Popcorn!!!1!elf!

Ring frei zu einer neuen Runde in der Schlammschlacht Prof. Dr. med. Stöcker gegen den pöhsen Rest der Welt, dieses mal vertreten durch – hoppla! – einen Journalisten der hiesigen Monopolpresse. Wer hätte das gedacht?

Hatte das Büro des Herrn Professors am Montag noch kund und zu wissen getan, er werde sich nicht zu der Causa Weihnachtsansprache äußern, legte der Chef höchstselbst am Dienstag trotzdem öffentlich ein Brikett nach. Das wirft schon mal ein bezeichnendes Licht auf die interne Kommunikation.

Daß Stöcker sich jetzt selbst als Opfer darstellt, ist ein kaum überraschender Kunstgriff. Es überrascht schon eher, wem er die Rolle des Schurken zugedacht hat: niemand anderem als dem drögen (das ist nicht böse gemeint) LN-Lokalredakteur Kai Dordowsky. Ausgerechnet! In einem neuen Text stellt Stöcker das auf, was man gemeinhin eine Verschwörungstheorie nennt:

Der LN-Reporter Kai Dordowski [sic] wollte am 24. Oktober 2017 über einen Besuch der Landes- und städtischen CDU im Lübecker Flughafen berichten, aber ich habe ihn hinausgeworfen, weil er in der Vergangenheit des Öfteren rücksichtslos und abfällig über mich berichtet hat. Das ist jetzt wohl die Revanche. Seine Sache ist das Aufwiegeln: er hetzt die Linken, die Uni oder den Jacobi-Pfarrer gegen mich auf …

Blog Prof. Dr. Stöcker, 16. Januar 2018 [Memento]

Das Problem wäre eher, wieso berichten die LN überhaupt potentiell über ein vollkommen unwichtiges CDU-Ereignis an der Landewiese? Das wäre Hofberichterstattung gewesen, wie sie König Winfried I. sicherlich gefiele, und wie wir sie von den LN zur Genüge kennen. Offenbar fiel sie aber aus. Könnte nicht das der eigentliche Grund für die Verstimmung des Oligarchen sein? Die Aufkündigung der langjährigen Hofberichterstattung?

Dafür, daß Dordowsky über Stöcker „des Öfteren rücksichtslos und abfällig … berichtet hat“, wird der Herr Professor in den kommenden Tagen sicherlich Beispiele liefern können. Ich kann mich an kein einziges Vorkommnis dieser Art erinnern – im Gegenteil: Euroimmun und der Flughafeninvestor Stöcker bekamen meines Erachtens in den LN eine weitgehend unkritische Vorzugsbehandlung, abgesehen von homöopathischen Spuren des Zweifels, die pro forma zur Dekoration wie ein paar bunte Zuckerperlen auf einen üppigen, von Stöcker gebackenen Kuchen gestreut wurden.

Aber ich sehe gerne am Wochenende in meinem über 5,000 Artikel umfassenden Flughafen-Archiv nochmal nach! (Netter Spruch zum Merken übrigens: „das Archiv ist die Rache des Journalisten.“ Gilt auch für Blogger.)

Wie dem auch sei – wieso sollten die LN nicht über einen für jedermann einsehbaren Artikel [Memento] in des Herrn Professors Blog berichten und dazu Meinungen einholen sollen? Und wenn der Herr Professor behauptet, die LN hätten zu einer Demo aufgerufen, zweifle ich an seiner Fähigkeit, sinnentnehmend zu lesen. Die Passage lautete wie folgt:

Unter dem Motto „Shut up, Stöcker“ organisiert zudem das Womens-March-Bündnis am heutigen Sonnabend eine Kundgebung auf dem Schrangen (15 Uhr). „Wir sehen in seiner Rede eine Verharmlosung von sexuellen Übergriffen und eine direkte Aufforderung, Frauen sexuell zu bedrängen und übergriffig zu werden“, erklären Sprecher des Bündnisses …

LN online, 12. Januar 2018

Wo, bitte, wird in dem Text von den LN zur Teilnahme aufgerufen? So etwa wie, „kommt alle dahin“? Kapiere ich nicht, aber ich bin wohl zu doof.

Ganz erstaunlich übrigens, welchen schier unglaublichen Einfluß der Herr Dordowsky angeblich hat, wenn er Kirchen und Parteien und die Universität gegen den Herrn Professor „aufwiegeln“ kann, wo doch das Lübecker Monopolblatt Quartal für Quartal an Auflage verliert. Wieso ist Kai Dordowsky nicht längst Bürgermeister?

Verkaufszahlen der Lübecker Nachrichten, Lokalausgabe HL, bis zum Quartal 3/2017 / Quelle: Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.

