Zuckerbrot und Peitsche: Abgang der Segelflieger

Die Segelflieger des Aero-Club von Lübeck haben endgültig keinen Platz mehr am Lübecker Flughafen und gehen ins Exil nach Wahlstedt – halb gelockt von einem geldwerten Zuckerbrot, halb getrieben von einer Schikane-Peitsche. Mal wieder rückt, nach jahrelangem Hin und Her, die Frage in den Mittelpunkt: was um Himmels Willen macht das Vereinsgelände des ACvL so begehrt? Denn im Kern dürfte es genau darum gehen.

Die unmittelbare Vorgeschichte ab dem Einstieg des vorletzten Investors, PuRen:

Der Aero Club von Lübeck (ACvL) nutzt den Flughafen seit dem Jahr 1951 für den Segelflugsport. Für die vom ACvL genutzten Gebäude auf der Südseite des Flughafens bestand seit 1979 ein Pachtvertrag zwischen dem ACvL und der ehemaligen Flughafen Lübeck GmbH (FLG), der ab 01.01.2013 durch die Yasmina Flughafenmanagementgesellschaft mbH (Yasmina) übernommen wurde. Dieser Vertrag war bis zum 30.6.2014 befristet und wurde wegen der zwischenzeitlich eingetretenen Insolvenz der Yasmina nicht verlängert. Mit der Übernahme des Flughafenbetriebes durch die PuRen zum 01.8.2014 war dieser Vertrag somit bereits ausgelaufen. Insofern bedurfte es auch keiner formalen Kündigung. Die PuRen hat einen neuen Nutzungsvertrag – befristet vom 01.09.2014 bis 31.12.2014 sowie vom 01.01.2015 bis zum 31.3.2015 – mit dem ACvL geschlossen.

Der ACvL hat das Interesse, auch über den 31.03.2015 hinaus seine Gebäude am Airport Lübeck weiter zu nutzen. Der neue Flughafenbetreiber PuRen lehnt eine Verlängerung des Nutzungsvertrages ab, weil er die Flächen für die wirtschaftliche Entwicklung des Flughafens benötigt.

Erhalt des Segelflugs in Lübeck-Blankensee, Bericht des Bereichs Wirtschaft und Liegenschaften, 10. März 2015

Die Stadt mauerte, der Flughafen schikanierte. Der „Investor“ machte sich vom Acker, der nächste kam, und auf einmal herrschte wieder eitel Sonnenschein. Vorübergehend.

Wir sind zurück in Lübeck!

Aufgrund von Streitereien mit dem ehemaligen Flughafenbetreiber „PuRen Germany“ mussten wir für die Saison 2015 und 2016 auf den Nachbarflugplatz Wahlstedt ausweichen.

Seit Juli 2016 hat der Flughafen Lübeck-Blankensee einen neuen Betreiber, der sich explizit für Segelflug ausspricht. Es sind noch nicht alle bürokratischen Hindernisse beseitigt, aber wir haben die Saison 2017 in Lübeck eröffnet und hoffen, in Lübeck bald wieder im gleichen Umfang wie früher fliegen zu können.

Webseite des ACvL, abgerufen am 9. Februar 2018 (Memento)

Im Verlauf des Frühjahrs und Sommers 2017 war jedoch überdeutlich zu sehen, daß von einem mit früheren Verhältnissen vergleichbaren Flugbetrieb nicht mal ansatzweise die Rede sein konnte. Mit entsprechenden Beobachtungen konfrontiert, reagierten ACvL-Mitglieder allerdings eher gereizt. Grund für die Beschränkung war offenbar, daß jeder Segelflugstart – anders als früher – beim Tower angemeldet und von ihm genehmigt werden mußte. (Für Ortsunkundige: die Segelflieger nutzen für den Betrieb nicht die Start- und Landebahn des Flughafens, sondern eine Rasenpiste rund 175 Meter südlich davon. Sogar in den Hochzeiten der Billigflug-Jets lief das weitgehend unabhängig vom Flughafenbetrieb, und bis auf eine Ausnahme reibungslos.)


