Zufall oder nicht?

Kaum warnt Andreas Zander, Fraktionschef der CDU in der Bürgerschaft, vor „Risikoaufschlägen“ bei Bankenkrediten für städtische Gesellschaften im Falle einer Flughafeninsolvenz, malt die hiesige Monopolpresse das Gespenst steigender Zinsen an die Wand. Zugegeben, der Flughafen wird dort nicht weiter erwähnt, aber die zeitliche Nähe erscheint doch ein wenig, hmm…, auffällig. Letztlich zählt, was beim Leser hängenbleibt.

Andreas Zander (CDU, 20.07.2012):

Insbesondere Lübeck, dessen Gesellschaften über hohe Verbindlichkeiten verfügen und die auch zukünftig darauf angewiesen sind, günstige Kredite zu erhalten, würde unter dem künftigen Risikoaufschlag der Banken erheblich zu leiden haben.

Hervorhebung P.K.

Josefine von Zastrow (LN, 21.07.2012):

Zinserhöhung? Wenn die Banken ein schlappes Prozent mehr haben wollen von der Stadt, weil Lübeck nicht mehr seriös erscheint oder das Kreditinstitut mehr Sicherheiten braucht, dann kostet das die Stadt – und damit uns – mal eben elf Millionen Euro. Elf Millionen. Dafür könnte das Freibad Moisling acht Mal saniert werden, würde die Kindertagesstätte Steinrade sieben Mal gebaut, …

na, und so weiter und so fort. Hier hätte wirklich noch gefehlt, die Landewiese ins Spiel zu bringen, unter dem Motto „für das Geld könnte Lübeck fast zwei Regionalflughäfen betreiben“. Uii.

Aber wie schon erwähnt geht es hier um zwei verschiedene Dinge:

  • einerseits Kredite für die insolvenzunfähige, d.h. unbegrenzt haftende Stadt;
  • andererseits für privatrechtlich organisierte städtische Gesellschaften, die eben nicht vor einer Insolvenz geschützt sind.

Ich entschuldige mich für die Wiederholung, wenn ich darauf hinweise, daß die Banken das sehr wohl unterscheiden können. So kriegt die Stadt als solche durchaus noch Kredit; die Flughafen Lübeck GmbH als 100%-Tochter der Stadt aber schon seit Jahren nicht mehr. Das ist nicht mal ein Risikoaufschlag, sondern ein höchst selektives, offenbar ganz bewußt ausgesprochenes Mißtrauensvotum.

Seriös oder was?

Natürlich kann man trefflich spekulieren, was insgesamt geschähe, wenn „Lübeck nicht mehr seriös erscheint“ (von Zastrow). Aber was, bitte, erscheint den Banken denn seriös?

  • Eine Stadt, die einen Flughafen über zehn, zwanzig Jahre ohne Gewinn mit mehr als vagen Zukunftsaussichten weiterzubetreiben gedenkt, dem eben diese Banken (!) schon lange kein Geld mehr leihen?
  • Oder wäre es doch seriöser, dieser städtischen Geldverbrennungsmaschine endlich den Sprit abzudrehen, und das auf eine für die Stadt möglichst kostensparende Weise (selbst wenn dabei gewisse Presseorgane bzw. – auch noch angeblich marktwirtschaftlich orientierte – Parteien Zeter und Mordio schreien sollten)?

Man wird ja noch mal fragen dürfen. Wer weiß, vielleicht würden die Banken gerade letzteres für ein Zeichen von Lernbereitschaft und Handlungsfähigkeit, von wachsender wirtschaftlicher Seriosität und Kompetenz der Hansestadt halten.

Siehe übrigens auch „Ausbau von Regionalflughäfen: Fehlallokation von Ressourcen“ (Deutsche Bank Research, November 2005.) Nicht mehr ganz aktuell – so wird dort z.B. noch der Flughafen Hahn als Erfolg gefeiert, der er schon lange nicht mehr ist, wenn er es überhaupt mal war – aber im Prinzip immer noch lesenswert.