Poor Lonesome Cowboy

„Wenn es in Schleswig-Holstein um chinesische Investoren geht, taucht immer wieder Andreas Thiede auf. Nicht alles läuft wie geplant, doch Thiede verteidigt sein Engagement,“ so ein Beitrag im Schleswig-Holstein-Magazin des NDR am 13. September 2015 unter dem Titel „Der Traum vom großen Geschäft mit China“. Natürlich durfte da die Lübecker Landewiese nicht fehlen.

Neuigkeiten erfuhr man nicht unbedingt, bekam aber immerhin den Eindruck, daß die teilweise schon kindlich-naiv wirkende China-Euphorie einiger Politiker der letzten Jahre nun vielleicht doch einer etwas realistischeren Einschätzung gewichen sein könnte. Die ursprüngliche Goldgräber-Stimmung war seinerzeit nicht nur bei Herrn Thiede auszumachen, seines Zeichens Lauenburger Bürgermeister, sondern offenbar in einem ganzen (Partei-)Netzwerk – das Hamburger Abendblatt titelte am 12. Juli 2014 immerhin: „China-Connection der CDU will Flughafen retten“. CDU, Chinesisch-Deutsche Union?

Der NDR-Beitrag konzentriert sich jedoch auf Herrn Thiede, der sich vor etwas über einem Jahr damit rühmte, den Flughafen-Deal eingefädelt zu haben, und zählt die drei berühmten Projekte unter Beteiligung chinesischer Investoren auf, die nicht so recht vorwärts kommen:

  • das Textil-Outlet-Center in Schwarzenbek (es hat jetzt immerhin 10 Mitarbeiter statt bisher 8, fehlen also nur noch 990 zur ursprünglichen Ankündigung);
  • das Luxushotel in Lauenburg;
  • und eben die Lübecker Landewiese.

Positive Gegenbeispiele für erfolgreiches chinesisches Investment in Schleswig-Holstein, sollte es sie geben, erwähnte der Beitrag nicht. Dabei wäre das doch mal eine gute Gelegenheit gewesen.

Unausgesprochenes Fazit des Beitrags: Thiede hat‘s doch nur gut gemeint – woran ich keinen Moment zweifle, aber „gut gemeint“ ist eben manchmal auch nicht unbedingt ein Lob. Man könnte trotzdem sagen, egal – Pech gehabt, Schwamm drüber. Zu dem Schluß werden die meisten Zuschauer wohl gekommen sein. Leider.

Da war noch was…

Denn ein ganz zentraler Punkt blieb unerwähnt. Lockt man Investoren, ob nun aus China oder nicht, nur mit schönen Worten?

„Ich hole Sie vom Flughafen ab, ich fahre das Auto, trage den Koffer und bringe Sie auch ins Bett“, gab sich Thiede locker und sicherte Unternehmen volle Unterstützung zu.

Bergedorfer Zeitung, 29. November 2014

In allen Fällen wurden Verträge in pompösen Zeremonien unterzeichnet. Was steht in den Verträgen? Wohl mehr als nur die Verpflichtung des Herrn Thiede als Chauffeur, Kofferträger und Gute-Nacht-Geschichten-Erzähler.

Im Fall der Landewiese Lübeck ist die Antwort jedenfalls klar. Der Investor bekam etliche Grundstücke in der Umgebung des Flughafens (die vermutlich einen zweistelligen Millionenbetrag wert sind) fast geschenkt – und obendrauf 5,5 Milliönchen an „Investitions“-Zuschüssen zugesagt, die jedoch für fast jeden Zweck verwendet werden können. Einmal gezahlt, wäre das Geld im Falle eines Mißerfolgs einfach weg. Ob und wie viel die Stadt bereits ausgeschüttet hat, ist nicht bekannt.

Die Sache mit den Grundstücken ist komplizierter, festzuhalten ist aber, daß sie der ehemalige städtische Betreiber Flughafen Lübeck GmbH (FLG) mit Geld gekauft hat, das letztlich der Steuerzahler aufbringen mußte und noch viele Jahre aufbringen muß. Wie bereits erwähnt, muß die Hanselstadt™ für die finanziellen Altlasten des Flughafens jährlich rund 2,5 Mio. Euro an Zinsen und Tilgung aufbringen (Produkthaushaltsplan der Hansestadt Lübeck 2014).

Gut gemeint?

Also: „gut gemeint und Pech gehabt“ greift etwas zu kurz, jedenfalls im Fall des Flughafens, sollte dort – mal wieder – etwas schiefgehen. Herr Thiede meint jedenfalls, er bereue nichts, denn „wir sehen immer erst die Chance und dann das Risiko.“ Man wird allerdings fragen dürfen, ob Lokalpolitik, zumal wenn sie von einer angeblich konservativen Partei verantwortet wird, sich wirklich so verhalten sollte.

Man bekommt dann nämlich leicht zu tun mit Risikokapitalgesellschaften, und die Grenzen zu Schattenbanken sind fließend. Gerade im Geschäft mit China, das nicht mal in der Lage ist, belastbare makroökonomische Daten vorzulegen, bewegt man sich eher im Blindflug… in welcher Richtung auch immer. Und wer behauptet ernsthaft, sich dort mit einzelnen Firmen auszukennen, wie z.B. mit der China PR Group? Mit Personen wie dem Ehepaar Chen, den Inhabern des Flughafenbetreibers PuRen Germany? Nachforschungen von hier aus sind jedenfalls komplett zwecklos.

Zahlt man einfach mal eben 5,5 Mio. Euro an einen Geschäftspartner, den man nicht kennt, und der seit einem Jahr nichts weiter als Schwierigkeiten macht, erläßt ihm womöglich sogar die Pacht? Puh.

Da haben einige unserer Lokalgrößen sich wohl von persönlichen Kontakten und bombastischen Shows, die laut Auskunft Anwesender (inklusive Senator Schindler) an Bambi-Verleihungen erinnerten, blenden lassen. Nur sind die in China sehr kostengünstig zu inszenieren.

2 Antworten auf „Poor Lonesome Cowboy“

  1. Die Connection ist viel größer. Wenn man mal recherchiert, wieviele Hamburger und Schleswig-Holsteiner Politiker Connections nach Shanghai (Bauausstellung) oder China haben, kommen ganz andere Storys raus. Wundert mich, dass der NDR das nicht gefunden hat.
    Schade dass ich diese Blog erst jetzt gefunden habe, aber meine politisch aktive Zeit ist vorbei. Da hätte ich so jemanden gebraucht.

    1. Danke für die Blumen, aber um Mißverständnissen vorzubeugen: es geht hier wirklich nur um den Lübecker Flughafen (und ein bißchen drumherum). Was den von mir konkret genannten NDR-Beitrag angeht: der behandelte eben nur Herrn Thiede, und in 5 Minuten kann man wohl auch nicht mehr unterbringen. Es gäbe abseits von Lübeck sicherlich noch viel Interessantes zu entdecken, das überlasse ich aber anderen.

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