Nachtrag vom 1. Mai 2018 – ein Leser sandte mir folgende Details:

Die gravierende Einschränkung, die einem Segelflugbetrieb „wie früher“ im Wege steht, ist vielmehr die Beschränkung im sogenannten „Probebetrieb“ auf maximal zunächst 1 und mittlerweile 2 gleichzeitige Segelflugzeuge in der Kontrollzone. Das ist insbesondere an mittelmäßigen Tagen ein Problem, an denen sich Segelflugzeuge zwar in der Luft halten aber nicht sicher vom Platz entfernen können. Dann kommt es am Boden zu Stau und Verzögerungen und über den Tag gesehen nur noch zu halb so vielen Starts wie früher (oder noch weniger). Dass überhaupt ein „Probebetrieb“ stattfinden muss, ist Puren und Dr.  Steppe zu verdanken, die den Segelflug aus allen Betriebsordnungen getilgt hatten. Die Wiedereinführung ist bürokratisch aufwändig und zieht sich nun leider schon „ewig“ hin. Wer für Verzögerungen dabei verantwortlich ist, ist nicht immer klar zu ermitteln.


Das neue, strenge Prozedere wurde beibehalten, obwohl an der Landewiese inzwischen wieder fliegerisch tote Hose herrschte, Linien- und Charterflieger verschwunden und nicht zuletzt auch deswegen fast alle vorher geltenden Sicherheitsvorkehrungen weitgehend gelockert wurden, was dem Flughafenbetreiber viel Geld sparte (und natürlich Sinn der Sache war). Für die Segelflieger galt die Lockerung offenbar nicht.

Im Spätsommer wurden dann Planzeichnungen des Flughafenbetreibers veröffentlicht, die endgültig nahelegten, daß die Segelflieger in Lübeck keine Zukunft mehr hatten. Das Vereinsgelände im äußersten Süden der Landewiese war auf den Plänen nicht mehr vorhanden, sondern überbaut mit neuen Hallen.

Allein dieser Überblick dürfte für einen Aha-Effekt sorgen. Blau: das bisherige Euroimmun-Gelände am Seekamp. Rot: die „Hochbauzone Süd“ lt. Planfeststellungsbeschluß, inklusive Vereinsgelände des ACvL, plus das angrenzende Gewerbegebiet am Flughafen. (Zum Vergrößern klicken.)

Einen neuen Standort samt neuer Halle soll der ACvL in Wahlstedt bekommen, wofür nach inoffiziellen Angaben immerhin 1,5 Mio. Euro fließen sollen. Die Zahl ließ sich jedoch bisher nicht verifizieren. Die dortige Piste wird zudem, was schon länger geplant war, von 800 auf 1000 Meter verlängert. Fraglich bleibt, wer genau die Zeche zahlt, obwohl ohne Zweifel die ganze Aktion – was wohl unausweichlich war – als eine neuerliche große Wohltat des Flughafenbetreibers Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG verkauft wird.

Es bleiben zwei Fragen: nutzt der Betreiber Stöcker womöglich auch Zahlungen der Hansestadt Lübeck im Rahmen des sog. Reinhardt-Bonus für die Umsiedlung der Segelflieger? Oder steckt die Stadt aufgrund rechtlicher Altlasten, die möglicherweise Jahrzehnte zurückliegen, ohnehin bzw. zusätzlich in der Sache mit drin?

So ist z.B. der ACvL für den Abriß einer Vereins-Halle im Norden der Landewiese im Rahmen des Terminal-Neubaus vor rund 20 Jahren vom damaligen Flughafenbetreiber – das war seinerzeit eben die Stadt – lange Zeit nicht adäquat entschädigt worden. Ob sich das inzwischen geändert hat, entzieht sich meiner Kenntnis; der Sachverhalt dient hier nur als Beispiel für eine uralte Verflechtung.

