Was will Graf? Eine Analyse

Gut, vergessen wir mal das Geschwätz der Beteiligten von gestern, jedenfalls für einen Moment. Stattdessen versuche ich, die jüngsten Aussagen des Grönauer Bürgermeisters Graf in Sachen Flughafen zu analysieren (Bürgermeisterbrief II/2017, in Verbindung mit dem LN-Artikel „Airport: Klagt Groß Grönau doch nicht?“ – jetzt ohne Bezahlschranke). Ich bitte Sie, beide Artikel zu lesen, bevor Sie hier fortfahren. Urteilen Sie dann selbst.

Zu meiner Analyse: Alles, was greifbar ist – Euroimmun, Stöcker, Flughafen und sogar einen Kindergarten – wirft der Autor des Bürgermeisterbriefes in einen Topf und rührt kräftig um in dem Versuch, Zusammenhänge herzustellen, wo keine sind. Es wird alles schon irgendwie zusammenkleben.

Macht man sich die Mühe einer Analyse, findet man zwei hervorstechende Argumente:

  1. eine außergerichtliche Einigung würde (oder sollte) die Errichtung eines Kindergartens in der Ortsmitte in der Nähe zur Waldschule, zur Bücherei und zum Sportplatz ermöglichen;
  2. zudem würde eine solche Einigung Arbeitsplätze für Grönauer sichern.

Das Teufelchen auf meiner Schulter würde anmerken, daß gerade diese zwei Nummern in der Politik immer ziehen: Zuckerbrot (irgendwas mit Kindern kommt grundsätzlich gut an) und Peitsche (oh wie schröcklich, Arbeitsplätze in Gefahr!)

Fangen wir mit dem ominösen Kindergarten an. Herr Graf schreibt, daß

große Flächen der Gemeinde, vorwiegend in der neuen Mitte des Ortes … nicht baulich entwickelt werden können, wenn der Flughafen Blankensee in der vom Flughafen angestrebten Weise ausgebaut wird. So zeichnet es sich u.a. ab, dass der Neubau des neuen Kindergartens nicht in der neuen Ortsmitte verwirklicht werden kann…

Keine rhetorische Frage, sondern echtes Interesse: Hat jemand in Grönau schon mal etwas von einer derartigen Planung gehört? [Nachtrag vom 25. September 2017: siehe Kommentar unten.]

Ein Blick in den Planfeststellungsbeschluß, um den es hier geht, sieht am Ende der Landewiese vor Groß Grönau zweierlei vor:

  • „Verlängerung der Start- und Landebahn (SLB) am östlichen Bahnende um 95 Meter nebst Wendeplatz“, wobei die Landeschwelle 25 unverändert bleibt, also nicht in Richtung Groß Grönau verschoben wird;
  • „die Anflugbefeuerung wird … in Betriebsrichtung 25 in einer Länge von 720 m … ausgeführt“. Gegenüber der jetzigen Länge von 420 Metern handelt es sich also um eine Verlängerung um 300 Meter.

Die Verlängerung der SLB nebst Wendehammer findet dabei innerhalb des einzäunten Flughafengeländes und somit nur auf Lübecker Gebiet statt. Grönauer Probleme ergeben sich höchstens bei der Befeuerung, und dort vor allem bei der vorhandenen Bebauung Am Torfmoor – die Anwohner bekämen die Leuchten quasi vor ihre Wohnzimmerfenster gesetzt. Aber wo, bitte, soll da noch ein Kindergarten hin?

Wenn der Ausbau der Landewiese den Bau eines Kindergartens verhindern könnte, heißt daß doch nichts anderes, als daß dieser Kindergarten mehr oder minder in der Einflugschneise des Flughafens stehen soll! Wer plant denn so etwas?

Dabei hätte es eine kostengünstige Möglichkeit gegeben, einen Gemeinde-Kindergarten in einem bestehenden Gebäude unterzubringen, nämlich in der Alten Schule. Doch die hat man verkauft an… raten Sie mal. Da kommen Sie nicht drauf. Oder doch?

