Bunte Berater-Blase

Im Gefolge des als Lübecker Flughafenretters gefeierten Mohamed Rady Amar befinden sich einige Berater, wie Siegmar Weegen und Michael van Heukelum. Sucht man nach diesen Namen im Internet, findet sich teilweise Erstaunliches.

Ansatzweise werden internationale Netzwerke sichtbar. Viele Spuren führen in den Nahen Osten.

Siegmar Weeden

Siegmar Weegen war bis zum 15. Oktober 2012 einer von drei Geschäftsführern der Hessischen Flugplatz GmbH, Betreiber eines eines Flugplatzes nahe der Stadt Langen, der sich großspurig „Frankfurt-Egelsbach Airport“ nennt. Er hat das Unternehmen Zeitungsberichten zufolge auf eigenen Wunsch verlassen. Gründe wurden nicht genannt.

Mehrheitseigner des Flugplatzes ist die Fluggesellschaft NetJets; die Gemeinden Egelsbach und Langen halten kleine Anteile, die NetJets ebenfalls übernehmen wollte. Ein Bürgerentscheid verhinderte den Verkauf der Anteile, denn:

Pistenverlängerung, Einführung des Instrumentenflugverfahrens und Verlängerung der Flugplatz-Betriebszeiten stünden nach wie vor ganz oben auf der Agenda des Mehrheits-Gesellschafters NetJets, der den Mini-Airport für mehr und vor allem größere und schnellere Flugzeuge attraktiv machen wolle.

op-online.de, 24. September 2012

Etliche Vertragsklauseln, so der Bericht, verpflichteten die Stadt Langen nämlich „auf immer und ewig“ bei allen NetJet-Planungen und damit verbundenen öffentlich-rechtlichen Genehmigungsverfahren auf sämtliche Rechtsmittel zu verzichten. Nach Ablauf einer dreijährigen Schamfrist versuchte die Gemeinde Langen im letzten Herbst offensichtlich, die Anteile doch noch an NetJets abzustoßen.

Ob der Abgang des Herrn Weegen damit zu tun hat, ist unklar. Festzuhalten bleibt, daß sein letzter Job Geschäftsführer an einem „Mini-Airport“ war, der Verluste einfährt.

Michael van Heukelum

Noch bunter kommt es allerdings, wenn man sich mit Herrn Michael van Heukelum befaßt. der für die von Mohamed Rady Amar zu gründende „Lübeck-Air“ den Geschäftsführer gibt:

„Wir wollen eine Sogwirkung erzeugen und mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Michael van Heukelum, der der neue Geschäftsführer der Fluggesellschaft wird. Er hat unter anderem die Ferienflieger-Flotte der Tui betreut.

Mag sein. Sein letzter bekannter Arbeitsplatz war jedoch ein anderer: Business Development Director bei Bremenfly, einer Luftfahrtgesellschaft, die im Januar 2009 den Flugbetrieb ab Bremen aufnahm. Wikipedia:

Bremenfly wurde Anfang 2008 als Bremenfly GmbH am Flughafen Bremen gegründet und hatte im Januar 2009 ihre erste Boeing 737-400 mit der Registrierung D-ABRE mit 168 Sitzplätzen erhalten. Am 15. April 2009 wurde der Fluggesellschaft ihre Betriebsgenehmigung erteilt.

Allein die Geschichte dieses 1995 gebauten Flugzeugs ist höchst interessant. Es gehörte in Folge

  • Airberlin (registriert als D-ABAH),
  • dann Jet2 (EI-DXO),
  • dann Futura (EC-KDZ),
  • dann Bremenfly (D-ABRE).

Inzwischen gehört es jedoch der Jordan Aviation (JY-JAQ). Das ist kaum verwunderlich, war Bremenfly doch ein jordanisch-schweizerisches Unternehmen, das schon vorher Kontakte zu Jordanair hatte.

Die zweite Maschine der Bremenfly, ebenfalls eine Boeing 737 mit der Registrierung D-ABRF, gehört inzwischen Sriwijaya Air, Indonesien (PK-CKN).

