Witz Air

Kein noch so abgeschmackter Trick ist alt genug, solange er noch zu funktionieren scheint. So dürfte der Fuß in der Haustür immer noch zum Standardrepertoire von Vertretern gehören. Das selbe gilt für das Versprechen neuer Billigflugverbindungen an Billigflughäfen. Das hat bei der Lübecker Landewiese noch immer gezogen, also versuchen wir es gleich nochmal. Die hiesige Monopolpresse trällert nachtigallenmäßig am 31. Oktober 2012 in ihrer Druckausgabe in Lokalteil Lübeck auf Seite 11: „Wizz Air bietet neue Linien an.“

Wie lange müssen wir uns diesen plumpen Quatsch eigentlich noch anhören? Seit über einem Jahrzehnt stellt beispielsweise Ryanair eine Basis in Lübeck in Aussicht, ohne sich je dazu verpflichtet zu haben. Jede Menge neuer Verbindungen wurden eingerichtet, und fast alle wurden wieder eingestellt.

Der Klassiker schlechthin: so hält man dem Esel, den man reitet, an der Leine eine Mohrrübe vor die Nase, um ihn am Laufen zu halten. Wenn der Esel, der bisher dumm genug war, auf den Trick hereinzufallen, langsam mißtrauisch wird, legt man eben ein paar Mohrrüben drauf.

„Wir haben Pläne für weitere Strecken“, bestätigte [WizzAir-] Unternehmenssprecher Daniel de Carvalho.

Ach ja, Pläne. Davon gab es schon einige.

Nach LN-Informationen sollen Flugziele in Ungarn, Bulgarien und Serbien von Blankensee aus angeflogen werden.

Ach ja, sollen. (Nebenbei: mein OCR-Programm hat den Satz ursprünglich wie folgt erkannt: „…sollen Flugziele in Ungarn, Bulgarien und Serbien von Blankensee aus angelogen werden.“ Tücken der Technik!)

Dazu soll also, man kann es nicht oft genug wiederholen, ein Vertrag des Flughafens mit WizzAir verlängert werden, der nicht nur der Öffentlichkeit nicht bekannt war (vermutlich auch nicht Lokalpolitikern – warum beschweren die sich eigentlich nicht?), sondern der nicht einmal der EU-Kommission im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen unzulässige Wettbewerbsbeihilfen angezeigt wurde.

Subventionstourimus, einfach gemacht

Solche Verträge sind nicht an sich unzulässig; die EU-Kommission läßt staatliche Subventionen in der Regel für eine Anschubfinanzierung zu, wenn ihre Laufzeit drei Jahre nicht überschreitet. Das kann durchaus auch die Einrichtung neuer Flugverbindungen einschließen.

Daraus ergibt sich aber ein Problem, das selbst die EU-Kommission so nicht gesehen haben dürfte. Wieso eigentlich legen Billigflieger ständig neue Verbindungen auf und stellen gleichzeitig alte ein? Das hat den netten Nebeneffekt, daß man für jede neue Verbindung wieder eine neue dreijährige „Anschubfinanzierung“ kassieren kann. Honi soit qui mal y pense.

Erst recht greift das Geschäftsmodell, wenn man, nachdem der alte Flugplatz endgültig leergemolken wurde, zu einem neuen Provinz-Flughafen in der Nachbarschaft wechselt, dessen prunksüchtige Lokalfürsten mit frischen Subventionen buhlen.

Das beste: selbst nach EU-Richtlinien ist das alles ganz legal, solange sich die Förderungsdauer auf wenige Jahre beschränkt. Willkommen, Wander-Heuschrecken!

Und trotzdem: allein im Fall Ryanair sind derzeit vor der EU-Kommission nicht weniger als 18 Verfahren anhängig, was zumindest einen Eindruck von der Größenordnung des Problems geben dürfte. Natürlich führte das bei dem betroffenen Unternehmen zu dem bekannten Kläffreflex, dem man ansonsten ertappten Dieben zuschreibt.

Was verspricht WizzAir? Vermutlich nichts

Im konkreten Fall der Vertragsverlängerung für WizzAir wäre zu fragen:

  • Welche Garantien gibt das Unternehmen über die Vertragslaufzeit in Hinsicht auf Landungen, Starts bzw. beförderte Passagiere?
  • Welche Vertragsstrafen zahlt das Unternehmen im Fall einer Unterschreitung der Zusagen, besonders im Fall einer Einstellung von Verbindungen?

Lassen Sie mich raten… keine. Das läßt sich jedenfalls aus der Vergangenheit extrapolieren. Sollte ein Vertrag mit WizzAir tatsächlich bereits existieren, hat er jedenfalls keinerlei Konsequenzen gehabt, als die Gesellschaft 2006 eine Verbindung nach Katowice ankündigte – und mangels Vorausbuchungen noch vor ihrer Aufnahme zurückzog.

Ein zweiter Versuch war etwas erfolgreicher und resultierte immerhin in vier Monaten Flugverkehr, bevor die Verbindung aufgrund einer katastrophalen Auslastung wieder eingestellt wurde. (Lübecker Nachrichten, 20. März 2010, online nicht mehr abrufbar).

Sieht das so aus, als ob sich WizzAir in der Vergangenheit trotz Vertrag sich verbindlich zu irgend etwas erklärt hat? Für mich nicht. Und jetzt soll das anders sein? Da glaub‘ ich doch eher an den Weihnachtshasen.

Benötigen Sie einen Weihnachtsmann? Ich bin WizzAir Student …

Loriot