Euroimmun … hat … das Grundstück von der Gemeinde gekauft. Für „unterschiedliche Zwecke“ soll das Haus laut Verwaltungsvorlage der Firma dienen. Der Kaufvertrag wurde am 22. Januar 2016 unterschrieben, die Übergabe erfolgte zum 1. März. Euroimmun will nach eigenen Angaben hier eine betriebseigene Kita mit drei Gruppen einrichten. Das Obergeschoss soll für Büros freigehalten werden.

LN Online, 3. Juni 2016

Auch lärmschutzmäßig würde ein Verzicht auf die Verlängerung der Start- und Landebahn nebst Wendehammer nicht viel bringen; bei Landungen schon gar nicht, da die Landeschwelle nicht versetzt werden soll. Und der Lärmschutz der Anwohner ist ohnehin gesetzlich geregelt.

Klar, diese Ansprüche auch durchzusetzen ist eine andere Nummer. Dazu sagt Herr Graf aber nichts. Oder doch. Im selben Bürgermeisterbrief steht etwas über „Entschädigungszahlungen für die Beeinträchtigungen im Außenwohnbereich in der Lärmschutzzone 1 des Flughafens Lübeck-Blankensee“. Betroffene mögen sich aber bitte nicht an den Bürgermeister wenden, sondern an Vertreter der Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm e.V. (SGF).

Wo rein technisch der Spielraum liegen soll, um dem Ausbau-Vorhabenträger Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG Zugeständnisse abzutrotzen, erklärt Herr Graf leider nicht. Selbst der Verzicht auf sämtliche Ausbaumaßnahmen im Osten, also vor Groß Grönau, wäre eher symbolischer Natur. Aber vielleicht ist das ja so gewollt.

Denn, Überraschung!, für die bisher öffentlich verkündeten Ziele des Flughafenbetreibers wäre ein Ausbau überhaupt nicht nötig. Eine Million Passagiere, die zuletzt immer wieder genannte Zahl? Geht locker ohne Ausbau; sogar 1,8 Millionen. Das steht so im Planfeststellungsbeschluß.

Kirchturmpolitik

Aber zurück zur Epistel des Herrn Bürgermeisters Graf. Da wird es schwampfig:

Die auf internationalem Parkett agierende Firma Euroimmun ist u.a. in Groß Grönau und im benachbarten Blankensee sowie in Dassow ansässig und beschäftigt viele Menschen, die ihre Heimat in Groß Grönau gefunden haben.

Durch das Engagement von Herrn Prof. Dr. Stöcker am Flughafen Blankensee wird deutlich, dass die Zukunft des Unternehmens Euroimmun mittelbar mit dem angestrebten Erfolg des Flughafens verknüpft wird.

Kennen Sie das aus anderen Städten und Gemeinden, wenn es heißt, man müsse dem Unternehmen XYZ „Zugeständnisse“ (sprich Geschenke) machen, sonst würde es sich vom Acker machen? Beispiel aus der Hanselstadt™: Dräger + Finkenstraße = Kopf Tischplatte. Solche Vorgänge an sich sind schlimm genug, denn sie verleihen Unternehmen eine politische (Nötigungs-)Macht, die ihnen in einer Demokratie schlicht nicht zusteht.

Egal, denn nicht mal darum geht es hier, obwohl es sich oberflächlich so anhört. Was übrig bleibt, wenn sich die Nebelschwaden verziehen: es gibt Euroimmun-Mitarbeiter, die in Grönau wohnen. Ach? Wie viele das sind, sagt er übrigens nicht. Ba Dum Tss!

Die Firma Euroimmun selbst hat ihren Sitz in Lübeck, keineswegs in Groß Grönau, und zahlt dort Steuern; das selbe trifft auf den Flughafenbetreiber Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG zu, der zudem mit Euroimmun de jure überhaupt nichts zu tun hat. Es handelt sich um rechtlich völlig getrennte Unternehmen, die nach dem Verkauf von Euroimmun an die US-Firma PerkinElmer nicht einmal mehr die selben Eigentümer – und vermutlich auch zunehmend divergierende Interessen – haben werden.

Etwas deutlicher war der LN-Artikel:

Stöcker … hat den Standort des Medizintechnik-Unternehmens abhängig gemacht von einem Flughafen in Lübeck. „Die Existenz vieler Bürger hängt daran“, sagt Graf.