Kurze Geschichte von Bremenfly

Richtig, Bremenfly war einmal. Den etablierten Medien war für ihr Geschwurbel anfangs mal wieder kein Superlativ gut genug:

Jüngst hat in Bremen ein neuer Carrier seinen Betrieb aufgenommen. Die neue Bremenfly GmbH stationiert ihre gesamte Flugzeugflotte künftig am Bremer Airport. Ein erstes Flugzeug wurde kürzlich übergeben, weitere sollen folgen. Damit wird in der Weserstadt wieder einmal ein Stückchen Bremer Luftfahrtgeschichte geschrieben,

so das Wirtschaftsportal der Region Weser-Ems am 26. Januar 2009 anläßlich der Aufnahme des Flugbetriebs.

Lakonisch vermerkt Wikipedia:

Im September 2010 wurde bekannt, dass gegen den Geschäftsführer von Bremenfly ein Strafverfahren wegen des Verdachts besonders schwerer Untreue läuft.

Der Name des Geschäftsführers wurde nicht veröffentlicht.

Im November 2010 stellte Bremenfly den Flugbetrieb ein. …

Mit Stand Dezember 2010 waren keine Flugzeuge mehr auf Bremenfly registriert.

Keine zwei Jahre dauerte der Spaß also, an dem zumindest anfangs der designierte „Lübeck-Air“-Geschäftsführer Michael van Heukelum beteiligt war. Irgendwie hat es wohl nicht so ganz geklappt mit Traumflugzielen in die Türkei sowie nach Tel Aviv, Priština (Kosovo) und in den Irak, die Bremenfly anbot.

Hassan Aziz

Doch die Geschichte geht noch weiter. Plant man eine Wiederholung der gescheiterten Bremenfly in Lübeck, wenngleich mit anderen Partnern?

Einen Direktflug von Dubai [Vereinigte Arabische Emirate] bringt der Ägypter Hassan Aziz ins Gespräch. Ihm gehört bereits die ägyptische Fluggesellschaft Al Masria, deren Flotte aus vier Maschinen besteht. Aziz wird mit Amar Eigentümer der neuen Lübecker Fluggesellschaft sein.

Lübecker Nachrichten, 3. Januar 2013

Im Dezember 2012, so die englischsprachige Version der Wikipedia, flog Al Masria von Kairo (Ägypten) nach Buraidah, Ta’if, Yanbu (alle Saudi-Arabien) und Mailand (Italien); sowie von Alexandria (Ägypten) nach Dschidda (Saudi-Arabien).

Zudem ist ebenfalls ein Hassan Aziz Vorstandsvorsitzender der Alexandria Airlines, der ein Flugzeug gehört, das allerdings eine sudanesische Fluggesellschaft geleast hat.

Krisenflieger?

Wir haben jetzt gehört von Sudan, Ägypten, Kosovo, Irak – fallen Ihnen noch weitere Krisenregionen ein, die man mit Flügen bedienen könnte?

Ich will gewiß keine Verschwörungstheorien in die Welt setzen, doch eine Fluggesellschaft, die neben anderen Zielen auch Krisengebiete anfliegt, erinnert schon ein wenig an Air America, die frühere Fluglinie der CIA. Zumindest beweist das Beispiel, daß hinter Fluggesellschaften nicht immer originäre Geschäftsinteressen stehen müssen.

Unabhängig davon beweist das Exempel Bremenfly, daß solche Exoten mit absonderlichen Flugzielen nicht unbedingt funktionieren. Aus welchem Grund auch immer.

Zurück in unsere heimelige Hansestadt. Auf airliners.de gehört der Artikel „Lübeck-Investor plant eigene Airline“ zu den meistgeklickten. Kein Wunder, die Leser wollen auch mal was zum Lachen haben. Gerade weil die Provinzfürsten in Lübeck nichts von den Fehlern anderer lernen wollen und kritiklos alles glauben, was ihnen sogenannte Investoren und vor allem deren mehr oder minder kompetente Berater einflüstern.

Und die ziehen offenbar, siehe oben, von einem Provinzflughafen zum nächsten, immer in der Hoffnung, daß man deren Scheitern an der letzten Station übersieht. airliners.de bringt es auf den Punkt:

Deutsche Flughäfen hatten allerdings bislang mit „eigenen“ Airlines meist eine Bruchlandung erlebt. Aktuelle Beispiele sind die CSO City Fly in Magdeburg und Touropa in Memmingen.

