Polit-Geschacher um den Flughafen in vollem Gange

Politik-Alarm! Weitgehend abseits der Öffentlichkeit versucht der Betreiber der Lübecker Landewiese derzeit, einen Schulterschluß mit Lokalpolitikern im weiteren Umfeld herzustellen. Das Geschacher kam mehr oder minder zufällig ans Licht der Öffentlichkeit. Es straft alle Fanboys Lügen, die immer wieder behauptet haben, der Betreiber Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG würde am Flughafen ja nur eigenes Geld verbrennen; das ganze sei so etwas wie ein Privatprojekt. Danach sieht es nicht aus. Das war zu erwarten, kommt aber schneller als anzunehmen war.

Bereits behandelt habe ich die Versuche des Herrn Prof. Stöcker, auf die Gemeinde Groß Grönau Einfluß zu nehmen. Das mag man noch als Provinzposse auf Büttenwarder-Niveau abtun, aber es wird bereits an größeren Rädern gedreht. En passant beschwerte sich der Herr Professor:

Der LN-Reporter Kai Dordowski [sic] wollte am 24. Oktober 2017 über einen Besuch der Landes- und städtischen CDU im Lübecker Flughafen berichten, aber ich habe ihn hinausgeworfen, weil er in der Vergangenheit des Öfteren rücksichtslos und abfällig über mich berichtet hat.

Offensichtlich gab es also im Herbst einen Besuch von CDU-Politikern an der Landewiese, was Prof. Stöcker jetzt dankenswerterweise ausgeplappert hat. Leider hat er nicht erzählt, was sie dort wollten. Durch die Ausladung des (meines Erachtens keineswegs flughafenkritischen) Herrn Dordowsky hat er womöglich eine Berichterstattung darüber verhindert, was schon mal tief blicken ließe.

Schade, aber auch bezeichnend, daß die LN sich nicht öffentlich über einen derart skandalösen Vorgang beschwert und/oder weiter nachgeforscht haben. Journalismus geht anders.

Unterdessen braut sich in einem Nachbarkreis neuer Blödsinn zusammen.

Hochfliegende Pläne schmiedet derzeit der Landkreis Nordwestmecklenburg. In der Verwaltungsspitze denken die Verantwortlichen darüber nach, mit dem Flughafen Lübeck eine Kooperation einzugehen. Vertreter von Landkreis, Unternehmerverband und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordwestmecklenburg sowie dem Flughafen trafen sich bereits zu einem ersten Gedankenaustausch neben der Start- und Landebahn.

svz.de, 18. Januar 2018

Worin die Kooperation, in einem Facebook-Beitrag verkündet, bestehen soll, bleibt fast völlig im Dunkeln. Offenbar soll bei Betrieben ein bißchen Reklame für die Landewiese gemacht werden.

So sei es für Geschäftsreisende aus oder nach Nordwestmecklenburg möglich, in Lübeck Charter-Flugzeuge anzufragen und – statt über Hamburg oder Berlin – auf direktem Wege das Ziel der Geschäftsreise anzufliegen.

Hamburg? Berlin? Zur Kenntnis: der Landkreis Nordwestmecklenburg grenzt im Westen an Lübeck/Lauenburg, im Osten aber an Schwerin, und dort soll es dem Vernehmen nach auch einen Flughafen namens Parchim geben. Der problemlos zu erreichen sein sollte, denn man hat doch im Land, nicht zuletzt von Wessis per „Solidaritätszuschlag“ bezahlt, „eine super Verkehrs-Infrastruktur.“ So jedenfalls Dirk Dönges, Geschäftsführer der Rehnaer Awek Protech GmbH.

Soo eine Überraschung

Was man ihm an der Landwiese vorgespielt hat, erinnert an eine Märchenstunde.

„Bei unserem Besuch auf dem Flughafen wurden wir mit großen Augen angeschaut. Motto ,Wo kommt ihr denn her?‘. Die hatten ihren Blick in der Vergangenheit wohl nur nach Westen gerichtet“, erzählt Dirk Dönges.

Tja, Herr Dönges, das war reines Theater. An den Weihnachtsmann glaube ich vielleicht noch, aber nicht an dieses armselige Rührstück, das man den Ossis möglicherweise aufgeführt hat.

Flughafenbetreiber Stöcker, selber Ossi, predigt die Verbindung nach Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren, und da war er noch nicht einmal Flughafenbetreiber. Man erinnert sich vielleicht an diese Schnapsidee?

Stöcker ist überzeugt, dass sich Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein in nicht allzu ferner Zeit zu einem Nordstaat zusammenschließen. „Und dann kann Kiel nicht Hauptstadt bleiben, sondern das muss das viel attraktivere Lübeck werden“, formuliert der Unternehmer. Eine Hauptstadt eines Nordstaats aber brauche neben einer florierenden Wirtschaft und einer starken Universität auch einen Flughafen.

LN-Online, 3. Februar 2012

Der Transrapid Schwerin-Lübeck-Hamburg sei am Rande nochmals erwähnt.

