Was passierte eigentlich mit…

In den kommenden Wochen werde ich versuchen, ein paar offene Fragen in der jüngsten Geschichte der Landewiese weiterzuverfolgen. Abschließend klären lassen werden sie sich jedoch meist nicht. Heute geht um die Reste der chinesischen Gauklertruppe PuRen, die die Hanselstadt™, aber auch etliche Lauenburger Lokalpolitiker, rund ein Jahr lang an der Nase herumgeführt hat. Überrascht stellt man fest: eine Firma, die der China-Zirkus zurückgelassen hat, existiert augenscheinlich noch – sie hat ihren Sitz an der Landewiese und knapp eine Million in der Kasse.

Doch zunächst ins idyllische Schnakenbek an der Elbe, wo der chinesische „Investor“ Chen den dortigen Sandkrughof gekauft hatte – mal hieß es, für ihn selbst bzw. als deutsche PuRen-„Konzernzentrale“, und/oder auch zur Unterbringung von Flugschülern. Immerhin hätten dort 29 der angeblich geplanten 5.000 Pilotenanwärter aus dem Reich der Mitte unterkommen können. (Traurig, aber wahr: gegen jeden gesunden Menschenverstand haben damals sogar gewisse Lübecker Lokalpolitiker die Zahl von 5.000 Flugschülern wirklich ernst genommen. Unglaublich!)

Herr Chen verschwand still und heimlich, nachdem vor allem in der überregionalen Presse, aber natürlich nicht im hiesigen Käseblatt, Zweifel an seinen immer größenwahnsinnigeren Plänen aufkamen (siehe die absurden fünftausend Flugschüler).

Die Geldköfferchen aus China blieben plötzlich aus, die Blase war geplatzt. Mal-Wieder-Geschäftsführer Steppe versuchte, um den Betrieb der Landewiese weiterzuführen, nicht nur den Chenschen Firmen-Mercedes zu versilbern, sondern auch den Sandkrughof – beides Eigentum der Flughafenbetriebsgesellschaft PuRen Germany.

Für das „traumhafte Anwesen“ Sandkrughof wurden zunächst 1,1 Mio. Euro verlangt, später noch 925.000 Euro, danach 890.000 Euro. Da war die Landewiese längst pleite, und die Immobilie sollte im Auftrag des Insolvenzverwalters auf Deibel-komm-raus verscherbelt werden. Siehe Jahresrückblick 2015 (Teil 3).

Gekauft hat sie dann das Amt Lütau, dem Vernehmen nach für 900.000 Euro (unklar ist, ob die etwa sieben Prozent Maklercourtage enthalten waren oder obendrauf kamen). Eine Unterkunft für zwei Dutzend Flüchtlinge wolle man aus dem Luxus-Anwesen Sandkrughof machen.

Ich schrieb am 14. Februar 2016:

Ist es politisch korrekt, wenn man – unter Weglassung der Maklercourtage von 7% – berechnet, daß die Kosten des Kaufs also 37.500€ pro untergebrachter Person betragen? Eventuell notwendige Umbauten und Renovierungsarbeiten ebenfalls nicht eingeschlossen. Oder umgelegt auf die 3,926 Einwohner des Amts Lütau 229,24€ pro Kopf für die Unterbringung von zwei Dutzend Flüchtlingen. Und de facto ging das Geld in den Weiterbetrieb des Lübecker Flughafens.

Munteres Grundstücks-Karussell

Sandkrughof, Schnakenbek, Kreis Herzogtum Lauenburg

Wozu so eine Flüchtlingswelle gut sein kann! Selbst einen maroden Flughafen kann man damit retten. Den selben Trick hätte man wenig später fast in Lübeck nochmal durchgezogen, und zwar mit einer Fläche genau gegenüber der Landewiese, die dem Flughafen gehört und eigentlich für Parkplätze bzw. ein Parkhaus vorgesehen war. Bevor allerdings etwas daraus wurde, war der größte Flüchtlingsandrang schon vorbei, die Pläne verliefen im Sande. Da hat man wohl einfach Pech mit dem Timing gehabt.

Hier, zwischen Blankenseer Straße und B207, genau gegenüber der Landewiese, hätte eine Flüchtlingsunterkunft entstehen können

Anders als in Schnakenbek, wo das Amt Lütau schneller war – und nach wenigen Monaten (!) feststellen mußte, daß man den gerade teuer gekauften Sandkrughof nun doch nicht brauchte.

Nein!? Doch! Oh!!

Der Sandkrughof in Schnakenbek sucht wieder einen neuen Besitzer. Die ehemalige Seniorenakademie war vor zwei Jahren von der Eigentümerfamilie an die chinesische Firma PuRen verkauft worden. Deren Eigentümer Chen, der auch den Lübecker Flughafen gekauft hatte, wollte das Ensemble als Firmensitz nutzen.

