Halle Luja in F-Moll

Die Tage der einsturzgefährdeten Halle F auf der Landewiese könnten gezählt sein. Derzeit wird offenbar alles herausgerissen, was noch im Inneren vorhanden war, nachdem die Halle offiziell bereits im Frühjahr 2014 geräumt wurde. Ich höre die Fanboys und -girls schon jubeln ob der Tatkraft ob des Investors. Doch Vorsicht: nach allem, was man weiß, gehört ihm die Halle gar nicht, sondern der Hanselstadt™ Lübeck. Und das wirft Fragen auf.

Die Halle spielte zuletzt eine wesentliche Rolle in der Enttarnung der chinesischen Anlageschwindler, die die Landewiese unter lautem Jubel fast aller politischen Parteien im August 2014 übernommen hatten*, inklusive der maroden Halle, über die die Chinesen sich nicht beklagten. Ebensowenig über die noch marodere ehemalige Warenannahme an der Blankenseer Straße, vermutlich das älteste Gebäude auf dem Flughafengelände überhaupt.

Ehemalige Warenannahme, Ansicht von der Blankenseer Straße

Als die Geldströme aus China versiegten, betätigte sich der Wieder-Mal-Geschäftsführer Peter Steppe kreativ und behielt die der Stadt zu zahlende Pacht für die Betriebsfläche inklusive Aufbauten ein. Flughafenbetreiber PuRen Germany, vertreten durch Dr. Steppe, war der Ansicht, die Hanselstadt™ müsse die Abrißkosten in Höhe von 100.000 Euro übernehmen.

Das Spiel war durchschaubar: PuRen Germany hatte keine liquiden Mittel mehr und mußte sich mit abenteuerlichsten Begründungen herauswinden. Das ist alles Geschichte, klar. Aber wie wurde später mit der Thematik in den Verträgen der Stadt mit dem neuen Investor, der Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG, umgegangen?

Halle F, Ansicht von der Blankenseer Straße

Angesichts der bekannten Transparenz in der Verwaltung in dieser Stadt lautet die Antwort natürlich wie immer: „Das weiß außer den Beteiligten kein Schwein“.

Dabei geht es möglicherweise, siehe oben, um 100.000 Euro. Vielleicht findet sich ja die ein oder andere Fraktion in der Bürgerschaft, die der Verwaltung folgende Fragen stellt:

  • Wurde der Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG, wie den Investoren zuvor, die Betriebsfläche samt Aufbauten „wie besehen“ ohne Sonderregelungen bezüglich der maroden Hallen verpachtet?
  • Sollte es Sonderregelungen geben, welche sind das? Pachtminderung?
  • Vor allem natürlich: wer übernimmt im Endeffekt die Abrißkosten?
  • Sollte das die Stadt sein: ist der Abriß wirklich nötig (eine Einsturzgefährdung als Grund reicht nicht aus, wenn die Umgebung nicht gefährdet ist)? Wer hat eine solche Gefährdung festgestellt? Warum erst jetzt und nicht bereits 2014 nach Sperrung der Halle?
  • Sollte das Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG sein: kann sie die Hälfte der Kosten als Zuschuß von der Stadt im Rahmen des 5,5-Millionen-Euro-„Reinhardt-Bonus“ erhalten?

Das sind übrigens längst nicht alle Fragen an die Stadt im Zusammenhang mit der Landewiese. Es kommen noch mehr.


*) PS: Auch der siebte Sinn des Herrn Prof. Stöcker, der den vorhergehenden Investor Amar als Strohmann und Waffenschieber identifiziert zu haben glaubte, versagte bei Herrn Chen und PuRen kläglich. Nicht nur waren keine Warnungen von ihm zu hören; Videos zeigen Stöcker zudem als augenscheinlich gut gelaunten (wenngleich schlecht gekleideten) Gast im Publikum auf der Landewiesen-Übergabezeremonie an Chen.