Zum Bruchpiloten

Es war vorhersehbar. Wieder werden bei der Stadt Zahlungen für die marode Landewiese angemahnt, diesmal mit einer der hinrissigsten Begründungen überhaupt.

Die Lübecker Nachrichten berichten von einem Treffen der Sportflieger, natürlich im Lokal „Zum Bruchpiloten“.

„Möglicherweise werden sich die Mitglieder der Bürgerschaft doch dazu entscheiden, dass die Stadt in den Flughafenbetrieb investiert“, merkt ein Teilnehmer an, der namentlich nicht genannt werden will. „Das wird auf jeden Fall günstiger, als die etwaige Rückzahlung von Fördermitteln“, fügt der Privatpilot hinzu.

Lübecker Nachrichten, Lokalausgabe HL, 16. Mai 2014, S. 12

Wie oft haben wir diesen Quatsch schon gehört? Es mag derzeit eine Einzelmeinung sein, aber das selbe „Argument“ wurde schon von den Initiatoren des Bürgerentscheids benutzt, und der Herr Bürgermeister fabrizierte damals fast wöchentlich neue Horror-Rechnungen, wie teuer die (eigentlich schon fast beschlossene) Abwicklung der Landewiese kommen würde. Alles ganz schrecklich, ganz teuer. Wir werden alle sterben, sollte der Flughafen abgewickelt werden.

bruchpilot

Absurd

Die Fanboys und -girls in CDU, FDP und BfL versahen ihr Bürgerbegehren mit einem schon damals als völlig absurd erkennbarem Finanzierungsvorschlag: Weiterbetrieb der Landewiese über zweieinhalb Jahre für nur 4 Millionen Euro. Zum Vergleich: die Personalkosten der Flughafen Lübeck GmbH alleine lagen im Jahr 2011 bei 3,3 Millionen Euro – das entsprach 118% des Umsatzes (!), so die letzte verfügbare Bilanz. Scheinbar hat das seinerzeit niemanden in der Verwaltung oder der Politik interessiert.

Was aus dem Bürgerentscheid wurde, ist halbwegs bekannt. Für die zweieinhalb Jahre Weiterbetrieb ohne wesentliche Änderungen durfte die Stadt am Ende Verluste in Höhe von 15 Mio. Euro übernehmen, um dann einen neuen „Investor“ anzulocken (mit dem bekannten desaströsen Ergebnis), dem man zuvor aber nochmal über fünf Millionen Euro zusätzlich versprechen mußte – die immerhin noch nicht gezahlt wurden.

Riesenchance

Weiterwursteln wird, und ich kenne kein Gegenbeispiel aus der Vergangenheit, auf jeden Fall teurer. Günstiger kommt die Hansestadt Lübeck aus dem völlig irregeleitetem Flughafenprojekt nie wieder raus als durch das wahrscheinlich bevorstehende Insolvenzverfahren gegen die private Betreibergesellschaft. Selbst, wenn das Land die 4,7 Mio. Euro an Fördergeldern zurückfordert (was keineswegs feststeht): die könnte man die locker aus den für den „Investor“ reservierten 5,5 Millionen Euro zahlen. Selbst ein Totalausfall der Forderungen an die Flughafenbetreiberin Yasmina wären da mit drin.

Man würde das eigentliche Flughafen-Betriebsgrundstück behalten, ebenso die vieldiskutierten Grundstücke in der Umgebung des Flughafens, die man für einen symbolischen Euro an den „Investor“ verschenkt hatte. Jedenfalls ist die Verwaltung dem Vernehmen nach der Ansicht, man habe für diese Flächen ein insolvenzsicheres Rückkaufrecht – ebenfalls für einen Euro.

Sportförderung?

Aber sollte man den Sportfliegern nicht doch städtische Zuschüsse gewähren (selbst wenn wir großzügig darüber hinweggehen, daß zu diesem lockeren Zusammenschluß auch gewerbliche Flugschulen zählen)? Ein Betrieb der Landewiese als Verkehrslandeplatz würde möglicherweise 500.000 Euro pro Jahr kosten, in Kiel steckt die Stadt jährlich wohl eine runde Million in den Flugplatz Holtenau.

Um die Zahlen mal zurechtzurücken: im Jahr 2011 (Statistisches Jahrbuch 2012; neuere Daten sind nicht erhältlich), erhielten sämtliche städtischen Sportvereine Zuwendungen von der Stadt in Höhe von etwas über 500.000 Euro. Und in der Stadt gab es seinerzeit 145 Sportvereine mit 41.000 Mitgliedern. Zum Vergleich: am Flughafen sind zwei Vereine mit insgesamt 250 Mitgliedern ansässig.

Anders die Variante Sonderlandeplatz, der sich möglicherweise durch Eigenarbeit der Vereine betrieben ließe. Da könnte sich die Stadt sicherlich auch der bei der Pacht entgegenkommend zeigen, denn die volle heutige Fläche bräuchten die Sportflieger garantiert nicht. Im Prinzip reicht sogar eine Graslandebahn. (Beispiele für Sonderlandeplätze in Schleswig-Holstein: Grube 500 * 30 Meter, Sierksdorf-Hof/Altona: 500 * 30 Meter, beide Gras.)

Ach so, und in beiden Varianten würden die vorhandenen Funknavigationseinrichtungen, zum Beispiel das vom Land geförderte ILS Cat. II, nicht benötigt, ebensowenig der Tower – eine Rückzahlung der Fördermittel droht, wenn überhaupt, also auch in diesen Fällen.

Man kann das ILS ja ohne weiteres stehen lassen, und vielleicht kriegt das Land gar nicht klug, daß es nicht mehr benötigt wird (es sei denn, jemand petzt.) Aber blöderweise kostet schon der Betrieb jede Menge Geld – Energie, Wartung, halbjährliche Kalibrationsflüge. Da käme ein Abbau und Verkauf auf Dauer womöglich günstiger.

Kein Wunschdenken mehr

Man wird sich von den Sportfliegern in Zukunft etwas realistischere Konzepte wünschen dürfen als den Ruf nach städtischen Subventionen, auch wenn es sich hier nur um eine individuelle Meinungsäußerung in einer Kneipe gehandelt hat und nicht um eine offizielle Stellungnahme.

2 Replies to “Zum Bruchpiloten”

    1. Ich selbst hätte es ja gar nicht erwähnt (wenn ich es mitbekommen hätte), aber den LN war es einen Artikel wert. Und Lokalpolitiker kommen spätestens dann auf dumme Gedanken.

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