Golden Oldies: Griff in die Mottenkiste

Auf einmal geht es an der Landewiese mal wieder um jede Menge Charterflüge, womöglich sogar nach Ägypten (derzeit ein ganz tolles Reiseziel!) Na klar:

Von Lübeck per Flugzeug nach Ägypten oder Teneriffa? Ab November wird das am Flughafen Blankensee zum Alltag gehören.

Allerdings handelte es sich nicht um den vergangenen November, sondern um den des Jahres 1999.

Die Stadtzeitung Lübeck orakelte am 10. August 1999:

Dann fliegen Maschinen der Fluggesellschaft Hamburg International die Reiseziele Luxor in Ägypten und Teneriffa einmal wöchentlich an. Außerdem stehen erstmals regelmäßige Flüge nach Danzig an. Gran Canaria, Mallorca und Antalya werden künftig ganzjährig angeboten.

Das war übrigens noch vor Ryanair und WizzAir.

„Unser Charterflugaufkommen wird sich gegenüber 1998 verdreifachen“, faßt Dr. Peter Steppe, Geschäftsführer der Flughafen GmbH, zusammen …. Anwohnerbeschwerden über Fluglärm habe es bisher nicht gegeben.

Na klar. Es war bereits bekannt, daß es komplett sinnlos war, sich beim Flughafen und erst recht bei Herrn Dr. Steppe über Fluglärm (oder sonstwas) zu beschweren. Genausogut hätte man mit dem Papst über Verhütungsmittel diskutieren können.

Den Flughafen stellt das vor neue Anforderungen. Steppe wünscht sich eine neue Ankunftshalle …

Neue Ankunftshalle, Charterflüge – ja, das klingt auch irgendwie vertraut.

Bürgermeister Bernd Saxe hat Prof. Radyamar in seiner Vorlage für die Bürgerschaft am Donnerstag als Investor vorgeschlagen. … So will er als erste Maßnahme das Abfertigungszelt des Flughafens Lübeck durch eine Halle ersetzen. Neben den LowCost-Fluglinien Ryanair und WizzAir möchte er auch den Bereich Charterflüge ausbauen.

HL-Live, 28. November 2012

Da klingt der Herr Dr. Steppe durch, denn, wie schon erwähnt:

Als Berater hat er [Prof. Dr.-Ing. Amar] die „Aviation & Aircraft Assets GmbH“ aus Hamburg engagiert. Deren Geschäftführer [sic] ist Dr. Peter Steppe, ehemaliger Chef der Flughafen Lübeck GmbH.

Zwischendurch

Was passierte inzwischen? Zwei Jahre lang arbeitete Dr. Steppe für den Investor auf Probe, Infratil, aber nicht in Lübeck.

Von Infratil wechselte er zur Fluggesellschaft Hamburg International, wo er als technischer Direktor arbeitete. Im vergangenen Jahr meldete Hamburg International Konkurs an.

Ja, genau, Hamburg International. Die Gesellschaft mit den geplanten Charterflügen ab Lübeck (siehe oben).

Steppe wechselte in eine Auffanggesellschaft. In den vergangenen Monaten hatte der 52-Jährige wieder viel mit Blankensee zu tun. Die scheidenden Flughafen-Geschäftsführer Doris Böhmke und Michael Lange hatten ihn als technischen Berater eingekauft.

Lübecker Nachrichten, 13. April 2011

Platz zwei

Auf Platz zwei der Oldie-Hitparade landet dieser bunte Blumenstrauß aus dem Jahr 2001, kurz nach der Aufnahme der (inzwischen längst wieder eingestellten) Ryanair-Linienverbindung Lübeck-Stansted:

Neben der erfolgreichen Linienverbindung nach London-Stansted könnten laut Gutachten weitere Linien beispielsweise nach Frankfurt, Amsterdam, München, Kopenhagen, Paris, Stockholm oder Zürich aufgebaut werden. Im Charterbereich halten die Autoren der Studie zusätzliche Flüge nach Ägypten, Marokko, der Algarve/Portugal, zum spanischen Festland und in die Karibik für wirtschaftlich aussichtsreich.

Stadtzeitung Lübeck, 19. Juni 2001 [Hervorhebung P.K.]

Wie klingt es heute?

„Wenn wir den Zuschlag bekommen, werden wir als erstes dieses Zelt abbauen und ein richtiges Terminal bauen“, sagte Amar. „Außerdem führen wir bereits erste Gespräche mit einer ägyptischen und einer marokkanischen Fluggesellschaft über Linienverbindungen nach Hurghada, Scharm el Scheich und Casablanca. Wir wollen auch innerdeutsche Verbindungen anbieten und mindestens eine zu einem Drehkreuz mit internationaler Anbindung“, sagte er.

Lübecker Nachrichten, 28. November 2012

Wie lange will man eigentlich noch versuchen, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen? Nochmal zehn Jahre oder mehr? Alles schon mal dagewesen, von der Mottenkiste hin bis zum täglich grüßenden Murmeltier.

Übrigens…

Wenn Sie mal etwas anderes lesen wollen als die elende, geschmacklose Einheitspampe hiesiger Kungel-Medien, empfehle ich Samstag Aktuell Lübeck, selbst wenn es hierzulande eigentlich „Sonnabend“ statt „Samstag“ heißen müßte. Dort findet sich ab und an manche Perle in Sachen Landewiese (siehe die letzten beiden Ausgaben).

Hut ab vor dem Mut der Redaktion.