Die begann nach dem Abzug der Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg, als die Stadt ein Auge auf die Landewiese geworfen hatte, sie aufgrund alliierter Vorschriften aber nicht selbst betreiben durfte. Die Segel- und die motorisierten Sportflieger stiegen, um es ganz nett zu sagen, als Platzhalter ein, waren aber natürlich nie in der Lage, den Betrieb dauerhaft zu finanzieren. (Von wem kam letztlich das Geld?) Einige Jahre später übernahm die Stadt ganz offiziell das Ruder. Das ganze Vertrags-Kuddelmuddel von damals wurde bisher wohl nie ganz aufgedröselt.

Möglicherweise hätte der ACvL den jetzigen Rausschmiß mit der Androhung langwieriger rechtlicher Auseinandersetzungen sogar etwas hinauszögern können, was aber keinen unbeschwerten Flugbetrieb ermöglicht und im Endeffekt auch den erzwungenen Exodus nicht verhindert hätte. Da nimmt man lieber den goldenen Handschlag. Ich kann das nachvollziehen.

Früheren Äußerungen aus dem Verein entnehme ich, daß Wahlstedt – auch wenn das jetzt möglicherweise anders dargestellt wird – nur eine suboptimale Lösung darstellt. Gerne hat sich der Verein seiner vorbildlichen Jugendarbeit gerühmt, nur wird es für unmotorisierte Jugendliche aus Lübeck wohl schwieriger, zum neuen Platz zu kommen.

Bummelig 80 km hin und zurück auf dem Fahrrad? Da kann man sich lieber gleich einem Radsportverein anschließen. Mit der Bahn? Von/nach Lübeck Hauptbahnhof über zwei Stunden hin und zurück. Und zum Hauptbahnhof muß man auch erst mal kommen.

Zudem stecken Jahrzehnte an Eigenarbeit an den Einrichtungen auf dem derzeitigen Vereinsgelände, was auch eine gewisse emotionale Verbindung zum Standort geschaffen haben dürfte. Nun wird alles komplett plattgemacht werden, aber hey: immerhin völlig kostenlos für den ACvL!

Möglicherweise eine der letzten Aufnahmen des Vereinsgeländes des ACvL (Aufnahme vom Februar 2018)

Dabei will ich’s mal belassen und dem ACvL alles Gute für die Zukunft wünschen (übrigens: die ebenfalls ortsansässige kommerzielle Segelflugschule wird vermutlich ebenfalls rausgeschmissen.)

Von der anderen Seite gesehen: Hallen der Segelflieger  in Lübeck (im Vordergrund; Aufnahme vom Mai 2017).

Elefanten-Alarm

Für mich interessanter ist, was da eigentlich vor sich geht im Süden der Landewiese. Auf einmal scheinen alle Meldungen der letzten paar Monate, die allesamt hier behandelt wurden, wie Teile eines Puzzles zusammenzupassen.

Zusammen mit dem Flughafengelände im Süden, von der Straße Am Flugplatz bis hin zum ACvL-Vereinsgelände, ergibt sich eine zusammenhängende Fläche von rund 16 Hektar (plusminus 1 Hektar, es kommt nicht so genau drauf an. Alle Längen- und Flächenangaben in diesem Beitrag sind grob geschätzt.) Das ist das Zwei- bis Dreifache der Fläche, die die Firma Euroimmun derzeit in rund 1 km Luftlinie Entfernung am Seekamp in Blankensee belegt (siehe Grafik oben). Erweiterung nicht möglich, da mitten im Naturschutz-/FFH-Gebiet gelegen.

Und damit wären wir beim eigentlichem Thema: dem unsichtbaren Elefanten im Raum, Euroimmun. Zwar hat der Eigentümer der Flughafenbetriebsgesellschaft, Prof. Dr. med. Winfried Alexander Stöcker, seine Anteile an dem Unternehmen verkauft, ist aber noch Euroimmun-Vorstandsvorsitzender und somit vorerst für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich.

