Flugmöhren im Nebel

Jahresrückblicktechnisch darf unsere geliebte Landewiese in der hiesigen Monopolpresse nicht fehlen. Dort tut man uns kund und zu wissen: „Rund 18 Monate nach der Übernahme des Lübecker Flughafens durch den Unternehmer Winfried Stöcker gibt es erste Anzeichen für einen Aufschwung.“ Halleluja!

Ich erinnere mich noch an die Fanboys, die mir empfohlen hatten, den Herrn Prof. nur hundert Tage wirken zu lassen, und dann würde ich alter Nörgler schon sehen!!!1!! Jetzt sind es bereits bummelig 540 Tage. (Zur Klarstellung: ich persönlich erhoffe und erwarte keineswegs einen „Aufschwung“, ganz im Gegenteil.)

Woran glauben die Lübecker Nachrichten diesen „Aufschwung“ festmachen zu können? Zumindest die Online-Version (25. Dezember 2017) schweigt sich dazu aus, von Allgemeinplätzen mal abgesehen.

… in den Rechtsstreit um den Ausbaubeschluss für den Flughafen kommt Bewegung. Die Nachbargemeinde Groß Grönau hat ihre Bereitschaft zu einer gütlichen Einigung signalisiert. Damit wäre zumindest eine der vier Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss vom Tisch.

Habe ich bereits verfrühstückt. Erstens müßte das Land mitspielen, zweitens blieben dann trotzdem drei weitere Klagen. Aber bleiben wir bei der einzigen weiteren Zahl, die ich im Artikel finden kann.

Schon jetzt seien dort rund 70 Privatflugzeuge stationiert, es gebe eine Warteliste für freiwerdende Stellplätze, sagt der Geschäftsführer des Airports, Jürgen Friedel.

Ach, schon jetzt? Wie verträgt sich das mit Äußerungen des früheren Geschäftsführers Markus Matthießen, der bereits 2015 von „rund 80 ansässigen Privatflugzeugen“ sprach? (HL-Live, 13. Januar 2015Memento) Hatte er gelogen? Kreativ gezählt?

Und jetzt stellen bereits 70 Flugmöhren ein Platzproblem dar, wo man vor gar nicht allzulanger Zeit 80 dortselbst unterbringen konnte?

Was sagen Sie, Halle F? Ha! Da hat jemand mitgedacht. In der Tat wurde im Herbst 2017 die einsturzgefährdete Halle F abgerissen, bislang ersatzlos. Nur dummerweise stand die eben aufgrund der Einsturzgefährdung schon mehrere Jahre leer. Meines Wissens, und das steht auch so im Planfeststellungsantrag der damaligen Flughafen Lübeck GmbH, wurde sie auch zuvor nicht für das Abstellen von Flugzeugen verwendet, sondern für „technische Betriebsdienste“ genutzt.

Wie das in der Realität aussah, schilderte 2014 ein Beobachter wie folgt :

… trostlos … in den Hangars alte Litfasssäulen und Wasserfässer statt Flugzeuge.

Lübecker Nachrichten (online), 3. Januar 2014

Der Beobachter war niemand anders als der Geschäftsmann Björn Birr-von Bismarck, der damals im Tandem mit eben jenem Professor Stöcker (der dann 2016 im Alleingang zum Zuge kommen sollte) eine Flughafenübernahme plante.

Es gibt wohl unterschiedliche Zähl- und Sichtweisen. Solange ich nicht selbst nachzählen kann, kann ich keine als falsch oder gelogen bezeichnen.

Sehr wohl kann ich aber bezweifeln, daß diese – vielleicht sogar saisonbedingt changierenden – Zahlen als Indikator für einen „Aufschwung“ der Landewiese taugen. Sie sind schlicht und ergreifend wertlos. Wieso die Monopolpresse derartige Null-Informationen druckt, ist mir ein Rätsel. (Nein, ist es eigentlich nicht, aber auf Pressekritik habe ich heute keine Lust. Ersatzweise hier ein älteres Stück. Und hier ein etwas aktuelleres.)