NOlympia!

Sollten Sie am Wochenende etwas Zeit haben, empfehle ich dringend folgende Lektüre: (N)Olympia-Hamburg und Nolympia. Allein schon, um dem täglichen, beispiellosen Propagandagewäsch der hiesigen Wirtschaft in der Monopolpresse zu entgehen. Um eine derartige Kampagne zur Planübererfüllung schon mal erlebt zu haben, müßte man wohl in der DDR aufgewachsen sein. Und ja, das ganze hat auch mit dem Lübecker Pleiteflughafen zu tun.

Ein (allerdings verständlicher) Fehler, den ich mir als Flughafen-Skeptiker vorwerfen muß, und vielleicht auch Gleichgesinnten: wir hinken immer hinterher. Natürlich haben weder die Verwaltung der Stadt noch die Geschäftsführung der Landewiese irgendjemanden jemals über ihre geplanten Tricksereien informiert. Im Nachhinein frage ich mich aber: hat uns vielleicht nur die Phantasie gefehlt? Nichts ist so lächerlich, als daß es nicht doch irgendwann mal vorgeschlagen werden würde. Brandgefährlich in der Hinsicht ist die Bewerbung Hamburgs zur Austragung der Olympischen Spiele 2024, selbst wenn Travemünde nicht den Zuschlag als Segelrevier bekommen sollte.

Wenn‘s blöd kommt, und es kommt erfahrungsgemäß stets blöder als man denkt, würde angeblich mal wieder die hiesige Landewiese dringend als Ergänzung zu Hamburg-Fuhlsbüttel benötigt – was aus Sicht der Akteure selbstverständlich den Einsatz staatlicher Subventionen rechtfertigen würde. Und das über Jahre oder gar mehr als ein Jahrzehnt. Der derzeitige Investor könnte das möglicherweise brutal zum Abkassieren nutzen. Aber das wird ein separater Artikel.

Die Bewerbung Hamburgs für die Spiele 2024 wird allgemein als chancenlos angesehen. Es gibt Gründe, warum man es trotzdem tut; mehr dazu unter den genannten Links. Allgemein wird eine erneute Bewerbung für 2028 erwartet; über die wird voraussichtlich erst im Jahr 2021 entschieden werden. Mindestens bis dahin schwebt über uns dann das Gespenst einer Offenhaltung der Landewiese um jeden Preis.

Vorgeschlagen wurde offenbar sogar, für den überschüssigen Olympia-Flugverkehr den Flughafen Hamburg-Finkenwerder zu nutzen, also den Werksflughafen der Firma Airbus. Die wird sicherlich gerne bereit sein, den halben Sommer 2024 oder 2028 über die von dort ausgehenden Test- und Auslieferungsflüge einzustellen. Mal abgesehen davon, daß man dort vermutlich keine großen Passagierzahlen landseitig abfertigen kann.

Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob Hamburg die Besucherströme über Fuhlsbüttel wird abwickeln können. Die Karte Lübecks als der „dritten Landebahn“ für Hamburg wird auf jeden Fall gespielt werden, so unsinnig das auch sein mag. Es wird nach Fördermitteln gesucht, geschrieen, gebettelt werden, vom Land, vom Bund, von der EU – und dann wird betont werden, die Stadt müsse ja gar nichts dazu bezahlen.

Und? Das ist doch sch…egal! Aus Steuergeldern käme die Finanzierung auf jeden Fall, und was an auswärtigen Subventionen in die Olympischen Spiele gesteckt wird, wird zwangsläufig woanders fehlen.

Ach ja, der Herr Bürgermeister und andere Olympia-Afficionados verweisen immer wieder gerne auf die Finanzierung sowohl der jetzigen Propaganda als auch der eigentlichen Spiele durch die „Privatwirtschaft“. Kann es sein, daß es sich dabei auch um Unternehmen handelt, die de jure privatwirtschaftlich organisiert sind, sich aber mehrheitlich oder komplett im Besitz der Hansestadt Lübeck befinden, wie z.B. das Beteiligungs-U-Boot KWL? Nur so eine Frage.

Wußten Sie schon? Die Hansestadt Lübeck ist an 39 Gesellschaften mittelbar oder unmittelbar beteiligt, darunter laut Beteiligungsbericht 2014

    • KWL GmbH (100%)
    • Stadtwerke Lübeck Holding GmbH (100%)
    • Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (90%)
    • Lübecker Hafen-Gesellschaft mbH (62,5%)
    • Lübecker Musik- und Kongreßhallen GmbH (90%)
    • Wirtschaftsförderung Lübeck GmbH (70%)

Da ließe sich doch sicherlich etwas drehen. Natürlich würde das Engagement dieser „Privaten“ letztlich die Stadt bezahlen, oder genauer: jeder Bürger. Das selbe gilt für Zuschüsse von Land, Bund oder EU.

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

2 Antworten auf „NOlympia!“

  1. Mit der heutigen Berichterstattung hat sich das Thema für Lübeck und Travemünde wohl endgültig erledigt. Es wird wohl nur noch mit Kiel bei der Olympiabewerbung zusammen gearbeitet.

    1. So ist es, aber natürlich wird man weiterhin darauf hinweisen, daß Hamburg und Kiel die hiesige Landewiese unbedingt für die Abwicklung von Olympischen Spielen bräuchten. Wollen wir wetten?

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