Hier wird fast schon Panik erzeugt. In dem Verfahren, um das es geht, ist der Flughafenbetreiber lediglich Beigeladener; Beklagter ist das Land Schleswig-Holstein. Geklagt wird auch nicht gegen den Flughafenbetrieb, sondern gegen den Planfeststellungsbeschluß zum Ausbau. Schon deswegen kann dieses Verfahren, selbst wenn die Klagen erfolgreich sein sollten, nicht zu einer Schließung des Flughafens führen (das Teufelchen auf meiner Schulter sagt: leider nicht).

Der Weiterbetrieb des Unternehmens Euroimmun und seiner Standorte dürfte mindestens mittelfristig wesentlich stärker von den Plänen PerkinElmers abhängen als von denen der Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG. Und wer kennt schon die Pläne der Amerikaner?

Fazit

Wenn man jetzt qua Klageverzicht den Planfeststellungsbeschluß in seiner aktuellen Fassung durchwinkt, gegen welche Zugeständnisse – die man bislang nicht kennt – auch immer, hat man auf Ewigkeit die Genehmigung für 3,25 Millionen Passagiere und für 48.400 Flugbewegungen pro Jahr (oder 133 pro Tag, oder 7 pro Stunde, alle 8 Minuten eine, bei 16 Stunden Flugbetrieb am Tag) gerichtsfest an der Backe. Die mag es heute und morgen nicht geben, vielleicht auch nie – hoffentlich. Aber die Möglichkeit besteht, und sie wird bei Gelegenheit genutzt werden.

Will das jemand in Groß Grönau? Bitte melden.

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7 Gedanken zu „Was will Graf? Eine Analyse“

  1. Hallo Herr Klanowski,
    lange war es ruhig um den Flugplatz, aber das scheint sich ja nun wieder zu ändern. Und gleich geht es wieder los mit den Unklarheiten und Halbwahrheiten. Vielleicht können Sie als investigativer Blogger ja ein paar Fragen beantworten, die sich mir (und vielleicht anderen?) stellen.

    Es wird immer wieder behauptet, dass Herr Stöcker seine Anteile an der Firma Euroimmun für 1,3 Mrd Euro an PerkinElmer verkauft hätte. Wenn man genauer hinschaut, dann findet man allerdings immer nur den Hinweis, dass dieser Verkauf BEABSICHTIGT sei. Ist das Geld denn schon geflossen oder gibt es eventuell noch (rechtliche) Hürden, die zu nehmen sind?
    Und falls der Verkauf stattgefunden hat oder auch noch stattfinden sollte, wer sagt, dass die neuen Eigentümer ein ebenso großes Interesse an einem Verkehrsflughafen in 2 km Entfernung zum Firmensitz haben, wie es der Firmengründer und jetzige Eigentümer anscheinend hat? Ein solch großes Interesse, dass sie diesen Flughafen ebenfalls mit Firmenmitteln subventionieren werden und die Zukunft des Firmenstandorts von diesem Flughafen abhängig machen. Ich glaube nicht daran. Sie?

    Was ich weiterhin bemerkenswert finde, ist, dass immer wieder die angebliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des neuen „Investors“ betont wird und dessen Geschick beim Aufbau und Betrieb von Firmen – so auch in dem zitierten Bürgermeisterbrief.
    Richtig ist, dass Herr Prof. Stöcker ein erfolgreiches Unternehmen auf dem Gebiet der Medizintechnik aufgebaut hat. Ein Gebiet, auf dem er sich auskennt und in dem er über eine glückliche Hand verfügt. Auf anderen Gebieten ist er jedoch nicht ganz so erfolgreich. Man nehme zum Beispiel das Kaufhaus in Görlitz. Hier hat Herr Stöcker ebenfalls eine Firma gegründet, die das Kaufhaus in der Innenstadt von Görlitz 2013 gekauft hat, es sanieren und wieder eröffnen soll. Die Wiedereröffnung soll nach Aussage auf der eigenen Homepage vermutlich im Herbst 2017 stattfinden. Tatsächlich sind aber nicht einmal alle Bauunterlagen eingereicht. Man rechnet nach Informationen der Lausitzer Rundschau und der Sächsischen Zeitung mit einem Baubeginn in 2018 und einer Eröffnung um 2021 herum…
    Ich glaube, es gibt da noch eine ähnlich erfolgreiche Firma, die ein Hotel und eine Golfanlage betreiben soll und eben eine „Stöcker Flughafen GmbH und Co. KG“…
    Vielleicht haben Sie ja ein paar Informationen zu den angeblich so leistungsfähigen Unternehmen in der Hand des Professors.