Beitragsbild: Timo Klostermeier / pixelio.de

6 Antworten auf „Popcorn!!!1!elf!“

  1. Ich bin zufällig auf diesen Blog gestossen, wo man sich mal zu dem alten Mann und neuen Flughafenbesitzer äußern kann.
    Nach lesen der „Weihnachtsandacht“ und weitererAussagen von Herrn Stöcker kann man sich nur die Fragen stellen:“ist der Mann nun senil konfus“, oder nimmt er sich einfach das Recht des alten immer rechthaberischen Mannes heraus?
    Beides passt nicht zu einem erfolgreichen Unternehmer.
    Allerdings passt zu seiner Homepage auch nicht so wirklich Marmeladenrezepte, Eierbemalen usw.
    Ich stelle mir mal einfach die Frage, wie ein Mann seiner Ausstrahlung ein Unternehmen schaffen konnte, welches heute ca. eine Milliarde wert ist.
    O.K. sicher ist er ein guter Erfinder, aber es werden wohl auch diverse Subventionen geflossen sein, denn schon viele wirkliche Genies starben verarmt, weil es damals noch keine Subventionen gab.
    Es gibt so ein Sprichwort:“Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“.
    Warum fällt mir das gerade jetzt ein?
    Flughafen, dazugehörige Grundstücke, Bezuschussung durch die Stadt usw. können eigentlich kein Minusgeschäft für den Investor sein, wenn er rechtzeitig Personal, Gerätschaften usw. abbaut.
    Glaubt wirklich Jemand an das neue Terminal, Linienflug ab Lübeck bis nach China direkt und andere tolle Meldungen?
    Die Beleidigungen von Herrn Stöcker gegenüber seinen Mitmenschen sind nur schwer zu ertragen, aber seine Mitarbeiter werden schön die Klappe halten.
    Für mich hat er etwas von einem mittelalterlichen Gaukler und Prediger.
    Der Rattenfänger von Hameln war nichts dagegen.
    Das ist nur meine persönliche Meinung als Ahnungsloser.

    1. Das Handeln des Prof. Dr. med. Stöcker ist leider ein Symptom der zunehmenden Refeudalisierung der Gesellschaft. Als Einzelperson würde ich ihm gerne einen guten Weg wünschen. Ja, er hat mit Fachwissen ein Unternehmen aufgebaut und jetzt verkauft. Kein Problem. Staatliche Subventionen waren sicherlich im Spiel, aber das ist heutzutage die Regel. Leider.

      Mit der Knete aus dem Verkauf von Euroimmun sollte er sich eine Luxusjacht zulegen, in die Südsee stechen und uns hier vor Ort ein für alle Mal in Ruhe lassen. Stattdessen versucht er, uns allen hier seinen Willen selbst in winzigsten Details bis hin zu einem Radweg zwischen Groß Grönau und Blankensee aufzuoktroyieren. Das kotzt mich an, mit Verlaub gesagt. Ein kleines Beispiel für Networking aus der Provinz kommt morgen im Blog.

      1. Vielleicht hat Herr Stöcker auch schon eine neue Geschäftsidee:
        Wenn er seinen vermehrungsfreudigen Mitarbeiter so lobt und ander Mitarbeiter zur Nachahmung auffordert, kann es ja eventuell sein, das er ein Geburtshaus bauen will, was natürlich nur mit entsprechendem Bedarf lukrativ wäre.
        Schlau ist das schon, man muss für die Ursache werben, um dann den Bedarf liefern zu können.
        Ist etwas lustig gemeint, aber ernst kann man das Verhalten des Mannes ja nur schwerlich kommentieren.
        Wieder nur meine persönliche Meinung, ohne den Oberguru angreifen zu wollen.

        1. Über die unglaubliche Dichte an (teils geplanten) Kindergärten bzw. -tagesstätten um Euroimmun herum hatte ich mir schon meine Gedanken gemacht. Euroimmun hat eine auf dem Gelände am Seekamp. Dann hat die Firma die Alte Schule in Groß Grönau gekauft – Verwendungszweck: Kita. Ach na ja, vielleicht auch ein paar Büroräume für Euroimmun.

          Dann fällt der Gemeinde Groß Grönau ein, sie braucht doch auch eine neue Kita, doch dummerweise – wer konnte das ahnen? – steht die Alte Schule nicht mehr zur Verfügung. Und weil die neue Grönauer Kita mitten in der Einflugschneise der Landewiese liegen muß, sucht man den Kompromiß mit… na, Sie wissen schon. Unterdessen baut der Herr Professor am Seekamp an irgend etwas, angeblich an einer neuen Kita (und oh Wunder: diesmal wurden die Bäume entgegen früherer Praxis sogar mit Genehmigung gefällt). Ach so, ein paar neue Büroräume soll es dort wohl auch geben…

          Entweder gibt es in und um Groß Grönau ein echtes Fruchtbarkeitswunder, oder aber der böse Zyniker in mir hat Recht, daß hierzulande jedes Bauvorhaben ohne große Prüfung abgesegnet wird, solange es sich nur um „irgendwas mit Kindern“ handelt. Das zieht immer. So etwas könnte man natürlich ausnutzen. Rein theoretisch! Ich behaupte nicht, daß es so ist – nur, daß es so sein könnte.

Kommentare sind geschlossen.