Neuer Kunde für das Lärmklo Blankensee: Ju 52

Eine neue Variante des Lärmterrors durften Blankensee, Groß Grönau und sicherlich auch weite Teile der näheren Umgebung am 14. Mai erleben: das Gedröhne des Wehrmachtkleppers Ju 52 neun Stunden lang, zeitweise im 7-Minuten-Takt. So etwas habe ich selbst als langjähriger Anwohner hier noch nicht erlebt.

Es scheint so etwas wie eine neue Strategie des Inhabers der Maschine, der Lufthansa Berlin Stiftung, zu sein: bereits Anfang März befand sich das Luftfahrzeug zur Wartung in Lübeck, womit jede Menge Probeflüge verbunden waren. Zudem verlängerten zwei Piloten ihre Lizenz für die Maschine:

‚Start und Landung werden geübt. Dazu natürlich Situationen wie ein Triebswerksausfall oder ein Startabbruch. Für uns alles Routine‘, erklärt Guido Gottschalk. In den vergangenen Jahren wurde in Paderborn trainiert. Doch dieses Mal wollten die Männer im Umkreis von Hamburg üben. ‚In Hamburg selbst ist einfach zu viel los. Hier dagegen ist es perfekt‘, sagt der Pilot.

LN Online, 19. April 2018

Ach so: die Herrschaften haben keine Lust mehr auf Paderborn, in Hamburg selbst ist zu viel los, also darf Blankensee als Lärmklo für Testflüge dieser vollkommen überflüssigen Museums-Maschine herhalten. Klasse!

Das war allerdings noch gar nichts gegen die Ereignisse vom 14. Mai. Laut Flightradar24.com startete das Flugzeug mit der offiziellen Kennung D-CDLH um 10:38 Uhr in Hamburg-Finkenwerder und kam kurz nach 11 Uhr in Blankensee an.

Etliche Platzrunden und einige kleine Abstecher in die Umgebung folgten; so z.B. gegen 13 Uhr über Hamberge nach Bad Schwartau und Timmendorfer Strand, dann nach 15 Uhr über Hamberge, Selmsdorf, Lüdersdorf. Flughöhe so um 1,500 Fuß, das sind 450 Meter.

Die Platzrunden zwischendurch (touch and go) wurden in so geringer Höhe geflogen, daß sie von den Empfängern von Flightradar24 aus technischen Gründen nicht ausgewiesen werden konnten. Sollte jemand an den technischen Details interessiert sein, warum das so ist – Stichwort: Multilateration – bin ich gerne bereit, einen entsprechenden Grundsatzartikel zu schreiben.

Nach 16 Uhr flog man gen Hamburg, kreiste über Finkenwerder und landete dann offenbar in Fuhlsbüttel. Man kann sich vorstellen, daß dann etwas an der Maschine herumgeschraubt wurde, die gegen 19 Uhr wieder in Lübeck eintraf. Es folgte eine ununterbrochene Serie von engen Platzrunden bis 20 Uhr, wieder in geringster Höhe, und teilweise auch über Wohngebiete hinweg.

Ju 52 über dem Wohngebiet Söllbrock in Blankensee – Aufnahme vom 14. Mai 2018

Es ist ohnehin mein Verdacht, daß seit dem Abgang der großen Passagiermaschinen eher nach Gusto kreuz und quer geflogen wird. Man muß ja nicht mehr so aufpassen.

Wie schon mal erwähnt: In der alten Version der Betriebsordnung fand sich folgende Passage:

An fast allen Flugplätzen bestehen Probleme mit Fluglärm. … Durch die Einhaltung entsprechender An- und Abflugverfahren können Sie jedoch wesentlich dazu beitragen, unnötigen Fluglärm im Einzugsbereich des Flughafens zu vermeiden. …

Für den Platzrundenverkehr hat der Flughafenbetreiber eine Platzrundenhinweiskarte erstellt …

Wir bitten Sie – sofern keine abweichende Anweisung durch die Lotsen erfolgt – die dargestellten Platzrunden einzuhalten. Vermeiden Sie den Überflug der besonders gekennzeichneten Wohngebiete, vor allem während des Steigfluges bei entsprechend hoher Motorleistung. …

Für Ihre Mithilfe bedanken wir uns auch im Namen unserer Anrainer.

In der neuen, Stöckerschen Version findet sich kein Wort mehr davon.

Irgendwann am 14. Mai war der Spuk vorbei, und der olle Wehrmachtsklepper verschwand wieder in Richtung Hamburg.

Keine Frage: die Ju 52 ist laut, und das geben sogar die LN zu.

Laut donnernd rollt die schwere Maschine über die Startbahn, dann hebt die ‚Tante Ju‘ vom Flughafen Blankensee ab, schwebt in die Luft und dreht ihre Runden über Lübeck.

LN Online, 19. April 2018

Dabei wird sie natürlich nicht leiser. Der Lärm ist noch mal ein oder zwei Größenordnungen über dem der üblichen Flugmöhren, ist vor allem so dröhnend und donnernd, daß man ihn am Boden fühlen kann. Die geringe Flughöhe sowie die ungewöhnlich geringe Geschwindigkeit der Maschine tragen ihr übriges zu einem ausgedehnten „Schallerlebnis“ auf dem Boden bei.

