LN weiterhin beratungsresistent und lernunfähig

Ist es nicht putzig, wie die Lübecker Monopolpresse sich immer wieder schönfarberisch mit der hiesigen Landewiese befaßt? Zur Erinnerung: sämtliche hochtrabenden Planungen in dieser Hinsicht sind katastrophal gescheitert, was jetzt sogar ein Gutachten von Uniconsult belegt. Und wie lautet dann wohl die Schlagzeile in den LN (22. April 2012, Seite 8, Druckausgabe Lübeck)? Klar: „Gutachter: Lübecker Flughafen wichtig für Norddeutschland“. Ach ja.

Nun steht in dem Artikel sicherlich nichts, was nicht auch in der Studie steht. Insofern ist der Artikel faktisch korrekt – aber leider unvollständig.

Was völlig fehlt (und das müßte Journalismus doch wohl leisten) ist der Vergleich zu vorherigen Ankündigungen zum Zwecke der Einordnung und Bewertung. Aber das ist vielleicht zu peinlich für die Schönschreiber der LN.

Man erinnere sich: ein früherer Flughafengeschäftsführer phantasierte von 5 Mio. Passagieren pro Jahr, die man auch ohne Ausbau (!) abfertigen könnte. Im Planfeststellungsverfahren zum Ausbau ging man von etwas über 3 Mio. aus, nach dem Ausbau. Danach wurde man bescheiden; die diversen Take-Off-Konzepte der Verwaltung erwähnten so um die eine Million Passagiere, ab der man operative Gewinne verzeichnen würde.

Uniconsult watscht Friedel ab

Dann kam ein neuer Geschäftsführer, Hon.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Friedel, und mit ihm ein Sparkonzept. Den Lübecker Nachrichten scheint es komplett entgangen zu sein, daß die Uniconsult-Studie nicht nur die Pläne der Vergangenheit abwatscht, sondern auch die des Herrn Friedel. Ende März hieß es in den LN:

Bislang nutzen 330 000 Passagiere jährlich die Reisemöglichkeit, ,,wir brauchen aber mehr“, sagt Friedel. Die magische Grenze liege bei einer halben Million.

Uniconsult prophezeit gerade mal die Hälfte bis 2020, und auch höchstens 350 000 zehn Jahre später. Damit ist klar, daß das Ziel, wenigstens die operativen Verluste bis dahin auf Null zurückzufahren, völlig unrealistisch ist. So merkt auch Wolfram Hammer in seinem Artikel an:

Der Flughafen Lübeck werde damit kurz- bis mittelfristig defizitär bleiben.

Die Frage, wer für dieses Defizit aufkommen soll, stellt er leider nicht.

Selbst kurzfristig droht Ungemach, wenn man den Geschäftsführer beim Wort nimmt (LN vom 13. September 2011):

„Bis Ende 2012 haben wir noch Planungssicherheit wegen des Bürgerentscheids“, sagt Flughafen- Geschäftsführer Professor Jürgen Friedel. „Aber dann muss es deutlich günstiger aussehen als jetzt.“

Darauf deutet bislang jedoch nichts hin. Im Sommer 2012 wird man eventuell ein wenig mehr Passagiere als im Sommer 2011 befördern, aber nicht deutlich mehr. Und danach kommt der Winterflugplan – für Flughäfen traditionell Saure-Gurken-Zeit. Natürlich wird jetzt die Geschäftsführung aus naheliegenden Gründen versuchen, möglichst viele „Zusagen“ z. B. von Charterfliegern für den Sommer 2013 einzusammeln. Dann kann man Ende 2012 immer noch vom bevorstehenden Sommergeschäft schwärmen – wie verbindlich etwaige Zusagen sind, bliebe zu überprüfen. Man erinnere sich nur an die „Zusagen“ von Ryanair, die allesamt unverbindliche Luftblasen waren.