Nein, an der Landewiese hat man Mecklenburg-Vorpommern seit der Übernahme des Betriebs durch eine Stöcker-Firma garantiert im Visier – letztlich lassen sich vielleicht dort Subventionen leichter abgreifen als in dem (Ironie an) linksgrün-versifften Lübeck oder dem von Lübeck-Hassern dominierten Landtag in Kiel (Ironie aus). Nicht zufällig weht auf dem ansonsten verwaisten Parkplatz der Landewiese seit der Übernahme durch Stöcker auch die Fahne des Landes Mecklenburg-Vorpommern. (Siehe Beitragsbild; in der Mitte.)

Nicht zuletzt hat das Unternehmen Euroimmun, von Herrn Prof. Stöcker gegründet und bis auf weiteres noch von ihm geleitet, auch eine Niederlassung in eben jenem Landkreis Nordwestmecklenburg, und zwar in Dassow. Noch Fragen?

Für die ganz Doofen

Es fehlt noch das Sahnehäubchen auf der Dummheitstorte.

[I]n in Lübeck-Blankensee sollen zukünftig – wobei der Zeitpunkt wegen einer noch fehlenden gerichtlichen Entscheidung in einem Planfeststellungsverfahren nach Aussage des Landkreises noch nicht genau feststehe – wieder Linienflüge in Urlaubsdestinationen angeboten werden. Dirk Dönges: „Und das wäre doch schön für die Menschen in unserem Landkreis, die vor der Haustür in den Urlaub starten könnten.“

Der selbe alte Mist aus den letzten Jahrzehnten wird uns hier wieder vor die Tür gekübelt. Zum Kotzen. Abgesehen davon, daß es keinerlei Zusammenhang zwischen Linienflügen und dem Planfeststellungsverfahren gibt. Das ist reine Erfindung, zu welchem Zweck auch immer. Linienflüge gab es ohne rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluß  jahrelang; sie wurden nur deswegen eingestellt, weil sie sich für die Anbieter nicht rechneten.

Will der Kreis NWM die Lübecker Landewiese jetzt subventionieren oder was? Nun mal immer frei heraus damit. Oder ist es doch nur eine Show-Veranstaltung zur Belustigung  des Publikums wie diese von anno dazumal:

Flugzeugbau in der Hansestadt? Direktflug nach Peking? Die Spekulationen rund um den Besuch einer chinesischen Delegation kennen kaum Grenzen. Fakt ist, dass sich hochrangige Repräsentanten zweier Firmen aus dem Reich der Mitte den Airport angeschaut haben.

LN-Online, 10. Juni 2015

Jaja, Fakt! War jewesen, Marjellchen! Sic transit gloria mundi.

 

 

 

 

2 Replies to “Polit-Geschacher um den Flughafen in vollem Gange”

  1. Ich möchte hier niemandem zu nahe treten Herr Klanowski, aber den Soli zahlen auch wir . Es ist mitnichten so das den Aufbau der Infrastruktur in den neuen Bundesländern (nach fast 30 Jahren Wiedervereinigung sollte das doch vorbei sein) ausschließlich die „Wessis“ finanziert haben, auch wenn man es gerne so darstellt.

    1. Sie haben recht. Tut mir leid, aber in meinem Bemühen, mich auf die Thematik Flughafen Lübeck zu beschränken, geht es am Rande vielleicht etwas ungenau zu. Ich wollte vor allem keineswegs andeuten, daß Ostdeutsche auf Kosten von Westdeutschen leben.

      Allerdings: die Richtung der Transfers ist eindeutig von West nach Ost (nicht nur Soli, auch Sozialtransfers etc.) – siehe Wikipedia – Kosten der deutschen Einheit. Das ergibt sich alleine aus den unterschiedlichen Bevölkerungszahlen in beiden Landesteilen. Ich hatte, was Ihnen nicht entgangen sein dürfte, geschrieben, daß die Infrastruktur im Osten „nicht zuletzt“ (sprich: nicht ausschließlich) vom Westen bezahlt wurde.

      Meine Kritik daran ist, daß wenig davon bei der ostdeutschen Bevölkerung angekommen ist. Ich habe sehr wohl verfolgt, ich lebe ja nun an der Ex-Zonengrenze, wie die Treuhand die DDR-Industrie teilweise eingestampft, teilweise an westdeutsche Unternehmen verschenkt hat. Ich war in den 90er Jahren oft in der ex-DDR, und zwar aus purer Neugier, nicht aus wirtschaftlichem Interesse.

      Die Sozialkosten für die Abgewickelten durften unter dem Strich die Westdeutschen bezahlen – zugunsten der westdeutschen „Investoren“, die sich das Land unter den Nagel gerissen haben. Vor allem auch für die wurden ja die tollen Verkehrsanbindungen bezahlt (während in Lübeck, das wissen Sie auch, die Brücken bröckeln und die Stadt fast komplett im Stau steht).

      Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: das einzige, was ich den Ostdeutschen vorwerfen könnte, ist, daß viele Helmut Kohl und Konsorten kritiklos geglaubt haben. Aber das haben auch die meisten Westdeutschen.

      Eine Antwort Ihrerseits werde ich gerne veröffentlichen, bitte aber um Verständnis dafür, daß das der Abschluß dieser für diesen Blog sachfremden Diskussion sein wird.

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