    Erfolg steigt schnell zu Kopf und wenn man sich dann auch nur noch mit Menschem umgibt, die sich nicht trauen, Unangenehmes anzusprechen, dann muss man sich irgendwann für Superman halten…

    1. Generell bitte ich um Verständnis, daß ich mich nicht sonderlich für die Aktivitäten des Herrn Prof. Stöcker außerhalb Blankensees bzw. Gr. Grönaus interessiere, und das gilt analog für Euroimmun. Dieser Blog heißt nicht „StöckerWatch“, da hätte ich echt keinen Bock drauf :mrgreen:

      Aber kurz zu Ihren Fragen. Nein, der Verkauf der Euroimmun-Aktien an PerkinElmer ist nicht abgeschlossen; das ist für das vierte Quartal 2017 vorgesehen. Aus der Pressemitteilung von PerkinElmer vom 19. Juni 2017:

      The transaction is subject to customary closing conditions and is currently anticipated to close in the fourth quarter of 2017 following the receipt of required standard regulatory approvals.

      Eine Vollzugsmeldung gibt es bislang nicht. Allerdings sehe ich keine großen Stolpersteine.

      Die vielzitierte Zahl von 1,3 Mrd. Dollar bezieht sich übrigens auf alle Euroimmun-Aktien, von denen Prof. Stöcker nach eigenen Angaben aber nur noch etwas über die Hälfte hält. Der Rest wurde schon vorher an andere Aktionäre verkauft. Für Stöcker bedeutet das bevorstehende Einnahmen von „nur“ rund 650 Mio. Dollar (oder 550 Mio. Euro).

      Ob PerkinElmer mittelfristig Interesse an einem Flugplatz in der Nähe zum Standort Lübeck-Blankensee/Groß Grönau hat, für den man dann womöglich die Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG zu bezahlen hat, oder überhaupt Interesse an einem Euroimmun-Standort in Lübeck, weiß keiner. Ich persönlich habe allerdings Zweifel daran.

      Selbst für deutsche Unternehmer ist der Führungsstil des Herrn Prof. Stöcker eher ungewöhnlich; zu der typischen US-Unternehmenskultur in dortigen Aktiengesellschaften paßt er noch viel weniger. Und er wird nun mal nicht ewig Vorstandsvorsitzender der Euroimmun AG bleiben können.

      Zweifellos, wie Sie schon schreiben, ist Herr Prof. Stöcker insofern sehr erfolgreich gewesen, indem er ein Unternehmen aufgebaut und dann verkauft hat, was nicht nur ihm, sondern auch anderen Aktionären (die Anzahl kenne ich nicht, aber sie dürfte sehr begrenzt sein) bis zu 1,3 Mrd. Euro in die Kassen spült. Seine anderen Unternehmen… meh.

      Sehen Sie es mal von dieser Warte: Stöcker als Privatperson kassiert aus dem Aktienverkauf etliche Millionen, auf die er m.W. keine Steuern zahlen muß, wenn er sie in andere Unternehmen investiert, sofern mit denen eine Gewinnerzielungsabsicht aus dem Geschäftsbetrieb verbunden ist. Na ja, solche Unternehmen hat er in der Tat; Sie haben sie gerade aufgezählt.

      Dann noch eine nette Stiftung aufgesetzt, das ist gut für’s Image und ebenso steuersparend (und außerdem kann er sie teilweise zur Unterstützung seiner Verwand- bzw. Nachkommenschaft nutzen). Alles ganz legal und vom Gesetzgeber so gewollt.

      Insofern würde ich in Groß Grönau nicht unbedingt den Atem anhalten, bis die Steuermillionen aus dem Stöckerschen Aktienverkauf vom Himmel fallen.

