Verschwörungstheoretiker der BfL sehen Gespenster

Wenn mir jemand die Parteien in der Lübecker Bürgerschaft aufzählt, werde ich bestimmt bei keiner begeistert aufjauchzen: „Ja, die isses! Die finde ich gut!“ Aber es gibt eine, da weiß ich genau, die ist es schon mal gar nicht. Und das ist die für mich*) fast schon unerträglich brunzdumme Gruppierung „Bürger für Lübeck“ (BfL), meines Erachtens*) eher eine Unternehmer- als eine Bürgerpartei, die sich oft genug lächerlich macht. Finde ich.*)

Allen Ernstes nimmt man nicht nur den immer öfter freidrehenden Milliardär Prof. Stöcker gegen Kritik an seinen eigenen kruden, weitgehend als sexistisch  und rassistisch interpretierten Äußerungen in Schutz, sondern behauptet sogar wahrheitswidrig, die Meinungsfreiheit sei in Gefahr.

Dabei versteigt man sich in absurdeste Verschwörungstheorien, und natürlich: pöhse Flughafengegner sind auch dabei!

Der Reihe nach.

Am Donnerstag entschied die Bürgerschaft, von dem Unternehmer Winfried Stöcker keine Spenden mehr anzunehmen. Außerdem wurden die Stadtpräsidentin und der Bürgermeister aufgefordert, öffentlich Stellung zu einem Blogeintrag von Stöcker zu nehmen. Lothar Möller und Astrid Stadthaus-Panissié von der BfL kritisieren den öffentlichen Umgang mit Prof. Stöcker.

HL-Live, 25. Februar 2018

Und weiter holzen die BfLer:

„Die wochenlange Hetzkampagne gegen den gestandenen Unternehmer ist beschämend. Ein Netzwerk aus beruflichen Interessen, politischen Gruppierungen mit Klassenkampfvisionen und Flughafengegnern schürt eine Empörungswelle, die nicht mehr nachvollziehbar ist …“, so Möller. „Die Meinungsfreiheit muss gewährleistet bleiben. Man muss ja nicht jede Meinung teilen, aber sie muss gesagt werden dürfen. Dass sich nun die Bürgerschaft zum Meinungswächter erheben will, ist völlig daneben.“

Hä? Inwiefern beeinträchtigt ein Beschluß der Bürgerschaft, daß die Stadt keine Spenden mehr von Prof. Stöcker annehmen soll, dessen Meinungsfreiheit? Kapiere ich nicht. Bin ich zu doof? Darf er jetzt nichts mehr sagen? Völliger Quatsch.

Weil aber gerade von Flughafengegnern die Rede war: den Schuh ziehe ich mir gerne an. Also, was hatte ich damals über Prof. Stöcker geschrieben?

Natürlich hat er das Recht auf seine eigene Meinung. Natürlich darf er sie äußern, so dumm sie auch sein mag. Er darf sich nur über die Reaktionen nicht wundern, und daß ihn mancher vielleicht doch nicht mehr als sonderlich seriös betrachtet.

Astrid Stadthaus-Panissié von den  meines Erachtens*) völlig überflüssigen „Bürgern für Lübeck“ dekretiert derweil:

Das Herausgreifen von Wörtern aus einem Kontext, um sie dann eigenwillig zu interpretieren, ist unangemessen und entlarvend.

Ja, und eben deswegen habe ich aus seiner launigen (?!) Weihnachtspredigt überhaupt nichts zitiert! Ich schrieb stattdessen:

Inhaltlich möchte ich nicht auf ihn eingehen; der Text disqualifiziert sich selbst.

Stattdessen habe ich auf den Text, den der Herr Professor selbst aus eigenem Antrieb ins Netz gestellt hat, pflichtschuldigst verwiesen, so daß ihn jeder selbst nachlesen und sich seine Meinung bilden konnte.

Puuh, BüFüLü. Überflüssig wie ein Kropf.*)


*) Von der Meinungsfreiheit gedeckte Werturteile. Das wird die BfL doch als Verteidigerin der Meinungsfreiheit akzeptieren?

Beitragsbild: Uwe Abel / http://www.pixelio.de/