Bremenfly als Negativbeispiel ist also schon nicht mehr ganz aktuell. Wie gut für Herrn von Heukelum. (Bremenfly war keine „eigene“ Fluglinie des Flughafens Bremen; „Lübeck-.Air“ soll jedoch eine sein. Das macht die Planung nicht unbedingt glaubwürdiger.)

4 Antworten auf „Bunte Berater-Blase“

  1. Schleswig-Holstein hat ziemlich viele Flugplätze, fünfzehn, soviel ich weiß. Zwei davon sind immerhin Verkehrsflughäfen, wenn auch nicht immer durch eine ordentliche Planfeststellung festgestellt. Der Verkehrsflughafen Sylt hatte 2011 immerhin 217.000 Passagiere. Nein, Lübeck hat nicht den letzten Verkehrsflughafen Schleswig-Holsteins. Es sei denn, mit „letzten“ ist was anderes gemeint?

  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider haben Sie offenbar diese Seite nicht gelesen, auf der ganz oben steht:

    blankensee.info ist ein Web-Log, oder kurz Blog. Es ist kein journalistisches Angebot.

    Und weiter:

    Unabhängig: ja, uneingeschränkt. Ich bin in keinem Verein, keiner Schutzgemeinschaft, keiner politischen Partei oder Gruppierung Mitglied. … Überparteilich: im parteipolitischen Sinne auf jeden Fall … Generell neutral und ausgewogen: sicherlich nicht …

    In diesem Blog teile ich Interessierten mit, was ich im Internet lese. Das sind, gerade auch in dem von Ihnen kritisierten Artikel, sicherlich nur einige Puzzle-Teile (für die ich grundsätzlich Links angebe), die man so oder so zusammenlegen kann. Ich lege sie versuchsweise (!) so aus wie beschrieben und habe nie behauptet, daß es sich dabei um eine umfassende Recherche oder gar um die ultimative Wahrheit handelt.

    Doch selbst diese Links scheinen Sie nicht aufzusuchen. SIe fordern:

    Und wenn Sie schon schreiben, [Egelsbach] würde rote Zahlen schreiben, dann belegen Sie dies doch auch bitte.

    Lesen Sie bitte den verlinkten Artikel, in dem es heißt:

    Die Zahl der Starts und Landungen in Egelsbach sank im Halbjahresvergleich auf 35.615 Flugbewegungen – ein Minus von 4,1 Prozent. Signifikant ist laut HFG die unterschiedliche Entwicklung einzelner Bereiche. Moderaten Zuwächsen bei der allgemeinen Luftfahrt (plus zwei Prozent) steht ein Rückgang um 5,7 Prozent bei den Geschäftsfliegern, vor allem jedoch ein Minus von 25 Prozent bei den Helikopterflügen gegenüber. Das operative Quartalsergebnis zum 30. Juni beziffert die Flugplatz GmbH auf minus 61.000 Euro. 2011 standen nach den ersten sechs Monaten noch 138.000 Euro Miese zu Buche.

    Sie mögen die Puzzle-Teile anders zusammenlegen und interpretieren oder in toto als uninteressant befinden; das ist Ihnen unbenommen. Wenn Sie das jedoch nicht interessiert, ist vermutlich der beste Tip, daß Sie diesen Blog gar nicht erst lesen.

    Sonderlich genau scheinen Sie übrigens auch nicht zu argumentieren. Wo, bitte, habe ich jemandem je Sensationsjournalismus vorgeworfen? Das Wort findet sich in den bisher hier veröffentlichten 441 Artikeln kein einziges Mal; ebensowenig Varianten wie „sensationalistisch“.

    Vielleicht beziehen Sie sich auf meine Kritik an einer gewissen Lokalzeitung. Da würde ich allerdings erhebliche Probleme haben, das Wort „Journalismus“ überhaupt, mit welchem qualifizierenden Adjektiv oder Präfix auch immer, zu verwenden. Mit denen möchte ich keineswegs konkurrieren.