Das war für mich okay, solange es sich um ein paar Rundflüge im Jahr gehandelt hat (für 2018 sind in Lübeck gerade mal vier angesetzt). Aber Blankensee als Wartungs- und/oder Testflughafen für diesen Steinzeit-Brummer, der vermutlich keinerlei Lärmschutzvorgaben einhält? Nein, danke. Da endet meine Toleranz.

Man wird den neuen Flughafenbetreiber Winfried Stöcker an seinen Taten messen müssen. Wie sagte er vor Jahren, als er noch nicht Betreiber war, so schön?

Und ich weiß noch genau, wie die Sportflugzeuge vor zwanzig Jahren, abends und an den Wochenenden … wie Rasenmäher für eine permanente Geräuschkulisse sorgten. Helfen Sie mit mit, dass der Lübecker Flughafen nicht wieder zu einem Hummelnest für laute Motorflieger herabgestuft wird.

Anzeige in den LN vom 25./26. April 2010

Und da ging es nur um die kleinen Flugmöhren. Am 14. Mai ging das Gedröhne der Ju 52 auch bis abends, bis 20 Uhr, bei schönem Wetter, das eben viele Anwohner gerne ungestört genossen hätten.

Ju 52 über Blankensee – Aufnahme vom 14. Mai 2018

Danke, liebe Lufthansa, für das Weltkrieg-2-Feeling. Es paßt übrigens wohl ganz gut  in unsere Zeit.

4 Antworten auf „Neuer Kunde für das Lärmklo Blankensee: Ju 52“

  1. Möglicherweise ist das gar nicht böse gemeint:
    Von den Eurufightern der Bundeswehr sind gerade mal noch vier Stück flugfähig, von Hubschraubern auch nur wenige.
    Vielleicht hat Frau van der Leyen ganz einfach entschieden, den alten Kasten wieder einsatzfähig zu machen, die JU 52 ist ja ziemlich robust.
    Das musste ich einfach mal loswerden und passt zu dem Thema.
    Aber tatsächlich ist es natürlich so, dass ein oder zwei Rundflüge an wenigen Tagen im Jahr ein nostalgisches Erlebnis ist und die Anwohner es sicher auch akzeptieren.
    Was Sie hier beschreiben, grenzt schon an Körperverletzung, (auch die Ohren gehören zum Körper).
    Es gäbe sicher genug Flugplätze wo die alte Tante JU üben kann, ohne die Anwohner so zu belästigen.
    Selbst Finkenwerder wäre es kein Problem.
    Schon komisch, dass man sich Blankensee ausgesucht hat.

    1. Was die Körperverletzung angeht: ja, Fluglärm wirkt durchaus gesundheitsschädlich, übrigens auch bei Fanboys, die dem Krach positiv gegenüberstehen. Das ist keine Frage der Einstellung. Die Ju 52 alleine macht es natürlich nicht, es ist die Gesamtheit.

      Es kommt immer mehr dazu, es reißt ein, das ist meine Befürchtung. Und zwar Kram wie Schulungsflüge (ja, es hat sich gerade noch eine Flugschule angesiedelt, hurra, stand noch gar nicht in den LN!), Wartungsflüge und tieffliegende Knattergeräte.

      Nun kann man sich sehr streiten, ob Linien- oder Charterflüge der Region einen Vorteil bringen würden. Ich bezweifle das stark angesichts der Subventionen, die die Fluggesellschaften regelmäßig der Allgemeinheit abpressen, und aufgrund der hier gemachten Erfahrungen mit Ryanair und Wizz Air. Bei Geschäftsflügen sähe das eventuell anders aus, allerdings nur, wenn die Nutzer auch wirklich kostendeckend bezahlen. Was sie könnten, aber wollen sie es auch?

      Jedenfalls: was derzeit hier abgeht, nützt der Allgemeinheit in der Region garantiert nichts, sondern belastet sie nur. Profitieren tut bestenfalls der Flughafenbetreiber. Ist doch schön, wir alle lieben unseren Herrn Professor, oder nicht? :mrgreen:

  2. Ihre Einschätzung bezüglich des fliegenden roten Gartenstuhls und des Knatterdrachens (siehe Abbildung, aufgenommen natürlich bei einem direkten Überflug des hiesigen Wohngebiets) teile ich voll und ganz; beide sind schlimmer als Flugschüler in der Platzrunde, zumal sie kreuz und quer fliegen, langsam und in geringer Höhe. Und gerne abends.

    Aber die Frage „Ju 52 oder diese Knatterdinger“, entweder oder, stellt sich ja nicht. Problem: Es kommt immer mehr hinzu. Auch diese Knatterdinger gibt es hier erst seit wenigen Jahren, sie kamen als Zugabe obendrauf auf den schon vorhandenen Lärm.

    Ebenso jetzt die Ju 52: auch wieder obendrauf! (Am 15. Mai ging der „Spaß“ übrigens weiter.)

    Was kommt als nächstes? Das ist mein eigentlicher Punkt. Perspektive: Lärmklo Blankensee.

  3. Also ehrlich, jetzt muss man auch nicht an jedem Grashalm ziehen. Ich schaue mir lieber 20x die JU an, als die ganzen anderen Zwiebacksägen die sonst so über Grönau schleichen und knattern.
    Besonders diese 1-Mann Cabrio Tragschrauber sind gefühlt kein Stück besser.

    Und so lange spätestens 20 Uhr Ruhe ist, kann ich gut damit leben.

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