Wirtschaftskompetenz der hiesigen Monopolpresse

Unserer geliebten Monopolpresse Ignoranz gegenüber den Finanzproblemen lokaler Unternehmen vorzuwerfen, wäre höchst ungerecht. Man ist durchaus kritisch! Haben Sie z.B. das hier gelesen?

Da wollte man

wissen, wie der Stand der Dinge ist und wo die Reise hingehen soll. Darüber sollte der Vorstand Auskunft geben. … düsteres Bild … „Streit und Zank hinter den Kulissen“ … Indiskretionen … mehrfach seit November 2010 habe die Zahlungsunfähigkeit gedroht. … präsentierte seine Zahlen bisweilen so konfus, dass kaum ein Zuschauer den Überblick behielt. … „Sehr nebulös, das Ganze“ …

LN, 30. Oktober 2012

Und danach:

… ohne Aufsichtsrat, der Vorstand ist gefordert – und denkt schon wieder sehr intensiv über ein Insolvenzplanverfahren nach … Der Aufsichtsrat … ist abgewählt, die Räte sind abgetaucht. … der große Unbekannte aus dem Südwesten würde pro Saison 500 000 Euro investieren … Nach LN-Informationen sieht der Plan allerdings anders aus. …

LN, 31. Oktober 2012

Wenig später:

Zweite Insolvenz binnen vier Jahren … Investor aus Frankfurt vertagt Entscheidung über ein Engagement in Lübeck erneut. Am Montag wird der Vorstand beim Amtsgericht den Antrag stellen. … der ominöse Investor …

LN, 3. November 2012

Sie ahnen es: es geht eben nicht um die mehr oder minder chaotischen Zustände am Flughafen – obwohl die seit mindestens 2004 einer kritischen Berichterstattung bedurft hätten, tauchte doch schon damals das häßliche I-Wort in Berichten der Verwaltung auf. Es geht in den oben erwähnten Zitaten vielmehr um einen lokalen Verein für Bewegungsspiele, der sich hier aber wohl nicht so gerne wörtlich erwähnt sieht. Sei‘s drum.

Wir warten…

Da steht uns in den nächsten vier Wochen in Sachen ja einiges an investigativem Wirtschafts-Journalismus bevor, wenn es um die Frage „Flughafenverkauf oder Insolvenz?“ geht. Nur leider: wenn ich mich recht erinnere, erschien das letzte investigative Stück über den Flughafen Lübeck im November 2003, als die LN enthüllten, daß Ryanair für jede Linienverbindung 300.000 Euro pro Jahr und für jeden einzelnen gebrachten Passagier 5 Euro fordern würde (online nicht mehr abrufbar).

Seitdem? Pustekuchen.

Die verschwiegene Tochter des Flughafens

Kleine Anregung für eine Recherche: es ist kaum bekannt, daß die Flughafen Lübeck GmbH eine hundertprozentige Tochtergesellschaft namens „FLG Service GmbH“ betreibt. Gegründet wurde sie vermutlich kurz nach dem Kauf von 90% der Flughafen-Anteile durch den Investor auf Probe, Infratil.

Im Beteiligungsbericht 2012, in dem die Lübecker Verwaltung in Band III ihre Beteiligungen an Unternehmen auf nicht weniger als 347 (!) Seiten darlegt, wird als Gegenstand der FLG Service GmbH

die Erbringung von Servicedienstleistungen im Luftverkehrssektor und die Verwaltung und Erhaltung eigenen Vermögens

angegeben.

Zugegeben, aus den im Bundesanzeiger veröffentlichen Bilanzen geht nicht allzuviel hervor; als sogenannte „kleine Kapitalgesellschaft“ wird vom Unternehmen nur eine sehr grobe Übersicht verlangt. Die sieht aber nicht nach einer größeren Geschäftstätigkeit aus: die letzte verfügbare Bilanz (01.04.2009 bis 31.03.2010) weist beispielsweise einen Jahresfehlbetrag von rund 2 600 Euro und Verbindlichkeiten in Höhe von rund 3 600 Euro aus.

Aber was da genau geschieht (oder, was interessanter sein dürfte: was da mal geplant war), weiß außer den Beteiligten wohl niemand, und man darf annehmen, daß das durchaus beabsichtigt ist.

Von anderen Regionalflughäfen kennt man derartige Konstruktionen vor allem zu zwei Zwecken:

  • Auslagerung von regulären (zuvor tariflich bezahlten) Arbeitsplätzen in ein Billiglohn-Subunternehmen;
  • Auslagerung von Verlusten in der Bilanz des Hauptunternehmens in kleinere Tochtergesellschaften, um sie dem Blick der Öffentlichkeit zu entziehen.

Selbstverständlich käme auch eine Kombination beider Zwecke infrage. Lübecker Nachrichten, übernehmen Sie!

Erwarten Sie nichts

Ach nein, erwarten Sie bitte nichts in dieser Hinsicht von Ihrer völlig überbezahlten Lokalzeitung. Die hat uns kürzlich darüber „informiert“, daß ex-Schwimmstar Sandra Völker ein „Mini-Praktikum“ (was immer das sein mag) auf der Landewiese absolviert hat, daß vor 25 Jahren erstmals eine renovierte Ju 52 in Lübeck landete (sehr wichtig!), und daß der Lübecker Flughafengeschäftsführer nicht glaubt, daß weitere Ausbaumaßnahmen in Fuhlsbüttel angebliche Kapazitätsprobleme in Hamburg lösen. Seriöse Lektüre, solide recherchiert, ganz gewiß.

Was außerdem ganz sicher ist: nächsten Sonntag wird uns Gold-MemberMeyer von der Nachrichtenkanalsimulation n-tv mal wieder erzählen, in welches Edelmetall wir unser Geld zu stecken haben, um der sicheren Katastrophe zu entgehen. Und in einer ebenso bunten wie teuren Anzeige in der Monopolpresse wird uns ein D-Promi wieder mal weismachen, wozu wir den Pleite-Flughafen brauchen. Gähn!

Mehr muß man dazu nicht sagen – denken Sie sich den Rest.