Vermutlich könnte man auf dem Gelände in Blankensee, über das Herr Prof. Stöcker jetzt qua Flughafenbetriebsgesellschaft verfügt, allein aufgrund der schieren Größe sämtliche über Deutschland verstreute Euroimmun-Standorte zusammenfassen. (Das ist keine Prognose. Jedenfalls noch nicht.)

Im Detail: Grün – Gewerbegebiet am Flughafen, Rot: Hochbauzone Süd. Mittendrin wie eine Scheibe Schinken im Sandwich: Segelflugschule und ACvL (blau). Ahnen Sie jetzt, warum die Segelflieger stören? (Zum Vergrößern klicken.)

Niemand kann mir erzählen, daß der Flughafen für seine eigentlichen Zwecke jetzt ganz schnell 16 ha Fläche benötigt. Das wäre einfach lächerlich. Nicht mal ein Terminal-Neubau im Norden mit Abriß der dort vorhandenen Hallen würde das erfordern, zumal das neue Terminal derzeit eher eine PR-Fiktion für die Presse und keine ernsthafte Planung darstellt. Das hat auch Flughafen-Geschäftsführer Friedel deutlich gemacht, zumal Linienflüge, für die man ein neues Terminal benötigen könnte, aktuell nicht in Sicht sind.

Zum Geburtstag des Flughafens Lübeck im September hoffte Geschäftsführer Prof. Jürgen Friedel im Sommer 2018 die ersten Linienflüge anbieten zu können. Das klappt nicht, berichtet die NDR1 Welle Nord. Neue Verbindungen ab Lübeck werde es frühestens im kommenden Jahr geben.

HL-Live, 29. Januar 2018

„Wir wollen eine gute, qualitativ hochwertige Logistik entwickeln …“, sagt Friedel. Aktuell werde geprüft, ob das bereits im bestehenden Abfertigungsgebäude oder erst im neuen Terminal umsetzbar sei.

Focus, 26. Dezember 2017

Das beim 100-jährigen Geburtstag im September gezeigte Abfluggebäude mit Wellendach „sollte die Fantasie wecken“, sagte Friedel, „es gibt noch keinen Bauantrag.“

Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, Lokalteil HL, 14. November 2017, S. 10

Fantasie, so so. Somit gibt es auch keinen unmittelbaren Bedarf für Hallen im Süden, die der allgemeinen Luftfahrt dienen. Die im Norden reichen derzeit völlig aus.

Vergessen wir also den Terminal-Mumpitz und konzentrieren wir uns auf den Süden, denn da spielt derzeit die Musik.

Ein Flughafen lebt nicht nur von der Fliegerei, sondern mindestens ebensosehr von der Verpachtung von Flächen und Vermietung von Immobilien. Flugschulen, Reparaturbetriebe, nun gut. Restaurants, schon abseitiger. Etliche Flughäfen versuchen sich längst mit der Vermietung von Gewerbeflächen, die mit der Luftfahrt wenig bis nichts zu tun haben. An der Stöckerschen Landewiese gab es sogar schon mal kurzzeitig einen Schönheitssalon, der allerdings dort auf keinen grünen Zweig kam und recht bald floh.

Also, warum sollte die Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG nicht Flächen oder Immobilien an die, rechtlich völlig unabhängige, Euroimmun AG vermieten oder verpachten und damit ein nettes Nebengeschäft betreiben? Vermieter Stöcker (mit seinem Flughafenhut auf) würde dann Miete von seinem Ex-Unternehmen Euroimmun kassieren. Keine dumme Idee. Dumm wäre nur, allerdings für die Allgemeinheit, wenn in diesem Rahmen staatliche Subventionen flössen.

Eine weitere, abrundende Idee kann man einem früheren Bebauungsplan für das Gewerbegebiet am Flughafen entnehmen:

Der Flughafen Lübeck-Blankensee wird voraussichtlich durch steigenden Nachfragedruck seine Funktion als Regionalflughafen erweitern. … Das gilt nicht nur für Betriebe der Luft- und Raumfahrt (einschließlich Wartung und Service), sondern auch für Firmenniederlassungen, die auf Luftfrachtverbindungen angewiesen sind, sowie für Distributions- und Dienstleistungsbetriebe.

