Weezer Wahnsinn

Ich will wirklich nichts an die Wand malen (oder womöglich Lokalpolitiker auf dumme Ideen bringen, was schwierig wäre, weil sie die meistens ohnehin schon selbst haben). Festzuhalten bleibt aber, daß es durchaus Möglichkeiten gibt, selbst „privatisierten“ Landewiesen finanziell unter die Arme zu greifen. Wie bereits angedeutet, haben da die Lokalfürsten des Kreises Kleve eine ganz tolle Masche gefunden, einem weitgehend in Privatbesitz befindlichen Flughafen mal eben ein paar Milliönchen zur Liquiditätssicherung zuzuschieben.

So liest sich das offiziell:

Der Kreistag stimmt dem Erwerb einer in der Gemarkung Weeze liegenden Fläche mit einer Größe von 509.048 m² (Teilfläche aus Flur 17, Flurstück 12) von der Flughafen Niederrhein GmbH (FN GmbH) bzw. der FN Grundbesitzgesellschaft I mbH & Co. KG zu einem Kaufpreis von 7,00 €/m², insgesamt somit zu einem Betrag von 3.563.336,00 € zu. Die mit dem Grundstücksgeschäft verbundenen Kosten (insbes. Notar- und Grundbuchumschreibungskosten sowie die Grunderwerbssteuer) trägt der Kreis Kleve.

Das Grundstück nördlich der Startbahn ist langfristig an einen Solarpark-Betreiber verpachtet, der natürlich Pacht zahlt. So viel, daß sich der Kauf nach knapp 20 (!) Jahren tatsächlich amortisieren könnte. Würden Sie angesichts der Unsicherheiten auf dem Markt der erneuerbaren Energien, dem Berliner Schlingerkurs in Sachen Energiewende und nach den zahlreichen Pleiten gerade im Bereich der Solarenergie (übrigens auch in Lübeck) auf 20 Jahre in ein solches Projekt investieren? Ich persönlich wurde davon abraten.

Wie immer geht es hier darum, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen. Man hat mal den Flughafen für rund 11,4 Mio. Euro an den sogenannten Investor verkauft, ihm dann aber ein Darlehen in Höhe von rund 26,5 Mio. Euro gewährt, daß der (Überraschung!) nicht tilgen kann. Immerhin will er, wie nett, ab 2016 die fälligen Zinsen zahlen.

Theoretisch kriegt der Kreis also irgendwann mal Geld zurück, doch anstatt die Theorie zu Grabe zu tragen und den Kredit als Lehrgeld abzuschreiben, fühlt man sich jetzt bemüßigt, immer neues Geld hineinzupumpen – im aktuellen Fall mit einem leicht anrüchigen Grundstücksgeschäft.

Daß es sich um einen Notverkauf handelt, kann man sich schon denken. Ähnliche Grundstücke hat man im Firmengeflecht des dortigen Flughafens schon mal für 45 Euro/m² zwischen Gesellschaften zur Bilanzverschönerung hin- und hergeschoben.

Warum es wirklich geht, faßt kleveblog prägnant wie folgt zusammen:

Was hat der Flughafen von dem Geschäft?

Schnelles, offenbar dringend benötigtes Geld. Durch den Erlös aus dem Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Vermögen könnte das Unternehmen seine Finanzlage kurzfristig verbessern.

Mehr muß man eigentlich nicht wissen. Und jetzt raten Sie mal, was die Politiker dort machen?

Sie haben das Geschäft abgesegnet und sind, statt die Weisheit ihres Handelns zu hinterfragen, offenbar fieberhaft auf der Suche nach dem Bösewicht, der kleveblog einige ebenso pikante wie (natürlich) streng vertrauliche Details gesteckt hat.

Natürlich sind die Ausgangslagen in Lübeck und Weeze nicht 1:1 vergleichbar. Interessant ist aber wirklich, daß es nebenbei auch immer um Grundstücksgeschäfte zu gehen scheint – da scheint Musik drinzustecken.