Hanselstädtische™ Gewerbegebietstombola eröffnet

Hereinspaziert, hereinspaziert, die große Gewerbegebiets-Lotterie der Hanselstadt™ Lübeck geht in eine neue Saison. Diesmal mit leckeren Flughafengrundstücken! Jedes Los ein Gewinn!

Fragt sich nur, für wen.

Einem [sic] Antrag der CDU Fraktion [sic], der den Bürgermeister auffordert, Bebaungspläne [sic] für verschiedene relevante Gewerbebiete [sic] aufzustellen, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Bei den Gebieten handelt es sich um den Verkehrsübungsplatz, den Flughafen Nord, Genin Süd und E.ON.

HL-Live, 26. Februar 2015

Vergleichen wir diesen Text mal mit dem Antrag der CDU:

Der Bürgermeister wird beauftragt, der Bürgerschaft Bebauungspläne für die Gebiete
* Verkehrsübungsplatz (G3)
* Flughafen Nord (G4) / West (G5)
* Genin Süd (G7)
* E.ON (G19)
vorzulegen, die die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die notwendige Erschließung weiterer Gewerbegebiete schaffen.

Die beiden letztgenannten Gebiete vergessen wir ganz schnell, sie haben hier nichts zu suchen. Die anderen, G3 bis G5, liegen jedoch alle in unmittelbarer Nähe der Landewiese. Und sie gehören ihr teilweise, denn es handelt sich um Grundstücke außerhalb des Flughafenbetriebsgeländes, die seinerzeit dem „Investor“ Amar geschenkt wurden – ich nenne sie im folgenden mal externe Grundstücke.

Im Rahmen der Flughafen-Insolvenz gingen sie auf den neuen „Investor“ (PuRen) über, der für das Gesamtpaket angeblich so etwa eine Million Euro gezahlt haben soll, wovon vermutlich den größten Teil der Insolvenzverwalter als Honorar eingestrichen hat, aber so läuft das eben.

Nun ja, die teilweise maroden Hallen, die vermutlich ebenfalls sanierungsbedürftigen Bierzelte, das auch schon gealterte Abfertigungsgebäude – das alles wird nicht so viel Geld wert gewesen sein. Das Betriebsgrundstück sowie technische Anlagen gehören nach wie vor der Hanselstadt™. Waren es vielleicht die externen Grundstücke, die noch etwas wert waren?

Keine Ahnung. Bisher sind sie Freiflächen. Doch ihr Wert dürfte durch die Ausweisung als Gewerbegebiet steigen. Überraschenderweise findet sich im Antrag der CDU auch der Verkehrsübungsplatz an der Blankenseer Straße, der eigentlich im Konzept „Zukunftorientierte Stadtentwicklung: Lübeck 2030“ negativ bewertet wurde:

Die Fläche weist aufgrund ihrer siedlungsstrukturellen Lage und naturschutzrechtlichen Restriktionen jedoch eine geringere Entwicklungspriorität als Flächen 4 und 5 auf. Ein Entwicklungsbedarf ist daher unwahrscheinlich. Empfehlung: Eine gewerbliche Entwicklung ist abzulehnen. Die Fläche ist als Freiraum zu entwickeln.

Jetzt wohl doch nicht. Und, so ein Zufall, genau dort gehören dem Flughafenbetreiber nochmal 2,7 Hektar als externe Grundstücksfläche, die ich im Vorgängerartikel noch gar nicht berücksichtigt hatte.

Ein SPD-Funktionär soll die Causa heruntergespielt haben mit dem Hinweis darauf, daß die externen Flächen des Flughafenbetreibers ja nicht die ganzen Gewerbegebiete darstellen, sondern nur kleinere Teile davon. Na und? Darauf kommt es nicht an, sondern auf 1.) die Fläche und 2.) den Preis pro Quadratmeter.

Die PuRen-Grundstücke umfassen rund 13,4 ha in G4 und 4 ha in G5. Legt man dafür den Preis zugrunde, den das städtische Beteiligungs-U-Boot KWL 2012 für die Flächen im Süden verlangt hat (61€/m²), wären die Geschenke an PuRen rund 10 Mio. Euro wert. Inklusive der 2,7 ha neben dem Verkehrsübungsplatz wären das sogar 20,1 ha – oder knapp 12,3 Mio. Euro. Gekauft von PuRen für vielleicht eine Million Euro.

gewerbeGewerbeflächen 3 (hier mit V markiert), 4 und 5. Violett: Grundstücke im Eigentum der PuRen Germany GmbH. Orange schraffiert: Flughafengelände, im Besitz des Betriebs gewerblicher Art (BgA) Flughafen der Hansestadt Lübeck. Ocker: Gewerbegebiet Flughafen, im Besitz der KWL (oder bereits verkauft?)

Wobei so ein Treppenwitz übrigens ist, daß die externen Flughafengrundstücke in G4 eigentlich für Flughafen-Parkplätze vorgesehen waren… braucht man die jetzt vielleicht nicht mehr, wird es doch nichts mit den über 5 Mio. Passagieren pro Jahr? Oder 3 Mio.? Oder 1 Mio.? Hey, mit 500.000 wären wir ja schon zufrieden…

Und wieso braucht man dort überhaupt Gewerbegebiete? Im Falle von „Flughafen West“ heißt es:

Mit dieser Fläche könnte eine mögliche Dynamik im Flughafenumfeld aufgenommen werden. Sie ermöglicht eine sukzessive Entwicklung von Bauabschnitten, die sich in unmittelbarer Nähe zu Flughafengebäuden und Bahnhaltepunkt befinden.

Mögliche Dynamik, my ass! Nochmal die Frage: wird es doch nichts mit den über 5 Mio. Passagieren pro Jahr? Oder 3 Mio.? Oder 1 Mio.? Hey, mit 500.000 wären wir ja schon zufrieden…

Jetzt fehlt eigentlich nur noch etwas, um den ganzen realen Irrsinn zu entlarven. Wenn demnächst das städtische Beteiligungs-U-Boot KWL käme und den Besitzern der Grundstücke in den geplanten Gewerbegebieten (inklusive PuRen!) ihre Ländereien für etliche Millionen abkauft, um dort Gewerbegebiete zu entwickeln – tja, dann werde ich wohl endgültig zum Verschwörungstheoretiker. Tut mir leid.

Und was wird jetzt aus der Glasfaserfabrik im komplett leerstehenden Gewerbegebiet am Flughafen, formerly known as Airport Business Park – und das Gelände gehört doch bereits der KWL?

Lübeck. Die Dooffühlhauptstadt. Aber echt.