LN-Gejammer auf niedrigem Niveau

Es ist schon merkwürdig. Da echauffiert sich Josephine von Zastrow in LN-Kommentaren mehrfach über „Uni-Kliniken im Minus“ (LN vom 19. April 2012, Seite 2, Druckausgabe Lübeck) und „Lübecks bittere Abwärtsspirale“ – und bringt dabei das Kunststück fertig, den hochdefizitären Flughafen jeweils mit keinem einzigen Wort zu erwähnen. Ja sicher, da gibt es

Ein Klinikum, das seit acht Jahren jährliche Verluste zwischen 10 und 21 Millionen Euro schreibt.

Wortreich beklagt sie:

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Das ist die Devise der Politiker aller Couleur beim Universitätsklinkum (UKSH).

Wieder mal nicht falsch. Nur hat ausgerechnet die hiesige Monopolpresse das selbe Motto über seine Berichterstattung zum Flughafen gestellt, der den Haushalt der Hansestadt ebenfalls seit Jahren, nein: seit Jahrzehnten kräftigst belastet. Im Jahr 2011 fielen neben dem Verlust von 6,5 Mio. Euro auch noch Zahlungen an organisierte Naturschützer von 1,25 Mio. Euro an; insgesamt also 7,75 Mio. Euro. Für nichts und wieder nichts. Wo bleibt das Jammern und Wehklagen der Frau von Zastrow in dieser Angelegenheit?

Hier verrutschen endgültig die Maßstäbe. Krankenhäuser müssen sein, Punkt. Es gibt eigentlich kaum etwas, was für die Daseinsvorsorge wichtiger wäre. Selbst, wenn sie Verluste einfahren: sind wir denn schon so auf dem irren FDP-Trip, daß wir Gesundheit nur noch unter marktwirtschaftlichen Aspekten sehen? Müssen Krankenhäuser denn unbedingt als Profit-Center agieren, die Gewinne einfahren? Ist unsere Gesellschaft schon so pervers?

Die Lübecker Landewiese, die bei den LN trotz andauernder und weiterhin absehbarer Verluste nicht etwa kritisch analysiert, sondern trotzig als „wichtig für Norddeutschland“ bezeichnet wird, ist hingegen (im Vergleich zu einem Krankenhaus) gänzlich überflüssig, wird aber nach wie vor vom Blatt hochgejubelt. Steckt womöglich Eigeninteresse dahinter?

Kann man Flugreisen vielleicht besser verkaufen als Krankenhausaufenthalte?

Nur so eine Frage, liebe LN.

3 Antworten auf „LN weiterhin beratungsresistent und lernunfähig“

  1. Dank an beide Kommentatoren für ihre Beiträge.

    Ich könnte natürlich den flapsigen Vorschlag machen, den Flughafen abzuwickeln und die Flächen künftig für den Anbau von Mais zu nutzen, wenn‘s denn nur ums Geld ginge. Mache ich natürlich nicht, weil ich die Vermaisung der Land(wirt)schaft für eine der größten Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte halte.

    Ansonsten hat Inselbewohner schon alles gesagt, was ich auch antworten würde. Die Praxis der Regionalflughäfen in Deutschland zeigt, daß sich mit der Fliegerei alleine kein Geld verdienen läßt, selbst wenn man unmittelbar damit zusammenhängende Nebeneinnahmen hinzurechnet – also zum Beispiel Parkgebühren, oder den durchreisenden Flugpassagier, der nach der Landung am Flughafen mal eben ein Würstchen kauft. Das reicht nicht.

    Die wenigen Ausnahmen, die ab und zu mal präsentiert werden, bestätigen eher die Regel. Es handelt sich zumeist um Konversionsprojekte, in denen die enormen Flächen ehemaliger Militärflughäfen auch für luftfahrtfremde Zwecke (von Gewerbegebieten bis hin zum Kiesabbau) genutzt werden. Das scheidet in Lübeck weitgehend aus, ist der Flughafen doch von einem Naturschutzgebiet und darüber hinaus von Wohngebieten umgeben.

