LBC-Sitcom, neue Staffel: Segelflieger weg, Steppe wieder da, hurra!

Nach einer ausgedehnten Herbstpause wird die Seifenoper um die chinesisch-christdemokratisch-lauenburgische Landewiese in Lübeck endlich fortgesetzt. Leidtragende sind zunächst die Segelflieger, die nach über sechzigjähriger Vereinsgeschichte am Flugplatz kurzerhand hinausgeworfen werden. Dafür sonnte sich auf einer Pressekonferenz ein alter Bekannter im Licht der Scheinwerfer – viele bezeichnen ihn als Chefarchitekten der vergangenen Erfolge des Flughafens. (Haben Sie Ihren Ironiedetektor schon justiert?) Außerdem wie immer: neue Flugverbindungen, und ganz neu: Millionen chinesischer Touristen!

Die nach Ablaufen ihres Pachtvertrags im Sommer bereits für rund zwei Monate ausgesperrten Segelflieger, die dann doch vorläufig bis zum 31. Dezember 2014 auf das Gelände zurückkehren durften, erhalten keinen neuen Pachtvertrag.

Der Aero Club [von] Lübeck passt nicht in die Planungen. Er muss sein Gelände zum 31. Dezember räumen. „Dieses wurde den Vertretern des Aero Clubs in einem persönlichen Gespräch bereits mitgeteilt“, so [Flughafen-Geschäftsführer] Matthießen. Die Fläche werde benötigt. Für welche Zwecke möchte er noch nicht sagen.

HL-Live, 7. November 2014

Das muß er natürlich auch nicht. Aber wenn man nichts zu sagen hat, wozu dann eine Pressekonferenz? Klar, für die üblichen Seifenblasen, die auch schon die Vorgänger Herrn Matthießens wie eine Armee von Pustefix-Teddys in den Himmel über Lübeck geblasen haben. Was man da an neuen Flugverbindungen als Erfolg zu verkaufen versucht, klingt bei näherer Betrachtung eher bescheiden:

Im März, April, Mai und Oktober bieten mehrere Reiseveranstalter Pauschalreisen von Lübeck nach Spanien, Italien und Kroatien an.

HL-Live, 7. November 2014

Boah, ey! Oder in den Worten des Geschäftsführers:

Das sind Reiseveranstalter, hier aus der Lübecker Region, aber auch überregionale, die Pauschalreisen anbieten, wo teilweise eben die Gesellschaft, die das durchführt, noch nicht feststeht, ähm, ja, wo der Kunde ein, ein, ein, nach Sizilien beispielsweise fliegt, äh, Pauschalprogramme hat.

NDR, Schleswig-Holstein-Magazin, 7. November 2014

Ach so! Und natürlich kommt auch der Dauerwitz zum Einsatz, der in jeder Episode dieser absurden Komödie nicht fehlen darf:

„Gespräche mit weiteren Airlines und Chartergesellschaften laufen“, so der Geschäftsführer.

HL-Live, 7. November 2014

Ja, wo laufen Sie denn?

Insbesondere die touristische Entwicklung soll mit Partnern aus der Region vorangebracht werden, der, ich nenn‘ ihn jetzt mal „China-Faktor“ wird dabei eine wesentliche Rolle spielen. „China-Faktor“, was heißt das, was meine ich damit? Pro Jahr sind in Europa 3,7 Millionen chinesische Touristen mit einer Steigerungsrate zwischen 17 und 25 Prozent pro Jahr. Und wenn es uns gelingt, durch Programme mit der Region, das können wir gar nicht alleine, das können wir nur mit der Hansestadt Lübeck, mit dem Kreis Herzogtum Lauenburg, mit der Ostseeregion Ostholstein zusammen machen.

HL-Live, 7. November 2014 (Video)

Der Satz mag unvollständig sein und in der Luft hängen wie die Zukunft der Landewiese insgesamt, aber die vorsorgliche Forderung nach neuerlichen Subventionen aus der Region ist trotzdem sehr schön herübergekommen.