(Hervorhebung P.K.)

Aha! Firmenniederlassungen, die auf Luftfrachtverbindungen angewiesen sind. Schmeißen wir das alles mal in einen Topf. Euroimmun wollte in Blankensee schon vor langer Zeit einen Produktionsbetrieb errichten:

Euroimmun will in Blankensee in den nächsten drei bis fünf Jahren … 20 Millionen Euro in eine neue Produktionshalle investieren. So plant es jedenfalls Dr. Winfried Stöcker, Chef der Euroimmun, der allerdings noch ein Problem überwinden muss.

Das für den Ausbau des Unternehmens geeignete Grundstück, das direkt an das bereits bestehende Betriebsgelände angrenzt, steht unter Naturschutz nach der EU-Richtlinie FloraFaunaHabitat (FFH).

LN-Online, 18. Juni 2006

Es wurde nicht daraus. Der Ausbau könnte jetzt jedoch im Flughafen-Gewerbegebiet ganz in der Nähe geschehen – mit neuen Lagerhallen im nebenan gelegenen Segelflug-Vereinsgelände, in denen auszufliegende Luftfracht gelagert wird. Spekulation? Ja, na und? Gegenfrage: was bleibt einem, wenn es keine klaren Ansagen gibt?

Was Sie von früheren und gegenwärtigen Flughafen-Geschäftsführern zum Thema Frachtflug zu hören bekommen haben (mal „nicht geplant“, mal „vielleicht doch“), können Sie getrost in der Pfeife rauchen. Es gibt lediglich eine Regelung, nach der reine Frachtflüge nachts nicht gestattet sind. Aber was sind reine Frachtflüge? Andere Ausschlußkriterien gibt es nicht, wohl hingegen eine Betriebspflicht, die besagt, daß der Flughafen sich seine Kunden nicht aussuchen kann. (Genausowenig wie ein privater Betreiber eines Autobahnteilstücks nach Gutdünken LKW aussperren könnte.)

Falls Sie glauben, ich spinne, hier zu guter Letzt ein Zitat des Herrn Professors höchstselbst:

Ich bemühe mich übrigens, mit meiner Firma Euroimmun Synergieeffekte zu nutzen. Ich will für sie ein Fabrikgebäude auf dem Gelände des Flughafens bauen. … Und zudem bekommt der Flughafen dadurch Mieteinnahmen.

www.aerointernational.de 2/2017

Fazit

Das allgemeine, verständlicherweise wohl auch von den Segelfliegern verbreitete Narrativ wird sein, daß es leider aufgrund externer bürokratischer Hemmnisse – für die der Flughafenbetreiber selbstverständlich nichts kann (?!) – der Segelflug in Lübeck leider keine Zukunft hat. Aber weil König Winfried I. so ein netter Mensch ist, spendiert er dem Segelflugverein ohne jegliche Hintergedanken einen millionenschweren Umzug ins Exil.

Wer’s glaubt, wird selig.

Lassen wir mal die Frage beiseite, inwieweit auch die Hanselstadt™ dazu finanziell beiträgt. Das Resultat wird auf jeden Fall sein, daß die Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG als netten Nebeneffekt fast sofort über eine riesige zusammenhängende Fläche im Süden der Landewiese verfügen wird.

So ein Zufall! Welch‘ Überraschung! Wer konnte das ahnen?

Und selbst die Zahlung an die Segelflieger von angeblich 1,5 Mio. Euro relativiert sich recht schnell, wenn man sie auf die Gesamtfläche umlegt, die der Flughafenbetreiber dadurch an der Landewiese für seine Zwecke gewinnt. In diesem Fall geht es um die schnelle Verfügbarkeit und das Abräumen von Altlasten wie dem ACvL, denn um einen Kauf handelt es sich noch nicht (abgesehen vom Gewerbegebiet südlich der Landewiese).

