Rohrkrepierer

Manche Vorschläge zur erneuten „Rettung“ der Lübecker Landewiese sind derart absurd, daß man sie eigentlich nicht weiter kommentieren muß. Reine Zeitverschwendung. Aber da’s nun einmal in der Zeitung gestanden hat, sei’s drum. (Gähn. Demnächst wird’s vermutlich wieder interessanter.)

Es geht um den vom Flughafen zum Verkehrslandeplatz degradierten Flugplatz Kiel-Holtenau:

Ein Modell für Lübeck? Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) hat die Idee ins Spiel gebracht …

Lübecker Nachrichten, 4. Mai 2014, Druckausgabe, S. 11

Das wievielte Modell wäre das eigentlich nach Hahn, Weeze, Baden-Baden, Memmingen, Heringsdorf usw.?

Kurzer Blick in die Bilanzen des Kieler Landeplatzes. Jahresfehlbetrag 2012 rund 100.000 Euro trotz (!) Subventionen der Stadt Kiel, denn die bezahlt den ganzen Spaß.

Bei der Bilanzierung wurde von der Unternehmensfortführung ausgegangen, da auch zukünftig die erforderlichen Zuschüsse zur Erfüllung gemeinwirtschaftlicher Aufgaben zu erwarten sind.

Die im Bundesanzeiger veröffentlichte Bilanz 2012 ist auffallend einsilbig und enthält offenbar nur die zwingend nötigen Angaben:

Für Veröffentlichungszwecke wurde von größenabhängigen Offenlegungserleichterungen Gebrauch gemacht.

Ein Jahr zuvor sah das noch anders aus; folgende Zitate stammen daher aus der Bilanz 2011:

Die Finanzierung der Gesellschaft erfolgte wie im Vorjahr zum großen Teil durch öffentliche Mittel, die der Kieler Flughafengesellschaft mbH im Rahmen eines Betrauungsakts zuflossen, und Drittmitteln (Zuschüsse des Landes). …

Gemäß Beschluss der Ratsversammlung der Landeshauptstadt Kiel vom 09.12.2010 soll der Kieler Flughafen zu einem vitalen Gewerbepark mit Landebahn weiterentwickelt werden, wobei der Zuschussbedarf der Flughafengesellschaft nachhaltig reduziert werden soll. Um diese Ziele zu erreichen, hat die Landeshauptstadt Kiel in 2011 zusätzlich zu ihren eigenen Anteilen auch die 55%ige Beteiligung des Landes Schleswig-Holstein übernommen und die gesamten Gesellschaftsanteile dann mit Wirkung zum 1.1.2012 an die SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG veräußert …

Des Weiteren wurde im Zusammenhang mit der Übertragung der Gesellschaftsanteile die Kapitalrücklage der Gesellschaft durch eine Einzahlung durch die Landeshauptstadt Kiel in Höhe von 1 Mio. gestärkt, um für erste Investitionen zur Airparkentwicklung und notwendige Instandsetzungen handlungsfähig zu sein.

Wenn Herr Minister Meyer so etwas als Modell für Lübeck vorschlägt, sagt er damit doch in Wirklichkeit nichts anderes als „kümmert Euch selbst drum, von uns gibt’s nix mehr.“ Und einen „Gewerbepark mit Landebahn“ versucht man hier schon seit über 15 Jahren einzurichten („Airport Business Park“), Herr Minister Meyer. Ohne jegliches Resultat.

Bevor Blankensee mangels eines Investors schließt, könnte man den Flughafen in abgespeckter Form erhalten, drumherum zum Beispiel Firmen ansiedeln, die ihn zum Beispiel für Geschäftsflieger nutzen.

Lübecker Nachrichten, 4. Mai 2014, Druckausgabe, S. 11

Die öffentliche Ausrede der letzten Jahre, um die totale Erfolglosigkeit dieser Pläne zu vernebeln, war die mangelnde Rechtssicherheit in Sachen Flughafenausbau. Der aber betraf weder das Gewerbegebiet noch Geschäftsflieger, sondern wurde einzig und allein für Ryanair inszeniert.

Schon lange vor (!) dem ersten Planfeststellungsverfahren zum Ausbau hieß es triumphierend:

Wir werden in den ersten Wochen des kommenden Jahres konkret die ersten Investoren für den Airport Business Park am Flughafen Lübeck präsentieren können.

Wirtschaftsförderung Lübeck GmbH, Jahresbericht 1999

War nur nichts. Der erste „Investor“ war die 3 Y Logistic im Jahr 2013 mit einer geplanten Glasfaserfabrik – mit bekanntem Ausgang.

Nee, so nicht. Nicht mehr. Ihr habt lange genug daran herumgebastelt. Ohne greifbaren Erfolg. Noch mal etliche Jahre auf Kosten der Stadt (und/oder des Landes) überwintern, diesmal in Form eines Verkehrslandeplatzes, bis angeblich bessere Zeiten anbrechen? Muß nicht sein.

Plan B?

Im übrigen müßte die Stadt, wenn sie solche Pläne verfolgen wollte, erstmal die Landewiese wieder in eigenen Besitz bekommen. Alleine das könnte teuer werden– sie müßte sie vermutlich aus der Insolvenzmasse kaufen.

Der Verwaltungschef sagt, dass es sich beim Airport um eine private Firma handele. Und die sei nicht Sache der Stadt.

LN-Lokalchef Helge v. Schwartz fordert in seinem Kommentar

einen Plan B für den Fall, dass der Verwalter keinen neuen Investor findet. Dann kommen jede Menge Fragen auf die Stadt zu: Soll der Airport ganz geschlossen oder als Landeplatz weiterbetrieben werden?

Lübecker Nachrichten, 4. Mai 2014, Druckausgabe, S. 2

Da hätte die Zeitung ja mal die Leser fragen können. Oh Moment… das hat sie. In in einer nicht-repräsentativen Online-Abstimmung votierten 70% der 3.884 Teilnehmer für folgende Option:

Die Firma sollte abgewickelt und das Gelände anderweitig genutzt werden. Lübeck braucht keinen Flughafen und kann ihn sich auch nicht leisten.

Kleiner Hinweis: im Produkthaushaltsplan der Hansestadt Lübeck 2014 kann man auf S. 370 nachlesen, was der Stadt derzeit tatsächlich noch in Form des Betriebs gewerblicher Art (BgA) Flughafen konkret gehört, ganz unabhängig vom Ausgang des Insolvenzverfahrens: 281 Hektar Betriebsfläche sowie technische Anlagen mit einem Restwert von derzeit 14 Mio. Euro.

Einen Teil davon könnte man an die Luftfahrtvereine zu einem symbolischen Preis verpachten, die dann in Eigenregie einen bescheidenen (nicht mehr erweiterbaren!) Sonderlandeplatz betreiben und per Eigenarbeit finanzieren; den Rest anderweitig verwerten, nicht zuletzt für Zwecke des Naturschutzes. Zu erwarten wäre hoffentlich auch eine finanzielle Beteiligung der Stiftung Grönauer Heide. Selbst das Wegknacken der Start- und Landebahn, zumindest von Teilen davon, brächte vielleicht noch Einnahmen aus dem Recycling des Asphalt-Belags, ebenso der Verkauf des abzubauenden Instrumenten-Landesystems.

Utopisch? Kaum weniger als das Modell Kiel-Holtenau (oder irgend eines der vorher angeführten).