      1. Vielen Dank für Ihre Antwort und ich habe vollstes Verständnis dafür, dass man seine Zeit nicht damit vergeudet einen „StöckerWatch-Blog“ zu betreiben.
        Mir ging es nur darum, dass den Herrn Professor der Nimbus des erfolgreichen Geschäftsmanns umgibt.
        Zitat aus dem Bürgermeisterbrief:

        „Die Erfolgsaussichten müssen vor dem Hintergrund, dass es sich bei dem Flughafeninvestor nicht um eine unbekannte Gesellschaft aus Neuseeland, Ägypten oder China, sondern um ein leistungsfähiges Unternehmen aus der Region handelt, sicher neu bewertet werden.“

        Aber diese weit verbreitete Einschätzung des „Investors“ unter anderem auch durch Herrn Graf ist nach meinem Verständnis eben nicht angemessen. Herr Stöcker hat(te) Erfolg auf seinem Fachgebiet und beweist eventuell Geschick bei der Steuervermeidung, aber bei allen anderen Unternehmungen lässt das Glück bislang auf sich warten. Wieso soll das beim Flugplatz anders sein?

        Und zum noch einmal zum Thema Flugplatz: ich kann mir sogar vorstellen, das ein Unternehmen tatsächlich Interesse an einem Landeplatz in der Nähe einer Niederlassung hat, aber muss es unbedingt gleich ein Verkehrsflughafen sein?

        1. Danke für Ihren Kommentar!

          Herr Graf hängt m.E. der klassischen und ebenso irrigen, trotzdem seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ad nauseam wiederholten Fehlbehauptung an, die Landewiese habe sich nur deshalb nicht so wie prophezeit zum Wirtschaftswunder entwickelt, weil man (selbst nach über 100 Mio. Euro [!], weitgehend aufgebracht vom Lübecker Steuerzahler) immer noch nicht genug Geld hinein gesteckt habe. Jetzt müsse (noch) ein Ausbau her. Das ist der erste Irrtum.

          Der zweite: wenn Herr Graf glaubt, ausgerechnet Prof. Dr. med. Stöcker würde nun großzügig Geld in die Landewiese pumpen, ist Graf meines Erachtens ein bestenfalls idealistischer Phantast. Und wenn Stöcker es täte, wovon ich nicht ausgehe, wäre er auch einer.

          Herr Graf beweist mangelnde Sachkenntnis, wenn er z.B. den damaligen Investor auf Probe aus Neuseeland, Infratil, indirekt als nicht leistungsfähiges Unternehmen bezeichnet. Infratil war zwar unbekannt, aber durchaus seriös. Es hat sich aus Lübeck verabschiedet, nachdem es zu Recht (früher als fast alle anderen!) gesehen hat, daß die Billigflugblase an Regionalflughäfen bald platzen würde. Das war hochprofessionelles Management, das Infratil-Anleger vor größeren Verlusten bewahrt hat.

          Und der größte Irrtum des Herrn Graf – danke für den Hinweis, denn das ist schlichtweg FALSCH (aber leider so häufig wahrheitswidrig behauptet, daß ich öfter darüber hinweg lese):

          dass es sich bei dem Flughafeninvestor … um ein leistungsfähiges Unternehmen aus der Region handelt …

          Nein, Quatsch! Welches Unternehmen? Will Herr Graf das nicht verstehen oder kann er es nicht? Flughafeninvestor ist weder Euroimmun noch die Privatperson Prof. Dr. med. Stöcker (wobei beide demnächst ohnehin getrennte Wege gehen werden), sondern die Stöcker Flughafen GmbH & Co KG, ein völlig neu gegründetes Unternehmen ohne jede Geschäftserfahrung auf dem Gebiet der Luftfahrt oder anderswo.

