, 15. Juni 2016

Nicht nur das, sondern auch einen vermutlich sechsstelligen Betrag für Flughafen-Reklame in der hiesigen Lokalpresse investiert – um dann nicht mal eine brauchbare Bewerbung abzugeben. Viel Theaterdonner und nichts dahinter… oder andere Absichten? Und diesmal? Aufwand war keiner notwendig; die Flughafenübergabe war eher ein Begräbnis dritter Klasse unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

Was die Stöcker-Versteher der überregionalen Presse (der regionalen sowieso) allesamt verpaßt haben, ist, sich in der Umgebung umzuhören. Nicht jeder hier liebt diesen König von Blankensee, dem in ein paar Jahren, wenn es nach seinem Willen geht, vielleicht fast der ganze Stadtteil gehört, oder ist von seinen angeblich noblen Motiven überzeugt.

„Traditionsflughafen erhalten“ – meine Fresse, wie lächerlich! Kommt demnächst der Traditions-Kaiser Wilhelm II. wieder zurück? Wilhelm, nicht Winfried 😉

P.S. Aus einem älteren Beitrag:

Man erwartet in dieser Jahreszeit eigentlich nur noch das Bekenntnis des Weihnachtsmanns, den Flughafen Lübeck dringend für Frachtflüge zu benötigen.

 

6 Antworten auf „Stöcker-Versteher ante portas“

    1. Kapier‘ ich jetzt nicht. Oder beschweren Sie sich, weil ich Ihren Kommentar nicht sofort freigeschaltet habe? Das dauert in der Regel bis zu 24 Stunden, oder glauben Sie, ich sehe hier stündlich nach? Ich bin da sehr altmodisch und bearbeite Kommentare, Email usw. (höchstens!) einmal am Tag und nicht rund um die Uhr. Da müssen Sie schon mit leben, wenn Sie hier kommentieren.

  1. Ich grüße Sie, Herr Klanowski,
    als neuer Leser Ihrer Web-Seite habe ich viele Artikel gelesen.
    Dabei bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß Sie ein sehr
    negativ denkender Mensch sind. Wieso greifen Sie den neuen
    Flughafenbetreiber so vehement an ? Warum sprechen Sie immer
    nur von Altlasten, mit denen der neue Betreiber nichts, aber auch
    gar nichts zu tun hat ? Sollte Lübeck nicht froh sein, jemanden aus
    der Region gefunden zu haben, der versucht, diese Infrastruktur
    aufrecht zu erhalten.

    Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch
    F. Schenk

    1. Ich wünsche Ihnen ebenfalls frohe Feiertage. Vielleicht kommen Sie ja mal im neuen Jahr dazu, mir zu erklären, wo genau ich wen genau „angegriffen“ habe (was für eine abstruse Terminologie!), dann könnte man über Ihre Anwürfe en detail diskutieren. Aber das muß nicht sein.

    2. Nun, Herr Schenk? Könnten Sie mir jetzt nach der Feiertagspause mal erklären, wo genau ich wen genau „angegriffen“ habe? Ich bin gespannt!

  2. Eine sehr interessante und wirklich „viel“-sagende Information aus diesem Beitrag in der „Süddeutschen“ vom 16.12.2016 haben Sie gar nicht erwähnt, lieber Herr Klanowski! Ich meine diese:

    „Und nun hat also der Immunologe und Unternehmer Stöcker den Flughafen gekauft. Wie viel er dafür bezahlte, sagt Stöcker nicht. „Die Summe ist auch ganz egal, wenn man bedenkt, was wir jetzt alles reinstecken müssen.“ Immerhin verrät er: „Wir hätten den Kaufpreis auch weiter runtergehandelt, aber wir hatten Mitleid mit dem Konkursverwalter.“ Spinnt der Professor? Hat er zu viel Geld?“

    Das ist wirklich „großartig“!

    Beste Grüße

    Jürgen Benecken

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