Halbjahresbilanz Januar-Juni 2014

Es ist eigentlich nicht mehr so wichtig, aber da die Passagierzahlen der Lübecker Landewiese für die ersten sechs Monate 2014 inzwischen vorliegen, hier eine kurze Halbjahresbilanz.

Die folgenden Zahlen beziehen sich auf alle Passagiere im gewerblichen Luftverkehr, nicht nur auf die von Ryanair und WizzAir. (Das Analysieren einzelner Fluglinien habe ich mir in diesem Jahr vorerst gespart; es sind ja kaum noch welche übrig.)

Im Vergleich zum Zeitraum Januar-Juni 2013 stiegen die Passagierzahlen an den von Destatis untersuchten „Hauptverkehrsflughäfen“ im Zeitraum Januar-Juni 2014 um 1,9%. In Lübeck sank sie um 33,6% – einsamer Rekord in der 27 Flughäfen umfassenden Statistik.

Auffällig: unter den fünf größten Verlierern sind die drei deutschen Flughäfen, die am stärksten von Ryanair abhängig sind bzw. waren. Neben Lübeck sind das „Frankfurt“-Hahn (-7,7%) und „Düsseldorf“-Weeze (-25,9%). Das ist vermutlich kein Zufall.

Flughafen

Veränderung

Lübeck

-33,6%

Weeze/Niederrhein

-25,9%

Karlsruhe/Baden-Baden

-10,7%

Nürnberg

-10,6%

Frankfurt-Hahn

-7,7%

Memmingen

-7,5%

Dortmund

0,5%

Münster/Osnabrück

2,3%

Bremen

3,1%

Köln/Bonn

3,7%

Leipzig/Halle

4,4%

Berlin-Schönefeld

7,1%

Veränderungen der Passagierzahlen an deutschen, von Ryanair bedienten Flughäfen im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

Da WizzAir in etwa die selben Verbindungen anbietet wie im Vorjahreszeitraum, kann man den Rückgang der Passagierzahlen in Lübeck weitgehend Ryanair zurechnen. Er fand außerdem noch vor dem Komplett-Rückzug von Ryanair zum 1. August 2014 statt. Gut möglich, daß am Ende des Jahres ein Rückgang der Passagierzahlen um bis zu 50% gegenüber 2013 zu verzeichnen sein wird.

Danke!

Vergangenen Geschäftsführern wurde oft vorgeworfen, sie hätten es versäumt, neue Fluggesellschaften anzuwerben (was ich persönlich ihnen allerdings nicht übelnehme). Das muß aber nicht an den Geschäftsführern liegen, sondern daran, daß sie einen Flughafen wie Sauerbier anboten, den niemand wirklich in großem Maßstab braucht. Der Fehler ist systemimmanent.

Nur mal aus der Perspektive eines Geschäftsführers gedacht: wie viele neue Fluglinien bräuchte es denn, um alleine den 33,6%-Verlust im ersten Halbjahr 2014 auszugleichen?

Gar nicht zu reden von dem Absturz von 678.000 Passagieren im Rekordjahr 2006 (fast alle von Ryanair befördert) auf 367.000 im Jahr 2013, und auf vermutlich unter 200.000 im Jahr 2014. Durch wen und was wollte man das je kompensieren?

Und vor allem: würden die mehr Landegebühren zahlen bezahlen als Ryanair? Wenn ja, warum? Wo ist der Mehrwert z.B. gegenüber Hamburg?

Ein paar Charterflieger, ein bißchen mehr WizzAir bringt’s nicht – wobei man sich bei letzteren natürlich in die nächste gefährliche Abhängigkeit begeben und den mit Ryanair gemachten Fehler wiederholen würde.

Die Scheinblüte der Lübecker Landewiese war Resultat einer Billigflieger-Blase, die immerhin bewiesen hat, daß sich derartige Landewiesen vorne und hinten nicht rechnen. Jedenfalls nicht ohne Subventionen, die letztlich nur den Billigfliegern zugute kamen – und politisch den Provinzfürsten, die dann mit Passagierzahlen und Phantomarbeitsplätzen protzen konnten.

Und trotzdem: sollte Ryanair irgendwann nach Lübeck zurückkehren, was nicht ausgeschlossen ist, wird in Kreisen unbelehrbarer Fanpeople der Jubel wieder groß sein. Seht ihr, werden sie sagen, Ryanair liebt uns immer noch. Soo wichtig ist Lübeck! Was für ein Vertrauensbeweis!

Es wäre ja egal, wenn der Flughafen wirklich reine Privatsache wäre; wie schon öfter dargelegt, ist er es aber nicht. Und selbst wenn: es steht zu befürchten, daß die Stadt auf welche Art und Weise auch immer weitere Subventionen in dieses komplett idiotische Projekt pumpt.