          Stöcker haftet dort nicht mit seinen Privatvermögen – die Konstruktion GmbH & Co. KG dient im Gegenteil zum weitgehenden Haftungsausschluß für Teilhaber. „Ziel dieser gesellschaftsrechtlichen Konstruktion ist es, Haftungsrisiken für die hinter der Gesellschaft stehenden Personen auszuschließen oder zu begrenzen.“ (Wikipedia)

          Das weiß man doch 🙂

          Kurz zum Konzept eines firmeneigenen Geschäftsflugplatzes, um den es hier wie gesagt NICHT geht. Es gibt wohl einige, der bekannteste ist vermutlich der von „Schrauben-König“ Würth im Raum Stuttgart. Macht Verluste, über deren Höhe aber nichts bekannt ist, da Schraubenhersteller Würth AG eine Verlustübernahmeerklärung abgegeben hat. Sieht auf den ersten Blick ganz idyllisch aus:

          An eine flächenmäßige Erweiterung denke der Gaisbacher Konzern am Adolf-Würth-Airport nicht. „Die Kapazitäten reichen noch einige Jahre“, meint Reinhold Würth. Auch bestehe kein Interesse an einem Linienflugbetrieb.

          Hohenloher Tageblatt, 25. September 2012

          „Von unserer Seite ist nichts geplant“, sagt Michael Vehoff, einer der beiden Geschäftsführer am Würth Airport, zum Thema Ausbau Regionalflughafen. Der Würth Airport diene vor allem dem Geschäftsreise- und dem Privatflugverkehr. Alles andere wäre finanzieller Selbstmord.

          Haller Tageblatt, 26. Oktober 2013

          Aber bei genauem Hinsehen sieht man, daß sich die Zahl der Geschäfts-Jets innerhalb von 10 Jahren verdoppelt hat, viel starten am frühen Morgen; und nervige Schulflüge mit ewigen Platzrunden haben vor ein paar Jahren die Gemeinde, in der diese Landewiese liegt, dazu bewogen, „einen neuen Passus ins Stadtleitbild aufzunehmen, um Sportfliegerei zu reduzieren.“

          Neuerdings gibt der „Würth-Airport“ auch noch mit Helikopter-Übungen für katarische Rettungskräfte an – können die das nicht vor Ort in Katar üben, was doch in Hinsicht auf mögliche Einsätze dort realistischer wäre?

          Nee, irgendwo wird immer getrickst und geschachert. Insofern bleibe ich bei meiner Überzeugung, daß nur ein geschlossener Flughafen ein wirklich guter Flughafen ist – oder wenigstens ein extrem strikt regulierter.

          1. Genau darauf wollte ich hinaus! Alle behaupten immer: ‚Wenn der Herr Professor das anpackt, dann wird es etwas, denn schließlich ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann hinter dem eine solide Firma steht.‘ Aber genau das ist eben ziemlicher Quatsch, denn er ist mitnichten auf jedem Gebiet erfolgreich und die große Firma springt auch nicht ein. Wahrscheinlich würde nicht mal die Privatperson Stöcker lange mit frischem Geld aushelfen, sonst hätte es die Konstruktion mit der ‚GmbH und Co Kg‘ nicht gebraucht…
            Was in einem solchen Fall mit den eventuell geschlossenen Vergleichen wohl geschehen wird?
            Vielleicht wäre etwas „StöckerWatch“ ja doch ganz interessant, wenn es dabei um die Qualität als Geschäftsmann geht…

          2. Die Antwort auf Ihren letzten Satz zuerst: „StöckerWatch“ wäre vielleicht interessant, aber ich mache es nicht. Punkt.

            Was die Frage angeht, ob Herr Prof. Dr. med. Stöcker auf allen Gebieten erfolgreich ist, auf denen er sich versucht, gebe ich das einfach an die Leser weiter: vielleicht kennt ja jemand ein Stöcker-Unternehmen, das so „erfolgreich“ ist wie Euroimmun? Bitte melden!

            Und was wird, wenn sich die Landewiese nicht so entwickelt wie von Stöcker erhofft bzw. behauptet? Da liegt meine eigentliche Befürchtung, und mein wesentliches Interesse: es werden wieder staatliche Subventionen angefordert werden.

            Lassen Sie nur mal eine popelige Startup-Möchtegern-Linienfluggesellschaft (SundAir?) für eine Saison hier abheben. Wenn es dann irgendwo hakt, wird es heißen, man bräuchte eine Anschub- oder Überbrückungsfinanzierung, und JETZT, wo wir doch SOO KURZ vor dem DURCHBRUCH stehen, kann man uns doch nicht einfach so fallenlassen! Jammer, jammer, heul. In Kiel wird der neue FDP-Wirtschaftsminister sicherlich ein bis zwei offene Ohren haben.

