Der nächste, bitte

Die diesjährige Königin-Beatrix-Flughafen-Gedenkmedaille geht an blankensee.info-Leser Jörn Konopatzki. Er kommentierte am 30. November 2012: „Wussten Sie, dass der Berater des neuen Eigentümers bis 15.10.12 Geschäftsführer des Flugplatzes Egelsbach war und auf eigenen Wunsch Ausgeschieden ist? Wenn ich Herr Friedel wäre, würde ich mir Gedanken machen, ob es noch Sinn macht, private Dinge im Büro aufzubewahren. Die Tage könnten ziemlich schnell gezählt sein.“ In der Tat, genau so ist es jetzt gekommen.

Der Berater des neuen Landewiesen-Eigentümers hieß und heißt Sigmar Weegen, und jetzt ist er in der Tat auch neuer Geschäftsführer derselben. Alles wie geplant, heißt es offiziell. Und in der Tat wäre es überraschend gewesen, hätte der „Investor“ nicht über kurz oder lang einen neuen Geschäftsführer installiert. Doch es gibt Details, die irritieren.

Zunächst kam der Wechsel völlig abrupt und ohne Vorankündigung; selbst die Belegschaft des Flughafens war nicht vorab informiert worden.

„Der Ex-Chef war beliebt, entsprechend gedrückt sei die Stimmung in der Belegschaft. Der Betriebsratsvorsitzende: „Wir werden Zeit brauchen, das Ausscheiden von Jürgen Friedel zu verdauen.“

Lübecker Nachrichten, 2. Oktober 2013

Ob die Mitarbeiter den Herrn Weegen inzwischen kennengelernt haben, ist nicht überliefert – dem Bericht zufolge soll er seit der Flughafen-Verschenkung an den „Investor“ Radyamar ein Büro im Flughafengebäude gehabt haben.

Die LN würdigen das Wirken des ex-Geschäftsführers Friedel wie folgt:

Der gebürtige Kölner schrieb ein Sparkonzept für den defizitären Airport, versuchte, die Hamburger für den kleinen Lübecker Bruder zu gewinnen, bemühte sich um neue Fluggesellschaften und suchte nach Nischen, in denen der Flughafen neue Geschäftsfelder auftun konnte. Vieles ist bislang Stückwerk geblieben.

Vieles? Na ja, so ziemlich alles. Aber natürlich konnte auch Jürgen Friedel nicht wie die legendären Zwerge auf dem Berg „aus Kuhscheiß Bonbon“ machen; erst recht nicht bei völlig abgehobenen Erwartungen des ehemaligen Gesellschafters, der Hansestadt Lübeck, die sich allerdings zuletzt darauf konzentrierten,  die defizitäre Landewiese (wenn auch nur pro forma) endlich loszuwerden.

Die Erwartungen des neuen Gesellschafters sind, so scheint es jedenfalls, anders gelagert. Ansonsten hätte man ja den bisherigen Geschäftsführer im Amt belassen können.

Noch hellhöriger macht folgendes Detail (Lübecker Nachrichten):

Friedel ist nicht der einzige, der geht. Unternehmenssprecherin Stefanie Eggers hat ebenso aufgehört wie die kaufmännische Leiterin des Airports.

Interessant.

Karussell

Selbst die Flughafen-Fanboys vermelden:

Es ist wieder einmal so weit: Der Flughafen Lübeck hat nach rund zweieinhalb Jahren seinen Geschäftsführer gewechselt.

Und die nicht gerade flughafenkritischen Lübecker Nachrichten stellen fest:

Der Flughafen-Chefsessel ist ein Schleudersitz …

Denn:

Die Amtszeiten der Lübecker Flughafen-Chefs scheint [sic] naturgesetzlich begrenzt zu sein: Länger als zwei Jahre hat es seit 2005 keiner ausgehalten.

Meine Bilanz startet im Jahr 2000, als der Wahnsinn der Geldverbrennung qua Ryanair begann. Seitdem gaben ihre Vorstellung als Geschäftsführer (halbwegs chronologisch, teilweise im Tandem amtierend):

Peter Steppe, Arndt Brücker [den hatten Sie schon vergessen, oder?], Matthias Seidenstücker, Johannes Scharnberg, Tom Wilson, Doris Böhmke, Michael Lange, Jürgen Friedel, und jetzt Siegmar Weegen.

Neun Geschäftsführer in vierzehn Jahren. Noch Fragen? Ich wiederhole mich ungern, aber in diesem Fall dann doch:

Fortsetzung folgt (wahrscheinlich). Wie gesagt: besorgen Sie sich Popcorn. Diese Lachnummer ist noch lange nicht vorbei. Vermutlich geht sie erst jetzt richtig los.

Und Verschwörungstheoretiker fragten sich ja schon unlängst anläßlich der Selbstauflösung des Flughafen-Fördervereins Check-In, ob da nicht womöglich Insiderwissen dahinterstand. („Wissen die etwas, was wir noch nicht wissen?“)

 

3 Antworten auf „Der nächste, bitte“

  1. Hallo Herr Klanowski, vielen Dank für die Auszeichnung. Sie wird einen „Ehrenplatz“ erhalten. 🙂
    Da das ja nun abgehakt ist, hier meine nächste Prognose:
    Der neue Eigentümer/Geschäftsführer wird vor Ablauf der Rückgabefrist am 31.12.2013
    die ausgehandelten Konditionen mit der Hansestadt Lübeck „nachverhandeln“.

    1. Und mit dem Hinweis, daß die Zeit dränge, wird dann (wie schon bei der Flughafenverschenkung) der Bürgerschaft die Pistole auf die Brust gesetzt. Oder der Herr Bürgermeister darf muß mal wieder eilentscheiden.

      1. So wird es kommen. Wahrscheinlich wird unser BM den Bürgerschaftsmitgliedern
        wieder 1.875 Seiten Vertragswerk präsentieren, die diese dann binnen 36 Stunden
        durcharbeiten müssen. Hat zumindest vielleicht den Vorteil, dass er damit den
        Papierumschlag bei der LHG wieder ankurbelt. Wie sagte doch der ehemalige
        Fraktionsvorsitzende der SPD letztes Jahr: „Das kann man ja gar nicht alles in
        so kurzer Zeit lesen, da müssen wir uns schon auf die Expertise unseres Bürgermeister
        verlassen können“. Bleibt festzuhalten, es bleibt spannend. 🙂

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