    1. Sehr geehrter Herr Wegner,

      die Historie eines Flugzeuges ist sehr wohlinteressant, wenn man weiss, wieviel anders als z.B.ein Auto ein Flugzeug im Rahmen eines genehmigten Instandhaltungsprogrammes innerhalb einer CAMO (Continous Airworthiness Management Organisation) gewartet und lufttüchtig gehalten werden muss.
      Das Alter eines Flugzeuges ist dabei gar nicht so wichtig, wenn die Wartungs- , Überholungs- und Austauschintervalle aller Komponenten nach Herstelleranweisung und eigener kontinuierlicher Beobachtung (z.B. durch trend-monitoring der Abgastemperatur eines Triebwerkes) eingehalten werden.
      Nur muss dann eben durch gewissenhafte, kontinuierlich ausgeführte und jederzeit verfügbare Aufzeichnungen verfolgt werden, wann das Steuerungsmodul einer Hydraulikpumpe ausgewechselt werden muss, wann an den Turbinenschaufeln der hot section eines Triebwerkes eine Boroskopkontrolle durchgeführt wurde, und wieviele „cycles“ ein Fahrwerk gemacht hat.
      Gerade, wenn ein Flugzeug oft den Halter gewechselt hat und während seines Betriebslebens nach unterschiedlichen nationalen Vorschriften betrieben wurde, ist diese Frage höchstinteressant, und ich kann Ihnen versichern, dass ich mich in ein Flugzeug mit einer Agenda wie hier in Rede stehend wenn überhaupt, dann nur mit großen Bedenken setzen würde. Und wenn Sie den Einblick in Unfallberichte hätten, den ich habe, könnten Sie das vielleicht sogar nachvollziehen.
      Ich könnte Ihnen auch Kollegen benennen, die als Berater solche „Aufzeichnungen“ von Flugzeugen aus Ländern, die pauschal zu kritisieren als politisch unkorrekt gelten würde, auf Vordermann gebracht haben. Der Aufwand überstieg in manchen Fällen den der eigentlichen Überholung des Flugzeuges.

      Insofern ist auch der Verweis auf Flugzeuge, die seit 20 Jahren innerhalb eines Flugbetriebes geflogen und innerhalb ein und derselben CAMO gewartet werden, als Begründung Ihrer Argumente völlig ungeeignet und bezeugt, dass die von Ihnen an Herrn Klanowski geübte Kritik eines in unangemessener Weise verbreiteten Halbwissens nicht gerechtfertigt ist, und offenkundig eher aus Sie selbst zutrifft.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Claus Cordes
      Flugkapitän, Dipl.Ing. (Flugzeugbau)

  3. Teilweise gehen diese Berichte allerdings auch gern mal ins Lächerliche. Beispiel:

    „Allein die Geschichte dieses 1995 gebauten Flugzeugs ist höchst interessant. Es gehörte in Folge
    Airberlin (registriert als D-ABAH),
    dann Jet2 (EI-DXO),
    dann Futura (EC-KDZ),
    dann Bremenfly (D-ABRE).“

    Was ist daran nun HÖCHST INTERESSANT?? Ein knapp 18 Jahre altes Flugzeug (LH betreibt teilweise weit ältere…) hatte vor Bremenfly 3 Vorbesitzer. Ja also wirklich, HÖCHST interessant… DAS ist genau der gleiche Sensations“journalismus“, den Sie anderen vorwerfen, nur natürlich in die entgegen gesetzte Richtung. Andere Beipiele wären „der sich großspurig „Frankfurt-Egelsbach Airport“nennt“. Haben Sie mal auf der Karte geschaut, wo dieser Airport, der sich übrigens als Geschäftsfliegerzentrum DURCHAUS einen Namen gemacht hat, ist? Offensichtlich nicht. Und wenn Sie schon schreiben, dieser würde rote Zahlen schreiben, dann belegen Sie dies doch auch bitte. Ad absurdum geführt wird der Artikel dann mit „Flügen in Krisengebiete“ wo dann Ägypten und Kosovo in einer Zeile genannt werden.

    Letztendlich entlarven diese Beispiele den Artikel als nichts anderes, was er ist: Ein halbgarer Eintopf von Halbwissen, angerührt von jemandem, der vermutlich in der Nähe des Flughafens wohnt, über seine Wohnsituation frustriert ist und mit allen Mitteln versucht, auch noch den letzten Verkehrsflughafens in SH in den Schmutz zu ziehen.

    Vermutlich sind SIE erst dann froh, wenn kurz hinter Hamburg ein Schild steht: Naturschutzgebiet Schleswig-Holstein, „Betreten verboten.“

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