Life’s little ironies

Das Leben kann so herrlich verrückt sein, vor allem, wenn man sich mit einem Pleiteflughafen in der Provinz befaßt. Wer hätte gedacht, daß eine eigentlich triviale Beobachtung aus dem Januar 2014 sich nur wenige Monate später als Vorzeichen einer massiven Fehlentwicklung hinter den Kulissen darstellen würde?

Seit mehr als einer Woche ist der Parkplatz P3 des Lübeck Airport International, auch bekannt als hiesige Landewiese, gesperrt. P3 ist der relativ billige Langzeitparkplatz in ein paar hundert Metern Entfernung. Das Schild an der Einfahrt besagt, der Parkplatz sei „Besetzt“, was kaum falscher sein könnte – er ist praktisch leer. Weil er gesperrt ist. Was steckt dahinter?

Ein Leser hatte dann des Rätsels Lösung: es sollte wohl Strom gespart werden. Meine Antwort:

[N]achdem der „Investor“ monatelang so getan hat, als sei Geld das geringste Problem, muß auf einmal gespart werden? Interessant. Woran wird als nächstes gespart? … Natürlich hätte ich noch weitere Spartips, wie z.B. die Einstellung des Flugbetriebs – der lohnt sich doch nicht! Mal sehen, kommt vielleicht noch.

Und keine vier Monate später lese ich:

Der Flughafen Lübeck steht vor der Pleite und schon bald könnten die Lichter ausgehen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn schon seit Monaten hat das Unternehmen die Stromrechnung nicht bezahlt. Jetzt droht die Stromsperrung, wie bei jedem anderen säumigen Kunden auch. Doch das wäre nicht nur das Aus für den Flugbetrieb, das ganze Insolvenzverfahren des Pleiteflughafens wäre geplatzt.

SAT.1 Regional Nord, 6. Mai 2014

Na gut, das ist wohl eher Sensationalismus, und in dem Fernsehbeitrag selbst klingt alles auch schon wieder harmloser. Leider – denn überlegen Sie mal, was die Stadtwerke Lübeck mit Ihnen machen würden, wenn Sie dort (wie die Landewiese) Zahlungsrückstände von 80.000 Euro hätten. Oder auch nur 800. Oder 80. Gleiches Recht für alle? Dreimal kurz gelacht.

Was geschah im Dezember?

Derweil versuchte sich der Herr Bürgermeister auf der Sitzung des Hauptausschusses der Bürgerschaft an der Aufarbeitung eines Fragenkatalogs der CDU, der nicht weniger als 65 Punkte umfaßte. Viel kam dabei nicht heraus. Bei allem Respekt vor der (durchaus gesunden) Neugierde der CDU: etliche dieser Fragen hätte man auch vor der Flughafenverschenkung stellen können oder müssen, anstatt die Beschlußvorlage in blindem Vertrauen einem SPD-Bürgermeister gegenüber abzusegnen. Da mögen CDU-Mitglieder die Arbeit ihrer Bürgerschaftsfraktion vielleicht mal kritisch hinterfragen.

Interessant ist die Information der CDU, für die sie leider keine Quelle angibt, die Flughafenbetreibergesellschaft Yasmina habe noch Ende 2013  Grundstücke in der Umgebung des Flughafens von der Stadt gekauft. Der Herr Bürgermeister weiß von nichts:

Hier ist nicht bekannt, um welche Grundstücke es sich handeln soll.

Die zeitliche Nähe ist pikant. Bis Ende 2013 hätte die Yasmina ein Rücktrittsrecht von der Verschenkung gehabt. Genau aus diesem Grund will der Herr Bürgermeister das heikle Thema Pachtrückstände nicht angesprochen haben:

Prof. Amar erklärte in dem Gespräch Ende 2013, dass er nicht beabsichtigte, das Rücktrittsrecht auszuüben. … Zusätzlicher Druck der Hansestadt Lübeck auf die Yasmina hätte unter Umständen dazu geführt, dass die Yasmina Ende 2013 die Rücktrittsoption ausübt.

War es so, oder hat vielleicht der Herr Bürgermeister Prof. Amar – sagen wir mal – etwas eindrücklicher darum gebeten, doch bitte bitte nicht vom Verschenkungsvertrag zurückzutreten? Könnten die Grundstücksverkäufe, so es sie denn wirklich gegeben hat (wenn ja, zu welchem Preis?), damit in Zusammenhang stehen?

Was geschah im März?

Aber nicht mal am 11. März 2014 hat der Herr Bürgermeister bei seinem letzten Gespräch mit Amar die ausstehenden Zahlungen angesprochen, denn da ging es ja um die fantastische Glasfaserfabrik, die im Süden der Landewiese entstehen sollte. War ja schon peinlich genug, Amar mitteilen zu müssen, daß die Stadt mit dem Maßschneidern des Bebauungsplans für das Vorhaben in Verzug geraten war.

Daß Amars Firma 3Y damals nicht in der Lage war, einen Vorschuß auf die Baugenehmigungsgebühr für das Glasfaserwerk in Höhe von ca. 45.000 Euro zu leisten, erfuhr der Herr Bausenator dummerweise erst zehn Tage später, und der Herr Bürgermeister erst mit drei weiteren Tagen Verzögerung. Einmal mit Profis arbeiten…

Es besteht weiterhin Aufklärungsbedarf in dieser Affäre, die sich vor allem auf Seiten der Stadt langsam zur Schmierenkomödie entwickelt. Wenn sie es nicht längst schon ist.