Brumm, brumm, dumm

Doris Böhmke (zum Zeitpunkt des LN-Interviews Betriebsrätin, derzeit Co-Geschäftsführerin des Flughafens):

[W]enn Blankensee zu einem Verkehrslandeplatz zurückgestuft wird, wird es lauter – durch die Sportflieger, die jeden Sonntag über den Gärten kreisen.

LN: Lauter als 20 Boeing-Flüge am Tag?

Böhmke: Definitiv. Sportflieger kreisen kontinuierlich auf der Stelle. Die Ryanair-Maschine ist zwei Minuten lang laut.

Die Vorhersage ist absonderlich und ins Reich der Fabel zu verweisen, auch wenn Herr Schalies von der FDP diesen Unfug inzwischen wiedergekäut hat. Zum ersten, weil in der Benutzungsordnung des Flughafens steht, daß das Überfliegen von Wohngebieten (also auch Gärten) bei den sog. Platzrunden, die Hobbyflieger zu Ausbildungszwecken zu absolvieren haben, zu vermeiden sei. Da achtet man doch wohl hoffentlich penibel drauf?

Zweitens sind die Sportflieger sicherlich auch störend, aber sie erzeugen nicht das plötzliche Geheule von großen Düsentriebwerken, auch nicht deren markerschütterndes Dröhnen. In der Regel ist der Lärmeindruck mit dem eines rasenmähenden Nachbarn vergleichbar, nicht mit dem eines mittleren Erdbebens wie bei einer Boeing 737-800.

Drittens ist die Nachfrage, ob das auch bei 20 Boeing-Flügen pro Tag gelte, irreführend (übrigens typisch für die hiesige Monopolpresse). Die Planfeststellungsunterlagen gehen jährlich von „28.000 Flugbewegungen im Passagierlinien- und Charterverkehr“ aus, also rund 77 Starts und Landungen pro Tag – jede Viertelstunde eine (zwischen 6 und 23 Uhr). Und laut „Fluggast- und Flugbewegungsprognose“ werden 9,5% aller Flugbewegungen Nachtflüge sein.

Kommt hinzu, daß die Einrichtung einer Ryanair-Basis auch bedeuten würde, daß die ersten Maschinen nicht wie heute ab 9 Uhr morgens hier landen (wenn viele Anwohner schon am Arbeitsplatz sind), sondern schon ab 5 Uhr von hier losdonnern würden. Ein Unterschied, der bis zu vier Stunden Schlaf ausmachen kann.

Das Argument von Frau Böhmke zieht auch aus einem ganz anderen Grund nicht: zwei oder drei brummende Maschinen gleichzeitig in Platzrunden sind seit Jahren keine Seltenheit, und nicht nur sonntags. Laut Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen gab es im Jahr 2007 (neuere Daten liegen nicht vor) in Lübeck 2.455 Flugbewegungen im gewerblichen Schulflugbetrieb.

Der suggerierte Schluß, der Ausbau des Flughafens würde zu einer Reduktion des Schulungsbetriebs führen, wird durch die Planfeststellungsunterlagen nicht gestützt. Dort geht man für 2020 von sogar 5.000 Schulflugbewegungen aus, sowohl im Plan- als auch im Null-Fall (d.h. ohne Ausbau). Es handelt sich hier also keineswegs um eine Entweder-Oder-Option. Laut Planfeststellungsunterlagen sollen die Anwohner künftig unter beiden Lärmarten leiden – Jetgeheule und Sportflugzeuggebrumme.