Mit speziellen Programmen und in Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern, Hotels und Kommunen sollen spezielle Angebote ausgearbeitet werden, um die chinesischen Touristen für ein bis zwei Tage in die Region zu locken. Details stehen noch nicht fest.

Lübecker Nachrichten, 7. November 2014 (Hervorhebung P.K.)

Klar, Gespräche laufen, wir wissen schon. Im übrigen, so Herr Matthießen, habe der Flughafenbetreiber

formal den Beitritt zum zum Verfahren um den Planfeststellungsbeschluß erklärt, denn die Wirksamkeit des Planfeststellungsbeschlusses sichert den Bestand sowie die Entwicklung des zweiten Flughafens in der Metropolregion Hamburg, wovon ich ganz persönlich nach wie vor überzeugt bin, daß diese dritte Start- und Landebahn in der Metropolregion auch gebraucht wird.

HL-Live, 7. November 2014 (Video; Hervorhebung P.K.)

Der Bestand des Flughafens hängt von einem Planfeststellungsverfahren ab? Ja, gab es denn bisher noch kein gültiges? Oh hoppla, das gab‘s wirklich nicht. Kein Wunder, daß so krampfhaft an dem ansonsten völlig überflüssigen Verfahren festgehalten wird, soll es doch die de-jure-Schwarzbauten legalisieren.

Was soll der Unsinn ansonsten auch? Der Planfeststellungsantrag spricht von einem angeblich nachgewiesenen (!) Bedarf (!) von über 3 Millionen Passagieren pro Jahr. Da lachen heute nicht mal mehr die Hühner. (Es sei denn, man wolle alle 3,7 Mio. chinesische Europa-Touristen in Zukunft ausschließlich über Blankensee schleusen.)

Selbst nach Planfeststellungsantrag kommt man spielend ohne jeglichen Ausbau, also im sogenannten Nullfall, sogar auf bis zu 1,8 Mio. Passagieren.

Der Herr Bürgermeister krebste in seinen psychedelisch-phantasmagorischen Take-Off-Konzepten zuletzt bei einer Million herum, und einem der Vorgänger Herrn Matthießens wären angeblich schon 500,000 genug gewesen, um eine schwarze Null vorweisen zu können. Selbst unter denen, die sich berufsmäßig in den Medien als „Luftfahrtexperten“ herumtreiben, habe ich bisher keinen gefunden, der das geglaubt hätte.

Übrigens geht der Planfeststellungsbeschluß ausdrücklich davon aus, daß es in Lübeck keinen Bedarf für Frachtflugverkehr gäbe. Und was erwähnte Herr Matthießen auf der Pressekonferenz ausdrücklich? Cargo.

Wie Kaugummi

Was der Herr zu seiner Rechten zu sagen hatte, ist auf den mir zur Verfügung stehenden Videos nicht überliefert. Schade, denn mit Dr. Peter Steppe ist niemand geringerer als der beliebteste Flughafengeschäftsführer aller Zeiten an die Lübecker Landewiese zurückgekehrt. Und zweifellos der erfolgreichste, jedenfalls was das Anhäufen von Verlusten angeht. Aber keine Angst, für die Geschäfte ist er nicht zuständig; er fungiert jetzt als „Leiter Operations Airport“. Was immer das sein mag.

Mehr zu den „Beratern“ rund um die Landewiese in einem früheren Beitrag:

In der Tat, ist es nicht merkwürdig, daß – von dem verschwundenen Herrn Amar mal abgesehen – fast alle Akteure immer noch die selben sind wie zuvor? Und vermutlich zog auch lange, seit 2012, der ehemalige Flughafengeschäftsführer Dr. Peter Steppe an den Strippen… eben jener Dr. Steppe, der die hochgradig schwachsinnigen Ausbaupläne vor über zehn (fast zwanzig?) Jahren als damaliger Geschäftsführer der Landewiese überhaupt erst ausgebrütet hat.

Was macht eigentlich der Herr Weegen, angeblich immer noch Berater der Landewiese?