Der Flughafenbetreiber hat für das Jahr 2022 eine Option auf das gesamte (!) Flughafengelände, und zwar zu einem Spottpreis: 5,6 Mio. Euro für sage und schreibe 213 ha Flughafen-Fläche, also rund 2,60 Euro pro Quadratmeter. Ein absolut lächerlicher Preis.

Fortsetzung folgt.

P.S.: Danke an alle Hinweisgeber, deren Informationen es möglich machten, diesen Artikel in weiten Teilen bereits im Februar zu verfassen. Er wurde auf Bitten der Segelflieger bislang nicht veröffentlicht.

2 Replies to “Zuckerbrot und Peitsche: Abgang der Segelflieger”

  1. Den Preis für wiederholte Flughafenverkäufe müßte Herr Saxe sich aber mit Prof. Pannen teilen.

    Ich glaube übrigens nicht, daß das Gelände der Landewiese irgendwann ganz als Baugelände vermarktet werden wird. So ein Euroimmun-Airstrip wird’s zumindest solange bleiben, wie Prof. Stöcker noch Chef der Firma ist. Die interessantere Frage ist: wie lange wird das sein? Wer kommt danach, ein Boß aus USA? Wird der Interesse am Standort Lübeck haben? Aber das sind (Ostern steht vor der Tür) ungelegte Eier.

    Festzuhalten bleibt, daß der Rausschmiß der Segelflieger ein sehr großes Gewerbegebiet möglich macht, womöglich subventioniert – und daß Lokalpresse und -politiker das mal wieder total verschnarchen.

  2. So etwas nennt man wohl Salamitaktik und nur Wenige kennen das Endergebnis.
    Beim 100 jährigen Geburtstag wurden tolle Bilder von einem neuen Terminal gezeigt und haben sicher viele Menschen begeistert.
    Die Chinesen hatten aber auch einen tollen Werbefilm vom Flughafen gedreht, um in China Flugschüler zu begeistern.
    Jetzt habe ich schon zweimal „Geist“ in meinen Sätzen geschrieben.
    Käme wohl nur noch ein Satz sinnvoll in Frage:“die Geister, die ich rief, die werde ich nicht los“.
    Eigentlich kann man sich doch ausrechnen, dass der Herr Stöcker es nur auf die Grundstücke abgesehen hat, ansonsten hätte man doch wohl in den letzten zwei Jahren etwas mehr gesehen, als nur Abriss von Zelt und Halle F.
    Herr Stöcker wird sicher Rechtsexperten haben, die sich die Stadt Lübeck gar nicht leisten könnte und die werden in seinem Sinne aus dem Flughafengelände lukrative Baugrundstücke machen.
    Und die Stadt wird, durch welche Tricks auch immer, nochmals ein paar Millionen reinbuttern.
    Vielleicht gibt es füreine Vergrößerung von Euroimmun auch noch ein paar Subventionen.
    An einen Ausbau zum Verkehrsflughafen kann doch eigentlich niemand mehr glauben.
    Man fragt sich nur, was der alte Mann, der alles hat und sich alles leisten kann, noch erreichen will.
    Vielleicht ist es ein Hobby, oder Genugtuung, Macht zu zeigen, Segelflieger rauszukanten, sich mit der Stadt zu streiten usw.
    Hätte er ernsthaft einen kleinen, aber feinen Verkehrsflughafen bauen wollen, hätte man schon etwas davon sehen müssen und nicht von z.B. defektem ILS erfahren.
    Traurig ist nur, dass ein Mann schlauer oder cleverer ist, als eine ganze Stadtverwaltung, dem Bürgermeister ist es sowieso egal. Er ist nach seinen eigenen Angaben immerhin der einzige Bürgermeister weltweit, der einen Flughafen viermal verkauft hat.
    Hat er eigentlich schon den Eintrag im Guinness Buch?

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