Achtung: Killer-Bäume!!

Sie erinnern sich an das unlängst zitierte Geschwafel des immer noch amtierenden Lübecker Bürgermeisters über „Lebensrisiken“, wie sie zum Beispiel Schulen in niedriger Höhe überfliegende Flugzeuge darstellen, die man „emotionslos“ Kindern nahebringen müsse?

Man mag der Argumentation ja folgen, müßte dann aber dies hier begründen:

Ausgewählte Bäume im Lübecker Stadtpark und rund um den Tremser Teich müssen gefällt werden, weil sie nicht mehr standsicher sind. Das hat der Bereich Stadtgrün und Verkehr mitgeteilt. Die Fällungen sind notwendig, weil die Hansestadt Lübeck ihrer sogenannten Verkehrssicherungspflicht nachkommen muss.

Das hört man immer wieder als Begründung für das Abrasieren von Bäumen (es sei denn, man verbirgt sein eigenes Gewinnstreben gar nicht und zahlt dann eben mal ein bescheidenes Bußgeld – siehe den Abschnitt „Die Parkplatz-Affäre“ in diesem Beitrag). Es könnte ja mal jemandem ein Zweiglein vor die Füße (oder lackverkratzend auf die Nobelkarosse?) fallen, oder gar jemand von einem umstürzenden Baum erschlagen werden.

Der Herr Bürgermeister hat schon recht. Das Risiko, von einem Auto überfahren zu werden, ist statistisch höher als das, von einem abstürzenden Flugzeug erschlagen zu werden. Das war aber nicht der Punkt: wenn so ein Flugzeug doch mal in eine Schule einschlagen sollte, dann wären nicht nur, wie bei den meisten Verkehrsunfällen, einige wenige Personen betroffen.

Immerhin kommen, ebenfalls statistisch, im Straßenverkehr allein in Deutschland immer noch knapp 4 000 Menschen ums Leben; 391 500 Menschen werden jährlich bei Verkehrsunfällen verletzt (Zahlen von 2011 laut Zeit vom 24. Februar 2012).

Hingegen: wie viele Menschen werden in Deutschland pro Jahr vom umfallenden Bäumen erschlagen? Vermutlich deutlich weniger. Man mag einwenden, daß es gerade daran liegt, daß man rigoros kranke Bäume abholzt.

Aber wieso akzeptiert man dann immer noch achselzuckend 4 000 Tote im Straßenverkehr und tröstet sich damit, Gipfel der Perversion, daß es ja schon mal über 11 000 waren (im Jahr 1991)? Ist nicht jeder Tote einer zu viel? Müßten wir dann eigentlich nicht Autos generell abschaffen?

Um Douglas R. Hofstadter zu paraphrasieren: Stellen Sie sich vor, vor etwas über hundert Jahren wäre ein Erfinder aufgetreten und hätte eine Maschine (das Automobil) vorgestellt, das Menschen schnell von Punkt A nach Punkt B bringt. Es hätte nur einen kleinen Nachteil: es rottet jedes Jahr (hier nur auf Deutschland bezogen) zahlenmäßig die Einwohnerschaft eines ganzen Dorfes aus. Eine gute Idee?

Mag sein, daß das heutzutage zum Lebensrisiko gehört, obwohl ich mir das nur sehr ungerne von dem Herrn Bürgermeister (oder irgend jemandem) diktieren lasse. Nur: wie lange koexistieren Bäume und Menschen? Deutlich länger als Autos oder Flugzeuge und Menschen. Seit Tausenden von Jahren hat die Menschheit umstürzende Bäume überlebt. Ob die Bäume den Menschen überleben werden, bleibt hingegen abzuwarten.

Die Risiken des Straßen- und Flugverkehrs kleinzureden, jeden angeblich kranken Baum aber sofort abzuholzen, ist nur noch lächerlich und zeugt vom Verlust jeglicher Maßstäbe.

Aber vielleicht steckt da eine ganz andere Motivation dahinter: laut Zahlen, die die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) jetzt veröffentlichte

führte die von 11 auf 34 Millionen Kubikmeter gestiegene Privathaushaltsnachfrage nach Brennholz in Deutschland seit 2005 zu einem stark steigenden Brennholzpreis, der dem Statistischem Bundesamt zufolge heute fast 90 Prozent über dem vor acht Jahren liegt.

Jede Wette: es werden in Zukunft noch jede Menge Brennholzvorräte benötigt, und sehr viel mehr Bäume werden plötzlich als nicht mehr standfest klassifiziert.

Und was machen eigentlich die „Naturschützer“, die sich südlich des Flughafens abholzend austoben? Verkaufen sie das Holz? Wäre doch ein nettes Zubrot, oder?