Tatsache ist, daß Herr Weegen „Berater“ des [ex-Investors] Herrn Amar war, während der Zeit aber in der Hamburger Firma des Herrn Dr. Steppe angestellt war (wobei Weegen gleichzeitig aber ein Büro am Flughafen Lübeck hatte).

Und Dr. Steppe trieb sich ja sowieso auch schon länger hier herum:

Die scheidenden Flughafen-Geschäftsführer Doris Böhmke und Michael Lange hatten ihn als technischen Berater eingekauft.

Lübecker Nachrichten (online), 13. April 2011

Eigentlich nur noch peinlich: ob nun gerade die Stadt, ein arabischer Investor oder ein chinesischer am Werk ist, gewisse Personen gehören offenbar zu einer klebrigen Berater-Kaugummi-Blase rund um die Landewiese – und unter Mitwirkung dieser Berater wurde sie gegen die Wand gefahren; nicht einmal, sondern mehrmals. Die Verluste trug im wesentlichen der Steuerzahler. Beim nächsten Mal wird‘s auch nicht anders sein.

2 Antworten auf „LBC-Sitcom, neue Staffel: Segelflieger weg, Steppe wieder da, hurra!“

  1. LOL, Nr. 13 süß-sauer mit Steppe-Topping … ich wusste gar nicht, dass auch die Chinesen viel altes Zeugs aufwärmen. Machen wir uns also darauf gefasst, dass die Posse auf unbestimmte Zeit weiter laufen wird.

    Für den Platz fällt mir langsam nur noch eine einzige sinnvolle Verwendung ein, als Ausbildungscamp für chinesische Verkehrspiloten. Ein paar Kasernen auf das Gelände der jetzigen Segelflieger, Linienverkehr stört dann sowieso nur noch, dann 300 Luftfahrtkadetten reinstopfen, den ganzen Tag Platzrunden auf dem ILS drehen lassen und nach China zurück verschiffen. Ob es dann auch noch eine PuRen Airline gibt, oder auch nicht, wäre dann völlig egal, weil Pilotenhandel viel Geld in China bringt.

    Die Lübecker freuen sich dann ganz besonders – permanente Ausbildungsrunden über dem Kopf, die Steuergelder gehen nach Lauenburg und Gewinne nach China.

    Eine andere Alternative drängt sich aber auch auf. Vielleicht steckt Herr Klanowski hinter dem chinesischen Investor und er hat ihn in einer chinesischen Wäscherei als Strohmann angeheuert, um diesen Blog nachhaltig mit Themen zu versorgen? Verschwörungstheoretiker vor!

  2. Nun reiten sie also auch offiziell wieder, die apokalyptischen Subventionsreiter. Nachdem das Abgreifen öffentlicher Subventionen bei photokulissengeilen Provinzhirnen durch die EU in absehbarer Zeit endgültig geächtet sein wird, hüpft die ganze Spatzenbande zum nächsten Futtertrog – diesmal chinesisch süß-sauer und in der Hoffnung, dass der Topf fett sein wird.

    Wieso greift der Herr Chen eigentlich wieder auf diese Truppe zurück, weiss er nicht mit was für einem Karussell Steppe-Weegen-Amar-Saxe-werauchimmernoch er sich da in ein Bett legt?
    Wieso wurden Kontaktanfragen von jobsuchenden international renommierten Aviationexperten nicht einmal eingangsbestätigt?
    Wieso wurde die den Platz sondierenden Aviationkonzernvertreter nur privat gesichtet und haben keinen Kontakt mit dem Flughafen aufgenommen, gar in ihre Berichte nach Hause von politischen Unwägbarkeiten geschrieben – nicht für einen afrikanischen Buschplatz in einem diktatorischen Land, sondern für den privatisierten LBC?
    Wieso finden sich zu dem Pressegestammel über chinesische Aktivitäten keine Berichte in den einschlägigen Medien – obwohl mittlerweile eine nicht kleine Gruppe von Chinesen die chinesischen Medien im Blick behalten?

    Was auch immer da für eine Pekingoper stattfindet, hoffen wir Herr Chen weiß nichts davon und schlägt dazwischen wenn er dessen gewahr wird.

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