    Und was das „Meckern“ angeht: wäre da nicht Uniconsult der Adressat Ihrer Beschwerde? Kritisieren Sie hier nicht mich als bloßen Überbringer der schlechten Nachricht? Ich zitiere lediglich Aussagen aus der Studie des Unternehmens, und stets habe ich einen Link angegeben, unter dem man den kompletten Text nachlesen kann. Ich kann jedem nur zur Lektüre raten.

    Noch eine Beobachtung: gerade vor dem Bürgerentscheid haben Kritiker durchaus Vorschläge für eine künftige Nutzung des Flughafengeländes gemacht. Statt sich auf eine sachliche Diskussion einzulassen, wurden von offizieller Seite seinerzeit fast täglich Totschlag-Gegenargumente wie Kaninchen aus dem Hut gezaubert unter dem pauschalen Motto „Das geht schon gar nicht“. Fanden Sie diese Meckerei besonders konstruktiv?

    Wenn Sie sich letztlich fragen, wo das „Positive“ bleibt, muß ich Sie auf die hiesige Super-Duper-Kuschel-Plüsch-Wohlfühl-Rosa-Brillen-Alles-Toll-Zeitung verweisen (jedenfalls solange man sie noch ohne Vorlage eines Betäubungsmittelrezeptes kaufen darf).

    Natürlich ist nicht alles negativ. Ich habe bereits erwähnt, daß ich die Sichtweise des derzeitigen Flughafengeschäftsführers für wesentlich realistischer (relativ gesehen!) halte als die seiner VorgängerInnen. Das ist ein echter Fortschritt, ebenso wie die neue Haltung von Uniconsult.

    Nur denke ich nach wie vor, daß beide für die Zukunft immer noch die falschen Schlüsse aus einer inzwischen halbwegs realistischeren Analyse ziehen (ganz zu schweigen von Lehren aus der Geschichte der letzten Jahrzehnte; auch vor Ryanair gab es Versuche, Linienverkehr zu installieren – allesamt erfolglos. Das muß doch zu denken geben.)

    Was die anderen Vorwürfe angeht: mehr dazu demnächst in diesem Blog.

  2. Zitat Stephan:
    „wie könnte man denn aus der “Landewiese”, wie Sie es nennen, ein gewinnbringenderes Unternehmen machen?“

    Antwort: Gar nicht! Denn gewinnbringend arbeiten solche „Landewiesen“ grundsätzlich nicht.
    Interessant an der neuen Studie, dass sämtliche Studien der Jahre vorher durch Uniconsult bzgl. Lübecker „Landewiese“ sich nun selbst überholt haben. Und da möchte man nun Prognosen abgeben, die einen Zeitraum bis 2030 beinhalten? Absurd.
    Achso… bzgl. geplatzer Luftblasen. Erinnern Sie sich auch noch so lebhaft, was uns in den LN die letzten 10 Jahre alles versprochen wurde, was angeblich alles schon kurz vor dem Abschluss stand, usw… usw…
    Zuletzt geschah dies eindrucksvoll vor dem Bürgerentscheid. Doch all diese Versprechungen haben sich als Luftblasen erwiesen. Selbst das Worst-Case-Szenario im Takeoff-Konzept unseres Bürgermeisters wurde noch bei weitem übertroffen – ins Negative.

  3. „Katastrophales Scheitern“ sieht wohl nicht so aus, dass auf dem Flughafen noch Menschen arbeiten und Flüge stattfinden. Im Übrigen belegt die Studie ein Scheitern nicht, sie spricht eindeutig von der Wichtigkeit Lübecks. Sie nennt den Flughafen im Zusammenspiel touristischer Attraktivität, als Überlauf für Hamburg, als Marktangebot für andere Verbindungen, auch neben HAM und zeigt damit ganz klar einen Fortbestand des Flughafens auf. Bitte alle Seiten lesen und nicht nur Probleme aufzählen, die eine ernst gemeinte Studie natürlich auch nennt.

