AEA: Subventionen für Ryanair nähern sich der Milliarden-Euro-Grenze

Bereits 2010 hatte Air France behauptet, daß Ryanair Jahr für Jahr die aberwitzige Summe von 660 Millionen Euro kassiert; im wesentlichen von Lokal- und Regionalverwaltungen, in deren Zuständigkeitsbereichen die angeflogenen Ziele liegen. Wer glaubt, seitdem sei es (aus Sicht europäischer Steuerzahler) besser geworden, täuscht sich. Glaubt man einer bislang unveröffentlichten Studie der Association of European Airlines (AEA), hat das irische Unternehmen seine Einnahmen aus dem Subventions-Heuschreckentum noch deutlich gesteigert.

Die belgische Zeitung L‘Echo berichtet, die AEA-Studie käme zu dem Schluß, daß Ryanair im zurückliegenden Geschäftsjahr 2011/12 ohne staatliche Beihilfen einen Verlust von 305 Millionen Euro eingefahren hätte. Der stattdessen in der Bilanz des Unternehmens ausgewiesene Gewinn von 503 Millionen Euro legt nahe, daß Ryanair insgesamt 808 Millionen Euro an staatlichen Beihilfen kassiert hat. Das wären übrigens im Schnitt 10,66 Euro für jeden Ryanair-Passagier.

Die AEA wird ihre Studie, ähnlich wie Air France 2010, vermutlich an die EU-Kommission weiterleiten. Die AEA ist ein Zusammenschluß von 34 Flugunternehmen, zu denen Ryanair (eigentlich überflüssig zu erwähnen) nicht angehört. Man mag zweierlei einwenden.

Zunächst handelt es sich um Konkurrenten von Ryanair, denen man durchaus Eigeninteresse unterstellen darf, und so etwas führt unter Umständen zu Übertreibungen. Aber selbst wenn die Summe um 50 Prozent übertrieben wäre, blieben immer noch 404 Millionen Euro an Subventionen. Nicht schlecht, Herr Specht.

Ryanair macht sich bezeichnenderweise auch nicht im geringsten die Mühe, die Zahlen widerlegen zu wollen. Die formaljuristische Verteidigungslinie: es handle sich bei den angeblichen Subventionen um Vergünstigungen, die man mit den angeflogenen Regionalflughäfen ausgehandelt hätte. Das seien keine staatlichen Subventionen an Ryanair, heißt es aus Dublin.

Unterm Strich macht das keinen Unterschied. Viele dieser Flughäfen befinden sich in staatlichem Besitz im weiteren Sinne (Städte, Kreise, Regionen, Länder, Staaten), und selbst privat betriebene Flughäfen kassieren oft genug staatliche Subventionen einzig und allein zu dem Zweck, Ryanair anzulocken bzw. vor Ort zu halten. Der Steuerzahler zahlt letztlich für Ryanair, egal um wie viele Ecken.

Und natürlich gab und gibt es auch direkte Zahlungen an Ryanair (z.B. in Spanien), oft genug als „Marketingzuschüsse“ verbrämt, wobei niemand genau zu wissen scheint, worin eigentlich die Gegenleistung der Fluggesellschaft besteht.

Der andere Einwand: wahrscheinlich kommen viele AEA-Mitglieder ebenfalls in den Genuß staatlicher Subventionen. Vermutlich aber ist unter ihnen keine einzige Firma, deren Geschäftsmodell in diesem gigantischen Umfang von direkten und indirekten Subventionen abhängt.

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