Stöhn! Lübecker Qualitätsjournalismus erreicht neuen Höhepunkt

WARNUNG: Satire. Da ist nix von wahr (außer dem Hinweis auf den LN-Artikel und das Langbehn-Zitat in den Kieler Nachrichten weiter unten. Ob dieses Zitat inhaltlich zutrifft, kann und will ich nicht bewerten). Alle Zahlen sind fiktiv. Lesen Sie weiter… SIE können mitmachen!

Sicherlich haben Sie das auch gelesen im Lübecker Lokalteil der LN vom 17. Juli 2013: „Ungewöhnliche Fakten über die neue Bürgerschaft“. (Wenn nicht: demnächst in einem Altpapiercontainer in Ihrer Nähe.) Modern, munter und mutig; informativ, innovativ und investigativ – so wünscht man sich eine Lokalzeitung. Was gäbe es denn auch wichtigeres als die Tatsache, daß die meisten Bürgerschaftsmitglieder als Sternzeichen Fisch oder Widder sind, und daß die meisten davon in der CDU-Fraktion zu finden sind?

Zielstrebig und durchsetzungsfähig, sagen die Astrologen über Widder. Fische hingegen sollen kreativ und hilfsbereit sein.

Rümpft da etwa jemand die Nase über so einen Artikel? Das wäre gänzlich unangebracht, denn manche Entscheidungen der Bürgerschaft lassen sich wahrlich nur mit Astrologie oder anderem Spökenkram erklären, nicht hingegen mit Vernunft. Und natürlich bedient sich auch die Verwaltung in zunehmendem Maße der „Wissenschaft“ der Astrologie, siehe zum Beispiel die Take-Off-Horoskope des Herrn Bürgermeisters in Sachen Landewiese – oder die Vorlage zur Flughafenverschenkung im letzten Herbst.

Knallharte Aufklärung

Man kann den LN nur zu ihrer knallharten Reschärsche gratulieren – mehr davon! In einer interaktiven Grafik kann man sich das ganze sogar im Internet ansehen – ausnahmsweise ganz kostenlos. Wer wo sitzt, erfährt man auch, einschließlich der Tatsache, daß für das Blatt aus der Bürgerschaft „unsere besten Reporter in Sachen Lokalpolitik“ berichten.

Stimmt genau! Laut Impressum sind die zwei (Sie wissen schon, Josephine von Z. und Kai D.) nämlich die einzigen für Lübecker Lokalpolitik zuständigen Redakteure. Da müssen sie wohl auch die besten sein. (Hüstel.)

Aber etwas mehr hätte man dann doch gerne gewußt über unsere Volksvertreter. Hier einige Vorschläge.

Da man sich schon über Haarfarben ausgelassen hat („…die LN-Untersuchung hat ergeben, dass in der Bürgerschaft das dunkle Haar vorherrscht“ – auf so etwas würde wohl nicht einmal die Blöd-Zeitung kommen), warum nicht folgendes:

Acht Bürgerschaftsmitglieder tragen eine Perücke, davon sind fünf Frauen. Echthaarbesitzer leiden zu 16 Prozent unter Schuppen, 7 Prozent unter Haarausfall, ebenso viele freuen sich allerdings über zunehmend üppig sprießendes Haar in der Nase (einige denken sogar darüber nach, sich einen Nasenbart stehen zu lassen.) Ein junges Bürgerschaftsmitglied kämpft noch mit Pickeln, nimmt aber auf Anraten seines Fraktionsvorsitzenden inzwischen Clearasil. Zwei Drittel sind übergewichtig (rein körperlich gesehen); doch zum Ausgleich sind die meisten eher politische Leichtgewichte.

Die durchschnittliche Schuhgröße beträgt 44 bei Männern und 41 bei Frauen. Über Fußpilz klagen 33 Prozent, über eingewachsene Zehennägel 9 Prozent, über Hühneraugen 13 Prozent und über Schweißfüße 26 Prozent (Mehrfachnennungen möglich). Genaue Daten über Platt-, Senk- oder Spreizfüße liegen derzeit leider nicht vor.

Die Mehrheit besteht aus Brillenträgern; noch mehr sind kurzsichtig. (Rein politisch, nicht ophthalmologisch.) Rund zwei Drittel halten Haustiere: 16 sind Hundehalter, 14 plagen sich mit einer Katze herum, zwei halten Königskobras und einer einen Zander im Gartenteich. Zwölf Prozent sind Freimaurer, aber kein einziger ist Maurer von Beruf.

Bürgerschaftssitzungen

Abgesehen von derartigen persönlichen Eigenschaften und Vorlieben interessiert auch das Verhalten während der Bürgerschaftssitzungen. Wie sagte das neue Bürgerschaftsmitglied Bastian Langbehn (inzwischen Mitglied der Partei-Piraten-Partei-Zweckgemeinschafts-Fraktion oder so) den Kieler Nachrichten (19. Juni 2013):

Und der Blödsinn, der teilweise in der Bürgerschaft geredet wird … das ist doch Satire! Abends nach der Pause sind dann auch noch alle besoffen in den Sitzungen.

Der durchschnittliche Blutalkoholgehalt eines durchschnittlichen Bürgerschaftsmitglieds am Ende einer Sitzung beträgt schätzungsweise 1,9 Promille; doch anders als von Herrn Langbehn behauptet, warten viele die Abendbrot-Pause gar nicht erst ab und trinken ihr Bierchen schon vorher während der Sitzung. Einige sollen auch auf dem Rathausklo rauchen, und nicht unbedingt nur Tabak.

Im Verlauf der Sitzungen popeln rund 50 Prozent in der Nase, davon ißt jeder dritte seinen Popel. Vier Prozent lösen Kreuzworträtsel, Sudoko oder ähnliches. Zwanzig Prozent schlafen, davon schlafwandelt jeder zweite – einige halten sogar Reden im Schlaf.

Kennen Sie weitere ungewöhnliche Fakten über die Lübecker Bürgerschaft? Immer her damit!