Nach der Insolvenz des Airports stand das Ensemble im September 2015 erneut zum Verkauf. Käufer war das Amt Lütau, das die Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen wollte. Inzwischen ist der Flüchtlingsstrom versiegt. …

Wie Bürgermeister Christian Pehmöller in der vergangenen Gemeindevertretersitzung erläutert, soll die Anlage nun wieder verkauft werden. Der Mindestpreis betrage 1,2 Millionen Euro.

LN-Online, 14.Juni 2016

Theoretisch ergäbe sich bei einem Verkauf zu diesen Konditionen sogar ein Gewinn, es sei denn, das Amt Lütau hätte inzwischen Geld in die Renovierung des Anwesens gesteckt. Ob es seitdem einen Interessenten für den Sandkrughof gab, ist unbekannt; in der Presse finden sich jedenfalls keine Hinweise auf einen abgeschlossenen Verkauf.

Es bleibt den Lesern überlassen, ob sie die damaligen Absichtserklärungen bezüglich der Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft in Schnakenbek ernst nehmen, oder ob das ganze eher der Rettung des Pleiteflughafens Lübeck diente. Beides schließt sich, zwei Fliegen mit einer Klappe, ja nicht gegenseitig aus.

Wo wäre das Motiv Lauenburger Politiker gewesen, ausgerechnet der Landewiese Lübeck finanziell zu helfen? Von alten, verkrusteten Klüngelstrukturen mal abgesehen: es war unzweifelhaft der Lauenburger Provinzpolitiker Thiede, der die Hasardeure von PuRen in seiner naiven Art ins Land holte, wobei ihm offenbar sämtliche Sicherungen des gesunden Menschenverstands durchgebrannt waren. Damit stand er keineswegs allein. Fast allen seinen Politiker-Kollegen ging es damals genau so. Zeitweise mußte man nur „chinesischer Investor“ sagen, und die hiesigen Provinzfürsten schwebten alle an der Decke wie bis kurz vorm Platzen mit LSD vollgepumpte rosa Luftballons.

Herr Chen (li.) und Herr Thiede amüsieren sich prächtig in einem Hangar der Lübecker Landewiese (Quelle: Youku)

Die Zombie-Fluggesellschaft DC Airlines

PuRen gründete neben der Flughafenbetriebsgesellschaft PuRen Germany noch drei weitere Unternehmen: eine Flugschule, eine Reparaturwerkstatt, und eine Fluggesellschaft. Der Stand des Imperiums kurz vor seinem Zusammenbruch:

Alle wurden inzwischen liquidiert… bis auf eine. Was steckt dahinter? Keine Ahnung! Hier ist der Sachverhalt.

Abgewickelt wurden die Gesellschaften von der mysteriösen Manli Li aus Hamburg, die wiederholt als Tatortreinigerin aufgetreten ist und die anfallenden unappetitlichen Spuren gescheiterter chinesischer Investitionen in Deutschland diskret beseitigt hat. Ob das ihr eigenes Geschäftsmodell ist, oder ob sie im staatlich chinesischen Auftrag handelt, kann ich nicht beurteilen.

Aber holla die Waldfee! Eines der vier PuRen-Unternehmen wurde bislang nicht liquidiert, und es ist ausgerechnet die Fluggesellschaft, die vormals unter PuRen Airlines firmierte, sich nach der Pleite von PuRen Germany dann schnell in DC Airlines umbenannte.

Kurze Geschichte: Gegründet 1. September 2014. Geschäftsführer: Yongqiang Chen und Weilu Chen. Wenig später Sitz von Lauenburg verlagert nach Sandkrug 15, 21481 Schnakenbek. Im Juni 2015, das PuRen-Desaster bahnte sich an, schied Weilu Chen als Geschäftsführerin aus. Hinzu kam der allseits bekannte und beliebte Dr. Peter Steppe, und eben die mysteriöse Manli Li. Dr Steppe verschwand recht schnell wieder (Oktober 2015), im Dezember 2015 dann auch Yongqiang Chen.

Alleinige Geschäftsführerin ist seitdem Manli Li, die ebenfalls sämtliche Anteile an der Gesellschaft von den Chens übernommen hat.

Im März 2016 änderte die Gesellschaft ihren Namen von PuRen Airlines GmbH in DC Airlines GmbH und verlegte ihren Sitz in die Blankenseer Straße 101, 23562 Lübeck. Das ist rein zufällig die Anschrift der Landewiese.

Seitdem gab es keine Veröffentlichungen mehr im Handelsregister, wohl aber im Bundesanzeiger. Der Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 09.08.2014 bis zum 31.12.2014 datiert vom 25. August 2015 und ist unterzeichnet von Yongqiang Chen und Dr. Peter Steppe.

Nicht der Rede wert, oder? Nur: dem Bundesanzeiger wurde dieser Jahresabschluß eingereicht am 13. März 2017, was bedeutet, daß die Gesellschaft zu jenem Zeitpunkt (also vor wenigen Monaten) noch aktiv war. An Geschäftstätigkeit ist nicht viel verzeichnet, aber immerhin ein leckerer Kassenbestand von fast 1 Mio. Euro, die wohl Herr Chen in die Portokasse gelegt hat. Vielleicht muß das Geld noch irgendwie verteilt werden?