            Richtig ist natürlich auch, daß Kompromisse wie z.B. ein Klageverzicht Groß Grönaus auf Ewigkeit fortwirken. Wenn der Planfeststellungsbeschluß erstmal gerichtsfest ist, hat man keine Handhabe mehr.

            Bei der Klage (ich lasse mich gerne berichtigen) geht es m.W. neben ganz anderen Aspekten nicht so sehr darum, wie gerne behauptet wird, ob ein Betreiber alle Maßnahmen – z.B. Entwässerung und Lärmschutz – bezahlen kann, sondern ob er sie auch bezahlen will oder muß… oder ob man ihm den Beschluß als Selbstbedienungsladen auf dem Silbertablett serviert, aus dem er sich aussuchen kann, was er gerne hätte.

            Und daß der derzeitige Flughafenbetreiber nicht alles bezahlen will, ist offensichtlich. Vielleicht verständlich aus seiner begrenzten Sicht, unverständlich aus Sicht der Anwohner und der Natur. Da regulierend einzugreifen, im Gegensatz zu naiv-blinder Wirtschaftsförderung – die mittlerweile leider selbst die SPD betreibt – ist m.E. Sinn und Zweck demokratischer Politik.

  2. Von einer Leserin aus Größ Grönau erreicht mich folgender Kommentar bezüglich des Kindergartens:

    Die Planung eines Kindergartens läuft bereits seit Anfang des Jahres. [Also seit höchstens neun Monaten.-P.K.] Nachzulesen in Protokollen des Ausschusses Öffentliche Einrichtungen und in der Aktenmappe zur Gemeindevertretung Groß Grönau. [Beschlussvorlage der GemRS 29.06.17 – die wäre also also gerade mal drei Monate alt!-P.K.] Wir hatten vor 2 Jahren gerade mal einen neuen Kindergarten gebaut, als dann wieder 45 Kinder ohne Platz dastanden. Die sind jetzt erstmal im neuen Grönauforum untergebracht. Das ist aber nur vorübergehend. So eine Planung braucht Zeit und Genehmigungen des Kreises. Da die Gemeinde nun mal nur Grundstücke in der Ortsmitte zur Verfügung hat, schränkt ein Flughafenausbau jegliche bauliche Aktivitäten in Groß Grönau ein. …

    Als man die Alte Schule verkauft hat war dieser Bedarf noch nicht gegeben. Außerdem befindet sich dort ja schon ein Kindergarten der von Herrn Prof. Dr. Stöcker betrieben wird.

    Das sagte ich bereits in meinem Artikel. Das ändert nichts an der Frage, welche Zugeständnisse der Flughafenbetreiber in dieser Sache wohl machen sollte. Auf die 95 zusätzlichen Meter SLB im Osten verzichten, oder auf die Verlängerung der Anflugbefeuerung, die selbst bei der geplanten Verlängerung um 300 m dann nicht dem üblichen Standard genügen würde – dafür müßte sie nämlich bis zur Hauptstraße oder noch weiter ausgebaut werden? Bislang keine Antwort! Da müßte Herr Graf doch liefern, Eckpunkte auf den Tisch legen anstatt zu predigen.

    Übrigens: daß man den Bedarf für neue Kita-Plätze beim Verkauf der Alten Schule an Euroimmun vor nur etwas über einem Jahr nicht gesehen hat, spricht nicht unbedingt für die planerischen Qualitäten der Gemeindeverwaltung. Es ist Sache der Grönauer, nicht meine, das z.B. bei den nächsten Kommunalwahlen zu bewerten.

    Ich sehe meine Analyse im Moment in keinem Punkt widerlegt, noch nicht einmal angekratzt.

    P.S.: Das böse Teufelchen auf meiner Schulter flüstert mir folgende Variante ins Ohr. Euroimmun stellt die Alte Schule der Gemeinde Groß Grönau vollständig als Kita zu Verfügung, kassiert dafür womöglich noch Miete, und kriegt dafür freie Hand am Flughafen. Alle (?) wären zufrieden… Aber nein, so primitiv kann das ja nicht laufen.

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