    Mir ist es schleierhaft, wo Sie Ihre Behauptungen hernehmen. Die „Studie watscht die Pläne ab“. Die Studie spricht u. A. von sinnvollen Kooperationen zw. Lübeck und Hamburg. Und was haben wir letztens erst zur Unterzeichnung gesehen: eine Kooperation. Ist das „Abwatschen“? Im Übrigen passt sich die Studie Realitäten an. Wenn sich das PFV hinauszögert, braucht auch jede weitere Entwicklung länger. Was haben Sie also gegen eine realitätsnahe Studie?

    Die Planzahlen des Konzeptes beziehen sich auf EINE von der Studie aufgestellte Variante und entsprechen somit nicht zwangsläufig der realen Entwicklung.

    Die Frage der Defizitdeckung empfiehlt die Studie partnerschaftlich in Norddeutschland zu klären. Insofern eine interessante Aufgabe für die Hansestadt. vielleicht haben Sie ja auch interessante Kontakte?

    Die meisten Zusagen von Ryanair standen meist vor dem Hintergrund des ungehemmten Planfeststellungsbeschlusses, der jedoch durch Klagen die Zukunft Lübecks immer wieder unattraktiv erscheinen lässt. Insofern kein Verschulden des Flughafens, der sich sicher für den Fortbestand einsetzt, oder wollen sie den MitarbeiterInnen nun auch noch Untätigkeit vorwerfen, oder meinen Sie die MitarbeiterInnen entwerfen Planungen nur um Klagen einzuwerben, weil man jemanden ärgern will?

    Wenn Sie schon die Luftblasen aufzählen, warum nennen Sie dann nicht auch erfüllte Zusagen, wie die neuen Türkeiverbindungen, zahlreiche Einzelcharterflüge (gestern erst Norwegen, letzte Woche Russland, usw.), zwei neue Strecken durch Ryanair?

    Zu Zahlungen: spannend wie gut Sie informiert sind. Doch ob die Zahlungen „für nichts und wieder nichts“ getätigt werden vermag, wie ich annehme, zum Glück nicht dem Urteilsvermögen eines Einzigen unterliegen.

    Abschließend freue ich mich über Ihr gänzliches Nichtwissen hinsichtlich der medizinisch wichtigen Tatsache, dass Lübeck einen Flughafen besitzt. Viele Reisende kommen jährlich aus dem Ausland um sich in Deutschland behandeln zu lassen. Natürlich: sie zahlen dafür. Gleichwohl ich Ihrer Argumentation folgen möchte, dass Krankenhäuser keinen Gewinn abwerfen müssen, so missachten Sie jedoch völlig das Zusammenspiel der hiesigen Institutionen.
    Ebenfalls betrachten Sie das Gesamtgebilde Wirtschaft nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Volkswirtschaftlich im Sinne von Anbindungsqualitäten, Verkehrserschließung, Tourismus, europäischem Wirtschaftsraum und europäischer Freizügigkeit, internationalisierter Ausbildung (zahlreiche Auslandsflüge hiesiger Firmen) und vielen anderen Tatsachen verschließen Sie sich.

    Überlegen wir mal: wie viel Euro bezahlen Sie für jede Fahrt Ihres Autos über die Straße zu Ihrem Haus? Wie viel Gewinn wirft Ihre Straße dabei ab? Könnte der Unterhalt der Straße teurer sein, als das Kleingeld was Sie darauf versehentlich verlieren? Gut, Pech gehabt: dann brauchen wir die Straße ja nicht; wird abgerissen! Achso: die Abrisskosten tragen Sie dann natürlich!
    Und Übrigens: Reisen über Ihre Straße jährlich 350.000 Menschen?

    Eine Bitte: Ihr Blog setzt sich wirklich intensiv mit dem Thema Flughafen auseinander. Teilweise ein wenig kurz gegriffen und polarisierend. Vielleicht stecken Sie mal ein wenig Energie in die Überlegung: wie könnte man denn aus der „Landewiese“, wie Sie es nennen, ein gewinnbringenderes Unternehmen machen? Bei Ihren intensiven Recherchen gibt es sicher ein paar interessante Ideen. Die MitarbeiterInnen freuen sich sicher immer über gute Vorschläge!

    Denn Meckern kann Jeder! Besten Gruß

Kommentare sind geschlossen.