Hörfunk-Tips (ja, wirklich!)

Solange in Lübeck noch der Pulverdampf der letzten Scharmützel am Rollfeld Blankensee wabert (deren Aufarbeitung wohl noch lange dauern wird), sei den Kombattanten eine knappe Stunde Kampfpause empfohlen, die sie am Sonntag vor dem guten alten Dampfradio verbringen können, aber auch vor dem Computer. „Ryanair hebt ab“ ist der Titel einer Hörfunk-Dokumentation (neudeutsch: Radio-Feature), die sich vor allem mit den fast ausschließlich vom Billigflieger (auf Steuerzahlers Kosten) genutzten Flughäfen in Deutschland befaßt. Anzunehmen ist, daß der Lübecker Sozialflughafen darin prominent vertreten sein wird. Das bundesweite Kopfschütteln über die immer absurderen Phantastereien gewisser Kreise in Lübeck geht also weiter. (Hat eigentlich schon jemand den Bund der Steuerzahler informiert?)

Aus der Ankündigung der ARD:

Billig zu fliegen kann den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Das zeigen die Autoren Achim Nuhr und Andrea Steinert auf ihrer Reise zu deutschen Regionalflughäfen wie Weeze (Niederrhein), Frankfurt-Hahn oder Lübeck. … Eine Stadt wie Lübeck – schon hoch verschuldet – will in ihren Flughafen investieren, um ein attraktives Flugziel für Ryanair zu sein. Man erhofft sich einen Massenansturm der fliegenden Schnäppchenjäger und Touristen für die alte Hansestadt. Doch die Gefahr ist groß: Beugt sich der Airport nicht den Forderungen der Fluglinie nach „guten Bedingungen“ wie etwa geringen Gebühren, droht sie mit Abzug. Das Risiko trägt der Steuerzahler – wie „das ARD Radiofeature“ auch in Nordrhein-Westfalen („Airport Weeze“) und Rheinland-Pfalz („Frankfurt-Hahn“) belegt. Während die kleinen Flughäfen mit Subventionen am Leben gehalten werden, schwingt sich Ryanair-Besitzer Michael O’Leary zu neuen Zielen auf.

(Kleine Korrektur: Mr. O’Leary hält weniger als vier Prozent der Ryanair-Aktien, ist also bestenfalls Miteigentümer, aber natürlich immer noch Geschäftsführer des Unternehmens.)

Etwas verwunderlich die Ankündigung des NDR, der die vom Hessischen Rundfunk produzierte Sendung ebenfalls ausstrahlt:

Der 120 km südwestlich von Frankfurt gelegene Airport Frankfurt-Hahn ist der deutsche „Lowcost“-Flughafen von Ryanair. Gewinne und Verluste sind zwischen Fluglinie und Flughafen eindeutig verteilt: Ryanair-Chef Michael O’Leary verdankt seine satten Gewinne auch den extrem niedrigen Abfertigungsgebühren in Frankfurt-Hahn. Der Flughafen macht dagegen jährlich Millionen Euro Miese. Das Feature recherchiert die Subventionsströme und zeigt, wie es dem gewieften Ryanair-Chef gelingt, sich dauerhaft subventionieren zu lassen.

Kein Wort von Lübeck, das immerhin im NDR-Sendegebiet liegt? Merkwürdig. Wer es gar nicht abwarten kann, hört die Sendung auf NDR Info am 31.10.2010 um 09:05 Uhr auf der UKW-Frequenz 95,9 MHz. Leider sind die Sender von NDR Info in der Region alle recht schwach auf der Brust, sodaß je nach Empfangsstandort die Frequenzen 92,3 MHz, 96,6 MHz, 96,8 MHz und 105,3 MHz besser reinkommen können.

Wer lieber etwas länger schläft, kann sich die Sendung am selben Tag auch ab 19:00 Uhr im Internet anhören oder herunterladen.

Mit den Problemen „auf dem Hahn“ befaßte sich jüngst auch das Hörfunkprogramm SWR 1 Rheinland Pfalz unter dem Titel „Ende des Höhenflugs für den Hahn“ (MP3-Format; knapp 13 Minuten).

Für die beiden erwähnten Sendungen gilt leider das, was für alle Beiträge öffentlich-rechtlicher Medien im Internet gilt: sie müssen aufgrund einer völlig willkürlichen, verbraucherfeindlichen Regelung der Länder nach einer gewissen Zeit gelöscht werden. Die angebenenen Links werden also nicht für alle Ewigkeit gültig sein.